Autor: Astarte
Titel:
Paper Scars
Altersfreigabe: NC-17
Teil: 6/10
Spoiler: ab AtS 1x09 Hero
Inhalt: Cordelia hatte keinen Sex mit Angel. Zumindest nicht rational. Zumindest nicht diese zehn Mal.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Cordelia/Angel(us)
Disclaimer: Sie gehören mir nicht... Alles Joss!
Kommentar: Übung macht den Meister oder ein weiterer Versuch meinen Smut für eine andere Story aus der Reserve zu locken. Diesmal ziemlich geradlinig und hoffentlich unterhaltsam. Orientiert sich am Verlauf der ersten AtS-Staffel, nur eben mit dem A/C-Sex-Twist…

 

Paper Scars

 

1.

I'm on fire
And the day is feeling hopeless.
You'd see me burning -
But the burning's turning smokeless.
Soon I won't feel at all – No.

~Something Corporate – Break Myself~

 

Cordelia war sich sicher, dass der erste Sex mit Angel nicht zählt.

 

Für niemanden. Außer Buffy und selbst die hätte vermutlich Verständnis.

 

Doyles Tod Stunden vorher und sie begraben in Angels Armen und dessen aussichtslosen Versuche, Trost in stolpernde Worte anstatt simple Gesten zu packen. Gerade Herr Redselig. Mister Smooth Talk. Eine Marmorstatue unter ihren Handflächen. Mit ausgeleiertem Tape -

 

Ihre Tränen, die nicht aufhören wollten zu fließen.

 

Der Moment als sie glaubte, dass er endgültig den Verstand verloren hatte, als er Buffys 5-Minuten-Besuch zu einem perfekten Tag mit sich als Mensch in der Hauptrolle ausdehnte und der falschen Wahl sich für das hier entschieden zu haben. Diese Weggabelung. Da war der andere hilflose Moment, als sich ihre Lippen über seine schlossen, weil sie es nicht ertragen würde, wenn sie ihn gerade jetzt auch noch an den Wahnsinn ihres Lebens verlieren würde. Oder seinen.

 

Ihren Todesgriff in seinem schwarzen Pulli, ihr geflüstertes – [Hör auf! Bitte, Angel, bitte bleib bei mir! Lass mich nicht allein (mit einer leeren Hülle zurück)! Nicht heute!] - Flehen, das seinen Protest erstickte bevor er mehr als das Anspannen seiner Muskeln war.

 

Seinen Widerstand schmelzen ließ, bevor er zu Trockeneis wurde.

 

Es war natürlich ihre Zungenspitze langsam über seine Kehle wandern zu lassen. Seinen Geschmack in sich aufnehmend, über den sie sich seit Jahren keine Gedanken mehr gemacht hatte. Seit ihr klar wurde, dass er mehr Traumas mit sich herumschleppte, als sie mit Träumen übertünchen konnte. Seine makellose Oberfläche nur das perfekte Glitzern widerspiegelte, das im Auge des Betrachters lag. Gleichsam ihrer eigenen. Er zu Buffys Schatten verblasste und sie das unbeschwerte Licht suchte, das ihr fehlte und es in Xander fand.

 

Aber er schmeckte richtig in diesem Moment. Maschinenöl und abgestandenes Hafenwasser, das sich bis auf seine Haut vorgearbeitet hatte und der modrige Geruch des Schiffes, der sie auf ewig verfolgen würde. Die schlechte Vorahnung im Bauch, die sich über Stunden in ihr einer Doppelbelichtung gleich aufgebaut hatte. Sie hätte Doyle wegschicken sollen, als er auf dem Hafendock ankam, anstatt ihn wie ein Groupie anzuhimmeln. Ein perfekter Abschied war nur ein Nimmerwiedersehen auf ewig und sie dachte, sie hätten noch so viel Zeit.

 

Sie hätte auf ihren Instinkt hören sollen und nicht ihr Herz.

 

So wie im Augenblick, den ihr Instinkt sagte ihr, dass sie noch am Leben war. Angel teilweise und sie brauchte eine Bestätigung. Seine Zusicherung, dass dieser Zustand anhalten würde. Nicht ausgerottet würde in weißen Flammenmeeren, die keine Asche zurückließen, nur Rauch und es fiel ihr vielleicht deshalb schwer, genug Luft zu kriegen. Unter Umständen war das die plausibelste Erklärung für ihre tränenden Augen und den Schmerz in ihrer Kehle.

 

Salzig und bitter, wie der Mann unter ihrer Zungenspitze und es sollte traumatisch sein oder den Beigeschmack von Selbstgeißelung haben, ihn mit allem in Verbindung zu bringen, was sie niederdrückte. Nur war sie bereit unterzugehen und in ihm abzutauchen, auf der Suche nach einem Ort, an dem der Hilfeschrei in ihrem Kopf endlich gedämpft werden würde. Möglicherweise konnte er sogar ihre Tränen in dem dunkelblauen Nichts vernachlässigen. Denn er roch nicht nach verbranntem Fleisch und kaltem Licht, war weit genug von ihrem echten Ängsten entfernt um abzulenken.

 

Es war harmlos ihre Kleider auszuziehen und nackt auf seinen Schoß zu klettern.

 

Er kam ihr entgegen als sie seinen Pulli auszog, wenn auch nur, indem er nachgab.

 

Wahrscheinlich war er mit seiner Weisheit am Ende, suchte ebenfalls die anspruchslose Art etwas anderes als Trauer zu fühlen. Kein flirrendes Scheinwerferlicht hier, nur gedämpfte Echos und Nebendarsteller, die mit den Hauptrollen vollständig überfordert waren.

 

Nur zwei passende Körper, keine Liebe und kollektive Schatten.

 

Zuneigung gezwungen, denn sie waren zusammen aus der Bahn gekippt und Schwerkraft war unvermeidbar. Trägheit ein physikalisches Grundprinzip, dem Cordelia sich gerade nicht erwehren konnte. Seine Handflächen, die über ihre warme Haut fuhren, als ob sie nicht anders könnten, als zu driften.

 

So wie ihre Lippen seinen Oberkörper erkundeten.

 

Planlos. Nicht lieblos. Freudlos. Unaufhaltsam auf einander zu taumelnd.

 

Das Brennen einer offenen Wunde, egal wo er sie berührte, stechend genug um sie die Realität erkennen zu lassen. Dass Doyle gegangen war und nicht wiederkehren würde, egal wie unbegreiflich der Gedanke im Ansatz war. Denn Angel würde sie nicht so anfassen, wenn noch ein Funke Hoffnung darauf bestehen würde, dass Doyle sein Date mit ihr in irgendeiner Form einhalten könnte und Verliebtheit war ein Strohfeuer, das keine Nacht überdauern würde. Nicht diese und der willkommene Phantomschmerz von falschen Fingern auf ihrer Haut, der sie die Zähne zusammenbeißen ließ, um nicht auch noch Schluchzer zu den Tränen zu gesellen.

 

Denn Leidenschaft war anders, wäre leichter und blieb abwesend zwischen ihnen.

 

Es war trotzdem leicht auf ihn zu zutreiben und sich keine Gedanken über den Zusammenstoß machen zu müssen. Denn sie waren in einem Schwarzen Loch gefangen und vielleicht wurde mit dem morgigen Sonnenaufgang, die Welt wieder zurückkommen. Wahrscheinlich, auch wenn es sich gerade anfühlte, als ob das Ende davon ebenfalls hinter ihr lag. Nicht nur Doyles Tod.

 

Sich zurückzulehnen und den Augenkontakt zu ihm aufrechtzuerhalten war aufrichtig gemeint, als sie seinen Zipper öffnete. Seine versteinerte Miene unbewusst nach einem ‚Nein!’ absuchte, unwillig sein Elend mit ihrer Taubheit zu verschärfen und nur ihren Kummer entdeckte. Ihre Faust sich unsanft um seinen Schwanz schloss. Angels Aufmerksamkeit sich auf sie einpendelnd.

 

Akut, als sie mehr Mut aufsammelte.

 

Nachdem er nicht beschämt den Blick abgewendet hatte.

 

Als sie ihn zögernd in sich aufnahm, war sie nur irgendeine Frau, die ihm Wärme offerieren konnte. Er kalten Trost, aber der war annehmbar. Als sie seine Hände auf ihre Hüften legte, war es nur ihr Wunsch, von ihm einen Takt zu bekommen, denn sie fühlte sich stimmlos. Klanglos, an dem Ort, wo ihr Schrei unvernommen erstarb und er kam ihrer schweigsamen Aufforderung nach. Wählte eine Melodie in Moll, die sie ergänzte und sie wiegte sich sachte auf ihm, denn da war keine Leidenschaft zwischen ihnen.

 

Keine Begierde, das zu beenden. Kein Feuer, das er stillen konnte.

 

Es ging nicht um Sex, nur Nähe.

 

Die Versicherung, dass der andere da war und blieb. Cordelia senkte nicht den Blick, als seine Tränen überliefen, verschränkte nur ihre Arme enger um seinen Nacken, denn sie hatten nichts mit ihr zu tun.

 

Sondern mit einem verlorenen Freund. Einer verlorenen Liebe.

 

Ihre eigenen Wunden waren ebenso frisch, ebenso tief und hoffnungslos hatte sich noch nie so real in ihrem Leben angefühlt. Ein Hohlraum, den er nicht ansatzweise füllen könnte. Sie ebenso wenig.

 

Sein Daumen strich über die rosa Narbe an ihrem Bauch, „Tut es noch weh?“

 

Ihr erster Fall. Das sollte den zweiten in Relation setzten, „Nur wenn ich atme.“

 

Tat es auf pessimistische Weise.

 

Sein Kuss war überraschend einfühlsam und so war es nicht Sex, sondern Trost.

 

Bis das Sonnenlicht des Morgens durch ihr Büro kroch und er sie unter seinem Körper auf der harten grünen Couch auslöschte.

 

Angel ein flammendes Ende aus Asche hervorbrachte.

 

Etwas, das für sie im Anfang verloren schien. Er den Weg freikämpfte für einen neuen Tag. Ein neues Leben, ohne Doyle und sie ihm widerwillig in diese Niederlage folgte. Er sie neu versiegelte und ihre Haut sich wieder intakt anfühlte, als er schließlich sein Gewicht von ihr nahm und sie erschöpft in sein Bett trug.

 

Heilsamer Schlaf, denn die Alpträume von gleißendem Licht begannen später und das schlechte Gewissen war nicht mehr als ein Sonnenfleck auf ihrer Seele. Einer, dem sie nie allzu viel Beachtung geschenkt hatte, denn Doyle löste sein Date nie ein und sie wusste noch immer nicht, ob sie es auf eine andere Art jemals endgültig begriffen hätte als diese.

 

Wesley fand an diesem Tag den Bruch in ihrer Konstellation und blieb, um ihn nach und nach mit Übereifer und wahrem Wissen aufzufüllen. Sie beide waren stillschweigend zu ihrer Routine zurückgekehrt, nachdem die Visionen sich nicht übertragen ließen und die Theorie entsprechend getestet worden war, mit einem funkenlosen zweiten Kuss.

 

Sie konnten nicht viel intimer werden, als stundenlanges Aufeinanderwippen und Sex mit einem Vampir sollte sich nie so sündenlos anfühlen.

 

Zumindest der zweite Teil ihrer Schlussfolgerung bewahrheitete sich im Nachhinein.

 

2.

And I am full of love and consequence,
Merciful, the sky of coal.
The beauty of the cars' electric light,
The speed with which their destinies glow.

~Sarah Slean – Vertigo~

 

Das zweite Mal war kein Sex, wenn man die Grenze rational zog.

 

Für ein paar Leute, neben Buffy, galt diese Einschränkung unter Umständen nicht.

 

Nur waren die Umstände für sie nervenaufreibend genug gewesen und Cordelia beschloss, dass sie definitiv nicht auf dem Dach ihres Bürogebäudes mit ihrem Boss Sex gehabt hatte. Angelus’ Abkömmling war besiegt, ihre eigenen Zweifel erfolgreich beruhigt und Angels Unsicherheit, die in ihm hoch siedete, ob er seinen Dämon jederzeit kontrollieren konnte, verdiente eine Auszeit. Er hatte gerade ein Childe getötet, mit Kates Hilfe in Staub verwandelt, das war für sie Beweis genug.

 

Sie hatte keine Ahnung wie jemand, der über 250 Jahre auf dieser Erde verbracht hatte, noch so eine verlorene Klein-Jungen-Stimme besitzen konnte. Bei den grundsätzlichsten Dingen, wenn der Anlass sie nicht einmal benötigte.

 

So überrascht und zaghaft hoffnungsvoll hinter ihr von Angel, „Freunde?“

 

Sie war nicht aus Stein, drehte sich zu ihm. Eingerahmt von der schillernden Skyline von LA und er war wunderschön in dieser Kulisse, zeitlos und unvergänglich. Ihre Füße liefen aus eigenem Antrieb auf ihn zu, verkürzten die Distanz wieder auf Zentimeter. Nicht imstande ihn in seiner Grübellaune zu belassen, wenn sie gerade noch gedacht hatte, dass sie ihn aus diesem Funkloch draußen hatte.

 

„Ja.“ Cordelia fühlte sich großzügig, leicht beschwingt. „Beste Freunde.“

 

„Ich denke nicht, dass ich die geeignete Wahl bin, Cordy.“

 

„Du bist meine.“

 

Sie wusste, dass ihr Lächeln im Augenblick den Millionen Lichtern der Stadt, Konkurrenz machen konnte, aber Angel starrte sie nur mit diesem ernstem Blick an und sie verlor etwas von ihrem Strahlen unter seiner intensiven Musterung. Der Glut in seinen schwarzen Augen, mit der sie nichts anfangen konnte, denn es war nicht so, dass er mit ihr den Jackpot in der Freundschaftslotterie gewonnen hatte.

 

Eher den Trostpreis bis das Schicksal ihn mit einem ausstattete, der loyal, standfest und zuverlässig war, ohne in Hysterie bei der kleinsten Wolke am Horizont auszubrechen. Ihr Vertrauen in ihn hing an dem seidenen Faden seines Vertrauens in sich und Cordelia ahnte, dass sie noch hart an sich arbeiten musste, um seine Dunkelheit abzuschwächen. Einen Hurrikan mit ihm zu überstehen, war ihr Ziel und wahrscheinlich war es gut, dass sie noch nicht begriff, was unter seiner trügerisch stillen Oberfläche tagtäglich abging.

 

Seine Handfläche schmiegte sich unangemeldet gegen ihre Wange, nach kurzem Zögern lehnte sie den Kopf in seinen Kontakt. Für eine Minute sah es so aus, als ob er seine Warnung vertiefen wollte, bevor er den Kopf schüttelte und mit dem Daumen zärtlich über ihre Unterlippe strich.

 

Betreten von ihr, „Was geht jetzt schon wieder in deinem Holzkopf vor?“

 

„Das übliche.“

 

Spitz, denn sein andauerndes Schweigen ging an ihre Substanz, so wie die Empfindung seines Daumens hauchzart gegen ihre Lippen, der ihre Nervosität aufflattern ließ, „Ein kleiner Einblick wäre nett.“

 

Seine Stimme klang sehr weit weg, „Asche zu Asche, Licht zu Licht.“

 

Damit saß sie auf der Mauer, die er geräumt hatte. Sechs Stockwerke freier Fall über dem Boden, ihre Hände griffen instinktiv nach seinen Unterarmen. Höhenangst war nicht die Phobie ihrer Wahl, trotzdem spürte sie ihr Herz panisch gegen ihre Rippen pochen und ihr Atem kürzer werde.

 

Heiser gegen ihr Ohr, „Vertraust du mir genug?“

 

Es wäre gegen ihre Prinzipien gewesen, das gegenwärtig zu verneinen. Feige.

 

Cordelia lehnte sich stattdessen zurück, bis sie sein bemüht neutrales Gesicht vor sich hatte, hoffte, dass es genug war. Dass es gerechtfertigt war, denn da war wilde Sehnsucht nach Beständigkeit in seinem Ausdruck. Ihre eigene Enttäuschung in sich und ihre Launenhaftigkeit zu frisch und sie vertraute ihm.

 

Nicht bedingungslos, aber ausnahmslos, wenn es nur um ihr Überleben ging.

 

Ihr Griff löste sich, seiner an ihrer Hüfte verstärkte sich automatisch. Irgendwann in den vergangenen Wochen hatte sich ihr Tandem eingespielt und ihre Zeigefinger fuhren über seine Wangenknochen. Vorbei an seinen angespannten Mundwinkeln, die die Andeutung von Fältchen trugen, die ihr bis zu dieser Sekunde noch nie aufgefallen waren. Sie drückte leicht und es war kein Lächeln, bei weitem nicht. Ebenso wenig eine Fratze, denn er fiel unter ihre Magie und sein Grinsen war plötzlich frei gebrochen unter ihrer verspielten Anwandlung.

 

Er war schön, wurde ihr mit einem Mal bewusst.

 

Ein Funken in der sengenden Glut seiner Augen, vielleicht nur eine optische Täuschung oder Reflektion des Lichtermeeres hinter ihr. Schwerelosigkeit für den Moment und das Gefühl, dass die Welt Kopf stand.

 

Bevor sie in einer falschen Laune wieder einrastete.

 

Sie wollte ihn.

 

Sie wollte ihn mit einer schmerzhaften Verzweiflung.

 

„Ja?“

 

Sie nickte.

 

Ihre spontane Einwilligung ließ sie den Vorsatz fassen, dass sie ihm zu einem geeigneten Zeitpunkt, die Sache mit Freundschaft und den Grenzen davon, erklären würde. Wenn sie sich noch einmal in Fachbüchern schlau gemacht hatte, wie es eigentlich genau funktionieren sollte. Denn sie waren beide Novizen auf diesem Gebiet und irgendwie erschien ihr Verlangen unangemeldet in dieser Gleichung zwischen ihnen. Wenn sie nicht gerade ein falsches Wort vom Absturz entfernt wäre und diese Tatsache sie mehr beunruhigen sollte, als es tatsächlich der Fall war.

 

Sie ahnte, dass sie nur in eine Richtung fallen konnte. Seine und das wäre gefährlich.

 

Unterschätztes Überraschungselement, das sie in seinen Bann schlug.

 

Seine Finger glitten unter ihren Rock, fanden ihre Unterwäsche und ließen sie hinter sich. Angels andere Hand sich fest um ihr Genick schloss, während seine Lippen über ihren Hals strichen. Ihren Kopf weiter zurückbeugten, bis sein Griff das einzige war, was ihre Balance hielt. Seine kundige Hand auf ihr, vortastend, ausdehnend. Sein flacher Atem gegen ihr Schlüsselbein und ihr Cape, das in die glitzernde Nacht davon flatterte, denn er konnte seine Fänge sinnvoll einsetzen.

 

Zwei Finger auf einmal und sein Daumen auf ihrer Klit. Ohne Feuerpause drei. Angel ihre Muskeln in unkontrollierbares Gelee verwandelten. Kraftlos und ausgeliefert waren in der Vergangenheit keine Anturner für ihre schwelgende Phantasie gewesen.

 

Aber dieses Szenario momentan funktionierte ausgezeichnet.

 

Mit dem Nachtwind kalt auf ihrer aufgeheizten Haut und Haarsträhnen, die über hypersensible Nerven strichen. Seiner Zunge leckend an ihrer freigelegten Brust. Zähne, die mit Druck ihre Brustspitze dazwischen rollte. Ihren Verstand stocken ließen, unfähig in Schmerz oder Lust einzuordnen. Hitze oder Kälte. Ob sie sich auf seinen Mund oder seine Hand konzentrieren sollte. Schockzustand. So ungestüm ohnmächtig, dass es sich anfühlte, als ob sie hyperventilieren würde. Was sie vielleicht auch tat.

 

Seidige Dunkelheit, um sie herum, sie taumelnd verloren darin.

 

In seinem bodenlosen Tonfall, „Öffne deine Augen, Cordy.“

 

Sie nahm den dreckig orange glühenden LA-Nachthimmel über sich war.

 

Bevor ihr der Gedanke, wie eine Kugel durch den Kopf schoss, dass er sie so komplett über die Mauerbrüstung gebeugt hatte, dass sie sich unmöglich würde von alleine halten können. Totale Abhängigkeit. Diese Erkenntnis wurde gnädigerweise von den gleißenden Diamanten zur Nichtigkeit abgestempelt, die durch ihren Körper schossen. In Wellen von ihren Zehen- und Fingerspitzen in ihre Mitte zurückrollte und keinen Platz für Logik und Fassung ließen.

 

Als sie ihre Sinne wieder soweit zusammenhatte, dass es von Relevanz gewesen wäre, lag sie schon sicher gegen seine Brust gelehnt. Ihre Beine locker um seine Hüfte und seine Erektion stahlhart gegen die Stelle gepresst, die Minuten vorher noch seine Finger in Anspruch genommen hatten. Selbst wenn sie gewollt hätte, wären ihre Finger diesmal unfähig gewesen, seinen Reißverschluss zu öffnen. Sie zitterte.

 

Kälte, Schock und die Nachwirkungen von blindem Glaube in ihn rüttelten an dem Fundament ihrer Selbstkontrolle. Ihres Selbst. Ließen sie fahrig und bebend zurück, überwältigt. Angel indessen war die Ruhe selbst. Seine Finger strichen durch ihr Haar, über ihren Rücken und seine Lippen waren fest gegen ihre Schläfe gepresst.

 

Gedankenverloren von ihm, als ihr Atem endlich gedämpfter kam, „Man würde keines dieser Lichter tatsächlich vermissen.“

 

Antrainierter Pragmatismus, „Trotzdem sorgt sich jemand weiter oben genug, dass er dir den Auftrag gegeben hat, ein paar davon heute Nacht zu beschützen.“ 

 

„An wie vielen Erlöschenden werde ich unbehelligt vorbeigehen?“

 

Schulterzucken, für diese Frage gab es keine Lösung.

 

Sie hielt ihre Augen geschlossen, ihr Optimismus war abgelöst durch nachträgliches Nervenflattern und das flaue Gefühl im Magen. Verspätete Reaktion auf die Achterbahnfahrt, die er ihr geliefert hatte. Angel hob ihr Gesicht behutsam an, sein eigenes war in eine undurchschaubare Maske aus selbst kreierten Schatten gelegt, kryptisch, „Du dagegen brennst wie ein Leuchtfeuer.“

 

„Wie romantisch.“ Salzsäure im Ton, ihr Lächeln schwach, „Dein visionsträchtiger Heimathafen, huh?“

 

Er nickte und wickelte träge eine ihrer Strähnen um seinen Finger. Die einzige Antwort.

 

Sie fuhr unsicher fort, „Du wirst trotzdem nachher alleine einlaufen müssen, deine Lotsin ist zu müde, um hier das Feuer bis zu deiner Rückkehr brennen zu lassen.“

 

Sein Grinsen nochmals unerwartet leicht, angesichts der nicht nachlassenden Härte gegen ihr Zentrum, „Ist okay, ich bin zum Glück mit einem guten Orientierungssinn gesegnet.“

 

Spöttisch, „Und Koordinationsvermögen in heiklen Lagen.“

 

„Sogar mit Feinmotorik, wenn es darauf ankommt.“

 

Ihr Lachen war befreit bei seiner trockenen Erwiderung, auch wenn sie das Kopfschütteln nicht verhindern konnte. Damit gab er ihr Haar frei, trat er einen Schritt zurück und hob sie von der Mauer. Nachdem sie ihr Gleichgewicht wieder gefunden hatte, brachte er sie noch einmal aus der Balance.

 

Sein Kuss war erstaunlich freundschaftlich und so war es nicht Sex, sondern Vertrauen.

 

Ihren Poncho fand sie am nächsten Morgen fein säuberlich gefaltet auf ihrem Schreibtisch, mit durchgebissener Kordel. Sein einziger Hinweis auf die Dacheskapade und sie versuchte ihre Träume vom freien Fall zu vergessen. Vor allem dass es keine Alpträume mehr waren. Mit mäßigem Erfolg und einem One-Night-Stand, der sie hochschwanger mit Dämonenbrut zurückließ.

 

Was Sex vorübergehend so ziemlich komplett aus ihrer Freizeitplanung strich.

 

3.

It’s dark in here,

Visions are flashing into my head
As I reminisce my reoccurring dreams.

~Imogen Heap – Come here boy~

 

Das dritte Mal gilt nicht, weil faktisch? Ebenso kein Koitus.

 

Dass sie ihm unter der Dusche nach tagelanger Gefangenschaft als unfreiwilliger Gladiator einen geblasen hatte, war ein Freundschaftsdienst. Mehr nicht. Ernsthaft.

 

Dass er den Gefallen zurückgab, zeigte nur dass sie die besten Freunde waren.

 

Richtig? Richtig.

 

Wofür sind den Freunde da, wenn nicht für seelischen Beistand in Notzeiten? Mit Lippen, Händen und Zungen. Dreimal. Weil sich ihr Artikulationsvermögen in Knoten gelegt hatte, die sie mit etwas Entspannung daheim aufknüpfen würde. Mit der Sicherheit im Rücken, dass er ungebunden war. Frei das zu tun, nachdem seiner Seele der Sinn stand.

 

Sie sich Sorgen, um ihn gemacht hatte und es etwas anderes war, ihm diese wie üblich verbal entgegenzuklatschen, als hilflos in der blutrünstigen Meute einer aufgeheizten Kampfarena zu stehen.

 

Mit ihm kämpfend im Scheinwerferlicht, allein und zu Unterhaltungszwecken.

 

Instinktgetrieben, denn er konnte nicht aufgeben. [Bitte nicht! Tu mir das nicht an! Komm schon, Angel!] Nicht egoistisch genug sein, um seinen Prinzipien in letzter Konsequenz zu folgen und einen würdigen Gegner oder ehrenwerten Sieg dort erwarten, wo buntes Blut den Sand verklebte und menschliche Bosheit die Luft verpestete.

 

Mit Panik, die ihr die Kehle zuschnürte und den Atem raubte, als sie ihn gegen seinen ureigenen Dämon kämpfen sah. Gegen den Wunsch zu überleben, egal um welchen Preis und zu welchen Kosten. Sie diesmal den aufgebrachten Vampir innerlich anfeuerte und nicht den gebrochenen Mann, der zögerte, die verdammten Todesstöße auszuführen, die ihn in die nächste Runde retten würden.

 

Cordelia war eigennützig und sie wollte ihn nicht verlieren. Nicht sinnlos. Nicht dort.

 

Sein letzter Kuss bevor sie mit der Morgendämmerung aus seinem Apartment verschwand, schmeckte nicht mehr nach Adrenalin oder schaler Verzweiflung, sondern - Sind wir okay? - Bist du es, Angel? – Ich denke schon. - Dann ja. - Erleichterung.

 

So war es nicht Sex, sondern Beteuerung.

 

Erst daheim schlichen sich die Fragen an, was seine Gründe fürs auf die Knie gehen waren und ob er sich den Luxus einer Rechtfertigung erlaubte oder einfach die Büßerhaltung zu sehr genoss. Weshalb sie nicht gezögert hatte, sich ihm ohne Einladung unter dem dampfigen Wasserstrahl anzuschließen, nachdem sie Wes kurzerhand auf den Nachhauseweg komplimentiert hatte.

 

Ihr Mund seine Wunden versorgte und sein gepeinigtes Ächzen ihren Hunger anstachelte, sich von ihm komplett verschlingen zu lassen. Vielleicht wurde es reichen seine Heilung in Gang zu setzen, für all die Narben, die unsichtbar blieben. Vielleicht war es ihre offene Bereitwilligkeit, die ihn stolpern ließ. Vielleicht war er ehrenwerter, als sie ihm zugestand. Oder altmodischer.

 

Cordelia mochte diese Seite von ihm noch immer nicht.

 

Denn sie wälzte sich erneut schlaflos in ihrem Bett, aufreibende Leere in sich unter der summenden Befriedigung, die er oberflächlich fabriziert hatte und sie begehrte die traumlose Vergessenheit, die er mit seinem Schwanz erzeugen konnte. Ein Vakuum war kein natürlicher Zustand, suchte immer nach Inhalt und dasselbe galt für sie.

 

Dass sie diesen in ihm suchte? War äußerst unklug.

 

Aber ihre letzte Verleugnung dieses Fakts hatte ihr Dämonenbesessenheit und geschwollene Füße eingebracht. Zusammen mit der Kälte danach, dem fast unverblümten Rauswurf des Ersatzmannes und diesen Part der Nacht hatte sie Angel zum Glück vorenthalten. So entschloss sie sich, dass Schlaflosigkeit sicherlich ein kein zu hoher Preis hierfür war, vor allem weil es kein nächstes Mal geben würde.

 

Cordelia hatte nie behauptet mit Weitsichtigkeit gesegnet zu sein oder der Fähigkeit, einen Teufelskreis zu erkennen, wenn sie mittendrin steckte. Die gute Nachricht? Das Vakuum war kein Zustand, der auf Dauer von Angel ignoriert werden konnte.

 

Die schlechte? Dasselbe galt für seinen Dämon.

 

4.

You put your face in front of mine
All but hiding desperation -
Hunger leaks out of your eyes
Whetting me with dark temptation.

~Bree Sharp – Smitten~

 

Das vierte Mal war eigentlich das zweite Mal und es ist völlig ungültig, weil Angel versucht hatte sie Stunden vorher unter Drogeneinfluss umzubringen.

 

Und das? Ist ein Grund es total aus dem Gedächtnis zu streichen.

 

Abgesehen vielleicht von optisch ansprechenden massiven Eisenketten, um seinen Körper später. Denn das Gefühlsbad heiß-kalt machte sie zu sensibel für den Rest des Paketes.

 

Weshalb er irrational heiß war.

 

Ein Gedanke, den sie sich bei dem Penn-Desaster nicht gestattet hatte zu denken, als er ebenfalls niedergebunden war und der von Angels schwindelfreier Einlage auf dem Dach, eindeutig in die Kategorie harmlose Freizeitgestaltung befördert wurde.

 

Denn das Verletzungsrisiko gegeneinander abgewogen, freier Fall oder gezwungene Bewegungslosigkeit? Bestätigten Cordelia, das sie damals die Arschkarte gezogen hatte und ihre momentane Bosheit absolut gerechtfertigt war. Selbst wenn diese mehr mit dem blanken Hass in seinen Augen zu tun hatte, der aufblitzte, als sie ihn in die Schranken verwies mit einer oscarreifen Schauspieleinlage. Ein Talent, das sie sich selbst nicht zugetraut hätte und es bedurfte nur Todesangst, um es an die Oberfläche zu bringen.

 

Irgendwie deprimierend für ihre Karriere als nächster glänzender Star am Hollywood-Himmel.

 

Was sie letztendlich zurück zu ihm trieb, gegen den Türrahmen gelehnt mit verschränkten Oberarmen und defekten Defensiven. Sie war an ihn gebunden, durch Visionen und eine Mission, die mit Doyles Tod zu ihrer eigenen gewordenen war. Eine Verantwortung, die sie ängstigte über ein Maß, das sie in Worte fassen konnte. Kein Fluchtweg, der ihr offen stand und keine wirkliche Option auf Besserung. Die Ablehnung, die sie schon früher in seinem Blick gesehen hatte, wenn sie wieder eine seiner Mauern eingerissen hatte, konnte sie nachvollziehen.

 

Die Tiefe seines Hasses? Nicht.

 

Cordelia war nicht naiv genug, um ihn nur auf den Dämon zu schieben. Das Gefühl war rein gewesen und Angelus nicht. Seine Seele war noch immer Teil von ihm gewesen, wenn auch nicht in Kontrolle, geflüstert, „Ich mag Schicksal ebenso wenig wie du.“

 

Angel hatte sich ihre Abreibung zu Herzen genommen, denn da war keine gespielte Überraschung in seiner Miene, als er seine Augen langsam von der Decke löste und auf sie fixierte. Reumütig, „Cordelia, ich wollte dich nicht ver-"

 

„Nein, hör mir zu, Angel, ich bin nicht die Art Person, mit der du freiwillig zusammenarbeiten würdest. Hölle, ich bin nicht die Freundin, mit der du von dir aus deine Geheimnisse teilen würdest, ich verstehe das. Ich verstehe auch, dass sich viele Dinge unserem Einfluss entziehen und wir durch irgendeinen kosmischen Witz separat in LA gelandet sind, wo wir uns auf einer von unzähligen Parties - die du im Normalfall nicht besuchst - über den Weg gelaufen sind und ich weigere mich, dieses Wiedersehen als Zufall abzustempeln. Aber es ist ebenso wenig unabänderliches Schicksal. Wir haben ein Arrangement, was die meiste Zeit funktioniert, richtig?“

 

Er nickte und sie hörte sich die Worte aussprechen, die sie nie in ihrem Leben sagen wollte, „Also willst du mich nur fürs Geschäft oder auch in deinem Leben? Es ist deine Entscheidung.“

 

„In meinem Leben.“ Cordelia war sich nicht darüber bewusst gewesen, dass sie den Atem angehalten hatte und stieß ihn mit einem erleichterten Seufzen aus. „Und heute Nacht in meinem Bett.“

 

Sie fror ein.

 

Oberflächlicher Stillstand beiderseits und sich aufbauende Befangenheit ihrerseits.

 

Kein Wort von ihm, nur ein lauernder Raubtierblick und die stumme Herausforderung seiner Hüften, die lasziv gegen Fesseln stießen. Sie schluckte die Dürre in ihrem Mund herunter, während ihr Plan, ihn nur einige Stunden länger für seinen Affront – zu foltern - büßen zu lassen, sich endgültig in kremiges Nichts auflöste.

 

Seine lautlose Frequenz - [Komm schon – komm schon – komm schon her – Komm, verdammt!] – ihre Logik tosend überlagerte. Sie zum lästigen Hintergrundrauschen degradierte und die Schlüssel sich mit ihren Nägeln peinigend in ihre Handfläche bohrten, bevor sich ihre Fäuste besiegt lösten.

 

Wem wollte sie etwas vormachen, sie war auf sein Leitsignal ohnehin eingestimmt.

 

Nur zu empfänglich für seine kriegerische Laune.

 

Egal, ob sie noch Nachwirkung der Droge war oder seiner echten Gefühle.

 

Friedfertigkeit nicht Teil von ihr und da war Kriegsbeute, die gefesselt auf sie wartete.

 

Es war töricht die Umstände zu verkomplizieren, sich dem Magnet in ihrem Innern entgegenzustemmen, wenn er sowieso in Eisen gelegt war und nicht genug Zugkraft besaß, um diese bersten zu lassen. Cordelia hatte den Raum durchquert, bevor sie den Gedanken zu Ende gedacht hatte und da lag keine unüberwindbare Barriere zwischen ihr und ihm. Nur sein schutzlosen Entgegenkommen, als sie sich auf ihn setzte. Nach einer Stunde unruhigen Rumtigern in ihrem Büro mit seinem hasserfüllten Blick vor dem inneren Auge.

 

Denn sie wollte ihm klarmachen, dass sie Ehrlichkeit von ihren Freunden erwartete und so war es plötzlich fair, ihm all die Vorstellungen ins Ohr zu flüstern, die sie in der letzten Stunde wie eine läufige Katze durch das obere Stockwerk getrieben hatten, weil es einfacher war, ihre Gedanken darauf zu fokussieren als auf ihre malträtierten Gefühle.

 

Keine Fragen, denn sie war sich nicht sicher, ob sie mit seinen Wahrheiten würde umgehen können. Ehrlichkeit sich auch zwischen den Zeilen manifestieren konnte und sein Körper eine Sprache hatte, die sie interpretieren konnte.

 

Verstand, ohne ihn zu hinterfragen oder sich.

 

Dass sie sich genüsslich gegen ihn reckte? All die Hautstellen leckte, die sie unter den Fesseln erreichen konnte? Kommunikation, die schon Geltung besaß, als der Mensch gerade Laufen lernte und dämonische Halbblüter wie er noch in weiter Zukunft lagen. Verlangen und sein Knurren, das beides antrieb und ihr Oberteil zweifelsohne zu zuviel Stoff machte. Ebenso wie ihren BH.

 

Der blutige Biss in seine Unterlippe, um das primitives Stöhnen zurückzuhalten, nachdem sie die Ketten verschoben hatte. Als seine gesamte Länge sich endlich so verdammt fühlbar gegen ihre Lederhose presste, waren ihr Verhängnis dieser Nacht.

 

Der Punkt ohne Wiederkehr für eine lange Zeit. Daran änderte sogar ihre amüsierte Klischee-Frage, als sie sich über ihn beugte nichts, „Bist du ein braver Junge, wenn ich dein Bett teile?“

 

Angel sexuell frustriert war lustig, in dem einen Moment, „Bist du noch immer die eiskalte Bitch, wenn du mich losmachst?“

 

„Yepp, weshalb wir es uns sparen können.“

 

Was so ziemlich die Positionen klarmachte.

 

Da war ein Machtkampf im Gange, während sie ihn nicht aus den Augen ließ, jede Gefühlsregung in sich aufnahm, die sie erpresste. Aus ihm heraus wrang, wie aus einem nassen Handtuch und das war kein Ringkampf, aber Cordelia bekam eine Ahnung, wie sich ein Boxer fühlen musste, nach der zwölften Runde in einem ausgeglichenen Fight. Während auf die Entscheidung der Ringrichter gewartet wurde, die Sieg oder Niederlage festlegten.

 

Denn Angel lag nicht bewusstlos auf dem Boden und sie hatte sich nicht als Gewinnerin gefühlt, als dies der Fall war. Sie wusste nicht, ob sie hieraus als solche hervorgehen konnte, nur fühlte es sich zu gut an, diejenige zu sein, die noch die Option auf Rückzug hatte.

 

Kräftigen Muskeln zwischen ihren Schenkeln, sein vorteilhaftes Winden und den Luxus ihrer Bewegungsfreiheit ausnutzend. Kreisende Hüften und die Wahl, ihn solange aufzuhetzen, bis er blind ihrer Unterdrückung folgen würde. Sie nicht mehr als das versklavende Joch um seinen Nacken wahrnehmen würde, sondern als die einzige, die ihn gerade freisetzen konnte.

 

Jeden neuen Eindruck aufsog, damit eine Erinnerung hinter diesen zurückstehen konnte.

 

Die äußeren Fesseln schienen die inneren zu ersetzen und Angel bereit, einige davon in ihrer Gegenwart abzustreifen. Cordelia ihr Gesicht hinter dem Schleier ihrer Haare versteckte, als sie seinem giererfüllten Blick nicht mehr standhalten konnte.

 

Sein aggressives Grollen, diesmal keine Gebete zündete, sondern Lust.

 

Sie unweigerlich tiefer rutschen ließ und ihre Hände ruhig seinen Zipper öffneten.

 

Kurze Fingernägel, die federleicht über seine Erektion strichen, während sie ihr Becken gedankenlos gegen seinen Oberschenkel rieb. Aufstobendes Feuerwerk unter ihrem Körper und ihr kristallklares Lachen, sein farbenreiches Fluchen und ihre Faust, die es antrieb.

 

Ihre Zunge, die es zum verstummen brachte – inhaltslos machte, als sie über seine Länge leckte. Die Spitze umkreiste, sein Aufbegehren dringlicher machte. Seinen Wunsch in ihrem Mund abzutauchen, endlich Bitte zurück in seinen Wortschatz brachte.

 

Die Erfüllung davon Betteln hervorbrachte, als sie ihn komplett darin verschwinden ließ und ihn an der Basis niederhielt. Oder vielleicht war das ihr Verlangen nach einer Stütze und seinen Verstand unter ihrem Mund zerbröckeln zu sehen, war unzweifelhaft sehenswürdig. Nicht dass sie diesen Anturner noch nötig gehabt hätte, sie war selbst zu weit weg von Beherrschung oder Scharfsichtigkeit. So sehr, dass sie die Augen schloss, um sich nur auf die Textur und seinen pur maskulinen Geschmack zu konzentrieren.

 

Geschickte Drehung ihrer Zunge, die Andeutung von Zähnen und ihre Faust brachten ihn mit einem ungezähmten Schrei zu einem schnellen Höhepunkt, ließen sie schlucken und sie schälte sich über ihm stehend aus ihrer klatschnassen Lederhose. Seinen befriedigten Blick auf sich gerichtet und dem Funken von neuem Interesse unter seinem zufriedenen Grinsen. Oh, sie kannte das Gefühl von zuviel und trotzdem nicht genug zu gut und es gab eindeutige Vorteile seiner Spezies beim Sex.

 

Als ihr Tanga auf den Boden flog, war halbhart bereits ein Fakt der Vergangenheit.

 

Geschmeidigkeit sah anders aus, aber Cordelia fühlte sich ungeschickt, aufgekratzt und es manifestierte sich in ihrem - fast - Fall auf ihn. Die Ketten drückten unangenehm in ihre weichen Innenschenkel, ließen sie nach einer bequemeren Stellung suchen und Angel sich erneut wälzen, diesmal auf der Suche nach ihrer Feuchtigkeit.

 

Sein raues Flüstern, „Gib mir deinen Geschmack, Cordy.“ 

 

Ihre Finger verschwanden auf sein Kommando zwischen ihren Schenkeln, brachten ihn zu seinen Lippen und seine Zunge saugte an ihrem Zeigefinger. Sein Blick gelb glänzend, der Dämon unter der menschlichen Fassade tanzend und sie zielgenau im Fadenkreuz.

 

Wieder.

 

In dem Augenblick wurde ihr schlagartig klar mit wem sie das Bett teilte.

 

Oder mit wem er seinen Körper.

 

Denn sein forderndes, „Mehr!“, jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken und keinen Wonneschauer. Einen sprachlos geschockten Moment [GottseidankwarWespeniblegründlichbeiseinemFesselspiel-undsienochzunaivdennsiewarentatsächlichnotwendig-undwastriebsiezurHöllegenauhierinAngelsSchlafzimmer?] später war nur warmes Mahagoni-Braun zu entdecken, wo vorher entseeltes Feuer geglommen hatte. „Cordelia, rutsch hoch. Komm schon. Ich beiße nicht.“

 

Und es war nicht so amüsant, wie es hätte sein können.

 

Der Befehl unter der samtigen Weichheit fast nicht zu hören und sie wusste nicht, wie viel davon echt und wie viel gespielt war und das alleine hätte sie diese Runde abbrechen lassen sollen. Aber der Hass fehlte diesmal. Die Erinnerung an das letzte Mal imponierend genug, um der Instruktion zaudernd nachzukommen.

 

Er war niedergebunden, wie gefährlich konnte er schon sein?

 

Die Opferhaltung diesmal für sie reserviert, auch wenn sie diejenige war, die angebetet werden sollte. Ihre Fingerknöchel weiß um das Metall des Bettgestells und ihr argwöhnischer Blick auf sein gieriges Gesicht zwischen ihren Knien gerichtet, bevor sie sich zweifelnd nieder senkte.

 

Vielleicht bestand doch kein so großer Unterschied im Verletzungsrisiko.

 

Nur leider hätte sie diesmal ebenso den Trumpf verpasst.

 

Der einzige Gegensatz lag im Detail, darin dass er diesmal seine Bedürfnisse in den Vordergrund stellte und ihre sekundär waren. Dass seine Zunge egoistisch war, sein Mund so verdammt ausgehungert und scheinbar überall zugleich neue Brandherde legte.

 

Er diesmal keinen Halt offerieren konnte und das war Segen und Fluch. Ihre Oberschenkelmuskeln unter der Anstrengung schwankten sich oben zu halten, sein Gesicht nicht unter sich zu begraben. Obwohl sie davon ausging, dass es keine Belastung für ihn gewesen wäre, nur glorreiche Versüßung. Die Intensivierung ihrer Niederlage.

 

Ihre Unterarme eine gute Kopfstütze abgaben, wenn sie den Tremor in ihren Oberarmen lange genug ignorieren konnte. Und den in den Bauchmuskeln und die Schweißtropfen, die über ihre Haut rieselten. Angel ihre Vernunft in Stücke zerbrechen ließ, Fakten und Bilder kreiselnd an die Oberfläche spülte, als ob ein Schiffsbruch hinter ihr lag und sie willkürlich mit Erinnerungsstücken ihres Lebens konfrontierte, die sie schon lange als verloren eingestuft hatte.

 

[Hallo, salzige Gottheit! (Und er ist der zweite Mann dieser Nacht, für den sie unsichtbar ist und was hat es mit Buffy auf sich, dass sie vorgezogen wird? Denn das war unnormal auf eine Weise, die ihr den Kopf schwirren lässt und nur milde im Bezug auf ihren alles entscheidenden Ruf.)

 

Angel ist ein guter Vampir. Er würde dich nie verletzen. (Und Buffy blickt sie an mit Tränen schimmernden Augen und sie ist sich nicht sicher in was für einer verdammten Parallelwelt sie sich befindet, aber sie hätte nichts dagegen, wenn der Slayer jetzt in Arsch-kick-Modus wechseln würde und sie auf weitere Erklärungen, die sie nicht hat, verzichten könnte.)  

 

Ow, komm schon. Nur eine mehr. (Und Angelus füllt den Himmel über ihr mit seiner Hölle aus und da ist der Moment, in dem sie ernsthaft glaubt, dass es mit ihrem Leben zu Ende ist und dann zieht Buffy ihn hart zurück und sie kann weiter atmen.)

 

Zu dieser Stunde? (Und Doyle sagt den einen Namen, der Angels Welt aus den Angeln hebt und das im Zusammenhang mit einer Vision und nichts hat sich verändert, bis auf den Fakt, dass sie lieber den Whiskey ausschüttet und Wasser für Doyle nachschenkt, bevor sie ihm die vier Aspirin gibt, die nichts als ein Symbol für Sorge sind und kein Heilmittel und er grinst verlegen und sie denkt, dass ihre Gewohnheit eine Schande ist, dass sie sich in die größten Verlierer verliebt, denn da ist das Herzflattern und sie fühlt ihr warmes Lächeln durch die Eisschicht brechen.) –

 

War es das? Bin ich fertig? (Und es ist nicht der Werbespot ihrer Träume und es ist alles was ihr als Beweis bleibt, dass Doyle hier gewesen ist und sie kann nicht fühlen, nicht denken, denn ansonsten besteht die Gefahr, dass sie sich ihm anschließen will und das ist zu Shakespeare-mäßig für Cordelia Chase und da war ein Mittsommernachtstraum der ungeträumt bleibt und die Tränen beginnen zu fließen, weil der Riss in der Realität beginnt real zu werden und niemand da ist, der ihn je wieder mit einem schiefen Lächeln versiegeln kann.) –

 

Uh… Sex ist schlecht. – Das wissen wir alle. (Und er duckt sich unter ihrer erhobenen Augenbraue und sie bekämpft ihr stolzes Lächeln, weil er gut darin wird, versteckte Anspielungen in allgemeinen Aussagen zu treffen, da ungeahntes Potential für Humor in ihm schlummert, so dass sie die Ursache für die kürzlich entdeckten Fältchen in seinen Mundwinkeln in Lachen einordnet und sie sich fragt, wer in Irland gestorben war, um Platz für diese absonderliche Kreatur zu schaffen und Wesley den Doppelsinn nie erfassen wird und sie denkt, dass sie ihn liebt, ohne Herzflattern.) –

 

Und der Oscar geht an… (Und sie hat noch nie in ihrem Leben unverhohlenen Hass gesehen und weiß nun, wie dieser aussieht und sie denkt, dass sie auf diese Erkenntnis vor ihrem Tod hätte verzichten können, denn er ätzt sich durch ihr papierdünnes Bild eines Engels und füllt es mit seinem Dämon bis in den letzten Winkel und ihr Herzschlag galoppiert davon, als ob der Teufel persönlich hinter ihr her ist und sie liegt nicht so falsch mit dieser Metapher und er knurrt und sie betet, dass sie mit intakter Würde sterben wird und dann setzt er zum Sprung an und Wesley ist um den Bruchteil einer Sekunde schneller und sie geht in die Knie, als sie ihn bewusstlos im Fahrstuhlschacht liegen sieht und da sind Träume unter seinem Einschlag zerschmettert, von denen sie nicht wusste, dass sie sie in sich trug und sie fällt – tiefer – mit ihnen.)

 

Mehr! (Und er wird nicht mehr von ihr bekommen, als sie ihm zugesteht, denn er würde ihr das Leben aus den Adern saugen und sie kann nicht – denken, fühlen und da ist eine Hohlraumversiegelung im Gange, die sich außerhalb seines Einflussbereiches abspielen muss – ansonsten – ist er unter ihrer Haut und da ist nicht genug Platz für ihn und er – braucht zuviel. Von ihr. Und sie nur das. Im Moment.)]

 

Wasser war tragendes Element, aber nicht alles was es durch den Schiffbruch schaffte, konnte sich oben halten. Dauerhaft durchsetzen, aber das Bedürfnis sich an Wahrheiten festzukrallen, die zum erneuten Sinken verdammt sind, war zu groß.

 

Wasser war leitendes Element und sie bestand aus 78 Prozent davon und es fühlte sich nach mehr an. Die Schauer, die durch ihren Körper regneten. An Stärke gewannen, bis sie zu einem Prasseln und Donnern anschwollen, das durch jede Fiber ihres Körpers weitergeleitet wurden. Als ob er keine Zelle von ihr vergaß in Schwingung zu versetzen, auf seiner ganz eigenen, zerstörerischen [Komm her – Komm, verdammt!] Frequenz.

 

Angel sie auf dieser verzehrenden Grenze hielt seit einer scheinbaren Ewigkeit.

 

Sie durch jede Pore ausströmte, so dass die Tatsache, dass sie einen Verstand besaß und im Gegensatz zu ihm, nicht unterjocht – gebunden – gefesselt war, schwer zu erfassen.

 

Fremdes Konzept in einer unbekannten Form.

 

Ihre verkrampften Finger zu lösen, war pure Anstrengung. Sie in Position zu bringen beinahe unlösbar, aber sie fand den Punkt wurde von seiner Nase weggedrückt und da war der Blitz, der sich in der absoluten Spannung angekündigt hatte. Trockenes Schluchzen, das sich tief in ihrem Inneren löste, an der Stelle, die er bis jetzt noch nicht erreicht hatte. Unter dem Eispanzer, der ihr Herz schützen sollte.

 

Gleißender Schmerz und Eintrittpunkt, bevor die Elektrizität durch ihren Körper sprang.

 

Funken und Licht, obwohl ihre Lider zusammengepresst waren, für eine lange Zeit.

 

Es kümmerte sie nicht, dass er minutenlang unter ihr begraben lag. Angel würde schon nicht ersticken. Es kümmerte sie ebenso wenig, ob er ihr gemurmeltes, „Arschloch!“, hörte oder nicht, zwischen ihren Beinen beerdigt.

 

Als sie ihren Muskeln genug traute, um sich an der noch immer angespannten Hand, um die Metallstange hochzuziehen, war seine einzige Reaktion ein tiefer Atemzug und sie zog ihn biestig an den Haaren, die irgendwann in jüngster Vergangenheit in ihrem groben Griff geendet hatten.

 

Sein, „Undankbares Luder!“, wurde mit matter Liebenswürdigkeit verzeichnet.

 

Während sie wie ein Wasserfall an ihm herunterströmte, sich nicht einmal an den Ketten störend. Widerstandslos und weich. Nicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, sondern ein verfluchter Bach oder Fluss. Kein Ozean. Träge vor sich hin fließend, noch immer nach einem Ziel suchend, nach etwas, das sie ruhen lassen würde. Nicht mit ihm, denn da war zuviel das sie trennte, zuwenig das an ihre magere Illusion von Liebe erinnerte und sicher kein verliebtes Herzflattern.

 

Angel hatte die Tendenz, eher einen Herzinfarkt in ihr auszulösen.

 

Ihr Lächeln war dennoch ungetrübt, als sein glänzendes Gesicht auftauchte und seines aufreizend.

 

Ihr spöttisches, „Bisswütiger Vamp!“, wurde mit spontaner Verweigerung seinerseits quittiert.

 

Bis sie ihre Finger über sich gleiten ließ und den rubinroten Beweis seiner Schändung schimmernd im Schein seiner Nachttischlampe offenbarte. Der Teil, der sie zu diesem Zeitpunkt ernsthaft hätte alarmieren sollen, war sein entsetzter Gesichtsausdruck. 

 

Neben der Tatsache, dass er es gewagt hatte, sie zur Hölle noch mal in unmittelbarer Nähe ihrer Klit anzuritzen. Was ein Weckruf der ganz eigenen Art gewesen war. Auch wenn es maximal ein paar Tropfen Blut waren, die er insgesamt an die Oberfläche gebracht hatte. Es war ihr Blut und da war eine Banngrenze von dem Dämon überschritten worden, die ihr erst später bedeutungsvoll genug erschien, um sich daran zu versuchen, sie wieder aufzubauen.

 

Ohne Erfolg. Denn er war stärker und ihre unleugbar größte Gedankenlosigkeit.

 

Doch sie war in dem Moment zu gefesselt von der puren Ungläubigkeit in seinen Augen, um über weiter reichende Konsequenzen nachzudenken, die über eine instinktive Milderung derselben hinausgingen. Sie lehnte sich über ihn, brachte ihr Gesicht vor seines, seine Augen noch immer an ihrem Zeigefinger festgeheftet, „Angel?“

 

Die Leere in seinem Blick war selbst gemacht, sie erkannte die Differenz.

 

Diese gewaltsame Zügelung und da war nicht viel, was sie sagen konnte, was das weniger makaber gestalten würde. Denn Hallo? Wer war die letzten Minuten auf Tauchstation gewesen und hätte spätestens da die Witterung aufnehmen müssen? Oder hatte er ernsthaft gedacht, dass sein Talent oder Glück ausreichte, um sie just in diesem Moment ihre Tage bekommen zu lassen?

 

Cordelia war sicher, dass er sich schon auf der Flucht vor ihr befinden würde, wenn nicht die schweren Eisenketten ihn in ihrer Gegenwart festbinden würden. Es war nicht okay. Das sollte keine neue Routine für ihn werden. Sie wollte ganz sicher nicht sein Kauspielzeug werden. Es war nicht so, als ob sie überhaupt auf eine Wiederholung des Orgasmus-Part spekulierte. Zumindest nicht kopfmäßig.

 

Das waren alles vermeidbare Zufälle gewesen.

 

Das Zusammentreffen von äußeren Umständen. Nicht sie in der Grundessenz.

 

Oder vielleicht doch in Reinform.

 

Es war zu einfach die Klappe zu halten, all die unschönen Argumente drinnen zu halten und ihren Finger einfach in seinen Mund zu stecken. Bevor sie seine Überraschung mit ihrer Zunge ersetzte und all den Sinneseindrücken, die er besser verstand als sie. Ihr Blut mischte, den seine Lippen war noch nicht geheilt und dieses Verhängnis noch nicht versiegelt.

 

In Stillschweigen oder Verdrängen, ihrer Koexistenz zuliebe.

 

Beginnende Symbiose und sie hatte nie vergessen, dass sein Dämon nicht nur negative Eigenschaften besaß. Nicht nur blendenden Hass. Dass sie ihn in gewissen Augenblicken der komplexen Seele vorzog, weil er Dinge in greifbare Perspektive rückte, die sie ansonsten nur aus der unnahbaren Entfernung betrachten wurde.

 

Pure Erregung sich summend aufbaute und sie noch ein Stück weiter an seinem Körper herunterrutsche ließ, um die Verbindung endlich komplett zu machen, die sie unbestreitbar um den Schlaf brachte.

 

Er zog die Luft aus ihren Lungen, unabsichtlich und sie verlor sich zu gern in dem Strudel, den er erzeugte. Dem beruhigenden Wiegen ihrer Hüften und den Ankerketten um seinen. Dem Wassersturm, der abermals aufzog und seinem kehligen Stöhnen. Seinem heiseren Flüstern, das zu leise war, um es zu ergründen. Dem Sog in ihrem Innern und sie ging unter, mit der rauschenden Brandung in ihren Ohren. Gischt und Brechern in ihrem Körper, die sie unter ihrer Wucht zu zermalmen drohten, ohne dass er auch nur einen Finger auf ihrer Haut hatte und vielleicht war das er.

 

Vielleicht war es nur ein feuchter Traum von dunklen Klippen, Zielen und Vergänglichkeit.

 

Das Erwachen danach und sie muss kurz weg gewesen sein, angstgelähmt, nachdem die Erinnerung wieder transparent in ihren Kopf zurückflutete. Zu viele simple Regeln, die von ihr gebrochen worden waren. Zu viele komplexe Motive, die sie lieber unbeachtet gelassen hätte. Zu viele Schleusen, die sie gedankenlos aufgestoßen hatte. Da war ein verdammt dunkles Monster in seiner vertrauten Silhouette, lebendig in dem übergroßen Schatten, den er auf sie warf.

 

Ihre Finger sich schmerzhaft um die Eisenketten schlossen. Minuten, die sie einfach regungslos auf seiner Brust liegen blieb, bis das Chaos einigermaßen eingedämmt erschien.

 

Sie den Mut fand, den Kopf zu heben.

 

Angels stilles Inferno auf sie fixiert und sie löste die noch immer bestehende Verbindung zwischen ihnen. Lächerlicherweise Kontakt vermeidend, denn der Kurzschluss hatte schon stattgefunden. Neben ihm kniend suchte sie unbeholfen nach den Schlüsseln. Bis sie diese schließlich unter seinem Schulterblatt fand. Löste dann mit tauben Fingern seine Handfesseln und die an den Füßen, während er begann sich aus ihnen herauszuarbeiten.

 

Die Elektrizität vertrautes Knistern, in der Stille der Dinge, die Ungesagt blieben.

 

Cordelia war sich zu sehr über den Fakt bewusst, dass sie nackt war, während er nur seinen Reißverschluss schließen musste. Sammelte hektisch ihre Kleider ein, Lederhose über die Hüften schiebend und das gelbe Top ohne BH anziehend. Ihren Tanga in die Vordertasche schiebend und ihre Schuhe suchend, bis ihr einfiel, dass sie oben bei ihrer Tasche lagen.

 

Dann mit dem unleugbaren Bedürfnis jeden Punkt im Raum anzustarren, bis auf ihn, aber sie überwand den inneren Schweinehund, so schnell wie er zum Leben erwachte. Starrte ihn an, wie er dastand. Schwarzes Hemd, schwarze Hose mit weißen Flecken und mehr die noch hervortreten würden, wenn das Gemisch trocknen würde. Irgendwie komisch, dass Blut optisch von dem Stoff geschluckt wurde und das hier nicht.

 

Irgendwie passend für ihn.

 

Angel unbewegt in der Mitte des Schlafzimmers, sich abwesend die Handgelenke reibend.

 

Sie trat steif auf ihn zu, drehte die violetten Blessuren ins Licht, nicht sicher, ob sie das sehen wollte und mit der Gewissheit, dass sie nur diese eine Chance dazu haben würde, mit den Folgen ihres Vergehens konfrontiert zu werden. Betrachtete eingehend ihr Werk. Sein instinktives und andauerndes Aufbegehren gegen die Eisen, das bei ihrem nächsten Wiedersehen verblichen sein würde.

 

Vielleicht hatte es seine Berechtigung, dass sie diejenige war, die vollständig ihre Kleider verloren hatte. Vielleicht suchte sie nach nichtvorhandener innerer Versöhnung mit ihrer Reaktion auf sein Verbrechen, die sie ohne seine geschundene Haut im Blickfeld kriegen konnte. Der lange Kuss auf seinen früheren Pulspunkt war nur eine reumütige Geste, für die Entschuldigung, die in ihrem Hals stecken geblieben war.

 

Eine, die den Blick in seine Augen noch hinauszögern sollte.

 

Und die anderen Wahrheiten, „Nie wieder!“ Spürte den Ruck, als er sie nach ihrer Aussage anvisierte. Gedämpfter, „Keine Fesseln.“ Damit fing sie seine Augen ein, „Für dich.“

 

Sie konnte nicht genau sagen, warum sein Kiefer lange stumm arbeitete, bevor er nickte.

 

Das schwelende Inferno seiner dunklen Augen kurz zu schwefelfarbigem Feuer wurde.

 

Oder warum sie nicht die Einschränkung auf sie beide gemacht hatte. Oder es generell bei der ersten Aussage belassen hatte. Denn sie brauchte ihn nicht für Sex und das war Wahnsinn. Ohne Beschönigungen und mit dem zweifelhaften Bedürfnis blinden Hass in ihrem Bild von ihm in etwas zu verwandeln, das sie managen konnte und Sex gehörte dazu und Sex mit ihm ließ sie vergessen und diese Wahrheit galt noch immer.

 

So wie die, dass sie frei war.

 

„Ich nehme mir den Tag Urlaub. Bezahlt.“

 

Angel nickte und wechselte kein Wort mit ihr, nachdem sie ihn freigesetzt hatte und es waren die Zweifel, ob er es aus ihren Gründen tat oder seinen. Denn er sah nicht so beschämt oder von sich selbst entsetzt aus, wie sie sich fühlte. Nur verstört mit Betroffenheit in den Augen, die sie auf das Blut schob, das er ihr heute gestohlen hatte.

 

Eine weitere tragische Figur in ihrem abgedrehten Alltag.

 

Als sie schließlich zurücktrat und sein Handgelenk losließ, kickten seine Instinkte ein und die Hand in ihrem Haar war unnachgiebig, fast brutal in ihrer Schnelligkeit, mit der sie wieder an seinen Körper gezogen wurde.

 

Sein Kuss ungeschliffen begehrend war und so war es nicht Sex, sondern Grenzüberschreitung.

 

Cordelia war sich nur nicht sicher, wer welche übertreten hatte und wo ihr eigentliches Limit lag.

 

Ob es von Bedeutung war, als mit den erheiterten Blicken im Bus konfrontiert wurde, die aussagten, dass sie so aussah, als ob sie die sich zu Ende neigende Nacht durchgevögelt hatte. Eine nette Abwechslung zu ihrem sonst abgehetzten Auftreten, wenn sie um diese Unzeit den Bus nach Hause nahm und begutachtet wurde mit der Botschaft, ‚Verlass ihn einfach, Kleine!’, in den fremden Gesichtern. Dem trotzigen Gedanken, ‚Wenn es nur halb so simple wäre, würde ich.’

 

Ihr Lächeln in der spiegelnden Scheibe war zufrieden und sie unterließ es, es mit Denken zu sabotieren. Sie hatte Urlaub und noch genügend Geld für einen Shopping-Raubzug, um die letzten dunklen Momentaufnahmen verblassen zu lassen.

 

Angel sie am darauf folgenden Tag mit einem nervösen Grinsen begrüßte. Die Erinnerung an die vorgestrige Nacht verfolgte sie noch immer auf jedem Schritt. So wie das Phantom seines brennenden Blickes, der neutral war, wann immer sie ihn fragend erwiderte. Bis sie es komplett unterließ seine Launen zu erforschen und beschloss ihr Leben einfach zu genießen.

 

Schließlich hatte er sie in seinem willkommen geheißen.

 

5.

Go on, you've made yourself clear -
You're no good for no one now.
You put your selfish hands and your selfish tongue on my body,
But we both know who your mind's on -
I know you're still dealing with her leaving
It's a shame, but you've only yourself to blame.

~Owen – Nobody’s Nothing~

 

Das fünfte Mal war Streitsex, die Sorte, die sie zunächst glühen, dann ausbrennen ließ.

 

Ein Kernbruch und der nuklearer Winter für Wochen, weil die eiskalte Anklage danach ihr das Fleisch von den Knochen zog. Effektiver als seine Fänge es je gekonnt hätten. Übertragen gesprochen natürlich, acht Pfund waren nicht die Welt und vielleicht zählte dieser Sex in der folgenden Zeit für ihre Waage, aber nicht für sie. Basta.

 

Was stellte er ihr auch einen Strauß weißer Rosen auf den Schreibtisch mit einer Karte in seiner altertümlich geschwungenen Schrift, wenn sie ein passendes Veilchen für Faiths Ticket ins Gefängnis trug? Er Buffy aus LA verwiesen hatte, nur um seinem Bettelgang nach Sunnydale zu starten und dass Wesley sie in der Nacht davor ausführlich darüber informiert hatte, welches neuste Desaster er sich in ihrer Abwesenheit zusammengebraut hatte, war äußerst aufschlussreich gewesen.

 

Seine Entschuldigung nun ebenso und wer zur Hölle dachte er, dass er war?

 

Dass es ihm zustand ihr Schicksal und Wahl zu erläutern, wenn er von beidem keine Ahnung hatte. Am wenigsten von ihren Gründen hinter ihm zu stehen und wann zum Teufel hatte sie ihm je den Vortritt gelassen, wenn es nicht gerade darum ging ihn Kopf voran in den nächsten Fight stürzen zu lassen? Wann?

 

So ja, ihr Reinstürmen in sein Grübelzimmer und demonstratives Fallenlassen der Blumen samt Vase in seinen Papierkorb mit einem zufrieden stellenden Klirren war ihrer Meinung nach eine milde Behandlung für seine Unfähigkeit logisch zu denken, sobald ein Slayer in sein Leben verwickelt war.

 

Beide? Hölle, er konnte froh sein, dass die antike Vase nicht gegen seinen Dickschädel gekracht war, um ihren Standpunkt, dass er zu oft ein Vollidiot war, klar zu machen.

 

Er schnappte sie an ihrem Handgelenk, als sie wieder aus dem Büro rauschen wollte und zog sie zurück, verärgert und eventuell war die Vase doch wertvoller gewesen, als sie in all ihrer verschnörkelten Geschmacklosigkeit aussah, „Was ist dein verdammtes Problem mit der Form meiner Entschuldigung, Cordelia?“

 

„Zu blumig?“

 

Ein Schnauben, dann bemüht ruhig, „Jetzt bitte ohne Sarkasmus.“

 

„Du.“ Sie versuchte sich erfolglos aus seinem Griff zu winden, „Wie kannst du jeden – ich betone jeden - deiner wenigen Verbündeten anpissen und erwarten, dass es mit einem, ‚Ups, Sorry, kommt nicht wieder vor, der psychopatische Slayer hat sich freiwillig gestellt!’, okay ist?“

 

Selbstgerecht, „Ich glaube meine Entschuldigung war gedankenvoller formuliert als ‚Ups, Sorry!’, und ich habe das einzig Richtige für Faith getan, indem ich ihr Unterschlupf gewährte.“

 

„Oder für dich?“

 

„Muss das eine, das andere ausschließen?“

 

Sie war über den Punkt Rücksicht schon seit seiner Karte hinaus und Tiefschläge erschienen so verdammt angemessen. Also holte sie aus, den verbal war der einzige Weg ihn zu schlagen und sie hatte vor ihn zu rösten, „Solange du dich daran erinnerst, was davon ein billiger Vorwand ist, um deiner Ex zu sagen, was dich ankotzt? Nein.“

 

Angel zuckte unter ihrer Bezeichnung für Buffy unwillkürlich zusammen und ihre Wut flackerte flirrend weiter hoch.

 

Zuckersüßes Lächeln und eiskalt serviert, „Solange du nicht vergisst, dass Faith mich niedergeschlagen, Wesley gefoltert, Buffy beinahe wieder umgebracht und generell eine Schneise der Zerstörung hinterlassen hat? Wäre es nett, wenn du an deine Mitarbeiter mit Puls denkst, bevor du eine Einladung für unser Büro ausstellst, anstatt sie in einem heimeligen Hotel zwischen zu lagern, bis sie sich für eine Seite entschieden hat. Denn sie war labil und gemeingefährlich, richtig Angel? Und wie lange braucht ein entwaffneter Slayer genau, um einen Menschen zu töten?“

 

Damit löste sich jäh das Stahlband um ihr Handgelenk, „Das hätte ich nie zugelassen, Cordelia, das weißt du.“

 

„Und wie lange, um einen Vampir in Staub zu verwandeln? Jeez, Angel, sie ist Vampirjägerin und du natürliche Beute. Buffys Rekord liegt unter drei Sekunden ohne Armbrust und Faiths? Ist sie schneller? Möglicherweise. Du hast eine tickende C4-Bombe heimgebracht und dass sie nicht explodiert ist, war reines Dummenglück. Nicht dein Instinkt, nicht deine Erfahrung und ganz sicher nicht dein gesunder Menschenverstand. Also sag mir noch mal, weswegen ich mich nicht aufregen soll, Angel, denn deine Gründe zur Seelenruhe entziehen sich mir.“

 

Sie drehte sich schwungvoll zur Tür, als ihr sein Schweigen zu lange dauerte.

 

Nachsichtiger Tonfall hinter ihr, „Und mir deine für diese Szene. Weißt du denn gerade, ob dich Ehrlichkeit oder Eifersucht antreibt, Cordy?“

 

Er hatte keine Ahnung, worüber er gerade sprach, der Schlag unter die Gürtellinie sollte nur von seinen fehlenden Argumenten ablenken und seine verdrehte Logik ergab sogar für sie auf eine latente Weise Sinn. Sie wusste das, ehrlich, nur kaufte sie ihm den Bullshit, den er anpries, nicht ab und konnte ihm aus Prinzip nicht das letzte Wort lassen.

 

Ihr Grundproblem, dass sie seine Herausforderungen nicht unbeantwortet lassen konnte, brach wieder voll durch und es gab kein wirkliches Heilmittel dafür. Ihren Weg fortsetzend, „Worauf sollte ich eifersüchtig sein, Angel? Ich sehe nichts, was sich meinen Neid im Ansatz verdient hätte. Am wenigsten dein Kleingeist, er treibt mich offen gestanden in den Wahnsinn.“

 

„Also wo bleibt deine Aufrichtigkeit nun?“ Was lächerlich war, keine Reaktion bedurfte und sie kalt lassen sollte. Es tat, bis er die Türe vor ihrer Nase zuschlug und seine in ihren Haaren vergrub. „Ich glaube mich daran zu erinnern, dass ich dich nicht nur ein Mal wahnsinnig gemacht habe.“

 

Ein bebender Atemzug und dann hatte sie ihr Rückgrat zurück, „So wie gerade eben? Das ist richtig, das kam zu oft vor.“

 

Sein Körper sie mit seiner schieren Präsenz hinter sich gegen den Türrahmen drückte, auf eine aussichtslose Flucht schickte, deren Weg blockiert war. Seine Hände, die rau ihre Hüfte einfingen und fest gegen seine zog. Schroffe Verleitung in seiner wortlosen Wendung, seiner Führung leichtsinnig zu folgen.

 

Dem Streit eine tiefere Bedeutung ihrerseits zu geben und der untrüglichen Gewissheit, dass sein Sunnydale-Besuch gelinde gesagt, eine Kamikazeaktion für sein Ego gewesen war und nicht nur eine mittlere Katastrophe. Ihren Hintern gegen seine Härte presste, bevor die Finger ihre Taille abfuhren, unter ihrer Bluse vor krochen und ihre Brüste unter einer weiteren Lage Stoff liebkosten.

 

Harsche Verführung in jeder Bewegung und seiner Stimme, „Nein, anders.“

 

Die Fieberglut in ihrer Magengrube stieg, färbte jede seiner Berührungen sexuell und ließ sie mit wackeligen Knien zurück. Es gab die seltenen Momente im Leben, die einem kristallkugelklar zwei Pfade präsentierten.

 

Das war einer davon.

 

Dass sie sich nicht für den entschieden hatte, der sein angeknackstes Ego endgültig durch die Häckselmaschine von Buffy, neuer Freund und ‚Wie war das mit deiner einzig wahren Liebe, Angel?’, gejagt hätte, war selbstredend. Sie war fies, aber nicht fies genug, um ihm endgültig die Pulsadern durchzuschneiden, wenn er selbst so einen phänomenal guten Job damit hingelegt hatte. Schließlich war sie diejenige, die seine Wunden mit Stil und Anmut verband, meistens. Wenn es nicht gerade fünf Uhr morgens war und sie nur noch in irgendein Loch kriechen wollte, um sich auszuruhen. 

 

Dass sie sich nicht für die glatte Straße von purer Bestätigung seiner Männlichkeit entschieden hatte, die Balsam für seine neuen Blessuren versprochen hätte und eine Menge Staub für sie, war nachvollziehbar. Sie war verrückt, aber nicht genug, um sich auf seine Soap-Vorstellung von Liebe einzulassen, wenn Seifenblasen und ein Ausrutscher auf dem glitschigen Parkett alles war, was sie erwarten konnte, wenn sie sich auf diesen uneleganten Tanz mit ihm einließ.

 

Was Cordelia so ziemlich die Option ließ, sich quer durchs Unterholz zu schlagen.

 

Was sie tat, in der Hoffnung, dass sich dort keine weiteren Landminen befanden.

 

„Das Kompliment kann ich zurückgeben, Angel, zusammen mit deinem Betteln dich endlich kommen zu lassen.“

 

Sein Mund, der sich als Hauch über ihre Ohrmuschel bewegte, „Oh, dito.“

 

Bemüht kalt, während ihre Nervenbahnen zu glühen begannen und warum hatte er die Macht, sie in wirbellose Weiblichkeit zu verwandeln, wenn ihr letztes Date einen besseren Grund fürs Ausziehen vorgelegt hatte, nämlich die Nebenrolle in seinem neusten Streifen und Angel mit gottverdammter nichtvorhandener Eifersucht aufwartete? Weshalb musste ihre Logik gerade jetzt einen Kurzurlaub machen?

 

Wann hatte sich ihre Lust auf mittelalterliche Machtspiele eingependelt?

 

Und was genau hatte es mit den leichten Kreisen auf sich, die seine Daumen über die dünne Spitze um ihre Brustspitze zogen, die ihr die Fähigkeit zu denken nahm? Alles in ihr in warm, weich und schmelzend in goldenen Sirup verwandelten, während sie sich ungewollt gegen seinen Körper schmiegte, der sich in so perfektem Widerspruch hart gegen ihre Kehrseite klebte.

 

Die Holzmaserung vor ihren Augen verschwamm, wurde schwarz, als seine Finger den BH öffneten und sie mit einem unterdrückten Fluch für wen auch immer zurückließ, der den Vorderverschluss erfunden hatte und sie hatte gerade zwei davon im Schrank und wie groß war die Wahrscheinlichkeit? Ehrlich, dass sie an manchen Tagen das Gefühl hatte, dass sich das gesamte Universum gegen sie verschworen hatte, war nicht ganz unbegründet. Seine Hände griffen fester zu, kneteten und sie lehnte sich gegen seine Brust, während seine Lippen hinter ihrem Ohr und dann über ihren Hals strichen und ihre bestechlichen Finger, die Knöpfe ihrer Bluse aus eigenem Antrieb öffneten.

 

Belegt von ihr, mit Ironie, die irgendwo auf dem kurzen Strecke zwischen Gehirn und Mund verloren gegangen war und dem süßlichem Geschmack von Niederlage auf der Zunge, „Also bezog sich dein ‚Du bist nicht meine zweite Wahl’ hierauf? Denn irgendwie kann ich mit der Aussage ansonsten wenig anfangen.“

 

„Nein, aber es schließt diese Episode nicht aus.“

 

Halbdurchdachte Provokation, die harmlose Variante, mit der ihr Mund aufwarten konnte, ohne ihr Gehirn anzustrengen, „Bin ich der Seitensprung oder die unrühmliche Mätresse für dich?“

 

Diejenige, die sie mit ihrer Unlogik aus der Schusslinie befördern sollte und nicht den Funken für sein Pulverfass liefern, wenn er dabei war jede ihrer Lunten in Brand zu stecken und sein schattiges Büro hatte sich noch nie so sonnendurchflutet angefühlt. So heiß aufgeladen.

 

„Nichts von beidem, ich bin ungebunden, schon vergessen.“

 

Ihr Lachen war dunkel, mit schwarzem Humor gefärbt, der die goldene Aussicht, die seine Finger für ihre Sinne zeichneten, wieder in realistische Perspektive rückte. „Nur weil Buffy, die Leine gerade locker laufen lässt, heißt das nicht, dass dein Halsband nicht wieder zum Einsatz kommt. Du bist zu kurzsichtig, Angel, oder hast du nie gelernt, dass wir Frauen uns das Recht vorbehalten, unsere Meinung zu ändern?“

 

Neutral, „Keine Laune von ihr.“

 

„Sicher.“ Cordelia hatte nicht gewusst, dass die Unterseite ihres Busens eine so erogene Zone bildete, bis seine Handfläche ihr den Fakt ins Gedächtnis brannte und ihr Kopf sich instinktiv zurück bog. Der freie Zugang zu ihrer Kehle von ihm erbarmungslos ausgenutzt wurde und ihr Arm sich irgendwie um seinen Nacken schlang. Atemlos und diesmal ohne die Ironie verloren zu haben, „Der Ruck wird kommen.“

 

Indigniert von ihm, „Ich bin kein Hund, Cordelia.“

 

„Yeah, ich vergleiche dich eher mit einem Panther.“

 

Perplex genug, um sich komplett aufzurichten, „Was?“

 

„Schwarzer Leopard.“

 

Dass sie seinen Mund vermisste, zeigte nur, dass er ihn für etwas anderes als reden im Moment verwenden sollte. Ihr Arm spannte sich an und er folgte der Führung zurück. Gedämpft von dem Kontakt, in den sie ihn fügte, „Ich weiß, was ein Panther ist.“

 

„Also warum fragst du dann?“

 

„Ich habe nicht – ein Panther?“

 

„Ja.“ Und sie würde ihm nicht ihre Gründe erläutern, er konnte sich die Fakten selbst zusammensuchen und reininterpretieren was er wollte. Von seiner Abneigung gegenüber Artgenossen, bis hin zu seiner bevorzugten Jagdmethode und dem äußeren Auftreten, es passte alles und sie schaute eindeutig zuviel Animal Planet seit Dennis sein Faible für moderne Technik entdeckt hatte.

 

Ein Hausgeist der die Kabelkanäle knackte, konnte ein Mädchen mit einem besseren Mitbewohner gesegnet sein? Ihr seliges Lächeln könnte aber auch mit der feuchten Spur von Angels Lippen auf der Kurve ihrer Schulter zu tun haben und der Andeutung von Zähnen auf ihrer Haut.

 

„Was nichts an der Schlinge, um deinen Hals ändert und ihrer Liebe.“ Sein Seufzen war zwischen genervt und überstrapaziert angelagert, ihre Antwort darauf rhetorisch, „Das hier – zwischen uns – das ist eine Laune, Angel.“

 

„Und die Laune wäre soviel eindeutiger, wenn du nicht darauf bestehen würdest, die Stimmung mit Tiefenpsychologie zu killen.“

 

„Cosmo-Tiefenanalyse, sehr professionell.“ Diesmal war ihr Lachen echt, der Nachschlag kandiert, „Das sagt einiges über deine Fähigkeiten als Liebhaber aus, korrekt?“

 

Die Vibration in ihrem Rücken, ordnete sie als unterdrücktes Lachen ein und die dunkle Amüsiertheit seines Tons bestätigten ihr, dass sie einen Nerv getroffen hatte, „Wir sind in erster Linie beste Freunde, korrekt? Also vergib mir meine Schwächen auf anderen Gebieten.“

 

Und tat sie das nicht immer?

 

Trotzdem seine Aussage war irgendwie nicht ganz selbsterklärend mit ihrem Bedürfnis ihm gerade jetzt einen amateurhaften Striptease zu liefern und seinen geübten Händen auf ihrem Bauch. Den sündhaften Kreisen, die seine Hüfte gegen ihren Arsch vollführten und ihrem offenem Entgegenkommen, das wenig platonisch war.

 

Da war ein hochkarätiger Streit, dem sie folgen sollte unter all dem eingespielten Hin und Her zwischen ihnen, das sie blendete und nicht der Drehung seines Körpers oder dem haltlosen Fall seiner gespreizten Hand tiefer über ihren Bauch. Dem atemlosen Ausweichmanöver, als er im letzten Moment abdrehte und der Biss in ihre Lippen, der leichter Enttäuschung Ausdruck verlieh, die sein geschicktes Reizen auf sie hatte.

 

Seiner Kehrtwende auf Höhe der Mitte ihres Oberschenkels, ihren Rock hochschiebend und sie sollte sich die relative Sicherheit von Hosen angewöhnen, um seine Attacken auf ihre Sinne auf ein erträgliches Maß herunterzubremsen. Oder nicht. Denn der Hautkontakt war so viel besser für ihre knisternden Nervenbahnen, wenn auch nicht für ihre Reflexion der gegenwärtigen Situation.

 

Genug Schwäche seinerseits, dass ihr Verstand Schritt halten könnte, wäre nett.

 

Denn sie hatte gute Argumente, er nicht und es war schwer das nicht zu vergessen mit seiner rauen Handfläche auf ihrer fiebrigen Haut. Erforderte fast mehr Willenstärke, als sie in gewissen Momenten wie diesem besaß. Aber nur fast.

 

Konzentrierte Gleichgültigkeit, „Womit wir Eifersucht aus der Gleichung nehmen würden.“

 

„Es ist keine Theorie, die ich an deiner Stelle testen würde.“

 

Da war gefährliche Eiseskälte in seiner Antwort und ein unfreiwilliges Eingeständnis, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Das sie riskant in seiner Tragweite schlingern ließ, zusammen mit seiner Handfläche gegen ihren Slip gepresst, bevor sie ihr Gleichgewicht gegen ihn gelehnt wieder fand. Hilflos in den Seilen hängend, die sie dem hier gesteckt hatte. Die sich gerade nach Stacheldrahtzäunen anfühlten, dennoch nicht niedergerissen werden durften. Es gab Gründe für ihre Grenzen.

 

Wenn ihr gerade nur ein einziger davon einfallen würde, wäre das wunderbar.

 

Cordelia brauchte Abstand, um zu denken, sie war sich nicht ganz sicher, ob sie sich um- oder wegdrehen wollte. Aber da er die Bewegung mit seinem festen Griff unterband, erschien es nicht so wichtig eigene Motive zuzuordnen, wenn sie sich an seinen stören konnte. Ihr Absatz bohrte sich in seinen Fuß und sie hing eine Sekunde später hilflos in der Luft.

 

Das Potential für eine unschöne Szene stieg expotenziell.

 

Sie versuchte Besonnenheit, „Ich gehöre dir nicht.“

 

„Ja, was auch immer dich nachts schlafen lässt.“

 

Insomnie ein echtes Problem wurde, weshalb die Kabelkanäle von Vorteil waren und yeah, das Werbeverhalten von Kranichen war eindeutig eleganter als sie beide. Und romantischer. Ihr halbnackter Zustand dessen ungeachtet derzeit höher auf ihrer Prioritätenliste für schnelle Lösungen stehen sollte, zusammen mit seinem Harten.

 

Es nicht unbedingt tat.

 

Versuchte Trotz, „Du bist der Letzte, der mich um meinen Schlaf bringt.“

 

„Schwer zu glauben.“

 

Oh, er konnte genauso arrogant sein wie sie. Ebenso gewissenlos ehrlich.

 

Vielleicht hatten auch ihre verräterisch dunklen Augenringe ihm einen entscheidenden Tipp gegeben. Ihr Körper sich generell gegen ihren Verstand verschworen zu haben schien, denn ihre Aufmerksamkeit sollte sich nicht darauf fixieren, wie mühelos er sie hielt und dass seine Schultern breiter als der Atlas erschienen, wenn sie nicht im Blickfeld lagen.

 

Dass er seine Kraft so akzentuiert einsetzen konnte, ohne sie zu brechen.

 

Ihr Widerstand knickte ein und sie erschlaffte in seinem Griff, „Lass mich runter, Angel.“

 

Damit beförderte sie auf seinen Schreibtisch, fegte die Fläche frei und beugte sie auf die hölzerne Oberfläche zurück. Sie hätte diesen Befehl eindeutig genauer definieren sollen und es war nicht so, als ob er ihr keine Zeit für Widerspruch ließ.

 

Ihr Griff in seinem Haar verstärkte sich, als seine Zunge ihrem Busen folgte, seine Hände ihr Becken niederhielten und er die Unterseite mit den Zähnen abfuhr. Ihre neuste liebste erogene Zone und ihre Wirbelsäule verabschiedete sich von der Tischplatte, bog sich ihm entgegen in einer perfekten Kurve aus Lust und mehr und jetzt. Bevor er tiefer wanderte, dem Bogen ihrer Rippen nachspürte und dann Richtung Bauchnabel abwanderte. Kleiner werdende Zirkel, die sie effektiv unter seinen Wirkungskreis brachten und ihr Rock, der weiter hoch rutschte als sie ihre Beine um seine Taille wickelten.

 

Er könnte ihr jedes Versprechen abluchsen, wenn er weiter südlich wandern würde.

 

Ein kräftiges Anspannen, ein Ruck und er lag wieder halb auf ihr, bestimmt, „Nicht dein, Angel.“

 

Seine Hand drehte ihr Gesicht testend zu ihm, aufwühlender Blick und die dubiose Aussage, „Vogelfrei.“

 

Ruhig und absolut.

 

Cordelia konnte ihm und der perversen Wahrheit darin nicht widersprechen.

 

Aber vogelfrei konnte auch positiv sein, musste nicht heißen, dass sie zum Abschuss freigegeben war. Konnte heißen, dass er ihren unabhängigen Single-Status anerkannte. Gut genug für sie in dem Augenblick, denn dass ihr Hauptinteresse nicht unbedingt in der absoluten Klärung ihres Status in seinen Augen lag, war menschlich. Vor allem mit ihrem fundierten Unglaube in seine denkerischen Fähigkeiten und seinen Lippen in Reichweite und dem Wissen, wie süß sich sein Begehren in einem Kuss manifestieren konnte.

 

Ihre Hand auf seinem Hinterkopf schloss die kurze Distanz und ihr anderer Arm zog seinen Körper näher. Während er an seiner Hose nestelte, bevor sie das Reißen ihres Slips gedämpft wahrnahm. Einen Moment später drang er mit einer glatten Bewegung so tief ein, dass ihr der goldene Nebelschleier, den er um ihre Sinne gestrickt hatte, kurz riss und der Biss in seine Schulter, das Aufstöhnen drinnen halten sollte.

 

Sein zeitgleiches Echo, nahm die Spannung aus ihrem Körper, die auf die plötzliche Klarheit folgte und übertönte ihr inneres, ‚Oh Gott! Wie zur Hölle bin ich hüllenlos mit ihm in mir hier gelandet?’, effektiv. So wie der spöttische Nachhall, ‚Wieder!’

 

Ihr Hinterkopf fiel gegen das Holz und sie suchte seine dunklen Augen.

 

Fand den ungebändigten Ausdruck darin und da war Rohheit im nächsten Stoß, die sie bis auf die Knochen erschüttern sollte. Es nicht tat, Leidenschaft war einfach als Waffe zu gebrauchen und er hatte sie gegen sich selbst gerichtet. Wieder. Sie hatte nichts zu verlieren und diese Wahrheit war zu zweischneidig, um sie je gegen ihn zu verwenden.

 

Stattdessen bog Cordelia den Rücken durch, um ihm entgegenzukommen. Versuchte ihr Becken in seinem brutalen Griff rotieren zu lassen und seine Hände gaben schließlich das Gefängnis auf, das sie kreierten und wanderten zurück zu ihren Brüsten, während sie ihn mit Beinen und Armen näher zog.

 

Der Rest war ein verwackelter Eindruck von gelben Feuer, heißem Holz und ihrem Verstand, der sich mit aufgebrachter Heftigkeit verabschiedete. In dem wütenden Tempo, das seine Stöße vorgaben und denen sie wenig entgegenzusetzen hatte. Bis auf ihre eigenen und sein Mund, der ihren ausfüllte, bis sie kraftlos und offen unter ihm lag. Mit dem erneuerten Wissen, wie bittersüß seine Begierde schmeckte und sie süchtig danach werden konnte, wenn sie es nicht schon war.

 

Bebend in jedem Muskel und provozierte Weichheit, ungebrochen zorniger Blick und keine Entschuldigung in seinem. Ihr Schweiß von ihm verwischt wurde, bis es schwer war zu sagen, wo sie aufhörte und er begann. Er ihre Grenzen so mühelos niederschmetterte und sie so wenig Einwände gegen seine unberechtigte Invasion fand.

 

Das Tandem intakt, egal in welche Richtung gezogen wurde, der andere folgte und sein Gekritzeltes ‚Nie wieder!’ bezog sich offenbar nicht hierauf.

 

Was ihre erboste Empörung ein wenig in Perspektive rückte und seine Reaktion nicht.

 

Ihre Finger in seinem feuchten Haar und sein blanker Blick auf sie gerichtet, ebenso offen. Ebenso tief getroffen und da waren Schwüre auf ihrer Zunge, die ihre Kehle versengten, als sie diese ungesagt runterschluckte.

 

Es war nicht der passende Ort oder die geeignete Zeit, um ihn mit ihrer Sentimentalität zu belasten. Nicht wenn sie sich zusammen so schwerelos anfühlte und er sie ernst nehmen würde und nicht als Affekt auf den Flächenbrand in ihr.

 

Er war nicht derjenige, der sie brennen lassen sollte und sie nicht diejenige, die das Recht hatte ihn dazu einzuladen. Sie wussten es besser, aber nicht bei diesem Mal und so kam sie mit seinem Namen auf ihren geschundenen Lippen und seinen Fängen in ihrer Schulter.

 

Das zu den Themen Kauspielzeug und Emanzipation.

 

Diesmal fehlte seine Fassungslosigkeit und sie sparte sich den Vorwurf, denn Wesley konnte jede Minute hier sein und sie war nicht bereit irgendetwas zu erklären. Der Fluchtweg nun frei geräumt und sie starrte ihr Spiegelbild in dem kleinen Bad lange regungslos an. Wartete auf Entsetzen. Auf Ekel und Schuldgefühle.

 

Die Andeutung eines schlechten Gewissens.

 

Das gesamte Packet, das Angel vor ihrer inneren Tür mit einem dornigen Blumenstrauß abgeladen hatte, damit sie sich um die Bestattung ihrer unbeschwerten Scheinwahrheiten kümmerte, während sie den beiden durch die halbgeöffnete Tür zuhörte.

 

Die Slayer hatten ihre Furchen hinterlassen und sie wollte nicht diese Kluft überbrücken.

 

Es war nicht ihre Aufgabe zu vermitteln.

 

Angestrengter Alltag in allem, Wesley unbewusst zu laut und Angel zu schuldbewusst.

 

Sie zu ausdruckslos, bis auf die tiefen sichelmondförmigen Wunden, die in einem unperfekten Kreis ihre runde Schulter zierten. Angel nicht auf der Suche nach einer Schlagader gewesen war und trotzdem all die indirekten Hinweise blutend an die Oberfläche gebracht hatten, warum diese Affäre nicht nur dumm, sondern lebensgefährlich sein konnte, wenn er die Kontrolle verlor.

 

Cordelia mit der Frage zurückließen, was gerade geschehen war. Welche Sicherung bei ihr durchgebrannt war, dass er sie so einfach gefügig machen konnte. Mit nicht mehr als dem Kreisen seiner Hüfte gegen ihre.

 

Irgendwann stand er hinter ihr. Mehr flirrende Leere im Spiegel und so konzentrierte sie sich auf seine reuigen Finger, die die Konturen ihrer Wunde abfuhren, abbittend von ihm, „Ich wollte dich nicht verletzen.“

 

„Ein Versprechen, das du nicht gehalten hast, deshalb spar es dir.“

 

Damit klebte sie den vergessenen Pad gegen die Bisswunde, zog sie die Bluse an und wandte sich ihm zu, gegen das Waschbecken gelehnt. Er war wie eines dieser abstrakten Gemälde, die man besser aus der Entfernung betrachte, denn aus der Nähe würde man von den Details überwältigt und sie brauchte einen klaren Kopf.

 

Wenn er sich schon weigerte, diesen Part zu erfüllen, wurde es Zeit für einen langen Monolog über Schicksal und Wahl und ihre Ansicht zu dem Thema. Sie fing seine Hand ein und drehte die Handfläche nach oben, folgte mit dem Daumen seiner Lebenslinie, ganz am Anfang unterbrochen und wenn sie an diese Art des Wahrsagens glauben würde, ließen sich seine verbleibenden Jahre grob ausrechnen. Was sie nicht tat, aus Prinzip, wer wollte schon die Zukunft kennen und war das nicht lustig, gerade von ihr als Seherin?

 

Eventuell wich sie seinem Blick mit ihrer aufgesetzten Neugier aus, was aber auch nicht weiter schicksalhaft war, sondern Selbstschutz. Ihr war nie aufgefallen, wie große Hände er hatte und ihre kleine Rede hatte sich in ihrem Kopf geformt. In Worten, die vielleicht durch seinen Dickschädel dringen würden und ihn aus seinem Funk kicken würden, der die ‚Keiner-liebt-mich!’-Vibes seiner Aura auf ein Maß herunterschrauben würde, die sie ertragen könnte.

 

„Ich war nicht eifersüchtig auf Buffy, sondern besorgt um dich. Ich bin es müde, dich grübeln zu sehen, wenn jeder weiß, wie diese Geschichte ausgehen wird.“

 

„Sie ist vorbei.“

 

„Sie hat noch nicht einmal richtig begonnen, Angel.“

 

Cordelia ignorierte beharrlich die andere Hand an ihrem Kinn, die ihr seinen Blick aufzwingen wollte und er gab nach, bevor er auf rohe Gewalt zurückgriff. Seele und all die Zweifel, die mit ihr kamen, ihre Finger folgten dem Pfad von abgeschürfter Haut, die sich einst um sein Handgelenk wie ein purpurnes Dornenband gezogen hatte. Von ihr gelegt und sie war nicht sanft.

 

Nicht in ihrem Humor, ihrer Leidenschaft oder ihrer Liebe.

 

Nicht das was er in Stunden benötigte, in denen er nicht von seinem Schmerz zerfressen wurde und sie würden weniger werden mit der Zeit. Verblassen, wie ihre schwarze Magie und vielleicht war es falsch, ihn vom rechten Weg abzubringen und ihre Lippen kräuselten sich in etwas, dass ihrer eigenen Definition von Angelus’ schlimmsten Hohnlächeln übertraf. Sie konnte sogar in der resignierten Reflexion ihre eigenen Status überbewerten, sie war attraktive Ablenkung und willig und er ein Mann, unter all dem heroischen Glamour.

 

Mit einem Ziel und er kannte seines und sie beneidete ihn um diese Gewissheit.

 

Das Wissen, das eine andere Seele Teil von einem war und nicht nur ein pechschwarzes Fragment für etwas, das ausgeglüht war und es tat noch immer weh, wenn ihr Flurozonlicht im Bad anging und sie wartete auf den Tag, an dem es nur eine andere Lichtnuance sein würde. Mit derselben Sturheit, die sie jeden Tag ins Büro kommen ließ, egal ob Wochenende oder nicht. Dieselbe Dummheit, die sie nicht einfach die Wattzahl wechseln ließ und sie war masochistisch veranlagt, auf eine Weise, die sie sich nie zugetraut hätte.

 

Weil sie sich für Dinge, die Schuld gab, die nicht in ihren Händen lagen. Schicksalsfäden, die sie nicht gesponnen hatte, denn sie war keine Seherin, als sie diese böse Vorahnung hatte, nur ein Mädchen mit Träumen und Ängsten und sie wunderte sich oft genug in der Stille der durch gewachten Nächte, wann sie sich wirklich selber belog.

 

Warum gerade jetzt ein guter Zeitpunkt war, über all das Nachzudenken mit seinem Pulspunkt unter ihrem Daumen und der Wärme, die sie durch ihr Reiben dort kreiert hatte. Einfache Physik. Andere Dinge würden sich durch Körperchemie erklären lassen und der Rest durch Tiefenpsychologie und vielleicht mit einer Persönlichkeitsanalyse, die sie nie über sich lesen wollte. Oder simpler Verlust. Manchmal kam alles zusammen und sie fühlte sich gerade, als ob jeder ihrer Schutzwälle dem Erdboden gleichgemacht war.

 

Ihr Leben war nicht so kompliziert. Sie war in derselben Position zwischen den Türen, wie ihr ganzes vergangenes Leben, nur darauf wartend, wer die Türe zuerst zuschlug. Sie tippte instinktiv auf sich, denn sie konnte mit echter Nähe noch schlechter umgehen als Angel.

 

Hörte das gedankliche Knarren der eingerosteten Türangeln, während sie nachsichtig weiter sprach, „Irgendwann stolpern wir oder die Scooby Gang über eine Lösung für deinen Fluch, Buffy wird ihr aktuelles Spielzeug in einem Wimpernschlag weglegen und sich in Slayergeschwindigkeit auf den wahren Preis ihres Lebens stürzen. Womit ich dich meine. Ihr startet mit einer Apokalypse auf den Fersen in die nächste Phase, spielt tragische Helden zusammen und das ist das Ende deines Zwischenspiels in LA, Angel, der Beginn deines wahren Traums mit ihr.“

 

Gefährlich ruhig von ihm, „Ich brauche nicht deine Ratschläge für Buffy oder mein Liebesleben, Cordelia.“

 

War er allergisch gegen Optimismus, denn sein Schwarzsehen begann sie anzuöden und sie blickte auf. Sie brauchte keinen Schlüssel zu seinem Herz, wenn sie die gesamte verdammte Tür niedergerissen hatte und nur eine große Wunde gefunden hatte, deren Zustand sich nur änderte, in der Relation seines Abstandes zur Jägerin.

 

So was?

 

Sollte sie sich an seine Dunkelheit gewöhnen, nur weil sie kein Licht für sich sah?

 

„Was brauchst du dann? Das?“ Ihre Hand legte seine auf die Wunde, der Schmerz biss sich durch zwei Lagen Stoff bis auf die Knochen, „Ist etwas, das ich dir nicht geben kann, Angel, was du nicht von mir verlangen solltest.“

 

„Ich weiß. Glaub mir, ich weiß das zu genau.“

 

Er ließ sie nicht los.

 

„Also was machen wir jetzt mit dem Wissen?“

 

Zog sie an seinen Körper und die Schnelligkeit war etwas, an das sie sich nie ganz gewöhnen würde.

 

Sein Kuss war herausfordernd aggressiv und so war es nicht Sex, sondern wütendes Aufbegehren.

 

Nicht gerade die Lösung ihres Dilemmas, vor allem weil sie dabei war, sein frisches Hemd erneut zu zerknittern. Cordelia fragte sich, wer wem zu Beginn dieses Streites widersprochen hatte. Ob sie überhaupt über dieselbe Sache gestritten hatten und weshalb es wichtig genug war, dass es zu einem Intermezzo auf dem Schreibtisch eskalieren konnte. Es hatte sich vorher nicht so angefühlt, als ob ihre Nerven so blank liegen wurden und ihre andauernde Erschöpfung war kein wasserdichtes Alibi.

 

Sie entzog sich ihm fließend und er ließ sie widerwillig gehen, konnte sie nicht halten, wenn sie es ihm nicht gestattete. Vogelfrei. An der Tür, ohne Blick zurück, „Angel?“

 

Er hörte sich so erschöpft an, wie sie sich fühlte, „Ja?“

 

Der Streit hätte nicht so eskalieren sollen. Da waren neue Variable in der Gleichung.

 

Abgesehen von der alten, dass der Sex-Part mit ihm heiß genug war, um beinahe alles zu vergessen und zu rechtfertigen. Auch ihre nüchterne Verleugnung einer Büroaffäre mit ihrem besten Freund. Der sich in einen seelenlosen verwandelnd konnte, sollte sie ihn jemals vergessen lassen, dass er keinen Anspruch auf sie hatte. Nicht den geringsten.

 

Vermutlich war sie paranoid, dass sie überhaupt so weit dachte, mit Buffys Licht in seiner Existenz. Es war weniger schmerzhaft, einen Verband mit einem Ruck abzuziehen, als langsame Tortur und unversorgte Wunden neigten dazu sich zu entzünden. Zumindest in Menschen. In ihr.

 

Verspätete Vorsichtsmaßnahme für etwas, das ihr zu entgleiten drohte.

 

Ihre Hand fasste fester nach dem Türrahmen, sich unbewusst für ihren Schlag stählend.

 

Leidenschaftslos, „Ich bin deine zweite Wahl, so wie du nicht meine erste bist. Vergiss das nie.“

 

Seine Antwort kam schneller als erwartet, wieder entgegengesetzt ihres Drehbuchs und der Vorwurf war neu in seiner offenen Anklage, darin wie tief er schnitt ohne ihre gewöhnten Barrieren aus den sieben Todsünden um sich aufgetürmt, „Du hättest mich niemals in dieser Nacht verführen sollen, Cordelia. Es war nicht dein Recht.“

 

Sie erstarrte.

 

Tausend Antworten halbgeformt im Kopf und nur die Hälfte davon, gab ihr die Schuld.

 

Bittere Floskeln auf der Zunge, wie aus Schaden wird man klug oder es gehören immer zwei dazu oder geteiltes Leid ist doppeltes Leid. Die andere Hälfte schoss siedendheiß durch ihren Körper und brachte ihr Blut zum kochen. Begehren, Schuld und Reue waren keine Gefühle, auf die er noch ein Exklusivrecht hatte.

 

In dieser Nacht war nicht nur Doyle gestorben, sondern ein Teil ihrer Unschuld.

 

Hatte den Weg freigemacht für seinen Dämon, denn sie wusste, was ihn die letzten vier Mal zu ihr getrieben hatte. Sein derzeitige Dilemma, dass sie ihm ultimativ Ablenkung von Schmerz bieten konnte und Trost in einer Form, die er annehmen konnte. Nach der er jetzt verlangte und sie fühlte, wie ihr Herz brach bei der Vorstellung, dass seine Seele sie für den anmutslosen Absturz allein verantwortlich machte, wenn er ihr so bereitwillig über die Klippe gefolgt war.

 

Cordelia besann sich auf die Wahrheit, „Ja und du dich nicht verführen lassen.“

 

Die geladene Stille hinter ihr nahm sie als Zeichen dafür, dass die Botschaft unmissverständlich angekommen war. Da war ein anderer Fun-Fakt über Panther, die einzigen Tage, an denen sie einander nicht aus dem Weg gingen, waren während der Paarungszeit. Definitiv war diese für sie beide vorbei, egal was für eine Anziehungskraft seine bernsteinfarbenen Augen und seine schwarze Glorie für ihr schwaches Fleisch und noch schwächeren Willen hatte. Nicht dass sie sich als Raubkatze oder ähnliches sah, Cordelia fand es nur irgendwie entsprechend genug, um ihm ein bitteres Lächeln über die Schulter zu geben.

 

Damit stieß sie sich ab und lief hoch, der Sonne entgegen.

 

Zeit aus seinem Schatten zu treten, den er über sie warf und die Wogen zu glätten, wenn auch vorerst an einer anderen Front und damit überredete sich Wes zu einem Kaffee im Licht durchfluteten Park.

 

Dass sie sich innerlich kalt und abgestumpft fühlte? War passende Stimmung für einen frisch gefolterten Wesley und sie saßen lange auf einer Bank, redeten in abgebrochenen Halbsätzen über seine eigene Dämonen. Enge Treppenverschläge und rot schimmernde Scherben. Väter und Slayer und die Verantwortung, die er sich mit seiner Entscheidung für Angel aufgebürdet hatte. Verstoßener Sohn. Dem letzten Bruch in der Verbindung zu seinem alten Zuhause.

 

Der Familie, in die er hineingeboren war und nun entwachsen.

 

Sie hätte seinen Gemütszustand nicht so problemlos nachempfinden sollen, denn Wes Wunden benötigten mehr Rücksicht, als sie zu besitzen glaubte. Mehr Vorsicht im Umgang als sie sich zutraute. Mehr Pflege als sie aufwenden konnte. Es war trotzdem einfach seine Geheimnisse anzunehmen und ihre Hand auf seiner Schulter ruhen zu lassen, bis die Dämmerung aufzog und sie gemächlich zurück ins Büro gingen. 

 

Dass Cordelia sich darüber bewusst war, dass ihre folgende Fürsorge gegenüber Wes ein kurzfristiger Rückzug von Angel bedeutete, um atmen zu können, zeigte nur, dass sie ihren Realitätssinn nicht komplett verloren hatte.

 

Vielleicht war die gespannte Atmosphäre, die ihrer Klarstellung folgte, auch ein Anhaltspunkt dafür oder einfach nur Konsequenz der letzten Tage. Sie brauchte jemanden, auf den sie zählen konnte und Wes jemanden, der sich auf ihn verließ und möglicherweise brauchten sie beide eine Familie.

 

Angel? Nun Angel brauchte Zeit und Raum, um alleine zu grübeln.

 

Oder vielleicht war das ihre passende Ausrede, um ihm aus dem Weg zu gehen.

 

6.

Playgrounds are graveyards
and all of our scars are permanent, permanent.
There’s no replacement for places.
I’ll always love you, you’re mine.
Numb is the new high,
all memories die out ‘till nothing and nowhere is golden.

~*~Emily Haines – Nothing and Nowhere~*~

 

Das sechste [vierte] Mal war eigentlich Wesleys Schuld und deshalb? Schwamm drüber.

 

Wes konnte nicht ahnen, dass er sie für Stunden in einem Versteck festsetzte, das gerade Mal genug Bewegungsfreiheit bot, um entweder in Lebenserhaltung gefährdende Platzangst zu verfallen oder Sex zu haben. Mit einer Horde Killerdämonen auf der anderen Seite der dicken Grabplatte, die Angel zweifeln ließ, ob er sie alle niedermetzeln konnte, bevor einer sich doch zu seinem menschlichen Anhang durchschlug, womit Cordelia gemeint war – Danke für Nichts.

 

Was diesen Teil des Planes in seinem Sturkopf hinfällig werden ließ, obwohl sie honigsüß versprach Cheerleader für seine Heldenhaftigkeit bis in ihren unrühmlichen Tod zu spielen. Angel ihre Argumentation mit seiner unnachgiebigen Hand auf ihrem Mund rücksichtslos unterband.

 

Dem eiskalten Hauch, der ihre Wange streifte und sein gezügeltes Fauchen, „So wahr mir Gott helfe, Cordelia, entweder bist du friedfertig oder ich komme deiner Angriffsorder nach – nachdem ich dich als mein Kanonenfutter und persönliche Henkersmahlzeit missbraucht habe. Falls ich unwahrscheinlicherweise das nachfolgende Massaker überleben sollte, erzähle ich Wes meine Perspektive deines Endes, das drei Dutzend Ghuls beinhaltet und keine drei Exemplare, wie er annahm und wir beide wissen, dass er sich diesen Irrtum nie verzeihen würde. Deshalb - im Namen von allem was dir heilig ist – sei still.“

 

Yeah, genau dieser gebieterische Tonfall, den er derzeit auf sie anwendete, war ein Grund für ihre miese Laune, so fühlbar unter dem Gefrierpunkt das Trockeneis kuschelig warm und anschmiegsam erschien.

 

Arktisches Arbeitsklima und sie war es so leid und davon überzeugt, dass er ihr genuscheltes, „Primitives Ungeheuer!“, unter seiner Handfläche problemlos ausmachen konnte.

 

Mehr als die Andeutung von Fängen gegen ihre Hauptschlagader, herrisch, „Grabesstille, Cordy, auf welche Art willst du sie haben? Mmh?“

 

Er war eine schlimmere Drama Queen als sie, wenn es um den Verlust ihrer neusten Schuheroberung ging. Sie schnaubend ausatmete und ihm damit zu verstehen gab, dass sie seinen Punkt einsah. Für den Moment. Er sich so schnell von ihr zurückzog, dass mehr Staub aufwirbelte und ihr Husten war schlecht gedämpft von ihrem Jackenärmel. Angel sich irgendwo rechts von ihr gegen die Seitenplatten presste, um Kontakt zu vermeiden und sie rutschte auf der Suche nach einer erträglichen Position auf dem unebenen Grund herum, wobei sie nicht darüber nachdachte, auf was sie lag.

 

Definitiv nicht, sie konnte nicht denken, wenn es darauf ankam und sie suchte nicht seine Nähe. Denn das wäre zu peinlich nach dem Stellungskrieg der letzten Wochen und ihren strategisch ausgeklügelten Ausweichmanövern. Tadellosem Benehmen und Engelsgeduld ihrerseits. Trockener Humor schlich sich in diese Überlegung. Sie hatte einmal in Giles’ Büchern gelesen, dass die einzigen, die die Gesellschaft von Heiligen aushalten konnten, Märtyrer waren und ihre Rollenverteilung näherte sich unaufhaltsam diesem Klischee.

 

Seine Provokationen perlten an ihrem Verständnis ab, wie Tauwasser auf Granitgestein.

 

Hatte sie erwähnt, dass Wesley sie gestern zur Seite gezogen hatte und wissen wollte, um was es bei ihrem Streit eigentlich ging, denn er war es müde emotionaler Puffer zu spielen, ohne den Grund zu erahnen. Sie war eine Sekunde versucht gewesen, ihn restlos aufzuklären. Bevor sich ihr Verstand mit einem Peitschenhieb zurückmeldete.

 

Cordelia nonchalant die Schultern mit einem dahin geworfenen, ‚Gehaltserhöhung!’, zuckte.

 

Wes’ Augenrollen war hart genug gewesen, um sie an ihrem noch arbeiten zu lassen.

 

Es war reiner Zufall, dass sie eine akzeptable Lage mit ihrer Schulter gegen Angels geneigt fand und vielleicht tief in ihr etwas beruhigender, dass nicht ganz alleine auf einem verfluchten Skelett lag. Nicht faktisch verflucht und sie würde sich keine Gedanken darüber machen, dass manche Exemplare äußerst allergisch auf die Störung der Totenruhe reagieren konnten.

 

Denn das wäre beklemmend und sie hatte jetzt schon Schwierigkeiten durchzuatmen.

 

Angel lag leichenstarr neben ihr, während in ihr langsam Klaustrophobie hoch kroch.

 

Alter Tod in der Nase und keine Regung in der Finsternis. Keine Wärme und kein Atem, nur sie. Ihre Haut begann zu jucken, gaukelte ihr widersinnig vor, dass sie nicht allein war, sondern gerade Nachtisch für die Insekten war, die ihren Vorgänger zu einem Knochengerüst degradiert hatten. Das Ritual zu leise für ihre Ohren und da war eine unsichtbare Hand, die ihre Kehle zudrückte mit jeder Minute, die kriechend langsam vorbei strich.

 

Dass sie das an ihre aktuelle Nachtroutine daheim erinnerte, abgesehen von dem Insekten-Part? Fabelhafte Parallele, die sie augenblicklich nicht vertiefen musste, denn dort hatte sie wenigstens Kabel, ein behagliches Bett im Rücken und keine menschliche Gerippe, die sich unbequem in ihr Fleisch bohrten, weil sie gottverdammt da nicht hingehörten.

 

Sie nicht hier hingehörte, denn sie war nicht tot.

 

Nur lebendig begraben und das war Trauma genug, um langsam innerlich auszuflippen, richtig? In einem anderen Leben, einem normalen hätte sie jedes Recht der Welt aus vollem Hals um Hilfe zu rufen. Notfalls sogar hysterisch. Nur war ihr Leben seit Jahren nicht mehr normal genug, um diesen Stunt durchzuziehen ohne es besser zu wissen und sie wusste es besser, nur löste das gerade nicht den Drang zu schreien in Luft auf.

 

Cordelia versuchte sich auf ihre Atemtechnik zu konzentrieren. Ihr verdammtes Zen zu finden oder Energiefluss oder was auch immer in dem New-Age-Yogakurs angepriesen wurde, denn sie nach einem Mal abgebrochen hatte. Sie bereute gerade nicht, dass sie Angels Tai Chi Angebot vor zwei Monaten hämisch ausgeschlagen hatte.

 

Sie bereute es nicht, okay. Okay.

 

Sie hatte wichtigere Dinge zu bereuen, wie die Tatsache, dass sie wusste, was in der Dunkelheit auf sie lauerte und auf wie viele unnatürliche Weisen man hier drin sterben konnte. Ohne die sechsunddreißig Ghuls auf der anderen Seite zu berücksichtigen, die sie als zu frischen Snack für zwischendurch ansehen würden.

 

Und ja ihre Gedanken befanden sich in einer Sackgasse aus negativer Energie und das war nicht ihre verdammte Schuld. Das war das Ergebnis einer Existenz im Zwielicht und ein Alltag, der an guten Tagen daraus bestand, dass ein Monster nieder geschlachtet wurde und an schlechten, dass es ein Mensch war, der ausblutete, weil sie das Puzzle nicht schnell genug gelöst hatten.

 

Und sie roch kein Blut in der Luft, denn das wäre verrückt. Ihr Atem war nicht abgehackt, als ob sie einen Marathon gerannt war, nur um einzusehen, dass ihre Fitness dafür nicht ausreichte. Cordelia Chase hechelte nicht. So wie sie nicht abwesend über Stein kratzte, der in hundert Jahren nicht unter ihren Fingernägeln nachgeben würde. Sie war klüger, als das zu tun. So wie sie klüger war, als dem Instinkt nachzugeben, ihre Haut zu kratzen, denn da waren keine Maden oder sonstige Aasfresser in einem Steinsarkophag der seit über hundert Jahren kein Büffet mehr lieferte.

 

Da war nur Staub und alter Tod in der Luft, richtig?

 

Scheinbar kein Sauerstoff, denn sie konnte nicht atmen. Nicht genug Luft in ihre Lungen ziehen, um die Schwärze aufrecht zuhalten und da funkelten Lichter in dem verdammten Steinsarg und ihre Finger und Zehen waren taub, so wie ihre Lippen. Das war Hyperventilieren laut Wesleys Wächterwissen und sie würde ohnmächtig, wenn sie so weiter machen würde und hey, das wäre vollkommen in ihrem Sinne.

 

Wer brauchte schon Kohlendioxid im Blut?

 

Tatsächlich war es ein Ziel, auf das es sich hinzuarbeiten lohnte.

 

Angel ihren wortlose Panikattacke letztendlich beendete, indem er sie auf seinen harten Körper zog. Sie ihr Ohr gegen seinen Brustkorb gepresst hatte und dennoch nur ihren tosenden Herzschlag hörte, bis er seine Atmung ihr zuliebe einsetzen ließ und diese die Grabesstille effektiv füllte.

 

Ihre Kurven in seine Kanten gepresst waren und aufgesetztes Leben unter ihren Händen.

 

Er den toten Kokon, in dem sie sich befanden, mit gleichmäßigen Geräuschen eindeckten, neben ihren eigenen und die Welt erschien nicht mehr stillzustehen. Drehte sich plötzlich Schwindel erregend schnell um die eigene Achse, so wie Angels Aktivität nicht mehr gezwungen, sondern gebändigt wirkte.

 

Sein Geruch nach Wochen noch zu vertraut, denn diesmal plagte sie keine Vision, während sie in seinen Armen lag. Diesmal war sie nicht darauf bedacht sich tänzelnd außerhalb seiner Reichweite zu halten. Sein Territorium ohne Fehden oder Murren zu respektieren und er hatte sich praktisch bis zu ihrem Schreibtisch in den vergangenen Wochen vorgearbeitet.

 

Weshalb besaß er noch mal ein eigenes Büro?

 

Oh, richtig, er war offiziell der Boss und nicht ihr persönlicher Wachhund. Freak.

 

Diesmal war seine Annäherung willkommene Ablenkung von ihrer Panik und die Kombination seines Aromas mit ihrem sollte in ihr nicht die Quintessenz Sex kreieren. Aber ihr Versteck war zu eng und sie sich zu nah und da war nicht viel Interpretationsspielraum, was für eine Wirkung ihre Angst auf ihn hatte und damit blieb ihr zuviel gedanklicher Freiraum, um sich daran zu erinnern, wie umwerfend er auf sie wirken konnte.

 

Wie er sie fühlen lassen konnte und dass es in den Momenten als es gut war, sehr gut war. Erschütternd gut. Verdammt beispiellos gut. Sensationell grandios gut, um ehrlich zu sein, denn ihre Erfahrung beschränkte sich praktisch auf ihn.

 

Wenn es schlecht war? Nun ja, er hatte sie niemals zum weinen gebracht. Er hatte mit ihr geweint, das erste Mal. Von dem her, konnte seine drückende Laune nicht so übel für ihr Nervensystem gewesen sein.

 

Panik von ihrer abgefuckten Logik in eine anderen Art der blanken Erregung kanalisiert wurde und sie wollte hier weg. Wollte ihm keine neue Chance geben, ihre Defensive schachmatt zu setzen und seine Finger erkundeten beinahe selbstvergessen ihren Rücken, während seine Erektion sich beständig in ihren Bauch drückte.

 

Durch ihre Kleider sengte und ihr rastlos die Konzentration nahm.

 

Sein kehliges Seufzen als sie nach einer bequemeren Lage für sich suchte und sein hartnäckiger Beweis, dass sie eben diese nicht finden würde, solange sich ihre Hose nicht verflüchtigte. Soweit zur relativen Sicherheitskleidung bei A.I.. Vielleicht konnte sie sich einen Keuschheitsgürtel auf Geschäftskosten anschaffen und Wes den einzigen Schlüssel geben. Dessen Gesichtsausdruck wäre sicher unbezahlbar, so wie ihr Vertrauen in ihre Selbstkontrolle gegen Null driftete.

 

Nachdem sie die letzten drei Wochen solche Fortschritte gemacht hatten, im Ignorieren von sexuellem Knistern in flüchtigen Berührungen. Yay, Tackerübergaben hatten ihren konspirativen Reiz in ihren Augen verloren, sie konnte ihm eine Rechnung überreichen ohne trotzig das Kinn vorzuschieben und selbst Büroklammern waren wieder Büroutensilien ohne Symbolkraft. Hölle, sogar ihr Gehaltsscheck löste keine Schmetterlinge mehr aus - hatte er nie, wenn sie aufrichtig war. Definitiv zu mager.

 

Und hey, letzte Woche hatte sich nicht mehr so angefühlt, als ob sie in eine Gewitterfront lief, sobald sie im Büro ankam. Cordelia hatte nicht mehr das Bedürfnis in einen Schreikrampf zu verfallen, weil Angel stetig ihre persönlichen Grenzen Zentimeter um Millimeter nach hinten verlagerte und praktisch auf ihrem Schoß seiner Arbeit nachging. Denn er war ein Primat und sie stand so dermaßen gelassen über seiner Neandertal-Taktik, um ihm die Befriedigung irgendeines Gegenschlages zu geben.

 

Sie konnte die Erwachsene spiele, wenn es sein musste. Angel strapazierte zwar ihre Geduld, aber nicht unbedingt ihre Willensstärke auf dem Sektor, den er offenbar angepeilt hatte. Denn ihr Wunsch ihm die Kleider vom Leib zum reißen, war zweifelsohne zu dicht gefolgt von dem aufwärmenden Bild, wie sie ihm langsam die Haut vom Körper zog, denn er machte sie wahnsinnig. Und dass sie ihren Frust schluckte, war unnatürlich auf so vielen Ebenen, dass sie alleine die Vorstellung schwindelig machte.

 

Ohne die guten Eigenschaften davon, wie denkbare Orgasmen.

 

Abgesehen von gerade eben, denn sie konnte sich nicht entscheiden, ob ihre Haut sich zu eng anfühlte oder zu aufnahmefähig ohne visuelle Ablenkung. Die Schwärze machte es ihr einfach, sich auf seine Berührungen einzustimmen. Zu erahnen, wohin seine unruhigen Finger als nächstes wandern würden. Wo sein Atem auf ihr Haar treffen würde. Weshalb er sie gemächlich weiter an seinem Körper hochschob und warum er ihr Becken gegen seines presste. Wie perfekt ihre Körper zusammenpassten und dass zwei Teile eines Ganzen sich nicht so kitschig anfühlte, wie die Phrase in ihrem Kopf klang.

 

Es schwer fiel, stillzuhalten.

 

Schwerer als es sollte und seine Annäherung nicht zu erwidern, sich langsam zu ihrer größten Sünde aufbaute. Gegen die Natur. Gegen ihre und sie sollte nicht, auch wenn sie konnte. Auch wenn sie wollte. So verdammt verzweifelt wollte und das war einer der wichtigsten Gründe, warum das hier keine gute Idee war. Denn Verzweiflung führte zu Schmerz und der wäre selbst zugefügt. Wäre letztendlich vermeidbar.

 

Sie hatten nicht dasselbe Ziel und das würde sie entzweien, wenn sie ihn nicht vorher umbrachte.

 

Cordelia wusste, dass sie ihn bereits zu sehr in ihrem Leben brauchte.

 

Die Label mit dem sie ihn versah, schneller die Namen änderten, als sie mithalten konnte und sie mochte keine Unbekannten. Mochte keine Veränderungen, wenn Konsequenzen, die sie nicht bereit war zu tragen, unter Angels federleichtem Kontakt einbrachen, bevor sie von ihr analysiert werden konnten. 

 

Ihre geflüsterte Argumentation, als sie nicht mehr stilliegen konnte. Die Starre unerträglich wurde, „Sind sie weg? Sag mir, dass sie weg sind, Angel, bitte!“, mit einer flüchtigen Drehung seines Kopfes erstickt wurde.

 

Und das? Das wäre vor Doyles Tod nie passiert.

 

Vor allem der Teil, dass ihre Frage insgeheim auf diese Reaktion von ihm abzielte.

 

Was es nicht wirklich zu Wes’ Schuld machte, sondern ihrer und das war ein Zustand, der ihr unaufhaltsam ihr maßgeschneidertes Nervenkostüm kostete. Während Angels Zunge ihren Mund mit der Präzision eines Serienkillers untersuchte. Die Wahrheit dieser Metapher leider zu wahr für ihren Intellekt war, weshalb sie erneut beschloss, das Nachdenken in ihrer derzeitigen Situation eine äußerst undienliche Sache wäre.

 

Cordelia sich stattdessen auf seinem Geschmack konzentrierte und die Kettenreaktion, die er in ihr auslöste. Sich von seinen bestimmten Fingern ablenken ließ, die sich zwischen ihre hautengen Jeans und eben diese schoben.

 

Irgendwo ganz tief in ihrem Hirnstamm, vertraute Synapsen Feuer fingen.

 

Er bockte leicht unter ihr auf und ihre Oberschenkel öffneten sich, um den Halt auf ihm nicht zu verlieren, denn sie hatte keine Intention sich wieder in den staubigen Überresten des eigentlichen Besitzers dieses Sarkophags zu wälzen.

 

Keine Lust ihre derzeitige Position aufzugeben.

 

Stickige Atmosphäre zwischen ihnen hin oder her, Cordelia fühlte sich, als ob sie das erste Mal in Wochen frei atmen konnte. Gerade in dieser beklemmenden Enge, mit seinem Aroma in der Nase, das alles in ihr zerlaufen ließ.

 

Jeden gefassten Grundsatz zu schlüpfrig werden ließ, um sich an ihm festzukrallen.

 

Ihr Schweiß war eventuell Tauwasser von dem Eiszapfen, den er durch ihr Herz gejagt hatte und sie griff fester zu. Ellbogen gnadenlos auf seine Schultern gestützt, seinen Kopf fest zwischen ihren Händen und sie hatte kein Problem mit der Wildheit in ihrem Verlangen.

 

Damit ihn hier in seine Grenzen zu verweisen.

 

Damit dass sie seine Lippen mit ihren Zähnen bearbeitete und Blut seinem Geschmack beigemischt wurde, bis er irgendein Dämon war oder die Manifestation ihres eigene. Etwas, was man austreiben sollte. Einen Exorzismus finden und die erfolgreichsten waren in Blut geschrieben und sie hatte Riten auswendig gelernt, die ihr Problem lösen könnte. Nur vier gewisperte Sätze in Latein und er würde sich verbrennen bei dem Versuch, sie zu verführen.

 

Er würde, aber sie war still und brannte stattdessen für ihn.

 

All ihren großartigen Schlachtvorbereitungen zum Trotz.

 

Es schien das passende Echo auf seine Unverfrorenheit der letzten Wochen zu sein, nicht nach den Regeln zu spielen und einfach zu ignorieren, dass sie eine Frau war. Wie in den letzten Jahren und was war sein Problem mit ihrem Rückzug?

 

Es war nicht so, als ob er etwas Essentielles verlor.

 

Nur eine weitere Bettgefährtin in einer langen Reihe vor ihr. Eine, die noch nicht mal so erfahren war, dass sie ansatzweise seinen sexuellen Appetit befriedigen konnte. Angel konnte ihr nicht weismachen, dass er das letzte Vierteljahrtausend Kuschelsex mit Vanillenote gehabt hatte.

 

Mit Darla. Und Dru und das war ein Bild, das sie momentan heraufbeschwören sollte, um diese Gedankenlosigkeit abzubrechen. Aber seine Fingerknöchel strichen über die Unterseite ihres BHs und das Geräusch in ihrer Kehle war interessant genug, um es in eine Kategorie zuzuordnen, die nicht die Überschrift Schnurren hatte. Denn Cordelia schnurrte nicht, Angel knurrte. Aber das war okay, sein veraltetes Betriebssystem und die Vibration ließ sie schwingen.

 

Seine gottverdammte Frequenz, die ihre Urteilskraft einknicken ließ.

 

Bis ihr wichtigstes Anliegen, seine Hände endlich auf ihrer nackten Haut waren.

 

Was ihren Protest drinnen hielt, als Angel ihre Jeans öffnete und es war ein akrobatischer Verrenkungsakt ein Bein daraus zu befreien und als sie die Innenseite seines Mantels unter ihrem Knie spürte, war es okay, dass er sie ganz auszog. Ihre Finger mit seinem Knopf und Reißverschluss beschäftigt, ihr Kopf mit überraschenden Fakten.

 

Gemurmelt gegen seine Kehle, „Warum trägst du keine Boxer?“

 

„Warum verzichtest du auf Unterwäsche?“

 

Cordelia grinste ihn in der totalen Dunkelheit an, ebenso gedämpft, „Tue ich nicht, du hast den String mit der Hose runter gezogen, Casanova.“

 

Verlegens, „Oh.“

 

Und das war so ziemlich die Unterhaltung dieses einen Males und Cordelia hatte sich definitiv nicht daran gewöhnt, dass sie immer diejenige war, die ausgezogen wurde, während er selten mehr als seine Hose verlor. Weshalb sie die Knöpfe seines Hemdes ihr Interesse gewannen, bis sie seine kühle Haut unter ihren Handflächen spürte.

 

Ihre Lippen und Fingernägel forschend über fast vergessenes Territorium streiften. Ihre Aufmerksamkeit beanspruchte, bis Angel sie auf Höhe seines Nabels zurückzog. Seine Finger in ihrem Haar, sein Arm auf ihrem Rückgrat und sie fest an seinen Körper pressend. Ihre Zunge beschäftigt mit all den Versprechen, die sie ihm ohne Worte geben konnte. Ihr Hunger so konsumierend, dass er sie schockiert hätte, wenn er nicht eins zu eins von ihm erwidert worden wäre.

 

Er sie auskundschaftete, mit mehr ihrer intimen Geheimnisse ausgestattet, als er nach fünf Mal besitzen sollte. Besitzergreifender als ihr angenehm war, was nicht ihren ersten Höhepunkt unterband, ihn jedoch zu wenig mehr als der Lösung ihrer inneren Spannung degradierte. Starker heiß-kalter Stromschlag, der sie in seine Schulter zu beißen ließ, bis sie erneut sein Blut schmeckte und sie ihren Kiefer mühsam entspannte.

 

Ihre Lippen entschuldigend, über die Stelle fuhren.

 

Spiegelbild seines Ausrasters beim letzten Mal, gemurmelt, „Tut mir leid.“

 

Cordelia war sich nicht ganz sicher, ob ihre Entschuldigung sich nur auf den Augenblick bezog oder mehr Tiefgang enthielt. Ob sie mehr Motive hatte, um ihn um Verzeihung zu bitten, als sie aus ihrem Unterbewusstsein auspacken wollte. Ohne die Ursache zu beleuchten.

 

Lust Konstante, in all den gemeinsamen Fehltritte. Ihre. Seine.

 

Sie hoch zustacheln, hieß etwas anderes als tot zu sein.

 

Cordelia verstand Angel, hatte sie erwähnt, wie gut sie ihn auf bestimmten Gebieten verstand? Er sagte nichts, umfasste ihr Kinn, brachte ihr Gesicht auf Augenhöhe und dass er sie hier drin sehen konnte, war erstaunlich. Vampir hin oder her und sie spürte mehr, wie ihre Augenbrauen zusammenfuhren, bevor sein Daumen, die Falte glatt strich und dem Schwung nach außen bis zu ihrer Schläfe folgte.

 

Ihre Stirn an seine zog, geflüstert, „Nicht nachdenken, Cordy.“

 

Ihr Lächeln war trocken gegen seinen Mund, „Wenn ich nachdenken könnte, würde ich mich nicht mit dir in dieser Lage befinden, Boss.“

 

Kein Kosename, Erinnerung für sie beide.

 

Seine Genervtheit manifestierte sich in seinen Fingern oder vielleicht war es auch wohlverdiente Ungeduld. Angel ihren Po umfasste und sie zurückzog, während er vorstieß. Es war noch immer schwer, den sprühenden Funkenregen zu erklären, der durch ihren Körper stob, sobald er die Verbindung komplett machte. Sie hatte ihn beinahe ihrer blühenden Phantasie zugeordnet, bis sie ihn wieder spürte, wie er das Leben schimmernd durch ihren gesamten Körper schickte.

 

Glühendes Gold in ihren Adern und sie verstand zu viele seiner Bedürfnisse, in dieser Grauzone von Instinkt und dunkler Offenbarung. Mit ihrem Herzschlag, der trommelnd jeden klaren Gedanken überlagerte, nie zur Ruhe kommend. Hektisch.

 

„Gott, ich habe dich vermisst.“ Sie wollte das anstatt dich sagen, nur schien ihre Selbstzensur abhanden gekommen zu sein.

 

Kein Vorwurf, nur Fakt, „Du wusstest, wo du mich findest.“

 

Als ob sie ihn hätte übersehen können, wenn er bei jedem Schritt nur auf Armlänge entfernt gewesen zu sein schien, sobald sie im Büro ankam. Was seine Aussage wahr machte und trotzdem im Ansatz falsch, egal wie sehr er sich aufgedrängt hatte. Sie wusste nicht, wo sie den distanzierten Angel, den sie kennen gelernt hatte, momentan finden konnte.

 

Der gegenwärtige war beängstigend in seinem Fokus auf sie. Nur nicht gerade eben.

 

„Sicher.“ Selbstvergessen, den ihre Sinne waren damit ausgefüllt, ihn heiß flimmernd willkommen zu heißen, „Manche Mysterien bleiben besser unentdeckt.“

 

Verhalten von Angel, „So wie du?“

 

Da war die Gefahr, dass sie später über ihre Antwort stolpern würde und so schwieg sie.

 

Cordelia wollte keine Wiederholung seines Vorwurfes. Es war besser ihn in dem Glauben zu lassen, dass ihre Stimmungsschwankungen unergründlich für ihn waren, als die nackte Wahrheit. Dass sie ihn wollte, in einer primitiven Stärke, die ihr Angst machte, wenn er nicht gerade durch Hautkontakt ihren Verstand ausgeschalten hatte.

 

Angel überwand ihre Unpässlichkeit mit seiner fordernden Zunge tief in ihrer Mundhöhle und das war Erschütterung genug. War es immer gewesen.

 

Es war anstrengend, leise zu sein und Cordelia war sich sicher, dass sie nicht die typische Schreierin war. Nicht dass sie sich in der Vergangenheit besonders darauf geachtet hätte, wie laut oder leise sie mit ihm gewesen war. Doch mit einem Dutzend Dämonen wenige Meter von ihr entfernt, bekam das Ganze überlebenswichtige Ausmaße. Vor allem weil Angels Gespür auf ihr lag und sie Schwierigkeiten hatte, sich an etwas anderes zu erinnern, als die Spur, die er mit gierigen Händen über ihre Haut zog.

 

Dem Gefühl seiner Härte tief in ihr, die Weise, auf die er sie zum schmelzen brachte.

 

Ihre Koordination auf sich einschwor, bis sie sich auf das Heben ihres Beckens beschränkte, während sie ausgeliefert auf seiner Brust lag und es nicht genug war. Bis er ihre Hüften packte und die Reibung erhöhte, hemmungslos in sie hineinpumpte und ihren Aufruhr erbarmungslos anspornte. Die Stöße kürzer wurden, während der Druck in ihrem Bauch zunahm, bis ihr Atem fast zuviel Platz in ihr beanspruchte, sie dennoch mehr von ihm wollte.

 

Mehr Geschmack, mehr Körperkontakt, mehr Tiefgang. Er es ihr gab.

 

Cordelia unter sich begrub. Das seidige Innenfutter seines Mantels und seine Haut, den Eindruck eines Kokons verstärkten, bis Metamorphose nicht mehr so abwegig erschien. Sie gemeinsam vielleicht etwas bildeten, dem Cordelia keine Daseinsberechtigung geben wollte.

 

Mit einer Hand, um ihren Nacken und einer um ihren Hüftknochen, der Griff in beiden fest genug, um sie morgen bei ihrer Dusche an ihn zu erinnern. Sie sich über die Grobheit beschweren würde, wenn sie nicht eine Sorge in ihrem Innern besänftigen würde. Eine Wahrheit, die er schon immer anerkannt hatte, noch bevor sie für Cordelia überhaupt wichtig geworden war.

 

Sie war nicht aus Glas, egal wie leicht er sie zerbrechen konnte.

 

Was er tat, aber nicht äußerlich. Nur innerlich.

 

Was den Schrei zu Angels Schuld machte, der ihn auch heroisch schluckte.

 

Deshalb war es nicht Sex, sondern Ablenkung.

 

Dass sein Kuss ununterbrochen anhielt, bis er sich wieder träge begann auf ihr zu bewegen, war der beste Beweis für die anhaltende Bedrohung. Sie war sich nur nicht klar darüber, ob sie von außen oder innen kam.

 

Als sie letztendlich mit schmerzendem Rücken und verkrampften Schultern aus dem Steinsarg kletterten, waren die Ghuls verschwunden. Nichts das auf ihren Aufenthalt überhaupt noch hinwies und Cordelia schaute sich skeptisch um.

 

„Wir müssen reden.“

 

Ironisches Lächeln, während sie ihre Jeans anzog, „Ist das nicht mein Text? Warum klaust du mir meine weiblichen Klischees, Angel? Das ist grausam.“

 

Er versuchte ihr den Ernst der Lage mit finsterem Starren zu vermitteln.

 

Cordelia war der Meinung, dass mit der sexy Zurschaustellung ihres Hinterns, die Botschaft, wo genau ihr diese Unterhaltung vorbeiging, stilistisch einwandfrei und ohne Interpretationsspielraum an ihn weitergegeben werden konnte. Während sie die Sneakers aus dem Versteck holte.

 

Vielleicht würde es reichen, ihn am Weiterreden zu hindern, mit Angel?

 

Voraussehbar, nicht soviel Glück.

 

Grollend, „Keine Spielchen, Cordy.“

 

Offenbar war Angel einer der wenigen, der ihrer charmanten Kehrseite nichts abgewinnen konnten. Sie streifte die Schuhe über ihre Füße, während Cordelia ihm einen abschätzenden Blick zuwarf.

 

Gelassener als sie sich fühlte, „Okay, rede.“ Was in etwa dieselbe Wirkung hatte, wie wenn ein Cop zu einem Drogendealer, ‚Keine Bewegung!’, zuruft.

 

Cordelia trat auf ihn und sein perplexes Schweigen zu. Erhobene Augenbraue und passender Sarkasmus, „Willst du mir denn nicht deiner unsterbliche Liebe versichern?“

 

„Nein, ich –"

 

„Willst du mir beteuern, dass es nicht wieder vorkommt?“ Angel schloss den Mund, „Dass das –" Sie umfasste den Steinsarkophag und dessen Implikationen mit einer unwilligen Geste, „- nichts zwischen uns ändert? Denn das tut es unweigerlich und ich bin es leid, dass du daraus einen so großen Deal machst. Wir sind beide erwachsen. Es sollte nicht so schwer sein, uns darauf zu besinnen, worin wir wirklich gut sind und Angel? Wir sind besser, wenn unsere Hormone uns keinen Pflock durch den Verstand jagen, denn die Ghuls sind immer noch da draußen und suchen nach ihrer Lieblingsspeise. Richtig?“

 

„Richtig.“

 

„Du weißt, worum du dich im Augenblick kümmern solltest.“

 

Verärgert von Angel, „Ich kenne meine Verantwortung, Cordelia.“

 

„Gut, dann komm ihr endlich nach.“

 

Sein Nicken war ein wenig steif.

 

Cordelia biss sich auf die Lippen um ein ‚Lauf, Forrest, lauf!’ drin zuhalten.

 

Angel gab ihr die Autoschlüssel und nahm die Verfolgung in der Kanalisation auch ohne ihren Sarkasmus auf. Es war seinerseits keine Flucht, ihrerseits keine Klärung, aber eine annehmbare Zwischenlösung.

 

Während sie durch das erwachende LA fuhr, kam ihr der Gedanke, dass Angel nie ihre Frage beantwortet hatte, ob sie sich überhaupt noch in Gefahr befanden oder wann diese vorübergegangen war. Wie viel Zeit sie beide verschwendet hatten, indem sie sich ihren Instinkten ergaben und auf den nächsten Höhepunkt zusteuerten.

 

Cordelia vertraute ihm ausnahmslos, wenn es um ihr Überleben ging.

 

Aber sie war sich nicht sicher, ob es klug war, Angel Glauben zu schenken, wenn es um das tatsächliche Ausmaß der Bedrohung desselben ging. Ihre Angst gab dem Dämon einen zusätzlichen Kick und die Seele war zwischenzeitlich davon überzeugt, dass sie diese handhaben konnte. Und wenn sie ehrlich war, dann hatte sie keinerlei Gedanken mehr an die Gefahr oder ihre Furcht verschwendet, als er sie berührte.

 

Was viel brenzliger als jede Dämonenhorde in LA war.

 

Weshalb musste sie noch einmal ihre dreiwöchige Abstinenz brechen?

 

Unbegründeter Panikanfall genau neben ihm. Großartig.

 

Zwischenzeitlich waren ihre Finger noch die treusten Gefährten, der Rest ihres Körpers viel anfälliger für verräterische Signale und sie war so müde, dass es ein Wunder war, dass sie überhaupt noch stand.

 

Hätte Cordelia mehr Beachtung auf diesen Fakt verwandt, anstatt ihre Schlaflosigkeit schlicht Angel in die Schuhe zu schieben, wäre Nummer Sieben weniger erschütternd geworden.

 

Andererseits zwei Dämonen in ihrem Bett?

 

Keine Chance, dieses Fiasko in irgendeiner Form für ihre Psyche abzumildern.

 

~*~Fini – Paper Scars 6/10~*~