Autor: Astarte

Titel: Coming to terms

Altersfreigabe: NC-17

Teil: 4/7

Spoiler: up to Lost 1x23 - 1x25 Exodus Part 1-3, Sequel zu ‘Bad Habit’ und Jules wunderbarem ‘Miles and Miles of Mountains’

Inhalt: Transformation ist nie eine Frage der Umstände. Selten des Überlebens. Immer des Willens.

Hauptcharakter(e)/Paar(e): Jack/Sawyer

Disclaimer: Sie gehören mir nicht... Alles Damon Lindelof,  J.J. Abrams und ABC!

Kommentar: Spielt ein bis zwei Wochen nach Jules ‚Miles and Miles of Mountains’ und wir arbeiten uns langsam von Pseudo-Porn zu Porn vor. Yeeah, whatever! Seit wann glaubt ihr mir ein Wort?

 

Coming to terms

 
Perfect body, perfect smile – 
Your touch renders me servile, I love the – 
 

Sawyers Hand, die dich an deinem Arm zurückzieht, ist dir zwischenzeitlich so vertraut, wie deine eigene, du lachst noch bevor sein Gesicht vor deinen Augen auftaucht, „Zehn Punkte fürs Anschleichen, drei Punkte Abzug für den Ort.“

 

„Ich würde mindestens vier abziehen.“ Sein Grinsen ist pure Lüsternheit und du wunderst dich für einen Moment amüsiert, ob du in die Knie gehen sollst, nur um es von seinem Gesicht zu wischen und durch etwas Wahreres zu ersetzen. Aber eure Rollen in diesem Stück sind festgeschrieben oder zumindest in dieser neuen Variante. Er leistet die Überzeugungsarbeit, du versuchst vernünftig zu sein und ihr landet irgendwo in der Mitte des Arguments, das eigentlich keines ist.

 

Bis jetzt warst du Sieger, denn das Geheimnis ist noch immer eures.

 

Mit ein paar Ausnahmen. Sayid und Locke hatten beide ihre eigenen Gründe dich und dein Umfeld genau im Auge zu behalten und Sawyer ist nicht so einfach darin zu übersehen oder zu erklären. Ihr kontrastiert zu hart an der Oberfläche, um keine tiefere Verbindung zu haben, die über das lose Label ‚Freunde’ hinausgeht, das die meisten euch angehängt haben. Die Diskretion der beiden ist relativ und du weißt, dass du dich früher oder später mit den Konsequenzen herumschlagen musst, aber nicht jetzt. Es ist noch immer einfach die Verantwortung in Gegenwart des Mannes vor dir abzustreifen und es hat nichts von seinem befreienden Charme verloren.

 

Sawyer nimmt einen weiteren Schritt nach vorne und ist in deinem persönlichen Bereich. Dein Körper reagiert und dein Verstand verabschiedet sich mit derselben untrüglichen Sicherheit, wie all die Male zuvor. Er weiß, dass er dich hat. In mehr als einer Weise, einladend, „Komm schon, Doc, Dschungel ist Dschungel.“

 

Deine Augenbraue geht hoch, bevor du sie halten kannst, spöttisch, „Das hier ist so öffentlich, wie der Hollywood Boulevard, Boyscout.“

 

„Tsk, immer der Spielverderber.“ Er grinst ohne Sarkasmus, gibt deiner Logik dennoch nach und manövriert dich entschlossen ein Stück weiter in den Wald und dann gegen den nächsten Baum, der nicht in direktem Blickfeld des Pfades liegt. Seine Lippen sind auf deinem Hals fixiert, das Tuch wegschiebend, das seine vorigen Attacken überdeckt und nope, es ist nicht gerade bequem bei 35° Celsius und 97% Luftfeuchtigkeit mit mehr Stoff als nötig durch die Gegend zu wandern.

 

Die Opfer, die du für ihn bereit bist zu bringen, sind unzählig und du lachst leise unter seiner Attacke. Während er beginnt beharrlich an deinen Knöpfe rumzunesteln, hakst du amüsiert nach, „Könntest du mit den Folgen umgehen, wenn wir nach deinen Regeln spielen würden, Sawyer?“

 

Er lässt ein abfälliges Geräusch hören, bevor er antwortet, „Die Gefahr erwischt zu werden, ist der halbe Spaß.“

 

„Yeah, seit wann?“ Denn du kannst dich noch ziemlich genau an eine Zeit erinnern, als er bei jedem Geräusch nervös über die Schulter geschaut hat, wenn er nicht zu weit weg für Vorsicht war. Obwohl ihr damals im Vorfeld umsichtig wart.

 

Sawyer legt es in der letzten Woche darauf an in flagranti erwischt zu werden und du weißt nicht, was seine neue exhibitionistische Ader genau ausgelöst hat, aber sie ist definitiv da. Solange du auf deine Kosten kommst, ist dagegen nur wenig einzuwenden. Vielleicht wäre es tatsächlich leichter für ihn, wenn jemand anders dieser Beziehung einen Namen gibt und ihm einen Stempel aufdrückt, gegen den er sich mit Händen und Füßen wehren kann. Verbal oder körperlich, anstatt ernsthaft darüber nachzudenken, was er in deiner Nähe sucht.

 

Außer Sex mit einem Mann und das muss für ihn schlimm genug sein.

 

Seine Erwiderung besteht in einem versengenden Kuss und vielleicht ist es wirklich so simple wie es in Momenten, wie diesem erscheint. Denn obwohl er nichts erklärt, sind die Antworten klar. Genug Konversation für den Augenblick, Zeit sich auf eine urtümlichere Sprache zu besinnen.

 

Dein Mund öffnet sich, so wie deine Sinne. Nimmst all die Einzelheiten auf, die du gelernt hast mit Sawyer in Verbindung zu bringen. All die Kleinigkeiten, die ihn für dich unverwechselbar machen und dich härter unter seinen Händen werden lassen. Feuchtigkeit, Salz und Hitze. Sein maskuliner Geruch ist der chemische Katalysator für eine hormonelle Kettenreaktion in deinem Blut und du kannst dich nicht gegen ihn immunisieren. Purer Sex. Unanfechtbare Erotik in jeder Berührung und du bist unter seinem Bann. Er hat Kontrolle und Verantwortung eindeutig, als die Droge Nummer eins deiner Wahl ersetzt.

 

Augen geschlossen und seine Bartstoppel, die gegen deine reiben. Seine Zähne, die deine Unterlippe festhalten, bevor er deine Zunge mit seiner einfängt. Seine Hand nur durch den Stoff deiner Boxer von deinem Schwanz getrennt und du schnappst nach Luft. Nimmst einen weiteren Zug Sawyer in dich auf und bevor du bodenlos in seine Kontakt fällst.

 

Fuck, er ist zu gut darin geworden, dich um den Verstand zu bringen.

 

Deine Finger sind verloren in seinem Haar und du presst dich enger an seinen Körper. Willst mehr Druck, mehr Widerstand und er verlagert sein Gewicht gegen dich. Lässt endlich die Boxer hinter sich und dein Puls stockt kurz, als du nackte Haut gegeneinandergepresst fühlst, bevor dein Herzschlag davon galoppiert. Seine Erektion hart gegen deinen Hüftknochen, seine Zunge tief in deiner Mundhöhle und du lockerst deinen Griff um seinen Kopf, konzentrierst dich auf ein lohnenderes Ziel. Etwas Greifbareres. Deine Hand ist über seiner Jeans, dann darin. Sein Stöhnen auf deiner Zunge und du wirst dich nie an die Süße, dieses Geräusches gewöhnen, wenn du das erste Mal deine Finger fest um seidige Härte legst.

 

Aber es ist nur eine Einzelheit von vielen, die dich fesselt und du weißt, dass das hier schnell und zielgerichtet ist. Deswegen nicht weniger befriedigend. Sawyer ist der Meister der Quickies, zumindest in deiner Lebenserfahrung und du fühlst, wie ihr die Kontrolle verliert, während euer Rhythmus an Stärke gewinnt.

 

Gott, ihr seid zu gut, wenn ihr beide die Rollen von Dominanz und Unterwerfung abstreift.

 

Du fühlst das Prickeln, das von deiner Hand ausgeht und sich über deinen Körper verteilt. Die Flammen, die an deiner Haut lecken und vielleicht seid ihr im Fegefeuer der guten Absichten, aber du fühlst, wie sich dein Orgasmus pulsierend aufbaut und seiner, als ob er ebenso Teil von dir ist. Hörst, wie sein Atem stockt, bevor er dir die Luft aus den Lungen saugt und da ist das Keuchen, deine Finger schließen sich zu einer noch festeren Faust. Dein Daumen kreist auf der Spitze und er flucht und du bist selbst zu weit weg, um zu grinsen, kannst nur mit ihm zusammen kommen.

 

Brutal, heftig und intensiv. Kühlende Tropenschauer.

 

Erschütterungen, die sich verlangsamen und zum Stillstand kommen. Träge Zungen in der Folge. Du bist noch nicht bereit, irgendjemand entgegenzutreten und ihr seid zu nah an den Höhlen. Deine verkrampfte Faust in seiner Mähne löst sich, deine Finger streichen durch sein nasses Haar. Sein wirklich nasses Haar. Du öffnest die Augen und nimmst den heftigen Regenschauer war, der in den letzten Minuten eingesetzt hat. Beendest den Kuss, der ihn vor einer Erwiderung rettete und er sieht schutzlos aus, wie immer nach einem eurer Encounter. Etwas das dich ebenso entsetzt, wie einnimmt.

 

Wartest auf den Moment, in dem er die großspurige Maske wieder aufsetzt und die Arroganz in seine Miene zurückkehrt. Nur dauert es immer länger, bis Sawyer den Griff um seine Gefühle zurückbekommt und du beneidest ihn nicht um die Konfusion, die du öfters in seiner gesamten Haltung wahrnimmst. Das hier ist ziemlich abgefuckt und du würdest es beenden, wenn es nicht zur Sucht geworden wäre. Zu gut zum wegwerfen. Das hier führt zu etwas, das aus mehr als gestohlenen Höhepunkten im Dschungel besteht und du bist ebenso schlecht wie er, wenn es mehr als Sex ist.

 

Ebenso unfähig in den richtigen Augenblicken zu puschen oder zurückzustecken.

 

Ebenso starr vor Angst, dem hier einen Namen zu geben, der über regelmäßigen Sex oder eine Affäre hinausgeht und es sind diese Minuten, wenn eure Abwehr unten ist und es sich richtig anfühlt, ihn anzufassen. Ihn in deiner Nähe zu halten, die in dir den Wunsch wecken zu flüchten. Solange und so hart, bis du ihm entkommen bist. Die dich gleichzeitig im Hier verankern. An seiner Seite.

 

Deine Fingerspitzen fahren über die Linie seines Kinns und er öffnet die Augen. Blaugrau und du kennst die Stimmung, die unter dieser Farbe liegt und du fragst dich manchmal, ob er sich darüber klar ist, wie viel seine Augen absichtslos über ihn verraten. Lehnst dich vor, lässt deine Zunge spielerisch sanft über seine Lippen gleiten, nichts fordernd. Nichts begehrend und er öffnet sich unter deiner Zärtlichkeit, die Fassade noch immer nicht intakt und du erforscht seinen Mund langsam, ausgiebig, bevor du dich von ihm löst.

 

Der Regen fällt stetig, füllt die Stille zwischen euch und die Spuren, die er auf Sawyers Gesicht hinterlässt, erinnern dich an Tränen und du würdest über die sentimentale Neigung lachen, wenn sie nicht so real wäre. Wenn das hier nicht so verflucht kompliziert geworden wäre.

 

Räusperst dich zweimal bevor du deiner Stimme traust, „Du gehst zum Strand?“

 

Er nickt und du fährst fort, „Ich hole Vincent und Walt.“

 

Sawyer weicht vor dir zurück, nicht mehr als die Spannung, um seinen Mundwinkel und in seinen Muskeln, die wieder da ist. Du weißt nicht, warum ihn der Junge so unbehaglich fühlen lässt, aber du hast nicht von ihm erwartet, dass er euch begleitet und du korrigierst seine falsche Annahme. „Ich habe für heute Nacht was geplant. Ich denke, es wird dir gefallen, deshalb warte auf mich am Strand. Ich hole dich ab, wenn wir für die Nacht aufbrechen, okay?“

 

„Aye, aye, Captain.“ Das spöttische Grinsen, das sein Markenzeichen ist, kehrt zurück und du fragst dich, ob es immer so fake ausgesehen hat. „Wir haben ein Rendevouz.“

 

Du kneifst die Augen zusammen, versuchst das absolute Nichts seines Tons irgendwo einzuordnen. In Hohn oder einen missglückten Stich gegen deine Wortwahl. Gott, wenn dich nur jemand gewarnt hätte, wie verflucht vielschichtig Sawyer sein würde, dann hättest du dich vorher mit Coming-Out-Lektüre eingedeckt, anstatt wahllos Zeitschriften am Flughafen zu kaufen, die du nie gelesen hast. Nachhakend, „Sehe dich also später?“

 

„Später.“

 

Ein halbes Winken von ihm und er ist verschwunden, wieder auf dem Pfad und du bringst deine Klamotten in Ordnung. Dein Blick fällt auf die glitzernde Flüssigkeit aus dem Baumstamm und wunderst dich nicht zum ersten Mal, wie ihr es schafft, so eng beieinander zustehen, miteinander zu kommen und euch nicht gegenseitig mit eurem Sperma abzuschießen, wenn ihr angezogen seid. Manche Geheimnisse sollten ohne Auflösung bleiben und du schüttelst den Kopf und trittst wieder auf den Weg zu den Höhlen.

 

The way you speak to me, so sweet yet obscene.
The way you smell of chlorine.

 

Den Ball werfend, wendest du dich lächelnd dem Jungen an deiner Seite zu.

 

Du redest mit Walt, versuchst ihn aus seiner isolierten, kleinen Welt herauszuholen und er erinnert dich an einen autistischen Härtefall, nur weißt du, dass es eine Phase ist, die vergehen wird. Ein Schneckenhaus, das ihn nicht ewig halten kann. Denn du kannst dich an ein Vorher erinnern und einen gelangweilten Jungen, der einen Flugzeugabsturz als nicht weltbewegend genug für Panik empfunden hat und sich leichter an die Umstände angepasst hat als alle Erwachsenen.

 

Die anderen Überlebenden gehen Walts durchdringendem Blick gerne aus dem Weg, sogar Locke und du suchst ihn indessen, zusammen mit Vincent. Shannon sorgt noch immer hauptsächlich für den Hund, aber sie hat nichts dagegen, wenn du ihn nachmittags ausleihst.

 

Walts Blick bringt dich nicht aus der Fassung und du empfindest nicht die gleiche blinde Verzweiflung für eine sofortige Besserung seines Zustandes wie Michael. So lässt du dich in Seelenruhe von ihm auseinander nehmen und neu zusammensetzen. Du fragst dich nur selten, was Walt in dir sieht, während der Labrador den Ball apportiert und du ihm sinnlose Tricks beibringst, um die Zeit zu überbrücken bis Walt seiner Stimme wiedertraut. Du siehst ab und zu den Jungen aufblitzen, den du kanntest. Öfters je länger du ihn beobachtest und ihn mit zensiert belanglosen Geschichten aus dem Inselalltag zutextest oder deines Lebens. Anekdoten, die keine unmittelbare Antwort verlangen.

 

Der Tag, an dem er dir den Geist eines Lächelns gegeben hat, war ein guter Tag für dich.

 

Heute hat er dir ein Ganzes gegeben und du fühlst dich dementsprechend. Walt hat sich an die neue Routine gewöhnt, dass ihr ihn nicht mehr ganz aus den Augen lasst und du schickst ihn zu Michael, als die Schatten beginnen länger zu werden. Der Schwarze gibt dir ein Winken, bevor er sich weiter mit Jin verständigt, einen Arm locker um die Schultern seines Sohnes gelegt. Instinktiv beschützend und du nimmst das Bild in dich auf und fragst dich für einen Augenblick, ob deinem Vater und dir ein Flugzeugabsturz in dem Alter geholfen hätte, um eure Beziehung zu kitten.

 

Lässt deine Augen über den Strand wandern und nickst beiläufig Kate zu, nicht an einer Unterhaltung interessiert, wenn sie kein wichtiges Anliegen hat. Sie erwidert es diplomatisch und du drehst dich dem Meer zu, bevor du beginnst dich bis auf die Boxer auszuziehen und in die Brandung zu waten. Spürst Sawyers Augen im Rücken, aber du bist noch nicht ganz so weit die Führungsrolle für heute hinter dir zu lassen und deine Pläne für diese Nacht werden dir nicht davonlaufen. Nicht wenn er es nicht tut.

 

Sawyer ist gelassener geworden. Manchmal sogar gut im Warten.

 

Du stößt dich vom sandigen Grund ab und beginnst zu schwimmen. Ein gutes Stück hinaus und dann parallel zum Ufer, eine neue Art der Routine für dich oder ein Ersatz für das Fitnessstudio daheim. Nur waren deine Gründe hierfür dunkler als Eitelkeit und der Wunsch in Form zu bleiben. Es ist nicht so, als ob du viel überschüssige Energie hättest, aber das Schwimmen hilft dir den Kopf zu klären. Dieser Moment des Tages gehört dir allein, wenn du nicht von einer mittleren Katastrophe davon abgehalten wirst und hilft dir deine Prioritäten und Listen des vergangenen Tages neu zu ordnen.

 

Walts Fortschritte sind langsam, aber die Heilung ist da und das ist genug.

 

Du hast getötet für ihn, nicht nur einmal. Fünf Mal um genau zu sein. Du denkst, dass es dich mehr beunruhigen sollte, aber wenn du ehrlich bist, hat das verschärfte Alte Testament seinen Reiz für dich. Ist eine Philosophie, die dich hier nicht um den Schlaf bringt, ebenso wenig wie Sayid. Vielleicht werden sich die Alpträume erst dann einstellen, wenn du wieder daheim in deinen ägyptischen Laken liegst und die trockene Luft der Klimaanlage einatmest. Aber daheim ist momentan genauso weit weg für dich wie Gott oder der Himmel. Ein hypothetisches Konstrukt aus Hoffnung und Glauben, nicht greifbar. Deine Schuld genauso unsichtbar, wie das Blut der Anderen, das an deinem Messer klebte. Weggewischt in Sekunden. Durch neues ersetzt, die stählerne Klinge nie wirklich einfärbend.

 

Du redest nicht darüber, wie ihr Walt gefunden habt und warum die Anderen keine akute Bedrohung mehr in deinen Augen symbolisieren. Denkst, dass wenn ihr die Gefahr nicht endgültig ausgelöscht habt, ihr dem Rest zumindest die unmissverständliche Warnung mitgegeben habt, dass sie nicht ungestraft die euren entführen und verschleppen können. Du hast deine kurzgefasste Erklärung heruntergerasselt als ihr wieder im Camp wart, eurer Gruppe die Eckinformationen mitgeteilt. Sahst keinen Anlass für Diskussionen und blutige Einzelheiten, bist dann in die Höhlen und zu deinem relativen Alltag zurückgekehrt. Es war noch nicht einmal eine vorsätzliche Entscheidung von Sayid und dir, die das komplette Camp der Anderen in einer sternklaren Vollmondnacht auslöschten.

 

Nur die Gewissheit, dass dies nicht die Zeit für Fragen und Verhöre ist.

 

Euch beide ein Geräusch unweit eures Nachtlagers geweckt hattet. Die unnatürliche Sicherheit, dass dieses Unterfangen nur für euch bestimmt war. Sayid und du durch die Nacht geschlichen seid, wie ein Wesen mit einer Mission. Ihr dem Klang lautlos gefolgt seid, Michael und Sawyer schlafend hinter euch lassend. Ein Knacken und Rascheln im Laub, etwas das von einem Tier hätte stammen können, nur wusstet ihr instinktiv, dass dem nicht so ist und dass ihr keinem Mensch folgt, sondern etwas anderem. Etwas das euch lockt und primitiv ist. Eine kuriose Neugier dafür entwickelt hat, wie ihr auf Stress in Ausnahmesituationen reagiert. In allem ein Spiel zu sehen scheint, in dem es Gewinner und Verlierer geben muss.

 

Du wusstest nur, dass ihr keine Zeit habt und eure Hände tödlich genug sind.

 

Ein Wissen, das sich bestätigte. Zwölf Menschen starben in dieser Nacht und ein kleines Stück von dir.

 

Als ihr im Morgengrauen mit Walt ihm Schlepptau an der Küste auftaucht seid, hatte sich dennoch nichts grundlegend verändert. Du wecktest Michael und übergabst ihm seinen Sohn und hast einen Moment in der roséfarbenen Morgensonne gestanden. Der Ozean war genauso eine Schattierung aus Blau, der Dschungel genauso eine Abstufung aus Grün und die Sonne genauso eine strahlende Bronzescheibe und dein Blick suchte das Schwarz und Weiß dieser Nacht.

 

Der einzige Ort, in dem du es gefunden hast, waren Sayids Augen. Du hörtest mit halbem Ohr der seltsamen Mischung aus Lachen und Schluchzen zu, die nur ein Vater von sich geben kann, der meinte seinen Sohn für immer verloren gehabt zu haben. Du kanntest das Geräusch. Es hat dich dann in LA begrüßt, wenn du nach einer stundenlangen OP, den Eltern das glückliche Ende einer komplizierten Operation mitteilen konntest.

 

Sawyer nahm dagegen stumm das Blut auf, das ihr bereit wart für einen der euren zu vergießen. Für einen Jungen und stellte keine Fragen. Er wusste, dass du in dieser Nacht nicht als Doktor unterwegs warst. Hier ging es nicht um die zivilisierte Einhaltung des hippokratischen Eides, Moral oder Ehre. Sondern um das Ausschalten einer elementaren Bedrohung und Michael hatte sowieso nur Augen für Walt und nicht diese schmutzigen Details seiner Rettung.

 

Bist dir ziemlich sicher, dass du dieselbe unbewegte Miene widergespiegelt hast, die du in Sayids dunklem Gesicht gesehen hast. Die Dunkelheit darin nicht von seiner Hautnuance kam. Deine Gefühllosigkeit seltsam war und die mangelnde Reue. Du hattest von dir mehr Reaktion auf ein Blutbad erwartet. Kreischendes Gefühlschaos oder zumindest ein vages Bedauern über klar verschwendete Leben. Ihr beide die Drei schweigend hinter euch gelassen habt, du deine blutverschmierten Kleider auf den weißen Sand verteilt und dann nackt in die Wellen gestiegen bist. Sicher, dass das kühle Meerwasser das Ende des zerstörerischen Zaubers war, der euch in dieser Nacht gefangen gehalten hatte, so dass du noch nicht einmal Worte oder ein Armeetraining brauchtest, um dich mit Sayid geräuschlos zu verständigen.

 

Es war nicht das Ende, aber es hat geholfen.

 

Sawyers Augen brannten sich noch unter deine Haut, als du mit eisernen Zügen die Brandung und Sayid hinter dir gelassen hast. Das erste Mal den Wahnwitz des Floßes vollkommen verstehend. Dem elementaren Wunsch nach Flucht und dem Geschmack von salziger Freiheit auf der Zunge. Natürlich bist du trotzdem umgekehrt, bevor du dich in zu tiefe Gewässer vorgewagt und das Riff hinter dir gelassen hattest. Hast dir frische Klamotten aus deinem Rucksack geholt und Sayid hatte deine getragenen schon gewaschen, weil er mehr Erfahrung im Krieg führen hat als du.

 

Dem Auslöschen unangenehmer Details. Leichter zur Normalität zurückkehrte.

 

Sawyer zu beschäftigt damit war, dich in den Dschungel zu ziehen, zerren, stoßen und du hast seine wütenden Worte unbeeindruckt über dich hereinprasseln lassen, bis ihr weit genug von den Drei entfernt wart und du ihn fragtest, was sein gottverdammtes Problem war. Walt war wieder bei euch. Ende der Diskussion.

 

Hast seinen ersten Faustschlag ebenso unbeeindruckt weggesteckt.

 

Ihn dann mit einem unbeugsamen Kuss zum Schweigen gebracht. Du brauchtest nicht seine Vorträge über die Gefahren hier oder seinen fehlenden Schutz in der vergangenen Nacht, der nur in seinem Kopf bestand. Du brauchtest keine zeternden Liebhaber oder schlecht vertuschte Besorgnis. Sondern etwas fassbares, das dich aufweckte aus dem Blutrausch, der noch unter deiner Urteilskraft auftobte, wie ein in die Enge getriebenes, wildes Tier.

 

Vielleicht war es auch dein Gewissen.

 

Dir war es egal, solange sich seine Finger schmerzhaft in dein Fleisch gruben. Es war okay, dass er dich hart auf den Boden geworfen hat und ebenso unbarmherzig genommen. Ohne Rücksicht oder Gleitcreme. So dass du diesen Angriff auf dein Ego tatsächlich für die nächsten Tage in deinem Körper gespürt hast, so wie seine unausgesprochene Warnung, ihn nicht ungefragt zurückzulassen. 

 

Das Zittern erst einsetzte, nachdem sein Ausbruch und der Fick zu Ende waren.

 

Es fühlte sich wie eine natürliche Reaktion auf ein Massaker an. Als ob dein Körper und Geist, das erste Mal seit deinem Erwachen Mitten in der Nacht zusammenkamen und dein Verstand mit deinem Orgasmus wieder in den zivilisierten Bahnen eingerastet war, die du kurzfristig verlassen hattest.

 

Sawyer stand danach über dir mit einem Gesichtsausdruck, den du nicht deuten konntest. Nicht ergründen wolltest. Er hatte nicht die Macht dich zu brechen, das Beben ging nicht auf sein Konto. War deine Schuld und deine Entscheidung, so wie in der Nacht zuvor und du denkst, dass er manchmal vergisst, dass du ihm die Kontrolle kampflos überlässt, weil es das ist, was du willst. Brauchst. Forderst.

 

Du wolltest ihn stattdessen fragen, warum es ihn kümmert, wenn er erst dein Verschwinden bemerkt hat, als du ohnehin schon zurück warst und keine Ahnung hat, von wem das Blut stammt. Von wie vielen. Aber die Frage erschien dir genauso sinnlos, wie sein unbegründeter Zorn. Genauso flüchtig in der Verletzung und du warst froh, dass er dich in der Nacht nicht in Aktion gesehen hat. Die Art von kalter Kontrolle, als du eine Kehle um die andere durchtrennt hast, mit keinem Blick zurück fünf Leben genommen hast für eines und du noch immer Jack für ihn warst und nicht diese tödliche Kreatur der Nacht zuvor.

 

Sayid dich seit dieser Nacht von Walts Befreiung mit einem tiefergehenden Respekt behandelt und ihr langsam Freunde werdet, nicht nur Partner für das Überleben der Gruppe. Ihr durch eine Tat verbunden seid, die Schwarz wie die Nacht ist. Das Bad im Meer hat euch nicht von eurer Schuld reingewaschen, aber du fühltest dich nicht wirklich dreckig und so ist es einerlei.

 

Du hast das getan, was dein Instinkt dir vorgegeben hat und Sayid ging es ebenso.

 

Du weißt, dass er von dir und Sawyer weiß.

 

Deine aufgeplatzte Lippe war nur ein weiterer Fakt für ihn, so wie dein Gang. Der Iraker dieses Geheimnis hütet wie eines seiner eigenen. Noch nicht einmal überrascht zu sein schien, dass du kein Problem damit hast, dass er weiß, wer welche Stellung einnimmt. Die Neugier war milde und du hast sie mit einem Kopfschütteln abgestreift, bevor ihr zurück zum Camp aufgebrochen seid. Nicht Sayids Angelegenheit.

 

Genauso wenig wie du den Moment fürchtest, wenn eure Affäre tatsächlich herauskommt. Die Gerüchteküche kurzfristig überbrodeln wird, bevor der Klatsch durch etwas Interessanteres ersetzt wird. Du momentan auf Sawyer Rücksicht nimmst. Seinen Ruf und sein Chaos. Seiner Direktion folgst, was euch beide anbelangt. Er keinen blassen Schimmer davon hat, wie nahe unter der Oberfläche dieses Geheimnis zwischen euch für alle liegt, die bereit sind, mit mehr als dem Gedanken von Freunden zu spielen.

 

Es sind nicht viele.

 

Dir ist es ohnehin egal, was die anderen Überlebenden von der Wahl deines Liebhabers halten. Mit wem du Sex hast, ist einzig deine Affäre und Lockes halbe Erpressung, dich bloßzustellen, wurde von dir mit einem Achselzucken quittiert und der Gegenfrage, ob er deine Geduld nur strapaziert, weil er frustriert ist, dass du Walt gefunden hast und nicht er. Locke ist noch immer auf deiner Liste der potenziellen Bedrohungen, aber die deiner Reputation gehört nicht dazu und so fällt es dir schwer, dich um diesen veralteten Bullshit über Homos und richtige Männer zu kümmern.

 

Du magst keine Schubladen und hattest keinen Nerv dich auf dieses Argument mit Locke einzulassen und den Quatsch, dass andere zu dir aufsehen und du ein Vorbild sein musst. Hast nie um diese Rolle gebeten und ein Heiliger warst du schon gar nicht. Hast dir auf die Zunge gebissen, um die Frage zurückzuhalten, inwiefern es deinem Image zuträglich wäre, wenn der Kriminelle, den du so hart kommen lässt, bis du das Gefühl hast, dass er unter deiner Zunge schmilzt, weiblich wäre. Denn du bist monogam veranlagt, wenn du das Gefühl hast, dass du in einer Beziehung steckst und das hat sich langsam in den letzten anderthalb Monaten eingestellt. Dein Talent wird so oder so nur an eine Person verschwendet und nicht an die gesamte Gruppe.

 

Hast Locke nicht gefragt, ob seine geheuchelte Sorge um deine Reputation mehr mit dem Fakt zu tun hat, dass Sawyer nicht unter dem gleichen pseudo-väterlichen Einfluss wie Kate steht. Bist dir sicher, dass du zum ersten schwulen Präsidenten gewählt werden würdest, zumindest auf dieser Insel, wenn du jetzt eine Stichwahl fordern würdest. Selbst mit schmutziger Wahlkampfschlacht der anderen Seite. Aber du hast dich zwischenzeitlich mit der Koexistenz von Glauben und Wissenschaft arrangiert, solange niemand eurer Gruppe zu schaden kommt. Deshalb hast du es bei einem dreckigen Lächeln und deiner leichten Warnung, ‚Diskretion, John!’, belassen.

 

Nicht in der Laune dich einschüchtern zu lassen oder die Wahl deines Sexpartners zu verteidigen.

 

Du denkst sowieso, dass du Locke eher gefragt hättest, warum er Boone hat sterben lassen.

 

Denn darüber bist du noch immer nicht hinweg, wenn du ehrlich bist.

 

I'm addicted, and you'd agree,
I crave you endlessly.

 

Manchmal denkst du, dass deine neugewonnen Sorglosigkeit an Fahrlässigkeit oder Arroganz grenzt. Sie in den Menschen im gleichen Maß Angst wie Vertrauen schafft. Du fühlst dich sicherer im Umgang mit ihnen. Nein sagen fällt dir noch immer schwer, aber du hast keine Schwierigkeiten, ‚Jetzt nicht!’, zu sagen und mehr zu verlangen, wenn es Sawyer ist.

 

Du bettelst selten.

 

Nicht mit Worten und du bist dir sicher, dass deine Signale nicht mehr hundert Prozent auf ficken gepolt sind und dein Körper zufrieden mit dem gefickt werden ist. Von Sawyer. Du denkst seltener darüber nach, ihn zu unterwerfen. Du träumst nicht vorwiegend davon. Du vermisst in deinem Sexleben nichts Essentielles. Das heißt nicht, dass du nicht versuchst ihn in eine Richtung zu drücken und du schreibst es unter Urinstinkt ab oder deiner Unfähigkeit lange in der Stellung neutral zu verharren.

 

Du willst nicht wirklich mehr. Selbst wenn du die Hinweise unbewusst streust.

 

Selbst wenn du puschst und unter ihm aufbockst. Deine Körpersprache ist älter als diese neue Erkenntnis und du kannst sie nicht umpolen oder schicht abstellen. Bist dir nicht sicher, ob dies überhaupt in Sawyers Sinne wäre, denn du spürst die Befriedigung in ihm, wenn er deine Handgelenke über deinem Kopf festpinnt und eine weitere Runde an ihn geht, ohne dass du verlierst.

 

Den Hunger, den er in dir geweckt hat, sättigt er mit derselben achtlosen Unbekümmertheit, die du in Zukunft immer mit Sawyer in Verbindung bringen wirst, bis zu dem Tag an dem du deinen letzten Atemzug nimmst. Du denkst nicht mehr, dass du über achtzig wirst, bis es soweit ist und damit erklärst du dir die Intensität.

 

Das Feuer und die Hitze und das, ‚Gott, so verdammt gut! Nicht aufhören! Bitte nicht!’

 

Das an Verzweiflung grenzende Jetzt für den nächsten Orgasmus, sobald du alleine in seiner Nähe bist. Deine Bereitschaft, Dinge einfach fallen zu lassen, um ihm einen zu blasen und deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben. Oder darauf zu warten, dass er den Gefallen zurückgibt, mit der Unvorhersehbarkeit einer Klapperschlange. Er dir irgendwo auflauert und die Dosis seines Giftes in deinen Adern erhöht. Du nicht denkst, dass Sawyer dich erledigen wird. Dir hier den Todesstoß versetzt. Hast es nie ernsthaft in Erwägung gezogen und so kostest du den Rausch unbeschwert aus, den er durch deine Venen jagt.

 

Deine Verantwortungslosigkeit größer wird, dich mit einer schlechten Ausrede davonzustehlen, um ihn in der grünen Hölle da draußen abzufangen und dich von ihm um den Verstand küssen zu lassen, bis du mit wenig mehr als ein wenig Reibung hart kommst. Deine Bereitwilligkeit ihm mit fünf Minuten Abstand in die Nacht zu folgen. Dass du ihn ohne Schwierigkeiten findest, selbst wenn er jede Nacht einen anderen Platz aussucht und du dich einfach blind auf deinen Radar verlässt, ihn da draußen aufzuspüren.

 

Das sind Ereignisse und Eigenschaften, über die du nicht weiter nachdenkst, sondern hinnimmst.

 

Du drückst und er zieht und es ist ein uneleganter Tanz auf dem Drahtseil, mit wenig Bewegungsfreiheit. Ein Vor und Zurück und noch mehr Risiken, je härter ihr euch entgegentretet und du wunderst dich, wann aus der unkomplizierten Befriedigung eurer Libido das geworden ist. 

 

Das ist manchmal genauso namenlos, wie Sawyer dieser Tage und es beunruhigt dich, dass du trotzdem sorglos seiner chaotischen Führung folgst. Wie ein Stück Treibholz in der Strömung und du nichts über das Ziel eurer Reise herausfinden willst, bis du ankommst. Bist dir nicht sicher, ob es daran liegt, dass du dir keine Gedanken über die Klippen machen willst, an denen du zerschellst oder ob du dir ernsthaft keine Sorgen darüber machst, wo ihr landen werdet.

 

Du willst ihn nicht brechen. Nicht mehr.

 

Willst nicht mehr als den Augenblick.

 

Seine ungeteilte Aufmerksamkeit in der Zeit, in der seine Finger über deine Haut streichen und er die Kontrolle über dein Schicksal in der Hand hat. Es übernimmt. Selbst wenn diese Sicherheit nur bis zu deinem nächsten Höhepunkt reicht. Selbst wenn du ihn danach in Frage stellen wirst. Stichelnd und herausfordernd, weil es das ist, worin ihr beide gut seid und du die Falte magst, die seinen Jähzorn ankündigt und du seine Hiebe gegen dein Ego als amüsant empfindest und nicht so schneidend, wie er es sporadisch gerne hätte.

 

Als Dämpfer, den du so konstant benötigst, wie die Luft zum Atmen.

 

Du nimmst ihn nicht immer ernst, siehst in Sawyer nicht die Bedrohung, die er zeitweise gerne für dich darstellen würde. Siehst in dieser Beziehung nicht den Kampf, zu dem er es gerne deklarieren würde. Bist über das, was sich zwischen euch entwickelt nicht so verstört, dass du deinen Frust an ihm auslassen musst. Fühlst dich nicht soweit unterworfen, dass du das Gefühl hast zu splittern. Spürst wie er dich gerne vollständig dominieren würde, aber das zwischen euch ist Sex und vielleicht ist es deine Vergangenheit, die dich zu gut verstehen lässt, warum er sich im Höhenrausch befindet oder deine Unfähigkeit zu lieben, die dir so viele rationale Erklärungen bietet für das, was zwischen euch passiert.

 

Denn die Fronten zwischen euch erscheinen dir meistens klar.

 

Und das Bedürfnis, die Rollen zu tauschen, hat sich in den letzten Wochen verflüchtigt. Du kannst den exakten Moment ausmachen, indem du es definitiv verloren hast. Nachdem ihr Walt aus der Gewalt der Anderen befreit hattet und als du das erste Mal in seine Augen geblickt hast und nichts entdeckt hast, das ein zehnjähriger Junge besitzen sollte. Du weißt bis heute nicht, warum du den Augenblick mit Sawyer in Zusammenhang gebracht hast. Dein Verstand hat einfach die Verbindung gezogen und du kannst diese halbe Erkenntnis nicht mehr abschütteln. Es ist wie sein sanftes Flüstern im Wald.

 

Ein Eindruck, der nicht real ist, aber deswegen nicht weniger da.

 

So wie dein Name auf seinen Lippen in diesem überwältigten Tonfall, der dich verwirrt, weil du ihn nicht erobern willst. Du willst ihn nicht verändern, erdrücken oder schänden. Du brauchst Sawyers Stärke, seine Wut und seine Sturheit, ebenso wie seine Schwächen, die unausgesprochene Loyalität und seine Sprunghaftigkeit. Weil er deine Defensiven mühelos unterläuft, sich in dich hineingräbt, dich aufrüttelt und bis zum Äußersten treibt. Dich hilflos und willenlos macht, so verdammt unrational und lebendig.

 

Deine Zärtlichkeit ist nur manifestierte Laune. Ein Wechsel in der Geschwindigkeit, wenn es zu halsbrecherisch wird. Zu schnell, zu hart und du das Gefühl hast zu verglühen, wenn du nicht die Notbremse ziehst und ihm mitgibst, dass euch mehr verbindet als brutale Leidenschaft. Es ist nicht alles ist, was du bereit bist von ihm anzunehmen.

 

Dass ihr mehr sein könnt als das, wenn ihr wollt.

 

Kein Zwang, nur die angedeutete Möglichkeit in der Nacht.

 

Es ist noch nicht einmal ein Versprechen.

 

Es sind die Nächte, in denen er dich entweder hart zurückstößt oder danach vor dir flieht, als ob er ein Schwerkrimineller ist und du ihm die Todesstrafe für seine Verbrechen auferlegt hast. Ein Wirbel aus Konfusion und Flucht, Flucht, Flucht.

 

Du liegen bleibst, bis du deinen Atem geschöpft hast. Das Gefühl wiedergewonnen, dass es nicht dein Recht ist, Ansprüche zu stellen, auf die er dir keine Entgegnung geben kann und seine Geheimnisse aufzubrechen, nicht deine Aufgabe ist. Dass seine unterschiedlichen Signale der Widerspruch in sich sind, der Sawyer ausmacht. In der Grundessenz, ohne Fassaden. Euer Drahtseilakt deine Faszination hält und du nicht wirklich fallen willst. Ihn nicht aus deinem Weg stoßen oder gehen. Selbst wenn du dazu die Option hättest und nicht auf dieser Insel feststecken würdest.

 

Du eigentlich nur Konfrontationen suchst, die er auch gewinnen kann.

 

Seine wiederkehrenden Alpträume seine sind, nicht deine, egal was dein Gefühl dir sagt.

 

Du dich nicht in den Themen verbeißen solltest, die zu schmerzhaft sind und deine Geduld noch lange nicht erschöpft ist. Sie wächst mit jeder weiteren Nacht. So wie es dir nichts ausmacht, seine Brandmale zu tragen und er wird sorgloser in deren Platzierung. Findet Stellen, die schwieriger zu verstecken sind. Härter zu kaschieren und zu erklären. Denn ein Knutschfleck sieht aus wie ein Knutschfleck und nicht ein unbedeutender blauer Fleck für jeden, der bereit ist zu sehen. Du fragst dich manchmal, was ihn antreibt, dich als sein Eigentum zu markieren, ob es eine bewusste oder unbewusste Reaktion von ihm im Akt ist. Ob er seinen Namen quer über deine Stirn tätowieren würde, wenn er nicht Angst vor den Konsequenzen für sein Image hätte.

 

Welchen Namen er wählen würde.

 

Dass er es so sehr auskostet, dass du nichts dagegen hast, wenn er auf deinem Körper Spuren hinterlässt. Es dich nicht beschämt oder in Verlegenheit bringt, sondern nur anturnt. Sawyer die Male danach mit einer Mischung aus Erstaunen und Zufriedenheit anstarrt, die dich verwirrt. Sie zurzeit so sehr zu dir gehören, wie deine Tätowierungen.

 

Es niemanden außer ihm und dir gibt, der sie wiederentdecken wird.

 

Der nach ihnen sucht oder darauf achtet.

 

Es die Momente im Nachglühen sind, in denen er entspannt auf dir liegt, ohne Masken und Angst zu verlieren, die in dir den Fluchtinstinkt wecken. Du rennst nicht, weil du es als zu große Schwäche empfinden würdest. Aber du würdest ihn manchmal gerne hinter dir lassen, weil seine Intensität zu intensiv sein kann. Dich und deine Abwehr verbrennt. Du ihm nicht die passenden Antworten liefern kannst, auf die Fragen, die du häufiger in seiner Miene entdeckst und er einige alleine für sich beantworten muss.

 

Du weißt nicht, wer er ist und wer er sein möchte.

 

Du weißt nicht, ob Kate ihn weniger als du verwirren würde oder mehr. Ob sie ihn zufriedener stellen könnte oder unglücklicher machen oder ihn letztlich mit sich selbst ins Reine bringen. Du willst es auch nicht wirklich herausfinden, bist bereit das dreckige Geheimnis in seinem Kopf zu sein, solange er es so will. Du fantasierst auch ab und zu über Shannons blondes Haar und weiche Kurven, feuchte Winkel, die du entdecken könntest. Aber nicht genug, als das du die leiseste Bewegung in diese Richtung machen würdest und das auf Spiel setzen, was du hast. Mit Sawyer. Mit Sayid. Mit ihr. Du hast deine Liebhaber immer nach deinem Geschmack und deiner Stimmung ausgesucht und nie nach dem Geschlecht und so siehst du in Sawyer einfach den passendsten Partner hier auf dieser Insel und es ist auf eine Art einfach, die dich beunruhigen sollte.

 

Denn du weißt noch immer nicht, was genau das zwischen euch ist.

 

Du weißt nur, dass es manchmal bedrohlicher für deinen Lebensstil erscheint als das Urwaldmonster. Für deine Art dein Leben unabhängig von allen zu führen. Das hat dich dennoch nicht davon abgehalten, Sun dazu zu überreden Brombeerwein herzustellen und so gabelst du Sawyer am Strand auf, an der uneinsichtigen Stelle, die du zwischenzeitlich innerlich zu seinem Platz deklariert hast, nachdem du deine Runde geschwommen bist.

 

Du baust dich vor ihm auf, so dass dein Schatten ihm die Sicht gegen die tiefe Nachmittagssonne erleichtert und grinst selbstzufrieden. Sawyer hebt nur die Augenbraue, „Jemand ist unnatürlich aufgekratzt heute. Habe ich dir nicht gesagt, du sollst die Finger von deinem Giftschrank und Charlies Heroin lassen?“

 

Du verdrehst die Augen und fragst dich nicht zum ersten Mal, warum du ihm diese Story überhaupt erzählt hast, „Kein Heroin und ich kann auch nicht mit Bier dienen, Sawyer, aber ein gesunder Vollrausch ist heute alle mal drin.“

 

Das hat seine Aufmerksamkeit und er gibt dir ein überraschtes Lachen, „Also Doc, wenn ich geahnt hätte, dass dir meine Geheimnisse soviel Wert sind, hätte ich den Preis hochgetrieben.“

 

Du überlegst einen Moment, bis dir einfällt, worauf er abzielt und schüttelst dann den Kopf, „Deine Geheimnisse sind deine. Wir haben drei Monate auf dieser Insel überlebt und das ist Grund genug zum Feiern.“ Damit streckst du ihm die Hand hin und ziehst ihn hoch, du begibst dich in das grüne Dicklicht und er folgt dir, „Kennst du einen guten Platz für die Nacht?“

 

Er schließt auf, „Yeah, den perfekten.“

 
I feel useful on my knees
And I take comfort at your feet.
 

„Wie kommt es, dass du mich nie über meine Vergangenheit ausfragst?”

 

Sawyers Stimme ist leicht und du blickst nachdenklich in sein Gesicht, um herauszufinden, ob er es ist. Es liegt im Schatten, unlesbar und du denkst, das war seine Absicht. Der Grund, weshalb er vor dir liegt mit dem Feuer im Rücken und nicht gegen den umgestürzten Baumstamm gelehnt wie du. Er ist zu nah an den Flammen für die Schwüle der Nacht und offenbar ist sein Pokerface die langsame Tortur des gegrillt Werdens wert.

 

Du weißt, dass du so entspannt bist, wie es die Insel zulässt.

 

Drei überwältigende Orgasmen innerhalb der letzten zwei Stunden, ein Süßwasserbad und eine geteilte anderthalb Literflasche selbstgemachten Weines haben diese Wirkung auf dich. Du fühlst dich nicht berauscht, aber der warme Buzz in deinem Körper ist da und du willst nicht analysieren, wie viel davon auf den Wein entfällt und wie viel auf seine Gegenwart. Er hat nicht allzu viel mit dem Alkohol zu tun, wenn du ganz ehrlich bist. Mehr mit seiner Gesellschaft und dem Wissen, das für diese eine Nacht nichts von dir erwartet wird, das nicht dein Körper auf Autopilot erfüllen kann. Das Knacken des Feuer und das Rauschen des Wasserfalls tun ihr übriges, um dich und deine Defensiven einzulullen.

 

Du wunderst dich manchmal, weshalb du nie das Gefühl hattest, dass du deine Geheimnisse vor Sawyer schützen musst. Du würdest ihm nie deine Geheimzahl anvertrauen, aber die schwärzeste Wahrheit deines Lebens vor dem Absturz. Du denkst, dass es daran liegt, dass Sawyer sich kein Urteil erlauben würde. Es ihn nicht interessiert oder er sich genötigt fühlt, seinen Senf dazu abzugeben. Grauzone durch ihn farbig erscheinen. Vielleicht würdest du ihm ebenfalls in die Mysterien hier einweihen, die du versuchst nebenher zu entschlüsseln, wenn er fragen würde.

 

Dass du hier Dinge siehst, die nicht real sind und Grenzen nicht so scharf erscheinen, zwischen Traum und Alptraum. Zwischen Wirklichkeit und Illusion nur ein durchscheinender Schleier liegt und Recht und Unrecht sich aufheben, in einem Paradox, das deinen Horizont übersteigt. Dass du absolut glaubst, wenn er sich in dir bewegt und dass du bedingungslos liebst, wenn er dich so hart kommen lässt, dass du Sterne siehst. Dass hier alles fundamentaler geworden ist und grundlos. Dass du ab und zu Angst hast, dass du bereits den Verstand verloren hast und dass er manchmal hilft und manchmal deine Verwirrung verschärft.

 

Vielleicht ist es die Sicherheit, dass Sawyer dich nie fragen wird, die dich die meiste Zeit beherrscht. Aber er hat dir jetzt eine Frage gestellt und du suchst nach einer harmlosen Antwort, die nicht in der automatischen Gegenfrage besteht, warum er dich nie über das Blut ausgefragt hat, was Walts Befreiung forderte. Nie über deine Vergangenheit.

 

Du bist nicht in der Stimmung für die großen Wahrheiten, stößt ihn stattdessen leicht mit dem Fuß an und grinst ihm träge zu, „Aus dem gleichen Grund, weshalb ich dein Trinkspiel abgelehnt habe. Es ist sinnlos. Wenn du über was reden willst, tu es.“

 

„Es ist nicht so, als ob ich über etwas reden muss.“

 

Er klingt verteidigend und du gibst ihm ein ironisches Augenrollen, „Natürlich nicht.“

 

Mehr Stille, die dieser Aussage folgt und du streckst dich, bringst deinen Fuß auf seinen Oberschenkel und entspannst dich weiter. Die Flasche liegt in Reichweite, nach einem tiefen Zug nimmst du die Unterhaltung wieder auf, „Es ist nicht wichtig. Alles was hier zählt ist Überleben.“

 

Sawyer schüttelt den Kopf, abfällig, „Sieh an, wer von Tabula Rasa redet. Du warst der Doc und daran hat sich hier nichts geändert. Für dich ist alles beim alten. Leben und Status intakt.“

 

Bist dir nicht sicher, ob er das ernsthaft glauben kann, zumindest den Teil mit dem Leben. Übertrieben schwerfällig, seine Beweisführung mit Absicht komplett versäumend, „Ich kann mich nicht erinnern, in LA auf dem Boden geschlafen zu haben, Beachboy.“

 

Hebst herausfordernd die Augenbraue, ob er dir den Punkt streitig machen will.

 

„Du weißt, was ich meine.“

 

Spielerisch, „Weiß ich das?“

 

Sawyer gibt dir ein frustriertes Seufzen und ein „Jack!“ In dem zurechtweisenden Tonfall, den du eigentlich patentiert hast. Er ist unheimlich gut darin, deine Stimmlage zu kopieren, wird dir plötzlich klar und du weißt nicht, wie oft du seinen Namen, in diesem Ton gesagt hast und so grinst du nur entspannt.

 

Nimmst noch einen Schluck und gibst die Flasche an ihn weiter und bevor du dich zu einer Antwort aufraffst, „Willst du von mir Stories hören, wie beschissen mein voriges Leben war? Mmh? Es hatte Höhen und Tiefen, wie jedes andere auch.“

 

Du siehst keinen Grund dich auf einen theoretischen Streit einzulassen oder in Selbstmitleid über ein durchschnittliches Arztleben zu verfallen und blickst ihn neugierig an. Du kannst ihm diese Geschichten geben, wenn er sie will, aber du weißt auch, dass sie ihn nicht interessieren. Nicht der Punkt, auf den er hinaus will. Er spielt fast nervös mit dem Verschluss und weicht deinem Blick aus.

 

Dir gefällt die Richtung immer weniger, in die diese Unterhaltung stolpernd driftet.

 

Hakst schließlich leise nach, „Also?“

 

„Gibt es nichts, was du bereust? Keinen Anruf, den du gerne tätigen würdest? Keinen Brief, den du gerne abschicken würdest?“

 

Du trifft die Nonchalance nicht ganz, „Die Entscheidungen, die ich bereue, sind nicht durch einen Anruf oder Brief wiedergutzumachen.“

 

„Yeah, meine auch nicht.“

 

Die Resignation in seiner Stimme ist offen, so wie die Reue. Sühne ist ein ebenso abstrakter Begriff, wie Vergebung für dich. Aber sein Ton appelliert an dein Mitgefühl. Du richtest dich auf und kniest vor ihm, nimmst ihm die Flasche ab, bevor er sie durch sein Gefummel für die Zukunft unbrauchbar macht.

 

Deine Stimme ist noch immer besonnen, „Also warum soll ich mich deswegen zerfleischen? Mir Gedanken über eine Nachricht machen, die nie ankommen wird? Damit ist niemand gedient.“

 

Er blickt dich einige Sekunden konzentriert an, fast bereit für eine Erwiderung, bevor er sich einbremst. Langsam den Kopf schüttelt. Bist dir nicht sicher, ob du noch eine Antwort von Sawyer erwarten kannst, denn der zieht sich zurück. Legt sich auf seinen Unterarm und schließt die Augen.

 

Als du schon bereit bist, dich wieder hinzulegen, kommt sein beinahe beschwörendes Flüstern, „Als Abschluss? Weil es das ist, was achtbare Menschen tun?“

 

Du willst ihn fragen, ob er achtbar sein will. Was er beenden will.

 

Besinnst dich dann aber auf seine Implikation, weil es einfacher ist, „Denkst du tatsächlich, dass ich achtbar bin?“

 

Die pure Ungläubigkeit in deiner Stimme enthebt ihn von einer Antwort und er liegt still.

 

Beobachtest das Spiel des Feuers auf seinen Zügen. Den Schatten, der nicht verschwindet, egal wie hell die Flammen auf seiner Haut liegen und die Hitze, die das Feuer ausstrahlt, ist plötzlich unerträglich. Brennt sich durch deine Haut wie durch Papier und du überlegst, ob Sawyer das symbolische Fegefeuer sucht, das er hier offensichtlich gefunden hat. In dem er sich wohl zu fühlen scheint.

 

Ob es das ist, was er in dir sieht. Absolution. Ehrbarkeit und all den anderen Bullshit, um den sich niemand kümmert, außer wenn man die Werte für sich verloren hat. Ob seine Gründe, das zwischen euch zu zulassen noch viel selbstzerstörerischer sind, als du ihm bisher zugetraut hast.

 

„Achtbare Menschen machen ebenso Fehler. Sie jammern nur länger oder kehren sie unter den Teppich.“

 

Er gibt dir ein höhnisches Halblachen und noch immer keinen Blick.

 

Nicht die Reaktion auf die du gehofft hast oder der Verlauf dieser Nacht, wie du sie dir ausgemalt hast. Du wolltest Spaß haben und er offenbar eine mittlere Glaubenskrise. Dein Verstand gibt dir eine mögliche Lösung vor, die euch beide zum gewünschten Ergebnis bringt. Der Grund, warum du nur selten trinkst, abgesehen von deinem Vater, ist, dass du deinen niederträchtigen Zug nicht ganz unter Kontrolle hast.

 

Von deinen niederen Instinkten gar nicht zu reden.

 

Du schmeckst Bitterkeit auf deiner Zunge und schluckst die Frage mühsam hinunter, weshalb er dich fickt. Ob er sich oder dich damit bestrafen will, weil es schlussendlich zu keiner Wahrheit führt, mit der du momentan umgehen kannst. Der Gedankengang ist irgendwie aberwitzig und du begreifst, dass du doch zuviel getrunken hast, um diese Unterhaltung auf einer vernünftigen Basis zu führen.

 

Deine Emotionen und Unsicherheiten komplett unter der Oberfläche zu halten und dich auf seine zu konzentrieren.

 

Verlagerst dich auf ihn und es ist nicht schwer auf andere Gedanken zu kommen, mit ihm nackt im Feuerschein und du kündigst den Angriff deiner Fingern nicht an. Lässt sie über die Muskeln seines Bauches gleiten, genießt das Gefühl seiner glatten Haut unter deinen Fingerspitzen. Seiner Kraft unter deinen Händen und du verwischt den Schweiß, bist neugierig und gibst ihr nach.

 

Quittierst sein überraschtes, „Hey!“, mit einem weiteren Augenrollen und der Frage im Blick, ob er wirklich nicht weiß, worauf du hinaus willst. Sawyer entspannt sich und du lehnst dich vor, um den Brombeerwein von seinem Bauchnabel zu lecken. Langsam. Schließt die Augen und genießt den prickelnden Geschmack in deiner Zunge. Perfektion. Du hast nichts anderes erwartet. Bist beinahe dazu geneigt, der Mischung in deinem Mund die abschließende Note zu verleihe, aber du entschließt dich gegen Süden, denn mit deinen Gedanken bei seiner Aussage würde ihn nur ein mittelmäßiger Blowjob erwarten.

 

Du kniest dich über ihn, nimmst einen ausgedehnten Schluck und reibst deinen Hintern gegen seinen Schwanz, nicht subtil, sondern nur aufreizend und seine Reaktion ist genauso offen. Spürst die wachsende Härte und seinen abschätzenden Blick auf deinem Gesicht. Schließt die Flasche und wirfst sie ein Stück außer Reichweite.

 

Lehnst dich auf deine Hände vor und deine Augen suchen Sawyers Blick, „Du hast keine Ahnung, was ich in meinem Leben getan habe, also mach dir nichts über mich vor, Sawyer. Achtbar ist nicht das Wort, das zu mir passt.“

 

Er schluckt und klingt trotzdem trocken, „Welches dann?“

 

Und du starrst in seine Augen, „Schwierig.“

 

„Schwer zu glauben.“

 

„Dann glaubst du an die falschen Dinge, Sawyer.“

 

Südstaatenakzent, der alles wie eine sündige Einladung klingen lässt, selbst seinen Spott, „Und wenn ich an dich glaube, Jack?“

 

Es ist nicht schwer ihm gegenüber ehrlich zu sein, „Wirst du enttäuscht.“

 

„Vielleicht will ich das. Gottverdammt und du machst es mir ehrlich gesagt nicht leichter, indem du auf alles die passende Erwiderung bringst, die noch dazu meinem Ego schmeichelt.“

 

Du hast keinen simplen Konter auf diese Aussage, nur dein Atem, der kurz stockt. Richtest dich fast amüsiert auf, „Alles schmeichelt deinem Ego. Sorry, Mann, aber das ist dein ausgeprägter Narzissmus, der sich manifestiert. Nicht meine Fähigkeit unverblümte Komplimente auszuteilen. Oder soll ich dir Rosen bringen, damit du sie mir endlich in Gesicht schlagen kannst und dich wieder als richtiger Mann fühlen kannst?“

 

Der letzte Teil deiner Aussage ist mit Lachen gefärbt und du ignorierst seine dunkle Miene, als du fest gegen seine Erektion reibst. Sawyer beißt die Zähne zusammen und einen Augenblick später liegst du unter ihm. Das entspricht schon eher deinen Plänen.

 

Knurrend, „Für dich ist alles wohl ein erstklassiger Witz?“

 

Kämpfst gegen das unfreiwillige Schmunzeln, „Über die Klasse lässt sich streiten.“

 

Beherrschte Wut, „Und über meine?“

 

„Habe ich mir noch kein abschließendes Urteil gebildet, Sawyer. Schließlich habe ich noch nicht jede deiner Facetten kennen gelernt.“ Die Aussage ist simple, fast obszön simple im Vergleich zu euren üblichen Versteckspielen und Hinhaltetaktiken, „Willst du von mir gefickt werden?“

 

Bevor du dich daran erinnerst, dass es nicht das ist, was du von Sawyer willst. Was er dir anbietet. Kein heiliger Boden, der von dir entweiht wird. Nur eine weitere Variante eines vertrauten Spieles, dessen Ausgang festgeschrieben ist. Sein sollte. Aber er zögert einen köstlichen Augenblick zu lange und deine Finger streichen durch sein Haar. Die Geste fast beschwichtigend, keine aufgesetzte Verführung, sondern nur das Bedürfnis nach Kontakt.

 

Er schließt die Augen, sein Gewicht auf dir und da ist ein Zittern.

 

Du könntest es übergehen, so leicht.

 

Stattdessen streckst du dich hoch und deine Lippen landen auf seinen. Tauchst lasziv ein in die Süße seines Mundes und er lässt dich gewähren wie all die Male zuvor. Kostest ihn aus, deine Finger in seiner Mähne und deine Hüfte in trägen Kreisen gegen ihn.

 

Sawyer vibriert in einem inneren Kampf, der sich dir entzieht.

~*~fini – Coming to Terms 4/7~*~