Autor: Astarte
Titel: Parts Unknown
Altersfreigabe: R
Teil: 4/?
Spoiler: Sequel zu ‚Address Unknown’, angesiedelt acht Jahre nach der zweiten Angel-Staffel und sechs Monate nach SPN 2x22 All Hell Breaks Loose
Inhalt: Cordelia hat wenig zu fürchten, nur das ungewisse Datum ihres Todes. Dean die Sicherheit seines.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Cordelia/Faith, implied Cordelia/Sam, Faith/Dean
Disclaimer: Sie gehören mir nicht... Alles Joss & Kripke!
Kommentar: Ich wollte in dieses Universe zurück und
voilà, hier bin ich. Das ‚Unknown’-Verse bleibt in erster Linie Cordelia/Faith-Territorium und nachdem ich es benannt habe, erscheint es denkbar, dass ich Ficlets und Sniplets nachschiebe, denn immerhin habe ich den beiden acht Jahre gemeinsame Geschichte verpasst. Deswegen lassen sich die Winchesters auch mit ihrem Auftritt Zeit, dafür kann ich wenig später Ellen und Bobby präsentieren. Plus sehr viel später Wes, weil keine Geschichte ohne ihn perfekt ist.

Nur zur Erinnerung, Zusammenfassung von ‚Address Unknown’: Nach ihrer Rückkehr von Pylea und Angels erneutem Abgang nach Buffys Beerdigung zieht Cordelia desillusioniert die Konsequenzen. Mit Hilfe von Lilah versucht sie ihre Visionen endgültig loszuwerden und erhält im Gegenzug für diesen Treuebruch 100.000 $ und Faiths Freiheit. Die beiden Frauen lassen LA hinter sich. Doch die Aussicht auf ein halbwegs normales Leben währt nur wenige Stunden, nachdem Cordelia mit den Bildern des Todes ihres One-Night-Stand – dem 17jährigen Sam Winchester - konfrontiert wird. Cordelia ist folglich die Visionen los, aber durch Lilahs schief gegangene Magie ein Todesomen geworden, das nur durch Hautkontakt sieht, wie der Besitzer eben dieser Haut sterben wird. Nicht gerade das was Cordelia unter einem Schlussstrich unter ihre Mission verstanden hat.

Faith und Cordelia recherchieren Sams drohenden Tod und die Lösung ist ein Santería-Ritual mit dem der Kriegsgott Changó besänftigt werden soll. Nachdem sie die Winchesters aus dem Gefahrengebiet gebracht haben, trifft Cordelia unter Trance Changó und der findet Gefallen an ihrem Auftreten und verwandelt sie ungefragt in einen Slayer. Sie ist eine neue Blutlinie und nach der Entdeckung von Changós Insigne auf ihrem Rücken in Form einer vernarbten Streitaxt, ruft Cordelia kurzerhand bei Wesley an. Der Wächter hat aber keine guten Nachrichten für sie, Lilah hat die Pläne ihrer Bosse verhängnisvoll durchkreuzt und LA ist tabu für Cordelia. Eine dauerhafte Rückkehr zu AI ist unmöglich und mit Faith an ihrer Seite, bleibt ihr nichts anderes übrig, als den Rest der Staaten unsicher zu machen. Sie halten zu Dean über die nächsten sechs Jahre Kontakt, vor allem Faith und nach Jess’ Tod ist Sam ebenfalls zurück in dem unsteten Vagabundenleben.

Soweit zur Handlung, da war auch noch wahlloser, wenn auch erinnerungswürdiger Sex, in Form von Cordelia/Sam und off screen Faith/Dean, neben der UST zwischen Cordelia und Faith und einer etablierten Beziehung im Epilog, die kein Problem damit hat, dass Faith weiterhin mit Dean alles andere als schläft. ‚Parts Unknown’ startet zwei Jahre nach dem Epilog, legen wir also los.

 

Parts Unknown

 

Hour follows hour
Like water follows water.
Everything is governed by the rule
Of one thing leads to another.

Ihr seid in einem heruntergekommen Saloon im absoluten Nirgendwo von Nebraska und das einzig neue ist das Namensschild an dem Schuppen. Du denkst, dass es ein beachtliches Talent von Faith ist, eben diese Kneipen Meilen gegen den Wind aufzuspüren. Deine linke Seite schmerzt höllisch von dem fünf Meter Fall auf Zement. Keine gebrochenen Knochen oder eine Gehirnerschütterung, aber der Adrenalinbuzz, der dich in falsche Zuversicht gewickelt hat, dass der Sturz und ein durchbohrter Oberarm kein Fall für die Notaufnahme sind, ist am nachlassen.

 

Die Wut in Faiths Augen nicht.

 

Wenn du die Schmerztabletten nicht genommen hättest, wärst du imstande herausfordernd zurückzustarren. Wenn du ins Krankenhaus gegangen wärst, hättest du bessere Drogen und die passende Entschuldigung für deine sture Eigenwilligkeit. Entscheidungen und du bereust deine nicht, die zu ihrer Rage oder deinem lädierten Zustand führte. Stattdessen gibst du ihr ein schiefes Grinsen und hältst mit Mühe dein Gleichgewicht auf dem klapprigen Holzstuhl, während die Bar sich unaufhaltsam um deine Achse dreht.

 

Faiths Fingerknöchel sind deutlich zu sehen. Die Stelle sieht übel aus, an der die Haut abgeplatzt ist, während sie ihr Bierglas mäßig interessiert erwürgt. Die Holzmaserung hat dagegen ihre volle Aufmerksamkeit und du ahnst, was kommt. Kannst es an der harten Kerbe zwischen ihren Augenbrauen ausmachen, die sie zu selten benutzt.

 

Die sie sich für Gelegenheiten, wie heute aufspart.

 

Du weißt, dass du am empfangenen Ende einer Predigt über Risiko, Chancen und deinem eigenen Leichtsinn in kürzester Zeit landen wirst. Die Stille im Auge des Hurrikans kann dich schon lange nicht mehr täuschen. Du rollst aus Reflex deine Schulter, beißt das Wimmern zurück, das anstelle der vertrauten Geschmeidigkeit entsteht und ihr Glas implodiert in Scherben aus spritzendem Bier.

 

Faith steht abrupt auf. Der Stuhl kracht hart gegen den Boden.

 

So schlimm also.

 

Fegt Hüften schwingend zum Theke und du weißt, dass du das Signal, ‚Ich könnte dich eigenhändig umbringen, Cor!’, lesen solltest und nicht die Verführung in der ungezähmten Bewegung. Aber die Erleichterung des Sieges hat noch nicht komplett nachgelassen, du fällst ständig für sie und heute ist keine Ausnahme. Denn ist sie eine Göttin in Jeans und du letztendlich nur eine Sterbliche.

 

Okay, Slayer, Todesomen, wen interessieren schon die Details.

 

Die Bedienung stellt den Stuhl diskret wieder auf, wischt das Bier zusammen und stellt in einer Bewegung das Glas Whiskey vor dich. Ist wortlos verschwunden, bevor du abwinken kannst. Also lässt du gut versorgt Faith am anderen Ende des schummrig beleuchteten Raumes schmoren. In der vagen Hoffnung, dass ihr Zorn genug abkühlt, um das nicht in einen Grundsatzstreit ausarten zu lassen, auf den du gerade jetzt keinen Bock hast.

 

Eure Prinzipien sind einfach genug – Nicht sterben.

 

Du hast deinen Teil eurer Abmachung für heute erfüllt.

 

Das Beben in deinen Fingern ist noch da, verdrängst die eingefrorenen Bilder in Schwarzblau. Da waren Dingen in deinem Kopf freigesetzt, die sogar dich mit deiner Vergangenheit erschaudern lassen. Manche Alpträume haben kein Recht sich in diesem Leben zu manifestieren. Du verwischt den Wasserrand auf dem Tisch, zeichnest eine Streitaxt in der Pfütze und fängst Faiths bittere Echos in dir auf.

 

Du würdest lieber mit ihr feiern, anstatt ihr keinen Grund zur Explosion zu liefern.

 

Es war nicht so, als ob der Hexenmeister dir eine großartige Wahl gelassen hat, ob du sein Spiel mitmachst, nachdem du gesehen hast, wie das Mädchen sterben wird. Seele für Seele. Verhindert. Dass du eine neue Form von mentaler Folter erlebt hast schlussendlich das geringere Übel und die Galle in deiner Kehle rechtfertigt Unbesonnenheit in der Ausführung der Befreiung. Weil kein unschuldiges Blut an euren Händen klebt, nur die bleierne Schwere von zuviel Einsicht deiner ultimativen Schwäche.

 

Nachwirkung seiner schwarzen Magie und du fühlst wie deine Gänsehaut zurückkehrt.

 

Verdammter dämonischer Schweinepriester.

 

Zu tief unter deiner Haut, die Vibrationen noch nicht im Einklang mit deinem Selbst und dein Schädel dröhnt im Widerhall deiner ureigenen Monstergespinste. Zwecklos sich Gedanken darüber zu machen, was passiert wäre, wenn Faith dich später gefunden hätte. Wenn sie deinen Hinweis übersehen hätte oder anders gedeutet. Wann du gebrochen wärst. In kleine Stücke durch deine kranke Improvisation.

 

Faith hasst wenig mehr als Hilflosigkeit und du kannst verstehen warum.

 

Dein Blick geht zu der Frau an der Bar, die brütend über ihrem Bier sitzt und du bist nicht dumm genug, um jetzt einen Annäherungsversuch zu starten. Stattdessen nimmst du euer karges Ambiente auf. Die rauen Männer, die in Gruppen in der Kneipe verteilt sind. Ungeschlachten. Die vereinzelten Frauen in Flanell. Da ist eine gespannte Schärfe unter der Oberfläche, die dein Interesse durch die Watte von Schmerzmittel fordern sollte, jedoch bewegt sich deine Konzentrationsspanne in Blitzlichtern und Endlosigkeiten.

 

Oder praktisch gesprochen in der Zeit, die du gebraucht hast, um in die Knie zu gehen.

 

Du leerst den Whiskey auf einen Zug. Wischt die Axt beiseite und zeichnest ein Pentagramm, starrst auf die fünf Zacken als ob sie dir den Schlüssel zu den Geheimnissen des Universums geben könnten, anstatt unzureichenden Schutz. Streust Salz, um das Symbol und die Körner richten sich durch Geisterhand als Kreis aus.

 

Kein Geist hier, nur du und diese Schlussfolgerung ist besorgniserregender.

 

Vielleicht solltest du einen mystischen Anruf zu deinem Schöpfer tätigen. Der ist seit Wochen überfällig. Changó die richtigen Antworten hat, auf die Fragen, die du nicht zu stellen wagst und sein Brandzeichen auf deinem Rücken glüht seit deiner Befreiung auf eine Weise, die schwer zu vernachlässigen ist.

 

Die Feigheit den Wahrheiten aus dem Weg zu gehen, solange sie dich nicht zu Boden werfen, eine andere Schwäche. Dein Verhalten ist so verdammt fahrlässig und von mehr Kurzsicht zeugend, als das eurer durchschnittlichen Geretteten. Die Strauß-Taktik ändert nichts, erschwert dir nur das Atmen und die Zeichen verschwinden nicht, nur weil du eine Augenbinde trägst.

 

Stur den Weg des wenigstens Widerstandes gehend.

 

Am Ende der Planken angelangt, ist für alle deine Sünden die Zeit gekommen, sie zu relativieren. Für welche du bereit bist die Balance zu verlieren, welche stehen bleiben und welche mit dir fallen. Auskühlen. Die Salzkristalle erinnern dich zu sehr an Schnee und das Bild deines Alptraums. In Schwarzblau getaucht. Die einzige Atemwolke stammte von dir und die Stille endete nicht, als du Faith schließlich gefunden hattest.

 

Der Salzkreis vibriert und zieht sich zusammen, stößt an die Grenzen des feuchten Pentagramms. Die Kristalle lösen sich auf.

 

Du bist es so müde, überall den Tod zu sehen.

 

Dir fehlt die Geduld auf Wiedergeburt zu warten, selbst wenn du die Gewissheit hast, dass ein Ende hier nur ein Neuanfang woanders bedeutet. Schließt die Augen und belauscht die leisen Gespräche um dich. Lenkst dich von dem blauschwarzen Tunnel ab, in dem deine Schrecken einem Geisterzug gleich unaufhaltsam durch die Nacht brettern.

 

Du weißt, was dich an der Endstation erwartet und du kannst dir nicht erlauben, deswegen in Hysterie zu verfallen. Du bist stärker als das. Stärker als die Bilder, die der Hexerdämon aus deinem Unterbewusstsein gerissen hat. Du weißt, dass du irgendwann aus dieser Existenz aussteigen wirst, aber nicht nach Faith, sondern vor ihr und du wirst nicht ihre Leiche im Schnee finden.

 

Weil deine Gabe so nicht funktioniert und du weißt, wie sie sterben wird.

 

Nicht auf diese Art und du weißt nicht, warum es dich trotzdem so erschüttert hat. 

 

Warum du nicht deine Ruhe zurück gewinnst. Es war nicht der grausamste Kampf, den ihr überlebt habt und nicht der schlimmste. Es sollte Routine sein, nur ist dir die abhanden gekommen. Vielleicht nicht gerade der beste Zeitpunkt, um nachzudenken, nur bleibt dir wenig Alternative mit einer angepissten Faith.

 

Zerstreuung hat selten als Strategie versagt.

 

Ab und zu vermisst du LA oder die Idee eines festen Wohnsitzes, der dir nach einem Tag wie diesem, die Option auf die Verriegelung deiner Haustür und ein Bad im Kerzenschein bietet, ohne dafür deine Kreditkarte überzustrapazieren. Ohne böse Überraschungen. Wo du in weiche Laken fallen könntest, weil sie nicht jeden zweiten Tag gewechselt werden, so wie die Zimmer.

 

Es sind die kleinen Dinge und vielleicht ist es Zeit für einen Besuch bei Wes.

 

Geweckt werden mit Earl Grey, den du trinkst, obwohl du Kaffeemensch bist. Dem Entdecken von alten Pergamenten, weil er dir seine Fundstücke leidenschaftlich vorführt, wie es nur ein Sammler kann. Nur er.

 

Dass du ihn für deine egoistischen Zwecke einbindest, letztendlich okay, denn er kennt deine Motive. Wesley ist der einzige, der die Bruchstücke aufsammeln kann, die du hinterlassen wirst und den Sinn erkennen. Faith wiedergeben.

 

Du vertraust Angels neu gefundenem Optimismus nicht lange genug, um dein zerbrechliches Erbe in seine Hände zu legen. Nur weil er sich nicht mehr vor perfektem Glück fürchten muss, heißt in deinem Lebensbuch nicht, dass er die geringste Ahnung davon hat, wie fragil Stahl sein kann. Oder ein Slayer.

 

Ausgenommen es handelt sich um seine Buffy.

 

Dass diese in den Jahren der Trennung erwachsen geworden ist, nicht Grund genug, um sie nicht wie ein Schoßhund zu bewachen. Denn sie könnte ihn in Stücke zerteilen und dieser Wirklichkeit waren beide nie bereit sich zu stellen.

 

Wesley stimmt dir zu, aber auch nur weil er tagtäglich die beiden Seelenverwandten mit einem eifersüchtigen Spike vor Augen hat. Der Wächter es müde ist, sich ihre leeren Schwüre über Ewigkeiten anzuhören, wenn Monate und Alltag schon schwierig genug zu meistern sind.

 

Seine Rücksicht näherte sich bei eurem Telefonat vorgestern dem Nullpunkt.

 

Du bist davon überzeugt, dass der echte Auslöser seiner Affäre mit Lilah nur die Trotzreaktion auf zu viele Süßholzraspeleien im Hyperion war. Nicht schmutzige Informationsbeschaffung, nicht der Reiz des Verbotenen oder zuviel sexueller Frust ohne Ventil. Mit Gunn und Fred als verlorene Alliierte gegen saccharingefärbte Todesmissionen, die keine sind, wie deine Todesvisionen eindrucksvoll bewiesen. Du bist dir sicher, dass das Versprechen im hohen Alter friedlich einzuschlafen, die Spannung im aufgesetzten Suizidwunsches des Partners maßgeblich senkt.

 

So wie die Dramatik der Geste sich im Kampf dazwischen zu werfen.

 

Die Tatsache, dass du Faith noch nie gesagt hast, dass deine Welt mit ihrem Tod endet, ist dir in LA nicht entgangen. Ebenso wenig dem Rest. Mit all den schicksalsträchtigen Verbindungen vor Augen, war es schwer eure abgeklärte Routine zu rechtfertigen, die wenig konventionell ist. Sogar ohne fremde Raubzüge, getrennt verbrachte Nächte, entfallene Szene am Morgen danach. Du denkst nicht, dass du eine weitere Belehrung über deinen alternativen Lebensstil oder kurzsichtige Partnerwahl ertragen kannst von Individuen, die dich nie ohne Masken gekannt haben.

 

Oder die Frau zu der du geworden bist, als vermeintlich schlechtes Beispiel ausblenden.

 

Dass du nie die einzig wahre Liebe für jemanden sein wolltest, hat seine Gründe.

 

Dass du mehr bist, als die Konstante ist dir klar.

 

Gott, euer letzter –

 

‚Wirklich, Cor?’ ‚Ja, ernsthaft, das Ende der Welt und das Dutzend ist endlich voll.’ ‚Ich will meine Goldenen Sterne für die vergangenen. Plus das Sammelheft mit einem Orginalautogramm von Luzifer.’ ‚Frevlerin.’ ‚Du weißt, dass Wes es besorgen könnte.’ ‚Lass Lilah aus dem Spiel, Faith. Sie hat uns überhaupt erst auf die richtige Spur gebracht.’ ‚Ich würde gerne mit ihr spielen.’ ‚Ich überhöre einfach mal diese böse Geschmacksverirrung.’ ‚Böse kann gut sein.’ ‚Aber auch nur im Bett.’ ‚Du vergisst Vordersitze, öffentliche Toiletten, Aufzüge-’ ‚Bett gleich Sex gleich übertragen gesprochen.’ ‚Wesleys Küchentisch, Angels Schreibtisch, Gunns Couchtisch und ich erkenne ein Muster.’ ‚Du willst nicht jeden Ort aufzählen, an dem wir Sex hatten?’ ‚Du hast einen Tisch-Fetisch, fällt mir gerade auf.’ ‚Selektiv gesprochen? Die Foyercouch, Gunns Sofa, Angels Sessel, Freds Hocker und Wesleys ausgedienter Rollstuhl. Wirf nicht mit dem Wort Fetisch um dich, Babe, wenn wenig horizontale Fläche übrig bleibt, die du ungenutzt lässt.’ ‚Oder vertikal. - Willst du meine Liste für die Orte, an denen ich noch keinen hatte?’ ‚Faith – Recherche – Wichtig. Das Ende unserer Zivilisation.’ ‚Falsche Prioritäten? Sehr heiß. Ich mag deinen befehlerischen Unterton, er macht mich zu Wachs in deinen Händen.’ ‚Irgendwie denke ich, dass mir das nicht die Option lässt, dir den Hals umzudrehen.’ ‚Laut Prophezeiung haben wir noch eine Stunde, das Zeug zu entschlüsseln. Deshalb Fetischtausch, dein Stuhl und dieser Schreibtisch, Deal?’

 

-  Weltuntergang war mehr eine Familienzusammenkunft als Götterdämmerung und du grinst verhalten bei der Erinnerung.

 

Dass du der unfreiwilligen Zusammenarbeit von Wes und Lilah mehr Substanz und Tiefgang zugeschrieben hast, als dem bühnengerechten Liebespaar, das wiedervereint wurde, könnte Bitterkeit sein. Nur füllte Spike den Part lautstärker aus und du warst damit beschäftigt, Faith durch Wes’ Gästebett zu vögeln – denn Bett ist Bett - um dir über kosmische Zufälligkeiten Gedanken zu machen. Denn du hast gelernt deine Zunge besser einzusetzen, als mit zynischen Spitzfindigkeiten.

 

Oder dich darüber aufzuregen, dass Willow und Tara offenbar der echte Deal sind, während Faith und du nur eine Phase durchmachen. Allein das hätte dich anpissen sollen, dieses scheinheilige Verhalten der Scooby Gang, als ob ihr die rebellischen Überbleibsel eurer Teenagerzeit ward, die es nicht besser wussten.

 

Seit Jahren.

 

Verdammte Doppelmoral. Mit dieser Ansicht warst du nicht allein und vielleicht könntet ihr euch bei Wes einquartieren, ohne die gesamte Gang auf den Plan zu rufen. Du brauchst eine andere Stimme der Vernunft und Faiths Schweigen macht den Wunsch nur deutlicher.

 

Gebäck und Tee, Diskussionen über die Metaphysik und du könntest abschalten.

 

Für Tage.

 

Deinen Kopf auslüften und die Echos entlassen. Ihn mit Wächtertheorien füllen.

 

Anstatt deine Schläfe mit den Fingern zu massieren und in dich zurückzufallen. Vicodin ist nicht das Schmerzmittel deiner Wahl. Ein Joint hätte weniger Nachdenken produziert und du weißt, dass Faith dies genauso gut wie du weiß. Hat dich öfter zusammengeflickt, als du zählen kannst. Von Küssen auf Schürfwunden bis zum Spritzen von Morphin. Du kennst die Routine, die auf ernsthafte Wunden folgt und die, die ihrer Meinung nach zu verhindern gewesen wären.

 

Dass sie dir die zweite zukommen lässt, ist bedauerlich.

 

Axt und Schild. Im Wechsel.

 

Du bist übermüdet und in schlechter Verfassung, eingefroren in dem Moment bevor Faith dich zurückholte. Als du die Letzte warst. Nur in deinem Kopf. In deinem Kopf und seinem und er ist tot und du nicht.

 

Konzentrierst dich auf die Gegenwart, erneut, weil du die Bilder hinter dir lassen musst, wenn du nicht in dieser gottverlassenen Kneipe in Tränen ausbrechen willst. Du bist nicht so erbärmlich, als dass du dieses Klischee der geschlagenen Frau erfüllst. Deine linke Wange pocht mit deinem Herzschlag und du ahnst mit leichtem Grauen, in welchen Farben dein Gesicht morgen früh schillern wird.

 

Gewöhnlich übertüncht euer Siegesrausch die offensichtlichen Verletzungen. Beschränkt die Kenntnisnahme auf das Pulsieren der Wunden und das Hintergrundtuscheln. Schlecht versteckte Musterungen und Fragezeichen. Gewöhnlich gibst du keinen Deut, wie die Welt dich sieht und die Reflektion in Faiths Augen zeigt dir nur, dass du imponierend sein kannst. Gewöhnlich umarmst du die Gefahr, die von Faith ausgeht mit beiden Armen, Beinen und deinen Lippen auf ihrer Haut.

 

Aber gewöhnlich ist nicht heute und der Aufschub des Motels hat nur den einen Grund, dass das Inventar in Gefahr ist von euch zerlegt zu werden, wenn ihr jetzt alleine seid und nicht auf die Art, die erderschütternde Höhepunkte produziert. Denn mal ehrlich, wer würde diesem Event mit Faith aus dem Weg gehen? Du ganz sicher nicht.

 

Aber du kannst ihr nicht in die Augen schauen und deine Furcht gespiegelt sehen.

 

Blickst dich stattdessen gründlich um, durchbrichst den Nebel aus überstrapazierten Muskeln, schmerzenden Knochen und schlechten Pillen. Benötigst zu lange bis du den Fokus findest und verziehst angewidert die unverletzte Seite deines Gesichtes angesichts deines Unvermögens.

 

Es sind hauptsächlich Belanglosigkeiten. Triviale Ereignisse. Austausch von Klatsch wie in jeder verstreuten Drifterkneipe am Rande der Highways der letzten Jahre. Außenseiter in ihrer eigenen Welt. Hörst dich um. Die besten Wege um von A nach B zu kommen, die günstigsten Motels, die einen nicht mit Kakerlaken in den Kissen bedrohen. Die zweckmäßigsten Waffen für Distanz und Nahkampf. Siehst in die abgehärteten Gesichter, wachsame Augen und du kapierst, wo ihr durch Zufall gelandet seid. Veteranen und Kämpfer eines leisen Krieges.

 

Die Verbindung klickt und du überwindest wackelig die Distanz zu Faith.

 

Stoßt sie leicht mit der gesunden Schulter an, warnend, „Nicht jetzt, Cordelia.“

 

Erwiderst den lodernden Blick mit einem Kopfschütteln und deutest unauffällig auf die Gäste, „Auszeit. Dein Gespür ist vielleicht eine neue Fährte.“

 

Ihr trefft auf zu viele in letzter Zeit. Wisst beide, dass sich ein mystischer Sturm zusammengebraut hat. Zu viel Aktivität, zu kurze Intervalle zwischen einer Jagd und der nächsten. Zu viele gewaltsame Tode.

 

Ihr könnt verschiedene Exorzismen auswendig, weil ihr in den letzten fünf Monaten zu verdammt oft auf Dämonenbesessenheit getroffen seid und das ist zu beschissen. Ihr zieht Dämonen in ihrer Reinform vor. Oder was ihr in dieser Dimension am nächsten kommt, anstatt traumatisierte Menschen von ihrem Angsttrip runterzureden. Oder in der Notaufnahme als sichere Patienten der Psychiatrie abzugeben, weil ihr zu spät gekommen seid und die Seele irgendwo unterwegs verloren gegangen ist. Sich ausgeklickt hat aus dem Körper, der die eigenen Befehle nicht mehr entgegengenommen hat.

 

Ihr seht das Muster, aber der Auslöser entzieht sich euch und sogar Wes.

 

Ihr seid im Warten keine Weltmeister, wenn ihr das Ziel einer Jagd noch nicht einmal anvisiert habt. Du kennst den Ausgang dieses Versuchs eines Höllenfürsten, die Welt umzustürzen, kannst es an dem Tod deiner Freunde ablesen, der nichts damit zu tun hat. Zurückgeschlagen und du weißt, dass deine Gelassenheit als Überheblichkeit gewertet werden könnte. Oder Selbstschutz.

 

Faith hat gelernt in Zufälle zu lesen, so wie du nie zurückzuckst, wenn du von einem Fremden berührt wirst und den Tod sieht. Da ist Genugtuung in dem Bild von Faith mit grauen Strähnen im Haar, noch immer jagend. Da ist die Gewissheit, dass deine Tage auch gezählt sind und du den letzten nicht als solchen erkennen wirst.

 

Da ist ihre Panik, dass es heute sein könnte, die immer wieder aufflammt.

 

Denn ihr tanzt am Rande des Vulkans und Faith ist lebendiges Feuer unter deinen Fingerspitzen. Versengend, wenn du es halten willst und da ist keine Resignation in ihrer Freiheit. So wie sich kein Verlust in deine Aufgabe einschleicht und du wirst nicht die Letzte sein, so wie du nie die Erste warst. Der Rauch in deinem Schädel ist nur Zeichen für die Flamme, die von ihr wieder entzündet worden ist und vielleicht wäre jetzt wirklich ein guter Zeitpunkt für einen Kurztrip nach LA, weil du jeden gepeinigten Nerv in dir spürst.

 

In ihr.

 

Reibst selbstvergessen ihren Rücken, gegen die Wunde, die ihren linken Lungenflügel zerfetzen wird. Bevor die Klinge ihr Herz treffen wird. Die Verletzung noch gute dreißig Jahre in der Zukunft liegt, die sie innerhalb von Sekunden das Bewusstsein verlieren lassen wird. Mit einem Siegerlächeln sterben.

 

Die Frage, weshalb du sie nur in mit Frieden dem Tod begegnen siehst, erübrigt sich, wenn du ehrlich bist. Eure gemeinsamen Jahre hast du in den ersten drei Tagen mit deinen Warnungen abgedeckt und der Wandel erschien damals nicht bedeutsam. So wie die Tatsache, dass du nie in ihren Visionen eine Statistenrolle gespielt hast.

 

Dass sie dir seit Jahren verbietet, ihr diese eine Warnung mitzugeben, alles andere als lachhaft. Faith hat dich lediglich gefragt, ob es diesmal ein guter Tod sein wird und du hast geantwortet verdammt schnell.

 

„Es wird reichen, wenn du mich warnst, wenn wir diesen Ort erreichen, Cordelia.“

 

„Was ist wenn ich nicht da bin?“

 

Du wirst ihren Gesichtsausdruck nie vergessen, als sie sagte, „Dann sollte es wohl meine letzte Solomission gewesen sein.“

 

Da war nicht die Spur von Illusion, dass sie wusste, dass du davon ausgingst, dass es dir unmöglich sein wird, sie zu retten. Vielleicht wollte sie es trotzdem von dir hören, aber du hast nur genickt.

 

Von Wut zu Erlösung - kein Slayer lebt ewig. Keine unbekannte Lektion. 

 

You can't really place blame,
Cuz blame is much to messy.
Some was bound to get on you
While you were trying to put it on me.

 

Du meidest hartnäckig die Mordlust in Faiths Miene, soviel einfacher zu handhaben als die unterschwellige Furcht von vorher. Dein Arm geht selbstverständlich um ihre Taille. Spürst wie sie dagegen ankämpft in die Berührung zu fallen, noch während sie sich dir zudreht.

 

Yeah, du hast diese Macht über sie.

 

Ignorierst den verdutzten Blick der Barfrau mit derselben Kaltblütigkeit, die du deinen willkürlichen Warnungen folgen lässt. Fremdheit dich unantastbar macht. In Erinnerung bleibt und du manchmal darauf zählen musst, dass die Botschaft Jahre später ankommt. Gelernt hast, dich einzuprägen und du die meisten Menschen in Frieden gehen sehen willst.

 

Die Brünette senkt die Augen mit der Andeutung eines Schmunzelns und wischt beschäftigt über die Arbeitsfläche hinter dem Tresen. Der Argwohn im Raum brandet auf, als du deine Sinne darauf einstellst. Verstärkt die Migräne und deine schon vorher fieberheiße Stirn ist nun gegen Faiths Schulter gedrückt, bevor du einen weiteren Gedanken verschwendest, dass dir momentan von dem Slayer rein hypothetisch, die größte Gefahr droht.

 

Atmest tief den Geruch von Erde und Rauch ein, so vertraut wie Faiths eigener.

 

Ihre Hand stützend auf deiner Hüfte, gepresst von dir, „Das ist ungemütlich hier drin, wenn man die Schwingungen zulässt.“

 

„Lass den Aurascheiß, du hast dafür kein echtes Talent. Außerdem hast du für heute schon genug getan.“ Sie meistert den Satz, ohne dass er wie ein kompletter Vorwurf klingt, bevor ihr Ton wieder beschwingter wird, „Falls Ärger uns sucht, wird Ärger uns finden. So wie immer.“

 

Zu wahr, du atmest auf und entspannst dich vorsichtig.

 

Drehst schließlich den Kopf, so dass du mit der Schläfe bequem gegen ihren Oberarm lehnst. Der Spiegel hinter der Bar gibt dir einen guten Blick auf die Tische und du verschwendest ein Drittel deiner Aufmerksamkeit auf die Besucher und zwei Drittel darauf, einigermaßen gerade stehen zu bleiben. Du bist dir ziemlich sicher, dass der Whiskey von vorher keiner brillanten Idee entsprang.

 

Du visierst die Überbringerin desselbigen mürrisch an, auch wenn du ein Komplott mit Faith ausschließt und die Ältere dich in dem 23 Uhr Trubel vernachlässigt. Behände nachschenkt, leere Gläser wegräumt und nicht aus der Ruhe zu kriegen ist. Sonderwünsche nicht gestellt werden, da ist eine Vertrautheit mit den Gästen, die dich immer an den Bedienungen am Rande der Straßen fasziniert. Zumindest die erfolgreichen schaffen es, dieses Ambiente einer Stammkneipe aufleben zu lassen, selbst wenn die Trucker hunderte von Meilen von daheim entfernt sind.

 

Kämpfst dagegen an die Lider zu schließen und wegzudösen.

 

„Ellen, wo soll das hin?“

 

„Uhm, Bier - Bierkühler, Bobby?“ Die bärtige Baseballkappe steht unbeholfen mit dem Kasten in den Händen. Sie öffnet eine Schublade, um eben diese mit Flaschen nachzufüllen, während er eine volle Breiseite Sarkasmus abkriegt, „Mann, ich frage mich, wie ihr es schafft, euch für eine Jagd zu organisieren und dabei nicht selbst einzukreisen.“

 

Gutmutiges Brummen, „Hey, ich bin nur hier um in der Eröffnungswoche zu helfen. Dass ich kein Kellner bin, war dir hoffentlich vorher klar.“

 

Der Mann sammelt das Leergut im Kasten und sie stemmt die Hände in die Hüfte, strenger Blick, „Sicher, aber du scheiterst schon an dieser Aufgabe, was mich über dein neues Sicherheitssystem nachdenken lässt und - “

 

Er winkt ab, „Zu spät um den Preis zu drücken, Darling.“

 

Faith lacht leise und du starrst verwundert auf ihr Profil, erklärend, „Flashback zu der Zeit, als Gunn die Schaltung gewechselt hat und deinem undankbaren Gezeter.“

 

Du hebst die Augenbraue, „Das offensichtlich begründet war, denn wir haben keine tausend Meilen damit geschafft.“

 

„Er hatte dich gewarnt, dass er kein Mechaniker ist. Du wolltest nicht auf ihn hören.“

 

„Er hatte seine alte Mechaniker-Crew, die Einzelteile als Lebensunterhalt vertickten in der Hinterhand und noch Gefallen bei eben diesen in Reserve. Ich dachte, Gunn hätte meinen Hinweis kapiert, es nicht selbst in die Hand zu nehmen, sondern den Austausch den Profis zu überlassen.“

 

Faiths Gesicht leuchtet jäh auf, „Oh verdammt, das Wochenende in Santa Fe, das darauf folgte war heiß wie die Hölle.“

 

Du schüttelst bei der Erinnerung den Kopf, „Ich hatte die Befürchtung, dass Dean den Dilettanten köpfen wollte, der für den Einbau verantwortlich war.“

 

„Er hat mit Sicherheit dein Gezeter in Relation gesetzt. Das einzige Mal, dass ich ihn so gut wie hysterisch erlebt habe und du von einer Minute zur anderen den Mund gehalten hast. Für fast eine halbe Stunde. Ich war tief beeindruckt.“ 

 

„Ich war besorgt um Gunns Existenz, wenn ich seine Identität preisgebe. Dean hat weniger gejammert, als der besessene Sektenführer in Pocatello, die Heugabel durch seinen Oberschenkel gerammt hat. Was einiges zu seiner Schmerzgrenze aussagt, die offensichtlich gering bei Vergehen gegen schwarze Klassiker ist.“

 

Grüblerisch von Faith, „Hatte nicht das Cassandra-Chick gerade mit ihm Schluss gemacht?“

 

„Cassie und yepp. Er war in keinem guten emotionalen Zustand zu dem Zeitpunkt. Der Plymouth war nur das Sahnehäubchen auf einem beschissenen Monat. Das heißt, bevor du alles mit der Schlagsahne besser gemacht hast, was ich persönlich ziemlich lahm fand.“

 

„Huh, habe ich dir das erzählt?“

 

„Nein, er, als er wieder an seinem Dreier-Traum gearbeitet hat. Wie lange ist das jetzt her?“

 

„Schätze fünf Jahre. Jesus. Er war verzweifelt.“

 

Ernsthafter, „Und Sam-los, der arme Kerl.“

 

Faith nickt einem vernehmlichen Seufzen und du bist an dem zurückerkämpften Platz zwischen ihren Beinen. Es ist nicht immer einfach logisch hier zu sein, aber Faith hat ihre Abwehr noch oben. Zu knapp für ihren Geschmack und dein Blut an ihren Händen.

 

Spürst die Anspannung noch in ihrem Griff.

 

Besänftigend und nur für sie vernehmbar, „Vergiss ihn. Tot und ausgelöscht, dank dir, ohne ein weiteres Opfer.“

 

Ihr Erschauern nicht in deinem Sinne, so wie dein Bedürfnis dich bei ihr zu entschuldigen.

 

Schluckst die Rechtfertigung hinunter und besinnst dich auf die Fakten, „Du hättest mich nicht anders als durch realen Schmerz erreichen können und du hast mich schon in schlimmeren Verfassungen als kompletter Apathie gesehen. Ich sage nur pure Agonie.“

 

Gepresst, „Fick dich.“

 

„Jetzt und hier?“ Ohne Hitze, „Wenn du keine Show erwartest, warum nicht.“

 

Ihre Hand in deinem Haar und den Abstand, den sie dir aufzwingt.

 

Der letzten Glut von Hilflosigkeit, die unter deiner Unerschütterlichkeit erlischt, beißend. „Wenn du mir einen Pfeil durch den Arm jagen musst, um mich an der gottverfluchten Decke einer brennenden Lagerhalle wach zu kriegen, reden wir noch einmal über geringere Übel. Vor allem wenn der Verursacher des Spuks schon im Jenseits weilte.“

 

Dass sie deine größte Sorge ausspricht, zeigt dir nur, dass sie dich besser kennt, als du den meisten Menschen gestattest. Dass ihr lauernder Blick deine Miene absucht, beweist, dass du deine Fassung besser gewahrt hast, als zunächst angenommen.

 

Die Überwindung der Schwerkraft wäre nicht das seltsamste, was ihr in eurer gemeinsamen Zeit erlebt hättet. Auch nicht sich bewegende Salzkristalle. Ihre spontanen Eingebungen haben dir oft genug das Leben gerettet und ihr redet nicht darüber, dass ihre Intuitionen kaum mit den Kräften der Jägerin erklärt sind. Ihr seid in Mysterium ineinander geschachtelt, das du nie auseinanderanalysieren wolltest.

 

Sie dir mehr Leben geschenkt hat, als eure Zeit in Stunden und Jahren anzeigt.

 

Durch ihr Eingreifen und ihr Ausharren. Sie ist deine Retterin und du würdest Folter vorziehen, bevor du ihr das eingestehen würdest. Sie ebenfalls. Darin seid ihr gleich, wenn auch sonst in wenig. Manches Wissen bleibt verborgen, auch nach acht Jahren und du willst nicht ihre Geheimnisse, sondern dass was sie dir freiwillig überlässt.

 

Ihre Wut irgendwann gerechtfertigt sein wird, aber nicht heute.

 

Du ihr nicht verzeihen würdest und Bedauern kein haltbarer Zustand ist, ebenso wenig wie Trauer. Du ihr nicht als ihr größtes Unterlassen in Erinnerung bleiben willst und sie deinen Tod trotzdem auf ihr Konto verbuchen wird.

 

Egal welche gottverdammten Umstände dazu führen, ihr seid nun mal so gestrickt.

 

Du hast die Narbe an ihrer Seite erreicht. Eine von vielen, wenn man weiß, wo man nach den weißen Linien suchen muss. Ihr Kinn hebt sich widerspenstig, als deine Fingerspitzen über die Kuhle fahren. Zurückhaltend von dir, „Fleischwunden gehören dazu.“

 

„So wie deine hirnlosen Einzelaktionen, die in der Regel dazu führen?“

 

Erheitert, „Fick dich, Wonder Woman. Perfektion sieht auch anders als dein Stil aus.“

 

Zieht dich näher, „Mein Stil? Ich wusste gar nicht, dass ich so was überhaupt besitze.“

 

Der Flirt ein Köder, „Ich korrigiere mich, Traumfrau. Du bist und bleibst stillos.“

 

„Ich würde mich an deiner Stelle hüten meine Technik zu beanstanden. Die Kritik fällt letztlich nur auf dich zurück.“

 

Böses Lächeln, „Tut sie das? Ich bin diejenige, die auf Training im Freien beharrt, aber du ziehst es ja vor faul im Bett einzurosten.“

 

Sie lacht, „Oh nein, Cor, du hast nicht gesagt, was ich denke, das du gesagt hast. Man kann sich Fakten zurechtschneidern, aber du hast gerade ein transparentes Lügengewand fabriziert, das ich zu gerne jetzt auf deiner Person sehen würde.“

 

Rümpfst in bester Bitchqueen-Manier die Nase, „Des Kaisers neue Kleider?“

 

„Endlich ein Märchen hinter dem ich voll und ganz stehe.“

 

Vergnügt, „Warum überrascht mich das nicht. Der amerikanische Traum schlechthin, Faith, sollte nicht entblößt werden.“

 

Die Schärfe wird von Faiths Schmunzeln gut verhüllt, „Du gibst meiner Fähigkeit zu teilen zuviel Gewicht.“

 

Der stetige Wandel so sehr Teil von ihr und du nimmst die friedlichere Laune dankbar an, bist dir relativ sicher, dass sie momentan nicht predigen will oder dich für deine Nachlässigkeit rösten. Vergeben vielleicht, aber nicht vergessen, sie wird dich in einem unpassenden Moment damit überrumpeln und du wirst wie ein Fisch auf dem Trockenen sitzen, der die Argumente sucht, die sich in deinem Besitz befinden.

 

Die Entgegnung kommt weich, „Du bist der feuchte Traum einer Menschenmasse, deren Anzahl ich seit Jahren ausgeblendet habe.“

 

„Dabei halte ich dich mathematisch talentiert genug, um bis hundert zu zählen.“

 

Du schüttelst grinsend den Kopf, „Du vergisst diejenigen, die du nicht flachgelegt hast und die sich mit ihrer beschränkten Fantasie und gebrochenem Herz begnügen mussten.“

 

Ihr Blitzen sagt dir, dass sie sich keine falschen Vorstellungen über ihren Sexappell macht und das ist gut so. Es reicht, wenn eine von euch jeder bemerkenswerten Wahrheit aus dem Weg geht.

 

Vertrauter Boden und vielleicht hast du Glück, denn dein Pech ist für heute ausgereizt.

 

Halber Konter und breites Lächeln von ihr, „Du dagegen bist die Meisterin des Abblitzens, Chica. Du kannst sogar eine Abfuhr, wie einen Ausdruck der Zuneigung klingen lassen.“

 

„Ich habe auch lange und hart daran gearbeitet.“

 

Dein Kinn ist unter ihrem Daumen, impulsives Vortasten, als ob ihr das keine hunderttausend Mal durchgespielt habt. Du fällst in die Berührung, als ob sie dich endgültig zurückweisen würde, wenn du eine falsche Bewegung machst. Vielleicht seid ihr doch konventionell und romantischer auf eure Art, als du bis jetzt zugeben wolltest.

 

Wenn Romantik in der ständige Eroberung liegt.

 

Wenn jedes Vortasten noch neu erscheint, jede Annäherung unvorhersehbar. Als ob ihr eure Meinung ändern könntet. Gegenseitig die Stirn bieten, wenn der Verstand sich einschalten würde, denn ihr seid kein gutes Match. Seid euch zu ähnlich in all den Dingen, die unerheblich sind und zu fremd in den Bedeutsamen.

 

Verwunschene Märchen und du hast dich nie gefragt, ob sie dich aus ihrem Leben jagen wollte, als du das erste Mal in euer gemeinsames Motelzimmer zurückgestolpert bist und sie es mit jemand anderem geteilt hat. Keine zwei Stunden nachdem sie dich erstmals verführt hat.

 

Hast diese essentielle Frage nie laut in den Raum gestellt.

 

Bist danach nie wieder bei dem Anblick erstarrt, wenn sie dich mit verschwitztem Gesicht und schlechtem Gewissen im Blick angestarrt hat. Die Scham beiderseits nicht erwünscht, während du eine geistlose Entschuldigung gemurmelt hast. Deine Blindheit ihre Zeichen nicht richtig zu deuten, war kein Grund sich vor den Kopf gestoßen zu fühlen. Ihre masochistische Eifersucht dagegen schon, als du dieselben Privilegien für dich gefordert hast. Das war euer erster Streit, einer der hässlichsten und du weißt bis heute nicht, wie ihr euch in den Nachwehen zusammengerauft habt.

 

Der Balanceakt nie akkurat, gefolgt vom unausweichlichen Fall. 

 

Dass du dich für das Leben an ihrer Seite entschieden hast, unbegreiflich für sie. Dass du dich nicht erinnern kannst, wie du ohne sie je gelebt hast Mitleid erregend. Nicht dass es wichtig ist. Mitleid ist nicht eure Schiene und ihr habt genügend Kills hinter euch, um eure Kaltblütigkeit zu verifizieren.

 

Die Dunkelheit hat euch fest im Griff und die gestohlenen Stunden im Tageslicht sind begrenzt und du bist nie immun für ihre Nähe geworden. Der bittere Geschmack von den Zigaretten, die sie in steinerner Stille auf dem Weg hierher geraucht hat. Der scharfe Whiskey, den sie ohne dich bestellt hat. Die kandierte Süße, die nur sie ist und das Verlangen im schwelenden Blick.

 

Ihr harter Atem gegen deinen, sich gegenseitig anfachend.

 

Öffnest leicht den Mund, kommst ihrer Absicht entgegen, folgst taumelnd ihrer jähen Attacke, als du abhebst. Vergisst, wo du bist. Dass die Welt nicht nur aus euch zwei besteht und sie fängt dich ein. Bremst dich aus, als deine Finger sich unter ihr Oberteil stehlen. Auf der Suche nach der seidigen Glätte ihrer Haut.

 

Faith lässt dich zögernd in die Realität zurück gleiten und du ignorierst die unvermittelte Grabesstille im Saloon unter der ausklingenden Ballade, die deinen rasenden Herzschlag nicht übertönen kann. Ihr seid am Ende der Neuzeit angelangt. Hier wird noch gestarrt, wenn zwei Frauen sich küssen und du lässt genervt die Augen zu.

 

Heiseres Flüstern, „Plymouth?“

 

Wenig mehr als ein halbdurchdachter Fluchtplan aus einer unverfänglichen Situation. Ohne ihre heiße Forderung auf deiner Zunge, sind deine eigenen Beschwerden dabei in den Vordergrund zu rücken.

 

Fünf Meter, Beton. Nicht ideal wenn man den Fall nicht koordinieren kann.

 

„Nah, ich habe die Befürchtung, dass du mir auf halben Weg umkippst.“

 

Protestierend, „Ich kippe nicht.“

 

„Nicht solange du mich als Krücke hast.“

 

Ohne dein Gehirn einzuschalten, „Axt und Schild.“

 

„Im Wechsel.“

 

Die Formel hat sich irgendwann in den acht Jahren, als euer ‚Ich liebe dich’ etabliert. Zumindest verstehst du sie so und ihre Finger vergraben sich in deinem Haar, während sie leicht über deine Wangen mit den Daumen streicht.

 

Die Verletzung nur hauchzart streifend und du beißt nicht die Zähne zusammen.

 

Bist klüger als dem Reflex zu erliegen, denn es schmerzt so schon genug. Du denkst ernsthaft über die Möglichkeit nach, dass dein linkes Jochbein gebrochen ist. Was diesen Tag perfekt machen würde. Deine Stirn gegen ihre, Feueratem auf deinem Gesicht und das Wissen, dass es immer Drachen zu töten gibt. Sie kaum als solche zu erkennen sind.

 

Keine Anmut, nicht in deinem Absturz oder ihrem Sieg.

 

Er war jünger als ihr beide. Eine unterschwellige Erkenntnis als du in sein leergefegtes Gesicht gestarrt hast. Gebrochner Nacken im Nachspiel des Exorzismus, den du verpasst hast. Er zu beschäftigt mit dir gewesen war. Zu selbstsicher, um seinen Untergang mit der nötigen Aufmerksamkeit zu bedenken.

 

Im Machtrausch und da waren Monster in seinem Abgang, die nicht besiegt waren. Weshalb der Dämon in dem Kid meinte, dass ein Flammeninferno dein passendes Ende wäre, wenn du hilflose Gefangene warst oder ob die Kälte in dir einen Kurzschluss verursachte, der sich außerhalb der Traumwelt manifestierte, ist unerheblich.

 

Du dich nicht fragen solltest, wann er diesen Körper übernommen hat. Oder seine Gabe zum ersten Mal als Fluch angewandt hat. Wie alt er wirklich war und nicht nur sein Wirt. Warum du nicht mit seinem Fall wieder Opfer der Gravitation wurdest, sondern später.

 

Mit der Erkenntnis, dass du Faith nicht unterwegs verloren hattest, weil du deiner Eingebung gefolgt warst und damit ihr in den Rücken gefallen bist. Sie ungeschützt gelassen hattest, in dem seltenen Moment, als sie deinen Schutz tatsächlich benötigte.

 

Weshalb die Schuld dich schweben ließ und die Einsicht fallen.

 

Dein Schwindel meldet sich mit der Jukebox zurück, „Gott, ich hasse Vicodin.“

 

Ihr abfälliges Lachen im Ohr, „Nur wenn es mit deinen Plänen zu kommen kollidiert.“

 

Nicht nur dann. Es senkt deine Alarmbereitschaft und deine Fähigkeit dich nicht in Gedankenkonstrukten zu verlieren. Unrelevanten Existenzfragen. Öffnest die Augen und das schummrige Licht, sticht wie grelles Sonnenlicht an einem Katertag.

 

Und war das nicht das Verhalten eines liebeskranken Losers, sich in Faiths tanzenden Augen zu verlieren? Gedichte über ihren verschmierten Kajal wären der nächste Punkt auf deiner Liste. Nicht über ihre Tränen. Faith weint nicht für dich und die Anlässe, aus denen sie es tut, sind nicht erinnerungswürdig, so wie heute. Als sie dich aus der brennenden Halle hievte, weil deine Beine nicht funktionieren wollten und du zu verdammt weggetreten warst, um Hilfe zu sein. Geschweige denn Unterstützung.

 

Axt und Schild. Im Wechsel.

 

Löst überhastet das Tête-à-Tête und erklimmst den Hocker neben ihr.

 

Ziehst ihren näher und lehnst dich mit geschlossenen Augen gegen sie.

 

Warmes Leder an deiner Wange und es fällt leichter die schneeverwehten Karikaturen zu vergessen, die ein toter Hexer erschaffen hat. Werden von ihrer Aura übertüncht und eingefärbt in Pastelltöne und Kraft. Nachmittagssonne, die auf nackte Haut trifft und kaltes Sternenlicht ersetzt.

 

Blaue Lippen und zuviel Blut. Die Letzte.

 

Überlebt und der Horror flutete durch dein gesamtes Sein, so wie die panische Ablehnung. Kriechst weiter in ihre linke Seite, mit ihrer Hand zwischen deinen. Verbindung und Stärke, du weißt, dass dein Schweiß in ihren Wunden brennt und sie erwidert den Druck trotzdem beharrlich.

 

Skeptisch von ihr, „Das nächste Motel?“

 

„Klingt wie das Ticket in den Himmel.“

 

Nachsichtig, „Yeah, du musst es wissen. Schließlich hast du es nicht nur einmal gelöst.“

 

Du willst dich nicht wegbewegen, nur für einen Augenblick oder zwei, „Trink in Ruhe aus, während ich auf meiner Vicodin-Wolke schwebe.“

 

Ihre Ironie bleibt in den Untertönen, „Sicher, mein Engel.“

 

Dein Schnauben nicht, „Du weißt es besser.“

 

„Nicht sehr viel.“

 

Das vage Gefühl von Beklemmung, sagt dir, dass du Einschränkungen ihr bezüglich hättest treffen sollen, anstatt alles zuzulassen. Jede Emotion, jede Regung, jede Eskapade. Dein Versuch ultimativ egoistisch war, euer Leben so voll mit Erinnerungen zu packen, dass sie dich nie abschütteln kann. Nicht in LA, nicht auf der Straße und überall dort, wo die Sonne Schatten wirft.

 

Du vermutest, dass sie die ultimative Freiheit nicht schätzen wird.

 

Dass du Angst hast, dass sie sich in den Schatten verliert, Grund für deinen letzten Willen und Wesleys Verständnis, als du ihm letztes Jahr dein Testament erklärt hast. Was du von ihm erwartest, wenn du nicht mehr da bist. Dass er sich um Faith kümmern soll - muss, wenn deine Zeit gekommen ist. Dass er noch nicht mal ansatzweise argumentieren wollte, bestätigte deinen Verdacht und schnürte dir damals die Kehle zu.

 

Mehr als die Konstante und du hoffst um ihretwillen, dass der Kreuzzug ausbleibt.

 

Eure Einlage wird im Hintergrund heiß kommentiert, bis die Gespräche zurück auf die vorherigen Themen gehen. Ihr dem dummen Gerede zuhört, das in dem Hintergrundrauschen der Bar für normale Ohren untergehen würde. Die Gerüchteküche ist am überbrodeln, die Geschichte von einer Stadt deren Einwohner über Nacht verschwunden sind, die Runde macht. Hörst zuerst vereinzelt, dass die Winchesters das Massaker letztes Jahr scheinbar als einzige überlebt haben, bis es am anderen Ende des Raumes zum Fakt wird und zurückbrandet. Dass dies nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Es vielleicht sogar von ihnen begangen wurde, so wie die Armee von Dämonen, die von ihnen aus der Hölle befreit wurde, nur um ihren Dad dort rauszuholen. Dass Ellen und Bobby auch ihre Finger bis zu den Armbeugen in diesem Mist hatten.

 

Unheiliger Deal, nicht der erste dieser verfluchten Familie.

 

Dass der Jüngere eine Bedrohung mit seinen dämonischen Fähigkeiten ist, der Ältere für die Gefahr blind und seit dem Tod seines Vaters sowieso außer Kontrolle geraten. So wie die Vorverurteilung hier, erwiderst Faiths Griff, der mit jeder neuen Beleidigung härter wird. Eine andere Art der Anspannung zurückkehrt.

 

Du brauchst sie nicht anzusehen, um ihre finstere Miene zu lesen.

 

Ihr hättet gehen sollen, denn diesen Beschuldigungen kann nichts Gutes folgen.

 

Faith mag es nicht, wenn schlecht über ihre Eroberungen geredet wird. Vor allem wenn nicht du diejenige bist, die das Sticheln übernimmt. Dean ist mehr als ein Gelegenheits-Lover, der letzten acht Jahre. Ganz sicher ein Verbündeter. Einer der wenigen Freunde, den ihr beide vorbehaltlos als solchen anerkennt.

 

Dein weicher Punkt für Sam kein Geheimnis und dieses Gerede Bullshit.

 

Ihr seid beide zu lange im Business, um Übernatürlich automatisch mit Böse gleichzusetzen. Schicksal mit freier Wahl. Seid selbst zu tief darin verwurzelt um diesen Schluss zu ziehen. Erwachsen geworden in einer Welt ohne Scheuklappen. Mit Wächtern, Hexen und einem beseelten Vampir, der Beispiel für sein Childe wurde.

 

Aber du ahnst wie ein Großteil dieser Männer hier gelandet ist. Welche Verluste sie erlitten haben, um diese Obsession zu zulassen. Ihr geht menschlichen Jägern nicht grundlos aus dem Weg. Sie sind ein Haufen Verrückter, die nur das sehen können, was ihnen zum Verhängnis wurde.

 

Zumindest erfahrungsgemäß. Zumindest in der ersten Generation.

 

Wenn auch zweifelsohne nützlich. Dass nur die wenigsten von ihnen die Nerven für die ultimative Differenzierung zwischen Gut und Böse für das Mystische hegen, weißt du. Dir fehlt im Augenblick die Kraft eine Grundsatzdiskussion mit dem blutrünstigen Mob zu führen und Faiths Laune ist zu übel, um kühle Rückendeckung zu sein.

 

Dein Handy klingelt, reißt dich aus der Untätigkeit. Ungläubig auf die Nummer starrend, während Faiths rauchiges Lachen aufbrandet, „Satan persönlich, wenn von den Teufeln gesprochen wird. Wie passend.“

 

Ihr Temperament brisant genug für eine Menge Ärger. Vor allem nach deinem Beinahe-Rendezvous mit dem Tod heute Nacht. Du bist zu lahm, sie entwendet dir das Telefon noch bevor du auch nur einen Muskeln anspannen kannst.

 

Verdammte Pillen. Verdammte Slayerreflexe.

 

Provozierende Kampfansage, „Dean Winchester, Babe, wir haben gerade an euch gedacht. Wie läuft die Monsterjagd?“

 

Don't fool yourself
Into thinking things are simple.
Nobody's lying still the stories don't line up -

Faiths lautstarke Begrüßung enthält genug Herausforderung für ein kleines Massaker und du hoffst, dass ihr hier ohne Kneipenschlägerei rauskommt. Nicht dass du darauf wetten würdest. Ihr Statement dreht ausreichend Köpfe, um dich automatisch deinen einziehen zu lassen. Ungebremst. Deine Schulter meldet sich aufröhrend zurück, zusammen mit dem brennenden Oberarm.

 

Du siehst tanzende rote Punkte und dein herzhaftes, „Fuck!“, ändert daran wenig.

 

„Cor?“

 

Faiths Hand stützt dich instinktiv, als du verzweifelt dein Gleichgewicht in dem Chaos suchst. Ihre Miene ist nur zum Teil deinetwegen besorgt. Du weißt, dass sie tief drinnen deine Schmerzen als gerechte Strafe für deine Gedankenlosigkeit ansieht.

 

Du weißt auch, wie sie aussieht, wenn sie keine guten Nachrichten empfängt.

 

Der Wandel in ihrer Haltung ist gravierend. Du stehst vorsichtig auf und sie folgt dir auf dem Fuß, während du Richtung Toiletten gehst. Nach deinem kurzen Check seid ihr sicher, dass ihr alleine seid. Du lehnst dich geschlagen gegen die Tür, blockierst den Eingang und sie kommt vor dir zum Stehen.

 

Schließlich konzentriert, „Seid ihr noch dort? In Lawrence?“ Mehr Zuhören und dann fast unhörbar, „Perry also? Wir können in fünf –", fragender Blick und du nickst, „sechs Stunden da sein, wenn wir durchfahren. Das Kaff ist ausgeschildert? – Morgen Abend würden reichen? Bist du sicher? - Dean, du kannst das nicht wissen.“

 

Die Hand auf deiner Hüfte zieht sie näher, in einer Bewegung, die nur mit Faiths Grazie Sinn ergibt. Sie arbeitet nervös an deiner Gürtelschlaufe und deine Besorgnis wächst in Relation zu ihrem schnellen Wechsel zum Verdruss, „Lass mich kurz nachdenken, ob ich je einen schlechter durchdachte Begründung gehört habe. Nope. Du gewinnst den ersten Preis. – Duh, einen Arschtritt von mir.“

 

Nach kurzem Zuhören, „Das ist Cordelias Ressort. Sie steht direkt vor mir. – Ja, wo sonst, Medium.“

 

Damit hast du dein Handy zurück, „Hi Dean, um was geht’s?“

 

Grollend, „Sams Visionen geraten außer Kontrolle.“

 

„Wie meinst du das?“

 

Schnelle Erklärung von Dean, „Wir dachten eigentlich, dass sie mit dem Bastard, der sie verursacht hat, der Vergangenheit angehören. Nur war das wohl zu voreilig. Okay, wir haben uns in dem Bezug komplett geirrt oder es hat mit unserem Fall hier zu tun. Gottverdammt, ich kann dir noch nicht einmal ansatzweise erklären, in was für einer hochkarätigen Scheiße wir uns befinden. Faith hat die Ecknoten und ja, Imbolc wird von dieser Dämonensekte nicht am 2. Februar gefeiert, sondern mit dem Vollmond am 22. Januar.“

 

„Wir haben also noch Zeit dir danach was zum Geburtstag zu kaufen?“

 

„Deine Prioritäten will ich haben, Cor. Ihr seid zu einem Besäufnis eingeladen, wenn ich den 24. erleben sollte und nicht vorher an einem Herzinfarkt krepiere.“ Dean kann seinen Charme schneller anschmeißen als seinen Impala, „Außerdem weißt du, was ich von dir will und das ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.“

 

„Mein Bunny-Kostüm bleibt schön eingepackt, Playboy.“

 

Faith wackelt mit den Augenbrauen und du stöhnst genervt über Deans theatralisches Statement, „Hey, kannst du einem sterbenden Mann seinen letzten Wunsch abschlagen?“

 

Trocken, „Sehr dramatisch, Dean, ich bezweifle, dass es in einer Woche soweit sein wird. Außerdem wäre dein Todestag somit vor deinem Geburtstag und wir sind mitten in einem Paradox, das meinen Kopf restlos überanstrengen würde. Ist deine Dreier-Fiktion also ein primärer Defekt oder nur Testestorenbedingt?“

 

„Ich glaube, bei dir ist das Bittgesuch inzwischen zum rudimentären Reflex geworden, Cor. Du könntest mich an meinem Geburtstag zu Tode schocken, wenn du es annimmst.“

 

„Ja, klar.“ Du schüttelst schmunzelnd den Kopf, du glaubst ihm das sogar. Das mit dem Reflex, nicht dem Tod. Ruhige Rückbesinnung aufs Wesentliche, „Warum seid ihr in Lawrence? Du meidest die Stadt bekanntlich, wie der Teufel das Weihwasser.“

 

„Missouri, eine – uhm – Sie kannte meinen Dad, hat ihn in die übernatürliche Welt eingeführt nach dem Feuer. Sie ist vor einer Woche ermordet worden. Wir wollten der Sache auf den Grund gehen, weil das was wir online über ihren Tod finden konnten, wenig Sinn machte. Missouri war Hellseherin und hat uns vor knapp zwei Jahren bei einem Fall in unserem alten Haus geholfen. Es war Zeit ihr unseren Respekt zu zollen. Wenn nötig damit ihren Mörder in die Hölle zu schicken. Jedenfalls sind wir hier in was reingestolpert, dass uns haushoch überlegen ist. Was immer Es ist. Wir haben bereits mit den Lakaien ein Problem.“

 

„Dämonisch?“

 

„Die Diener? Yeah, und Sams Visionen hängen mit dem dämonischen Blut zusammen, das ihm zum sechsmonatigen Geburtstag serviert wurde. Also im schlechtesten Szenario kommt alles zusammen. Im besten sind wir nur durch Zufall gefickt.“

 

„Und wie wir alle wissen, sind Zufälle zu selten.“ Er seufzt genervt nach deiner Aussage und du fährst fort, „Was ist mit Sam los, Dean?“

 

„Die Visionsattacken kommen in immer kürzeren Zeitspannen, die letzte hat ihn das Bewusstsein verlieren lassen – für wenige Minute. Aber -“ Die lästige Hilflosigkeit meldet sich zurück, diesmal in Deans Tonfall, „Hör zu, Cor, Sam kann sich kaum auf den Beinen halten, geschweige denn in diesem Zustand kämpfen und so wie es aussieht, sollte er. Wie kriege ich ihn also in fünf Tagen für den Showdown fit?“

 

„Habt ihr Vicodin?“

 

„Ja, aber das Problem ist es unten zu halten. Und das ist ein generelles Problem.“ Seine Erschöpfung ist unüberhörbar, „Er kotzt sich gerade die Seele aus dem Leib. Ein Schuss ins eigene Bein wäre weniger hinderlich als diese Visionsscheiße.“

 

„Ja, das ist allerdings wahr.“ Die Erinnerungen an diese Zeit noch wach genug, zögernd, „Seltrax?“

 

„Wenn du meinst, dass es hilft, besorg ich es.“

 

Leise rezitiert, „Schwächt die Übelkeit ab, jedoch nicht die Visionen und die sind das eigentliche Problem. Außerdem wird er noch weniger in Kontrolle sein, wenn er sie schluckt und ich denke nicht, dass Sam darauf scharf ist. Dean, hast du noch Wesleys Nummer?“

 

„Ja.“

 

„Gut. Wende dich an ihn und erkläre ihm euer Problem und zwar in Details und Fußnoten verpackt. Je mehr Infos desto einfacher für ihn, die Ursache einzugrenzen. Er kennt von mir Teile von Sams Geschichte.“

 

Alarmiert, „Welche Version?“

 

„Die Kurzfassung, bei der er seine Freundin in einem Feuer verloren und prophetische Träume hat.“ Die Gäste im Saloon sind nicht die einzigen Klatschmäuler wird dir unerwartet klar, „Er hat damals meine Visionen recherchiert. Ich bin mir sicher, dass er euch helfen kann und zwar besser als jeder Arzt, Apotheker oder meine Wenigkeit. Faith und ich machen uns dann morgen früh ausgeruht auf den Weg. Wir sind im idyllischen Nebraska gerade mit einem Job fertig geworden. Ihr habt echt Glück, dass wir in der Nähe sind.“

 

„Glück?“ Deans Lachen klingt zynisch, „Ist das nicht dasselbe wie Zufall? Vergiss es. Was habt ihr gejagt?“

 

Du löst deinen Fokus nicht von Faiths unbewegtem Gesicht, „Ein Dämonen-Kid mit zuviel Power und einem Geschmack für Alpträume, die so echt wie die Realität waren und genauso tödlich.“

 

„Grandios.“ Yepp, das trifft es und du magst die Schlieren ihres Kajals nicht. Zu verwundbar und dein Daumen streicht über die Stellen verwischt sie, bis es Augenringe sein könnten oder Kriegsbemalung. Dein vergessener Gesprächspartner meldet sich schließlich zurück, „Ihr habt Freddy Krüger Junior getötet?“

 

„Ja.“

 

„Der Wirt?“

 

Gott, der Wirt war ein pausbäckiges Pickelgesicht, das die Pubertät mit sich herumtrug, wie den abgelaufenen Collegeausweis und es ist einfacher Dämonen in schwarzen Roben zu töten, als die mit schwarzen Augen. Deshalb hast du gezögert und er verschwendete den Vorteil nicht. Faith dagegen ließ sich nicht täuschen und du weißt, dass du genauso wenig gezögert hättest, wenn sie in Gefahr geschwebt hätte, aber du warst allein und fahrlässig.

 

Überrascht von etwas, das dich nicht mehr überraschen sollte.

 

Hast einen Moment zu lange auf seinen rasenden Herzschlag gelauscht.

 

Deine Stimme bebt, „Zu spät, um ihn zu retten.“

 

„Verdammt.“ Die Pause dehnt sich und du lauscht auf seine Atemzüge, versuchst deine mit seiner Vorgabe unter Kontrolle zu kriegen. Schließlich leise, „Cordelia, deine Todesvisionen sind exakt?“

 

Nachsichtiger Spott, „Bis jetzt habe ich noch nie getestet, was passiert wäre, wenn sie zu verhindern waren, Dean.“

 

„Das hier fühlt sich verdammt nach einem Ende an und dabei habe ich noch sechs Monate und drei Tage. Oh, entschuldige mich, fünf Tage.“

 

Arrogant, denn die kalte Vorahnung ist nicht genug, um dich in Sprachlosigkeit erstarren zu lassen oder nachzuhaken, was es mit der ominösen Aussage auf sich hat, „Du hast deutlich länger als ein halbes Jahr, wenn du nicht inzwischen vorzeitig um zehn Jahre gealtert bist. Außerdem wäre es nicht der erste Weltuntergang, den wir abwenden. Tatsächlich wäre es der dreizehnte.“

 

Das Grinsen bricht durch Faiths dunkle Miene und du erwiderst es zwangsläufig, obwohl du Deans Verdacht tief in dir drinnen teilst. Dein Selbsterhaltungstrieb sagt dir, dass du dich von dem aufdämmernden Desaster im Schatten der Brüder fernhalten solltest und dein Instinkt lag selten falsch.

 

Du dagegen schon und du hoffst, weil deine Loyalität stärker ist als deine Angst.

 

Davonlaufen keine Lösung bietet. Mutwillig, weil du das Strahlen in Faiths Augen gerade jetzt nicht verlieren kannst, „Keine Sorge, wir haben im zarten Highschool-Alter diese Nebenbeschäftigung aufgenommen. Wenn es Profis gibt, dann haben wir uns den Titel schon lange erkämpft.“

 

Faith erstaunt und laut genug, „Welche Highschool?“

 

Sie lachen beide, Deans klingt abgenutzt in deinem Ohr, als ob er vergessen hat, dass Zuversicht eine Waffe ist. Dein stichelnder Abschied, „Bye, Gunstrivale.“

 

Faith kraust konsterniert die Nase, während du ein lautloses ‚Was?’ formst und sie grinst dich frech an, gewispert, „Keine dauerhafte Konkurrenz.“ Du zeigst ihr einhändig die acht und sie schnappt dein abschließendes Bugger Off-Symbol, „Wes ist definitiv schlechter Einfluss und das ist ein Satz, den ich mir nie zugetraut hätte.“

 

Befreist lachend deinen Zeige- und Mittelfinger.

 

Da ist Wärme in Deans Erschöpfung zu hören, „Kein Neid nur weil ich sie zuerst hatte, an dir ist sie hängen geblieben.“ Aufgeweckter, „Außerdem die Einladung für den Dreier steht, Cor.“

 

„Die Antwort bleibt Nein.“ Vertrautes Terrain und du bekommst die Füße selbstsicher auf den Boden, „Ich habe nur dein leibliches Wohlergehen im Sinn. Denn Faith musste dich ansonsten aufgeben oder töten und das wäre äußerst tragisch. So sollte eure ruhmvolle Verbindung nicht enden.“

 

„Die wahre Tragik ist, dass du nie in den Genuss meiner Fähigkeiten kommst.“

 

Spitz, „Die sie ständig für mich eintauscht?“ 

 

Sein amüsiertes Schnauben, dann, „Dito. Wir können auf euch zählen? Ihr seid morgen Abend da?“

 

„Spätestens. Und Dean, ruf Wes an.“

 

„Mir bleibt wohl nichts anderes übrig. Der lateinische Erkennungsspruch ist derselbe? Wer überwacht den Wächter?“

 

Er hat ein gutes Gedächtnis für diese Details, „Yeah.“

 

Du legst mit dem Gedanken auf, dass du so langsam Routine für Apokalypsen entwickelst. Das kann man als gutes oder schlechtes Omen nehmen. Faith hebt eine hämische Augenbraue, „Habe ich dir nicht gesagt, dass der Ärger uns von alleine finden wird, Cor?“

 

Du gibst ihrer Schulter einen spielerischen Stoß, „Sei still, Schwarzseherin.“

 

„Soll ich mich revanchieren oder klappst du dann hier zusammen?“ Sie schüttelt langsam den Kopf, „Mir gefällt der Gedanke kein Bisschen, dich in diesem angeschlagenen Zustand ins Krisengebiet zu schicken.“

 

„Arrangier dich damit, Babe, denn ich werde dich nicht allein losziehen lassen.“

 

Faith stiehlt sich einen schnellen Kuss, dann, „Als ob ich das nicht wüsste.“

 

Damit gibt sie dich frei und du vermisst das Holz in deinem Rücken, sobald Faith dich von der Tür wegzieht. Deine Füße fühlen sich taub an, als ob du auf Watte läufst und orientierst dich mehr an ihrer Kehrseite, als deinem Körper auf dem kurzen Weg zurück zur Theke. Zumindest macht das bewegte Gesicht der Saloonbesitzerin und das kollektive Starren ihrer Gäste dich nicht weiter nervös. Das berechnende Glimmen in Faiths Augen schon, denn sie verzeiht nicht so schnell und die Rechnung ist noch offen für deren unbedachten Affront.

 

Du willst eure schnell begleichen.

 

Es war ein Fehler nicht sofort das Geld hinzuknallen und zu verschwinden, sondern der Meute Zeit für Verschwörungstheorien zu lassen. Du greifst nach deinem Geldbeutel, schlichtend für die Frau neben dir, „Lass uns von hier verschwinden. Wir müssen morgen früh raus.“

 

Offene Feindseligkeit von Faiths ehemaligen Nebensitzer, als ihr die Bar erreicht, „War das Dean Winchester?“

 

„Was geht es - “

 

Faith unterbricht dich, „Offensichtlich.“

 

„Der Junge und sein Bruder sind schlechte Nachrichten.”

 

„Vor allem wenn man Gespräche belauscht, die einen nichts angehen.“ Die Warnung in deinem Blick geht über die Reihen von Männern und wird von der Matrone mit einem Achselzucken quittiert, „Wir können wunderbar auf uns selbst aufpassen, die Rechnung bitte.“

 

„Nicht so schnell.“

 

Das Zunicken von eurem neusten Freund ist für die Masse von Muskeln hinter euch gedacht und du stöhnst innerlich. Dass ihr an jedem anderen Abend schon hier draußen wärt, hilft dir in dieser brenzligen Situation kein Bisschen.

 

Auch nicht das Wackeln deiner Knie.

 

Mokierend von dir, „Die Getränke gehen auf dich? Sehr zuvorkommend. Merci beaucoup. Wir sind weg.“

 

„Aufs Haus.“ Du gibst der Älteren Anerkennung für den Entschärfungsversuch, auch wenn er fruchtlos bleibt, „Ignoriert die Idioten.“

 

Der Berg hinter euch wäre beeindruckender ohne Slayerstärke und die Drohung schüttet nur Benzin in Faiths Flamme. Die Frage, ob ihr Nebensitzer so dumm wie hässlich ist, erledigt sich, „Wie wäre es mit ihrem Aufenthaltsort im Gegenzug für euren ungestörten Abgang, Mädels?“

 

„Hey, das ist mein neuer Saloon, meine alten Regel, Joey.“

 

„Ellen, das betrifft uns alle.“

 

„Nope.“ Du grinst rotzfrech, „Nur diejenigen, die sich in fremde Angelegenheiten einmischen und zwischen uns und der Tür stehen. Halt deinen Abstand, Kumpel. Wir verpissen uns. Danke für die Drinks, Ellen.“

 

Du drehst dich um und der Griff von dem Gorilla neben dir, um deinen Oberarm lässt dich nicht schreien. Aber dein Zähneknirschen bringt dir dein Jochbein ins Gedächtnis und da ist die halbe Sekunde, in der du meinst umzukippen. Ziehst zischend die Luft ein und das Geräusch ist Grund genug, um Faiths dünnen Geduldsfaden reißen zu lassen, denn deine andere Hälfte sich bis jetzt bewahrt hat.

 

Faiths rechter Haken kommt aus dem Nichts und der Kiefer splittert, so wie die Bohlen unter seinem Einschlag. Zu lange zurückgehaltener Frustration. Du denkst, dass er für Wochen durch ein Röhrchen essen wird, ist zum Großteil deine Schuld. Dein Bedauern verflüchtigt sich mit der Resonanz eines durchgezogenen Abzugs. Der Laut setzt dich schneller in Bewegung, als deine Nackenhaare sich aufstellen können. Trotz Medizinnebel ist der Redneck hinter der Theke in deinem Würgegriff.

 

Einen Moment später fühlst du Faiths Rücken gegen deinen.

 

Selbstsicherer, „Wie wäre es, wenn wir das hier nicht in ein Blutbad ausarten lassen? Ich habe etwas gegen das Horrorfilm-Klischee des netten Freaks im Querfeuer, der bedauerlicherweise ständig abkratzt.“

 

Der gibt dir ein deftiges, „Christo.“

 

In sein Ohr gefaucht, „Ich bin mir sicher, dass ein Freund von mir dich für diese Verunglimpfung von Latein kreuzigen würde.“

 

Genervt hinter dir, „Bei Gott, Cordelia, bist du dir sicher, dass du ausgerechnet jetzt über Linguistik reden willst? Ich denke, wir haben andere Prioritäten als lebende Zielscheiben.“

 

„Wenn er es in dem Sinne gemeint hätte, wäre es ja in Ordnung.“ Drehst den Kopf, inständig geflüstert, „Und Faith, du willst nicht, dass ich über die Punkte nachdenke, die sich gerade in ein Sternenmeer verwandeln, okay.“

 

„Grandiose Aussichten.“

 

„Yeah.“

 

Du wunderst dich, wann grandios das Codewort für zu beschissen für Worte geworden ist. Die Angst in dem Gesicht der Besitzerin sagt dir, dass du instinktiv den Jackpot mit der Geisel geknackt hast, so wie dessen abgehackten Befehl, „Ellen, kick die Bluthunde raus.“

 

Ellen sieht das ähnlich, „Das neue Roadhouse schließt für den Abend, Männer.“

 

Der Kreis aus Flanell bewegt sich nicht. Du greifst um, spannst deinen Unterarm an und versuchst das Inferno weiter oben zu vernachlässigen, das dir den kalten Schweiß auf die Stirn treibt. Ihr mögt beide keine Feuerwaffen und die Männer, die den Umgang mit ihnen deiner Meinung nach verdient haben sind nicht hier.

 

Mit schneidendem Nachdruck von ihr, „Raus, ihr verdammten Schwachköpfe, ich kläre das.“

 

Das Geräusch von sich bewegenden Füßen und ihr kreist gegeneinander, bis Faith die Tür hinter dem letzten Gast verriegelt. Deine Lebensversicherung fest im Griff, denn die Gewehrläufe, die durch die Fenster auf euch gerichtet sind, bleiben dir zu bewusst.

 

„Was wollt ihr?“

 

Die Reflektion von Faiths Dolch blitzt am Rande deines Blickfeldes auf, „Uhm, freien Abgang, Mutter Theresa.“ Damit steigt sie über den bewusstlosen Mann auf dem Fußboden, „Cor, alles klar?“

 

Die roten Punkte, die vor deinen Augen tanzen, bestätigen dir, dass du dich auf dünnem Eis bewegst. Zeit für Ehrlichkeit, „Zwei zu fünf.“

 

„Yeah, du blutest durch den Verband.“ Nach kritischer Pause, „Und die Jacke. Logischerweise.“

 

Du stößt deine Beute weg, hoffst, dass es die Situation entspannt und die Bluthunde tatsächlich an die Leine legt. Faith steht an deiner verletzten Seite. Lenkt das Gespann von deiner Schwäche ab, „Lektion Drei, unterschätze niemals deinen Gegner.“

 

„Vergiss Nummer Vier nicht, nimm Back-Up mit auf eine Höllenhund-Jagd, denn allein stirbst du langsam.“ Die schräge Baseballkappe gibt dir einen überraschten Blick und du starrst einfach zurück, weil du dich für wenig mehr gewappnet fühlst.

 

Fühlst die Befangenheit im Raum, bis die Neugier sich zurückmeldet und da ist gutmütiger Spott, „Was sind die anderen Lektionen, Ladies?“

 

Damit streckt der Mann dir die Hand hin und du musterst sie perplex, deine Gabe wurde selten so schnell durchschaut. Aber Faith greift den von ihr gespannten Faden wieder auf, „Zwei, überschätze niemals deine Fähigkeiten. Eins, töte es bevor es dich tötet.“

 

Amüsiert, „Was sagt uns, dass ihr nicht Es in diesem Fall seid?“ Du denkst, dass Ellen einen schrägen Sinn für Humor hat. Da blitzt eine gewisse Routine für verfahrene Situationen in der Barfrau durch.

 

Auf der anderen Seite sind die Gewehrläufe auch nicht auf sie gerichtet.

 

Yeah, Faith mag es nicht, im Fadenkreuz zu stehen und ihr Ton übermittelt das einwandfrei, „Weil ihr ansonsten bereits tot wärt. Zusammen mit dem erbärmlichen Rest des Packs.“

 

Ruchloser Hohn, „Joey ist ganz sicher kein Alpha, aber er steht auch nicht ganz unten in der Nahrungskette. Oder was meinst du, Bobby?“

 

Der schüttelt nur den Kopf, Faith stößt den Bewusstlosen mit dem Fuß an, „Ich würde dem hier einen Knochen schicken, wenn ich davon ausgehen würde, dass er ihn abnagen kann, solange er noch frisch ist.“

 

Zweieinhalb Meter näher am Wagen und euer fragliches Rückzugsmanöver kommt ins Stocken. Denn die wahre Gefahr hatte sich außerhalb des Roadhouses um den Plymouth versammelt. Leider nicht mit Piken und Heugabeln.

 

Die Flucht könnte trotzdem funktionieren, wenn dein Kopf nicht meinen würde, dass er sich auf einer Achterbahnfahrt befindet und du schon Schwierigkeiten hast, dich für eine Variante des Doppels vor euch zu entscheiden. Da sind zu viele und du bist gerade nicht Mittelpunkt deines Universums. Fällst gegen Faith und die Schmerzen ziehen eine Feuerbahn durch deine linke Seite.

 

Du siehst keine Sterne, sondern eine verdammte Milchstraße.

 

Deine Stimme ist weiter weg, als der Barstuhl, “Warum hast du mich zwei Tabletten nehmen lassen, Faith?”

 

Die Besorgnis ist irritierend, „Schlechter Trip? – Cordelia? Rede mit mir.“

 

„Hölle, ja.“

 

Damit kommen dir die Holzbohlen entgegen und du weißt, dass sie dich diesmal fängt.

 

Why do you try to hold on
To what you'll never get a hold on?
You wouldn't try to put the ocean
In a paper cup.

 

„Zu stur.” Drehst dich zu der dröhnenden Stimme deines Schöpfers, „Wann lernst du Gelassenheit?“

 

Nach einem Moment des hilflosen Starrens, fängst du dich mit Anstrengung.

 

„Und du den passenden Augenblick für ein transdimensionales Schwätzchen, Changó.“

 

Die Dissonanz mit der deine Worte von den drei Gesichtern empfangen wird, ist und bleibt verunsichernd und es wird nicht weniger irritierend, je öfter du in seiner Gegenwart bist. Du hast geahnt, dass du den Kriegsgott früh genug wiedersehen würdest, nur nicht unbedingt heute.

 

Das stand ganz sicher nicht auf deiner Wunschliste und du fühlst dich nicht so, als ob du ihm annährend gewappnet bist. Du weißt, dass selbst an einem extrem guten Tag von dir, keine Chance besteht. Aber wenigstens kannst du an ihnen das Selbstvertrauen mitbringen, ihm in die Augen zu sehen anstatt den Fels unter deinen Fußsohlen zu mustern.

 

Jede Wunde schmerzt in seiner Gegenwart und du schluckst, bevor du dich auf Worte besinnst die Respekt bekunden. Nur scheinen dir alle entfallen zu sein. Er erwartet keine Anbetung von dir. Es ist vielleicht der Grund, der dich für ihn überhaupt interessant gemacht hat. Aber du willst eine Erklärung für deine Sinnkrise und er ist deine beste Chance, eben diese zu kriegen. Wenn du dich darauf konzentrieren könntest und nicht den Fakt, dass Faith irgendwo anders alleine über deinem bewusstlosen Körper kauert.

 

Du würdest gerade alles für eine Unze Arschkriecherei geben, nur scheint dein Gehirn im Kampfmodus festgefahren zu sein. Angriffslustig, „Ist das dein Sinn für Ironie? Denn er ist unschlagbar.“

 

„Immerhin haben wir dir dort den Atem gelassen.“

 

Kleinlaut von dir, „Alles andere hätte die Metapher überspannt.“

 

Die Erwiderung kommt von einem anderen Ort, vielleicht einer anderen Zeit, wenn du dich in dieser kargen Einöde genauer umsiehst, in der seine Stimme dröhnt, „Anscheinend nicht genug. Schweig, wenn du nichts zu sagen hast.“

 

Der beißende Wüstenwind fegt über Sanddünen, einer unwirklichen Landschaft in Rot-Weiß, die ihr auf den Felsen überragt und deine Nacktheit ist Reinkarnation. Neugeburt und du weißt, dass die Ehrfurcht tiefer reicht als dein aufgesetzter Mut.

 

„Du bist in guten Händen.“ Die zwei äußeren der drei Köpfe fokussieren die Distanz, in der eine Wand aus rotem Sand über die Ebene auf euch zurast, den weißen Himmel schluckt, „Seit einer Weile. Für eine Weile. Bis der Sturm euch erreicht.“

 

Gehst die zehn Schritte bis zur Kante des Kliffs, „Wir fahren ihm entgegen?“

 

Aus einem Mund von allen drei hinter dir, „Ja.“

 

Bleibst am Rande des Abgrunds stehen und lässt den Wind, um deinen Körper peitschen. Die Sandkörner geben die Impression von tausenden Nadelstichen wieder, aber deine Konzentration schwankt zwischen der roten Wand vor dir und dem glühenden Brandzeichen auf deinem Rücken.

 

„Wie schlimm wird es werden?“

 

„Das ist offen. Wir sehen weit, aber die Details verschwimmen.“ Du kennst die Stimme des linken Hauptes, sie ist gnädiger als der Rest, „Du bist auch nur an einem interessiert, wenn wir uns nicht in deinem Bestreben täuschen.“

 

„Faith. Das was ich sah.“

 

Zornig, „Was nicht für dich bestimmt war, einfältiges Kind.“

 

Mit dem Rücken zu ihm, kannst du nur nach deiner Erinnerung gehen und du tippst auf den mittleren Mund. So aufbrausend und ohne Geduld für Fehler. Ohne Gnade und der unschöne Aspekt deines Erschaffers. Du weißt, dass er vergleichsweise mild mit dir umgeht und die Aussicht seinen echten Zorn zu erregend, ist ziemlich mulmig.

 

Desinteressiert vom rechten, „Wir können es nicht Ungesehen machen.“

 

Du erinnerst dich an diese Dreifaltigkeit und ihre Perspektiven, wirst es beim nächsten Treffen erneut lernen müssen. Es bleibt nie hängen, so wie Changós Feinheiten. Du hast einmal versucht ihn Faith zu beschreiben und bist wie eine Vollidiotin über jedes Wort gestolpert. Als ob er eine Barriere errichtet hätte, um sein Mysterium effektiv zu wahren.

 

Jedes Geheimnis, das nicht für die Allgemeinheit bestimmt war, sondern für dich.

 

Drehst dich ihm zu und er steht direkt vor dir, „Also wird es eintreten?“

 

„Detailverliebt steht dir nicht, Kind.“ Changós Hand ist schwer genug, um dich in die Knie zu schicken, „Aber du steckst hier fest.“

 

Deine Hände fassen nach weichem Untergrund und die Szene vor dir, ist überwältigend vertraut, eingebrannt in dein Bewusstsein. Hervorgebracht von einem Teil von dir, den du nicht verstehst. Nicht ergründen willst und du kennst das Bild, noch bevor du widerwillig die Augen öffnest. Fasst instinktiv nach Faiths Haarschopf, drehst sie. Faiths toter Blick ist auf alles und nichts gerichtet.

 

Das Blut kalt und fremd gegen deine Fingerspitzen, beugst dich machtlos über sie.

 

Die Ohnmacht zu fühlen, den Schmerz zuzulassen, ist Tod.

 

Dein begrenztes Verständnis davon und du keuchst hilflos.

 

Das Gefühl bis auf deinen innersten Kern gespalten zu sein, während dein verdammtes Leben tot vor dir ausgebreitet liegt. Das Messer in deinem Herz, das dir das Luft holen fast unmöglich macht. Die Kälte beißt nicht in deine nackte Haut. Die Schneeflocken zerfließen nicht und die Eiskristalle in ihren Wimpern sind das einzige Funkeln.

 

Dein harscher Atem bringt sie zum schmelzen und deine Fingerspitzen hinterlassen schwarzrote Schlieren, als du ihre Augen schließt. Ihr totes Gewicht gegen deine Brust presst und sie sachte wippst. Der Alptraum ist nur das, ohne den entsprechenden Aufbau verliert die Szene die letzte Überzeugungskraft.

 

Versinkt im aufziehenden Nebel mit deinen Armen fest um den steifen Körper.

 

Ist nur unreal, so wie jeder Tod, den du ihr offenbart hast. Blickst hoch zu deinem Begleiter, den rot glühenden Nachthimmel vage wahrnehmend, durchbrichst die klirrende Stille mit der einzigen Wahrheit, die du hier kennst, die sich bewahrheitet hat.

 

Die dich in dieser Konstellation rasend macht, anstatt kopflos.

 

Wütend, „Kein Slayer lebt ewig.“

 

Von allen dreien, „Aber meine Blutlinien stehen ewig.“

 

Damit materialisieren sich Buffy und Kendra glühend aus dem Dunst, gefolgt von einem Heer aus stummen Mädchen, die Lichtung und deine Aussicht flirrend füllend. Der Linke setzt gehässig nach, „Im Gegensatz zu anderen.“

 

Der Hohn hat nicht dich als Ziel und du fragst dich, wer den Kriegsgott unbedacht erzürnt hat. Es ist nicht besonders wichtig, nicht mit der Last, die dich unfähig auf dem Boden hält. Blickst auf das leblose Bündel in deinen nackten Armen. Ihre glatte Haut, die einzige Oberfläche, die dich erschaudern lässt.

 

Unberührt von dem rechten, „Willst du nicht wissen, wie das Trugbild endet, das von euch gestohlen wurde?“

 

Mitgefühl ist ihm fremd, aber nicht ein Gnadenstoß.

 

Außerdem kann diese Halluzination nur besser werden, „Will ich?“

 

„Anscheinend nicht. Das Wissen schlummert seit unserer ersten Begegnung in dir. Warum suchst du es nicht? Wir haben Zeit.“

 

„Ich dachte, meine ist am Ablaufen.“

 

Zwei der drei Köpfe blicken unwirsch, der dritte grinst amüsiert. Der lachende Mund erwidert, „Nicht gerade. Außer du bestehst auf nervende Gegenfrage, die uns unsere Geduld kosten, so dass wir dich beende.“

 

Die Schneeflocken stehen übergangslos in der Luft, losgelöst von Raum und Zeit. Im Gegensatz zu deinem weißen Atem. Der Horror ist diesmal abstrakt, du bist dir zu sehr darüber klar, dass dies keine Realität ist, die jemals eingetreten ist. Die niemals in dieser Form eintreten wird.

 

Der rechte Kopf schaut gelangweilt, gleichgültig, „Du stellst die falschen Fragen, Cordelia. Ein Grund, warum die Warnungen im Wachzustand nicht bei dir ankommen. Denkst du ernsthaft diese hier wäre die erste?“ Und der mittlere fährt fort, „Warum glaubst du, dass es das Schicksal deiner Linie ist, jung zu sterben? So eingespannt in die Gegenwart, ohne Weitsicht übersiehst du das Offensichtliche. Die Todesvision war nie für dich bestimmt.“

 

Verständnislos, „Für wen dann?“

 

Das linke Haupt meldet sich zurück, freundlich, „Faith. Ihre Träume kanalisieren all die Tode, die dein Verstand nicht bereit ist zu sehen. Deine. Deine Interpretation kann indessen tödlich sein, Kind.“ Von allen drei, „Und du bist mein. Mit jedem Bluttropfen, den du für mich opferst.“

 

Der mittlere Mund verzieht sich angewidert, „Wir erwarte deutlich mehr als die jämmerliche Leistung von dir.“

 

Herablassend, „Nicht für dich, Changó.“

 

Du magst den mittleren nicht allzu sehr, er dich anscheinend auch nicht, ungeduldig, „Kleingedrucktes verliert seine Bedeutung für die übergeordnete Sache. Sitz still bis du die Zusammenhänge erkennst oder stirb jung ohne nennenswertes Erbe. Ohne Erinnerung.“ Der rechte bleibt leidenschaftslos, „Das ist deine Gabe, kein Fluch, die Zukunft zu sehen. Du bist töricht, dich ihr zu verschließen, wenn es um dich geht.“

 

„Ich verschließe mich nicht. Ich kann sie nicht sehen.“

 

Ruhig und wenn du es nicht besser wissen würdest, dann würdest du eine Spur Unverständnis hören, „Es fließt durch dich zu ihr, was hindert dich?“

 

Du schüttelst den Kopf, überwältigt, „Was wenn es nur ein Echo ist, das Faith erschaffen hat?“

 

Der mittlere starrt in den Himmel, der linke weicht deinem Blick aus und der linke schaut so verblüfft, wie er kann. Was nicht sehr ist. Du denkst, dass Changó zu verdammt selbst eingenommen ist, um dich überhaupt ernst zu nehmen.

 

„In jedem Morgen, jedem Sieg, jedem Kuss war der Geschmack der Ewigkeit. Dein Echo in uns.“

 

Verzweifelt von Cordelia, „Verstehst du nicht? Ihr Echo in mir. Meines in ihr.“

 

„Er hat die Harmonie gestört, wir wissen das. Die Ursache ist unerheblich, es geht darum, euch erneut ins Reine zu bringen.“

 

„Alles zurück auf Anfang?“

 

Dein Lachen hat ein dunkle Kante, die dich nervös macht.

 

Die Eiskristalle in ihrem braunen Haar bilden einen magischen Kontrast. Alles ist in Weichheit und Regungslosigkeit gepackt, die Faith nie zulassen würde oder du mit ihr an deiner Seite. Du vermisst ihren Atem. Ihren Herzschlag. Streichst die dunklen Strähnen aus ihrem Gesicht, ignorierst die durchgeschnittene Kehle. Die Leere in dir und all die Schwüre von Treue, Aufopferung und Zukunft, die nie für euch bestimmt waren.

 

„Nein. Wir können dir nur helfen, es zu verstehen.“

 

Du bezweifelst das. Dieses Wissen wird dich für eine lange Zeit verfolgen. Es macht dich blind und du weißt, dass das gefährlich ist.

 

Deine Kehle fühlt sich an, als ob sie mit Eis gefüllt ist, trocken, „Natürlich.“

 

In unisono, „Bist du also bereit für den letzten Akt?“

 

„Ja.“

 

Du bist nicht die Letzte, aber dieser Alptraum könnte für sie wahr werden und du wolltest dich nie für sie opfern. Aber die Wahl ist nicht deine und der Frieden fühlt sich nicht so Furcht einflößend an, wenn er sich in dir aufbaut.

 

Deswegen verabscheut ihr Niederlagen, die sich auf eurer Seite manifestieren.

 

Schließt die Distanz zwischen euren Lippen, mit einem, „Es tut mir leid, Faith.“

 

Ein heißer Hauch, der ein Schluchzen löst und sie wird warm unter deiner Kälte. Die Zeit steht still bevor sie sich mit einer unhörbaren Detonation ihres wiedereinsetzenden Herzschlages zurückdreht. Du dich aufrichtest. Das Blut gegen die Schwerkraft zurückfließt und der Schnitt heilt. Ihr glasiger Blick ist unfokussiert, bevor die Klarheit darin zurückkehrt und dann dein getauschter Horror.

 

Hörst Changós, „Verdammte Sturheit, sieh hin.“

 

Du weißt, dass du tot bist, noch bevor deine Muskeln versagen und dein Griff locker wird.

 

Die Schatten verlieren sich und du denkst, dass du den schwarzen Rauch kennst, der sich zwischen dich und den Kriegsgott schiebt. Dass die Zeichen auf Sturm stehen und du grinst, weil du dir ziemlich sicher bist, dass Wes euch mit einem Schutz ausstatten kann, der vor Dämonenbesessenheit schützt. Selbst wenn dieser Dämon meint, ein Gott zu sein.

 

Donnernd, „Mach endlich die Augen auf, Cordelia.“

 

Und du siehst.

 

Und du vergisst.

 

Und du erwachst.

 

Erwachst in einem fremden Bett und mit Watte im Kopf, die deine neusten Erkenntnisse stoßfest einpackt. Faiths Arme eng um dich geschlungen. Ihr gleichmäßiger Atem gegen deine Schulter und dein Zittern könnte die Kälte Nebraskas sein oder der ausgefallene Gasofen.

 

Drehst dich vorsichtig in dem heimeligen Kokon, den sie um euch gewoben hat und starrst in ihr entspanntes Gesicht in der grauen Morgendämmerung. Alles in Blei getaucht und euer Atem ein weißes Etwas, was vereint in der Luft hängt. Deine Handfläche gegen ihre Wange gelegt und dein Daumen auf der Kerbe ihrer Unterlippen. Das Schimmern ihrer Haut wirkt fast metallisch in dem unwirklichen Zwielicht.

 

Ihre Wimpern flattern, bevor das Karamell ihres offenen Blickes dich trifft, „Hey Babe.“

 

Deine geflüsterte Erwiderung, „Hey schlafende Schönheit, habe ich einen Wunsch frei?“

 

Ihr ungeschütztes Grinsen, als sie zufriedenen die Augen schließt, lässt dich erschaudern, „Sogar drei.“

 

„Wo ist deine Wunderlampe, Dschinn?“

 

Spielerisch, „Ich kann dir die Schalter zeigen, der mich anknipst und die Stellen, die du reiben solltest, um ans Ziel deiner Träume zu kommen.“

 

„Ist dem so?“ Deine Lippen auf ihrer Stirn, bevor du deinem eigenen Pfad zu ihrer Schläfe folgst und über ihren Wangenknochen zu ihrem Kinn findest. Die Frage rhetorisch, „Und wenn ich schon dort bin?“

 

„Würde ich sagen, dass ich dich für anspruchsvoller eingeschätzt habe. Mit mehr Sinn fürs Abenteuer.“

 

Die Weichheit ihrer Locken in deiner Hand und du drehst sie auf den Rücken, „Mmh, willst du mir Durchschaubarkeit nachsagen?“

 

„Nicht im Mindesten, du bist immer für eine Überraschung gut. Besonders dann, wenn du wie eine kleine Göre in Ohnmacht fällst.“ Visiert dich mit vager Belustigung an, „Zwei Vicodin sind dein absolutes Limit, Cor.“

 

„Du warst diejenige, die sie mir verabreicht hat, Faith.“

 

„Weil du unter Drogeneinfluss leichter zu beeinflussen bist und deine Fehler gerne einsiehst.“

 

„Tatsächlich? Das war dein Plan?“ Kniest über ihr und gönnst dir nicht den Luxus zu starren, denn du weißt, dass du die Asse eng an deiner Brust halten musst. Dein Pokergesicht zu wahren, die einzige Hoffnung auf die ungestörte Entbindung aus ihrer Pflicht ist. Deine Gänsehaut klingt ab, wird von Begierde geglättet und der Vertrautheit ihres Körpers unter deinem. „Das war deine abgezockter Strategie für gestern?“

 

„Ein Teil davon.“ Gleitest in die Weichheit ihrer Kehle und deine Zunge folgt dem unsichtbaren Schnitt, der sie nie töten wird. Schiebst ihr T-Shirt ungeduldig hoch, deine Finger gespreizt, so viel seidige Haut erreichend, wie du fassen kannst. „Der Rest war dem hier nicht ganz unähnlich.“

 

Spürst ihre Finger in deinem Haar und wie ihr Körper dir zielstrebig entgegenkommt.

 

Faith deinen Mund sucht und findet. Die Hitze von euch beiden ausgeht und du lässt dich von ihr verzehren. Bis ein energisches Pochen an eurer Tür euch in die Gegenwart zurückholt, zusammen mit einem, „Wenn ihr beide mit bumsen fertig seid, kommt unverzüglich runter. Bobby hat was, das er euch zeigen muss.“

 

Du stöhnst, „Oh Gott!“, und zwar nicht in dem Ton, den deine Bettgefährtin angestrebt hat.

 

Wütend, „Gottverdammt, Ellen!“

 

Faith wirft das Kissen zielsicher gegen das Holz, Ellens rauchiges Lachen ist nach dem dumpfen Aufprall zu hören, „Wenn ihr fertig seid, Mädels.“

 

Lachst hilflos gegen Faiths Hals und du denkst endlich nicht mehr, dass dein Jochbein gebrochen ist. Sie dreht dich auf den Rücken und blitzt dich an, „Hast du sie nicht gehört, Cor.“

 

Fängst ihre Lippen mit deinen Zähnen ein, „Doch.“

 

Und widmest dich wichtigeren Aufgaben.

 

~*~Fini – Parts Unknown 4/?~*~