Autor: Astarte
Titel: Walking on broken glass
Altersfreigabe: R
Teil: 6/?
Spoiler: AtS 3x07 Offspring, spielt aber nach AtS 3x10 Dad. BtVS 6x09 Smashed mit dem Morgen danach von BtVS 6x10 Wrecked, eigentlich ist timelinemäßig nur wichtig, dass Willow nicht zu Rack ging. Ihr sagt huh, complicated much? Ich sage duh, erklärt sich ohne weiteres...
Inhalt: Cordelias Fassade zerbricht. Und gebrochenes Glas kann man nicht reparieren, man kann sich entweder an den Splittern verletzen oder aber man schmilzt es ein, damit etwas völlig Neues entstehen kann.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Cordelia/Angel, Wesley/Fred, Gunn, Lorne, Buffy/Spike, Willow
Disclaimer: Sie gehören mir nicht...
Kommentar: Darlas Biss und Cordys anschließende Vision in Offspring waren die Inspiration für diese Story. Ich liebe die Vierer-Konstellation mit Angel/Cordy und Spike/Buffy, sie macht für mich kosmischen Sinn, verbundene Seelen und all das. Keine Ahnung warum die Show-Autoren so hart daran gearbeitet haben, sie zu zerschlagen. Das ist wohl einer der Gründe, weshalb Spuffy am Ende dieser FF zusammen mit Willow in LA auftaucht und gemeinsam geht.

 

Walking on broken glass

 

Teil 1

And then you said a little more about your dreams,
like it was my call - 

 

Cordelia hatte sich bisher immer zu den Leuten gezählt, die Menschen um sich brauchten, damit sie sich wirklich wohlfühlte. Das hatte sich in den letzten Wochen geändert. Sie brauchte niemanden mehr, der den Lärm in ihrem Kopf übertönte. Tatsächlich war sie zwischenzeitlich zu der Ansicht gekommen, dass dies unmöglich war. Ihr Rückzug war von ihren Freunden unbemerkt vonstatten gegangen, schleichend. Darlas unerwartete Rückkehr und all die Konsequenzen, die sich daraus ergeben hatten, hielten die Aufmerksamkeit der restlichen Fanggang-Mitglieder gefangen und ein Teil von ihr war dafür dankbar.

 

Die Stille, die sie in Angels Schlafzimmer empfing, begrüßte sie ebenso.

 

Ablenkung hatte als ultimative Waffe versagt, genauso wie Verweigerung, was blieb ihr also übrig, als sich ihren Dämonen zu stellen? Sie war nie jemand gewesen, der Herausforderungen auswich nur weil sie vielleicht nicht zu meistern wären. Aber genauso wenig war sie jemand, der blind die Gefahr suchte. Yeah, deswegen arbeitete sie als Sekretärin/Seherin bei Angel Investigations, anstatt persönliche Einkaufberaterin für die Reichen und Schönen zu spielen. Das sarkastische Lächeln verschwand so schnell von ihrem Gesicht, wie es gekommen war.

 

Connor schlief tief in seiner Wiege und Angel selbst lag regungslos in seinem Bett, nachdem er ihren Geruch wahrgenommen hatte, hörte sogar das Steigen und Fallen seines Brustkorbes auf. Im Schlaf erkannte man am ehesten seine wahre Natur, nicht den dämonischen Teil von ihm, sondern dass Angel schlicht tot war. Dass sein Platz nicht unter den Lebenden war, dass er sich zwar wie ein Mensch geben konnte, aber keiner war. Seine menschliche Seite war schon vor einer Ewigkeit gestorben und wer auch immer er damals gewesen war, dieser Jemand hatte in seiner heutigen Existenz keinen Platz mehr.

 

Cordelia unterdrückte das Bedürfnis, ihre Hand nach ihm auszustrecken und den Bann einer Marmorstatue zu brechen.

 

Deshalb war sie nicht hierher gekommen, erinnerte sie sich selbst, sie wollte ihn vorerst schlafend sehen. Und anders als in der Zeit bevor er das Hotel gefunden und bei ihr gewohnt hatte, konnte sie jetzt mit seiner Totenstille umgehen. Was einige Visionen und Flashbacks in die Vergangenheit nicht alles bewirken können, damit man sogar mit der angsteinflössendsten Sache umgehen kann, die man sich vorstellen kann. Der beste Freund ist tot. Nicht in dem endgültigen Sinn, der Bewegungslosigkeit oder Staub mit einschließt, aber doch in soweit, dass er nicht abhängig von Sauerstoff oder einem Herzschlag war.

 

Im ersten Jahr hier in LA hatte sie sich etwas vorgemacht, nicht bewusst, aber sie hatte Angel mit der Zeit menschlicher gemacht als er war. Und sie war erst unsanft aus dieser Illusion aufgewacht, als sie ihn zum ersten Mal regungslos auf ihrer Couch schlafen sah. Cordelia spürte, wie ein kleines Lächeln sich bei der Erinnerung an ihre Naivität auf ihre Lippen stahl. Sie war einfach ausgeflippt, hatte ihn in Panik aufgeweckt, nur um im Anschluss den unglaublichen Drang in sich zu haben, sich in Luft aufzulösen.

 

„Was ist? Eine Vision?“, hatte Angel alarmiert gefragt.

 

„Nein, du hast nicht geatmet“, war ihre panische Antwort.

 

„Cordelia, ich bin ein Vampir, ich muss nicht atmen“, gab er perplex zurück.

 

Nicht seine Antwort, sondern sein Gesichtsausdruck ließen in ihr den Verdacht aufkommen, dass er in diesem Moment ernsthaft an ihrem Verstand zweifelte. Sicher, nach über drei Jahren aktiver Teilnahmen an der Dämonenjagd konnte er dieses Wissen von ihr verlangen. Vampire brauchen keinen Sauerstoff, sondern Blut um am Leben zu bleiben. Aber zur Hölle, es war etwas anderes, ihn mit seinem wahren Gesicht kämpfen zu sehen oder Wunden zu verarzten, die einen Menschen umgebracht hätten, als ihn wie eine Leiche auf ihrer Couch liegen zu sehen.

 

Sie hatte sich beschämt abgewandt und eine Entschuldigung genuschelt, nur um in Zukunft etwas fallen zu lassen oder sonst wie Lärm zu machen, um ihn aus diesem Stadium seines Schlafes zu holen. Aber nicht heute. Sie hatte in den vergangenen anderthalb Jahren zu viel von ihm gesehen, um sich von seinem fehlenden Atmen und den Konsequenzen, die sich daraus ergaben, aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen.

 

Cordelia wollte heute nur in Ruhe das Gesicht studieren, das sie in den vergangenen Wochen um den Schlaf brachte. Und zu einer Entscheidung kommen, nach der das verzweifelte Gesicht verlangte, das ihr heute im Morgengrauen im Spiegel begegnet war. Sie sah aus wie ein Zombie, ein Gutaussehender wenn man ein Original zum Vergleich nahm. Aber die Augenringe, die sie tagsüber unter einer Schicht Schminke verbergen konnte, waren nach dem Duschen nicht zu leugnen und vor allem konnten sie kein noch so kunstvolles Make-up mehr verstecken. Sie hatte trotzdem ihr Bestes gegeben und war gescheitert. Im Augenblick sah sie bei einem intensiveren Blick toter aus, als der Mann, der vor ihr lag.

 

Sie wusste, wenn sich nicht bald etwas ändern würde, dann war sie auf dem besten Weg ihren Freund und ihren Verstand zu verlieren. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Vielleicht war sie auch schon verrückt. Das zumindest würde erklären, warum sie sich hier in Angels Schlafzimmer befand und sich überlegte, wie sie ihn dazu bekommen konnte, dass er Darlas Mal an ihrem Hals mit seinem ersetzte.

 

Die Figur vor ihr, war nicht der, den sie in den letzen Wochen in ihren Träumen sah. Angel war nicht Angelus. Cordelia wusste, dass sie von Darlas Vorstellung von ihm heimgesucht wurde. Sie konnte den Stolz des Vampirs auf ihre Kreation in ihren Träumen fühlen. Ihre Enttäuschung und Wut als ihr dunkler Gefährte seine Seele zurückerhielt und all die verwirrenden Gefühle nach ihrer Wiederauferstehung als Mensch und später als Vampir.

 

Es war einfacher Darla als blondes Psycho-Miststück zu sehen, so wie letztes Jahr nach ihrer Rückkehr, als die tatsächliche Gefühlsbreite wahrzunehmen, die Cordelia in den letzten Wochen durch den Kopf rauschte.

 

Eine machtlose Hure in einer männerdominierten Welt, dann das favorisierte Childe des Meisters und endlich selbst mit der Macht über Leben und Tod gesegnet. Cordelia fragte sich inwieweit Darla sich darüber bewusst war, dass ihr menschliches Leben sie so stark geprägt hatte, dass sie noch zweihundert Jahre nach ihrem Tod eine Fiktion auf Freier hatte. Die zahllosen Gesichter ihrer Opfer waren im Laufe der letzten Wochen für Cordelia zu einer bedeutungslosen Masse schlecht riechender, älterer Männer geworden, deren Schicksal Cordy nicht wirklich betrauern konnte. Die Kette der Opfer, die sie wirklich betrauerte, setzte erst 1753 ein.

 

Der Sire wurde in jeder Hinsicht von ihrem Childe überboten.

 

Cordelia war sich sicher, dass Angel ihr eine andere Sicht auf die Ereignisse seiner Vergangenheit geben konnte.

 

Und sie wollte seine Sichtweise in ihren Träumen haben. Denn wenn sie noch weitere Morde ohne Schuld und schlechtes Gewissen von ihm sehen würde, dann war sie sich nicht sicher, ob sie seine Nähe noch eine weitere Minute aushalten konnte. Sie begann jetzt schon vor ihm zurück zu zucken und war Connor innerlich dankbar, dass er Angel von ihren Trainingsstunden abhielt. Darla war Staub und alles was sie hinterlassen hatte, abgesehen von den Träumen und der Blutspur, die sich durch ihre Existenz und der ihrer Childer zog, waren zwei gute Dinge. Zwei für die sich das Kämpfen und dieser extreme Weg lohnte, Angel und Connor.

 

Und Cordy wollte verdammt sein, wenn sie sich das durch eine Vergangenheit verwehrte, von der sie bereits seit Jahren wusste. Und verdammt war sie mit Sicherheit, denn die Details seiner Taten, die sich ihr durch Darla offenbart hatten, waren viel grausamer und lagen soweit jenseits ihrer Vorstellungskraft, als sie bisher geahnt hatte. Gott, aber sie würde damit umgehen können, wenn sie Angels Schuld und Reue spüren würde. Wenn sie ihn nicht mehr nur als den eiskalten Jäger sehen würde, von dem sie bisher lediglich geahnt hatte, dass er ein so großer Teil von ihm war.

 

Angelus war nicht der besessene Psycho-Vampir gewesen, an den sie sich aus ihrer Zeit in Sunnydale erinnerte. Er war noch schlimmer.

 

Vielleicht sollte Cordelia Buffy dankbar sein, dass diese Angelus so sehr aus dem Gleichgewicht gebracht hatte, dass er nicht in sein altes Muster zurückgefallen war und den Tod wieder zu seiner perfiden Kunstform erhoben hatte. Er war zu sehr mit der Jägerin und seinem Versuch jede Spur seiner Menschlichkeit zu vernichten, beschäftigt gewesen, um etwas anderem genügend Aufmerksamkeit zu geben. Vielleicht konnte das passieren, wenn man über hundert Jahre von einer Seele gefangen genommen war. Man verliert seinen Weg, das bittere Lächeln konnte Cordelia nicht unterdrücken.

 

Egal was sie sich auch für eine Vorstellung gemacht hatte, Angels Seele bannte nur einen Teil seiner Persönlichkeit. Er war immer noch durch und durch ein Vampir und das wurde ihr durch die Träume schmerzhaft klar. Angel und Angelus, das waren nicht zwei komplett verschiedene Personen, wie sie es sich in der Vergangenheit so gerne vorgemacht hatte. Was den einen ausmachte, begründete die Existenz des anderen. Wesleys Worte echoten in ihrem Geist, „Du wanderst auf einem schmalen Grat, Angel.“

 

Und das letzte Jahr mit Angels Beige-Phase hätte ihr zeigen können, dass dieser Grat noch viel schmaler war, als sie sich eingestanden hatte. Aber letztendlich war es Darla gewesen, die ihr endgültig die Augen für diesen Fakt öffnete.

 

Der Jäger in ihm schlief nicht, er hatte in diesen Tagen nur ein anderes Ziel als damals.

 

Und deshalb war sie hier. Gott, sie wusste doch, wer er war. Einst eiskalter Mörder, Foltermeister, Vergewaltiger und die kreative Hälfte der Geisel von Europa. Heute Verbündeter, Vertrauter, Freund, Familie, ihr Champion. Und wenn Darla ihr Innerstes durch ihren Biss offenbaren und ihr damit den Schlaf rauben konnte, weil sie Cordelia eine Sicht auf Angel eröffnete, die sie niemals gewollt hatte. Dann würde sein Biss ihr vielleicht wieder das Verständnis zurückgeben, das sie brauchte, um an seiner Seite zu bleiben, zu kämpfen und zu sterben. Die Konturen die Darla so effektiv für sie verwischt hatte, benötigte Cordelia zurück. Sie würden nie wieder schwarz und weiß sein, aber hoffentlich kontrastreicher als das Chaos, das sich in ihrem Kopf breit gemacht hatte.

 

Langsam setzte Cordelia sich auf Angels Bett, die Bewegung brach den Bann einer Marmorstatue und seine unnötige Atmung setzte wieder ein. Vorsichtig legte sie die Fingerspitzen auf seine nackte Schulter, seine Augen öffneten sich bei dem Kontakt und er sah sie verwirrt an.

 

„Cordelia?“, der Schlaf ließ seine Stimme heiser klingen.

 

Sie setzte ein beruhigendes Lächeln auf, um seine sich aufbauende Spannung zu brechen, wenigsten lag sie nicht mit einem Würgegriff auf dem Boden, wie Wesley das eine Mal, als er es wagte, den Schlaf des Vampirs unsanft zu unterbrechen. Andererseits wusste Angels Unterbewusstsein schon länger, dass sie hier war und sie wusste aus der Zeit, in der er bei ihr gewohnt hatte, wie man ihn wecken konnte, ohne seine Überlebensinstinkte zu wecken.

 

„Hi Angel.“

 

Er erhob sich auf seine Ellbogen, während er sie besorgt ansah. Das war der Angel, an den sie denken sollte, wenn sie sein Bild vor ihrem inneren Auge hatte und nicht das dunkle Lächeln eines gefallenen Engels. „Was ist passiert? Hattest du eine Vision?“

 

Sie verneinte mit einer Kopfbewegung. „Ich will mit dir reden und dich um einen Gefallen bitten - um etwas das du nicht gerne tun wirst.“

 

„Was immer es ist, Cordy“, erwiderte er ohne Zögern und seine mahagonifarbenen Augen unterstrichen den Ernst seiner Aussage. Immer der dunkle Retter für Seele in Not. Nur brauchte sie von ihm einen Teil der Dunkelheit von der er sie zu gerne ausschloss. Er wollte sie beschützen vor seinen Abgründen und nun war sie darin gefangen. Und den Weg, den sie aus ihrem persönlichen Albtraum gewählt hatte, würde nicht gerade strahlend hell sein.

 

Die Pause zwischen ihnen wurde unangenehm. „Vielleicht hätte ich mir eine kleine Rede vorbereiten solle, huh?“

 

„Vielleicht solltest du einfach, wie sonst auch immer geradeheraus sagen, was du willst“, gab er ermutigend zurück, irritiert durch ihre ungewohnte Unentschlossenheit.

 

„Okay, ich will dass du Darlas Mal durch deines ersetzt.“ Er zuckte vor ihr zurück, als ob sie die Manifestation eines Kreuzes wäre. Cordelia vermutete, dass nur die wahrscheinliche Tatsache, dass er nackt unter dem Bettlaken war, ihn davon abhielt aus dem Bett zu springen, um so viel Abstand wie möglich zwischen sie zu bringen.

 

„Gott! Hast du den Verstand verloren, Cordelia?“, hackte er ungläubig nach.

 

„Nein, aber ich bin auf dem besten Weg dorthin. Darlas Biss war nicht nur ein simpler Vampir-Biss, Angel. Verdammt, sie hat mir ihre gesamte verfluchte Vergangenheit angehängt, womit ich ja noch leben könnte, nach der Erfahrung mit den endlosen Visionen des Vocah. Die Tatsache, die mich in den Wahnsinn treibt ist, dass du ein so verdammt großer Teil ihrer Vergangenheit bist. Ich verliere meine Perspektive von dir, die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen.“ Sie unterbrach den Augenkontakt, nicht willens seinen Ausdruck nach ihrem nächsten Satz zu sehen, flüsternd fuhr sie fort, „Ich beginne dich als Angelus zu sehen, auch außerhalb meiner Träume.“

 

Das Schweigen zog sich scheinbar eine Ewigkeit hin, Cordelia wusste, dass sie ihm einen Schlag verpasst hatte, von dem er sich erholen musste. Aber es entsprach der Wahrheit. Als seine Hand schließlich ihr Gesicht wieder zu ihm drehte, war seines ausdruckslos, fast versteinert, nur in seinen Augen brannten Emotionen.

 

„Warum hast du mir nichts davon erzählt?“ Gott, er klang verletzt.

 

„Was hätte sich dadurch geändert?“, fragte sie sachlich. „Ich wollte dir keinen weiteren Schuldtrip verpassen. Ich habe gehofft, dass die Träume nachlassen, stattdessen werden sie mit jedem Tag stärker und Angel, ich will dich nicht so sehen. Aber sie fluten weiter auf mich ein, so dass es sogar im Wachzustand immer schwieriger wird zu sagen, wo Angelus endet und du beginnst.“

 

„Und wie lange schon?“, er hörte sich auf eine Art verletzt an, von der sie niemals gewollt hatte, dass sie in ihrer Macht lag.

 

„Zu lange“, erwiderte sie leise.

 

„Und was würde mein Biss daran ändern?“, die Frage war rau, schneidend gestellt.

 

Ihre Hände wanderten zu seinem Gesicht, umschlossen seine Wangen und sie legte all ihre Überzeugungskraft, die sie in sich trug, in ihren Blick. „Ich will dich wieder sehen. Diesen viel zu grüblerischen Vampir mit einer gequälten Seele. Ich will wissen, spüren, dass diese Verbrechen dich im Nachhinein berührt haben, dass sie dir Leid tun und du für sie auf deine Art Buße tust. Und wenn ich, um Angelus endlich aus meinem Träumen bahnen zu können, deinen Schmerz nachfühlen muss, dann tue ich das. Weil ich meinen Verstand verliere, wenn sich nichts ändert. Und dein Biss ist der einzige Weg.“

 

„Vielleicht ist der Gegensatz zwischen mir und Angelus gar nicht so groß, wie du dir ihn dir gerne vorstellst, Cordy“, er klang eindringlich.

 

Sie unterdrückte das bittere Lachen, das sich in ihr aufbaute, Gott, als ob sie das in den letzten Wochen nicht selbst herausgefunden hätte. „Ich weiß, dass keine Welten zwischen euch liegen, du bist beides, deine Seele macht den Unterschied aus. Angel, ich weiß, dass du tot bist, dass du kein Mensch bist und deshalb nicht dieselben Bedürfnisse wie wir hast, sondern die eines Vampirs. Aber ich weiß auch, dass du den Dämon in dir in Schach hältst und wenn dies das einzige ist, das mir dein Biss geben kann, dann nehme ich es dankend an. Nur kann es so wie im Moment nicht weitergehen, das macht mich verrückt. Ich verliere die Realität aus den Augen und kann nichts dagegen machen.“ Sie wollte nicht so verdammt flehend klingen, aber sie war nur noch wenig vom Betteln oder hemmungslosen Weinen entfernt und das wäre wirklich erniedrigend.

 

„Bist du dir sicher, dass es keinen anderen Weg gibt? Hast du überhaupt mit Wesley darüber gesprochen?“

 

Das Kopfschütteln war endgültig. „Angel, vertrau einfach meiner weiblichen Intuition, das hier ist der einzige Weg oder glaubst du, ich würde mich gerne von dir aussaugen lassen, wenn mir eine andere Lösung einfallen würde?!“

 

Sie spürte selbst, wie aufgesetzt ihr Lächeln wirkte, „Darlas Biss setzte etwas in mir in Gang, etwas das wahrscheinlich mit meinen Visionen zu tun hat, Dank den Mächten der Ewigkeit“, der Sarkasmus war fehl am Platz und Cordelia versuchte sich wieder auf das eigentliche Thema zu besinnen, „und dein Biss wird denselben Effekt haben, hoffe ich. Du weißt schon, für jede Tür, die sich öffnet...“

 

„...schließt sich eine andere“, beendete er langsam ihren Satz.

 

„Und wenn es nicht klappt, was wäre der Preis, den ich zahlen müsste? Einen Liter Blut oder zwei, die ich verschmerzen könnte.“

 

„Vielleicht ist der Preis doch größer als du denkst, Cordy. Du weißt, dass es schmerzt?“ Sie nickte ihm zu, sie wusste, dass der Biss nicht allzu schmerzhaft war, sondern das was folgte. „Und du bist - “

 

„Ja, Angel, ich bin mir sicher und ich will es.“ In Momenten wie diesem, fragte sie sich, wie sie Angelus in ihre Realität kommen lassen konnte. Cordelia war sich jedoch sicher, das sich seine Präsenz mit mehr als zwei Meter Abstand zwischen ihr und Angel wieder einstellen würde. Seine Augen suchten etwas in ihren und als sie es gefunden hatte, leuchteten seine golden auf und er gestattete seinem Dämon an die Oberfläche zu gelangen. Cordelia ließ ihre Hände langsam von seinen Wangen herabsinken und umfasste dann seinen Torso, während er sie in seine Umarmung zog.

 

Angel suchte mit seinen Lippen die Narbe, die sein Sire an ihrem Hals hinterlassen hatte, seine Zunge leckte leicht über die Stelle. Cordelia konnte sich einreden, dass er das tat um seinen Biss genauer zu platzieren, trotzdem zweifelte sie daran, dass dies seine Motivation in diesem Augenblick war. Sie ließ ihre Hände auf seinen Rücken gleiten, seine Zähne strichen über das empfindliche Fleisch an ihrem Hals und sie verstärkte ihren Griff, als sie seine Fänge spürte.

 

 

Teil 2

If you would only listen,
Bypassed everything and went straight for the neck.

 

War er wach oder schlief er?

 

Die Grenze war so unscharf, bis er die ersten Tropfen von Cordelias Blut auf seiner Zunge schmeckte und fühlte, wie sich die Begierde in ihm aufbaute, alles von ihr zu nehmen, nicht nur den Preis, den sie bereit war zu zahlen. Das hier war real, kein Traum, wie unzählige andere, die ihm vor Augen führten, wie nahe sein Dämon tatsächlich unter der Seele lauerte, allzeit bereit den letzten Rest seiner Menschlichkeit zu untergraben.

 

Wie sehr es sein gesamtes Sein danach verlangte, sie als seinen Besitz zu markieren. Sie in Besitz zu nehmen. Primitiv? Ja, aber war ein Vampir und wurde von seinen animalischen Trieben geleitet. Jagen. Paaren. Schlafen.

 

Angel schärfte seine Sinne, ihren Geschmack und Wärme in sich aufnehmend, keine Furcht mischte sich in ihr einzigartiges Aroma. Cordelia pur, etwas nach dem er süchtig werden konnte. Sie schmeckte nach Seherin, ein Aroma, das ihn an alten Whiskey erinnerte, so wie er ihn als Mensch wahrgenommen hatte. Samtig, die Schärfe der erlittenen Schmerzen nur durch das reife Bouquet des Wissens überlagert. Er schloss seine Augen und öffnete seine Sinne noch ein Stückchen mehr und sah Sonnenschein und Berge vor seinem inneren Auge. Berge? Die Assoziation überraschte ihn, er würde in unzähligen Stunden darüber nachdenken können, bis sie ihn aus seinen Grübeleien kicken würde.

 

So wie er unzählige Stunden über das Mal seines Sires auf ihrem Hals nachgedacht hatte, nur diesmal hatte sie es zugelassen. Das alleine hätte ihn alarmieren sollen, aber war er zu gefangen in seinen eigene Gedanken und seiner neuen Rolle als Vater gewesen, um Cordys ungewöhnlich ruhigem Verhalten, die nötige Beachtung zu schenken.

 

Er würde sich darum kümmern, später.

 

Angel lehnte sich langsam zurück, Cordelia ohne Druck sanft mit sich ziehend, ihr den Freiraum gebend sich von seinem Biss zurückzuziehen, wenn sie einsah, dass es auf diese Weise nicht funktionierte oder er merkte, dass er sie gefährdete. Visionen ließen sich nicht durch Blutverlust beschwören, davon war Angel überzeugt, egal was seine Seherin meinte, so einfach konnte die Lösung ihres Problems nicht sein. Aber er war dankbar für ihr Angebot, denn Darlas Biss tagtäglich an ihr zu sehen, war etwas das seine Vampirinstinkte auf eine niedere Art weckte, die an seiner Seele nagte und die besser tief in ihm begraben blieb.

 

Darlas Mal hatte keine Berechtigung auf dem Hals seiner Seherin, sie gehörte zu ihm.

 

Sein Biss verstärkte sich, während er Cordelias warmen Körper fester an seinen zog. Die Wunde würde verheilen, aber die Narbe blieb eine sichtbare Warnung an all diejenigen, die es wagen sollten, daran zu denken, sich an seinem Besitz zu vergreifen. Ein tödliches Versprechen auf Rache, das in höheren Dämonenkreisen keiner weiteren Erklärung bedurfte. Und in niedrigen immer noch die Aussagekraft hatte, dass sie einen Vampirbiss überlebt hatte und es deshalb ratsam war, auf Abstand zu gehen.

 

Cordelia entspannte sich wieder und Angel war sich darüber bewusst, dass er so langsam vorging, wie es nur möglich war. Egoistischer Bastard, egal ob mit oder ohne Seele, das war, was ihn definierte. Genauso wie er sein eigenes Vergnügen in den Vordergrund stellte. Sicher konnte er sich weismachen, dass seine Langsamkeit in dem Wunsch begründet lag, Cordelia nicht zu verletzen. Nur war er nicht in der Stimmung sich selbst zu belügen. Er spannte diesen Augenblick zu einer Ewigkeit aus, mit dem Wissen, um die Einmaligkeit dessen was sie ihm gestattete.

 

In seinen Ohren dröhnte ihr gleichmäßiger Herzschlag, wenn er atmen würde, könnte er ihren Geruch in sich aufnehmen, aber seine Selbstkontrolle warnte ihn vor diesem Vorgehen. Er bewegte sich momentan auf dünnem Eis, ihr Leben pochte in seinen Adern und das Raubtier in ihm schrie danach, sie auf die eine oder andere Weise endgültig zu nehmen.

 

Ihr vorbehaltloses Vertrauen in seine Selbstkontrolle sollte ihn erschrecken, stattdessen tröstete es ihn. Sie hatte ihn durch Darlas Augen gesehen? Und dennoch war sie hier und ließ zu, dass er sich von ihrem Leben ein Stück nahm? Diese Frau würde nie aufhören ihn zu erstaunen.

 

Er spürte, wie sich die Vision seiner Existenz in seinem Kopf aufbaute, noch bevor Cordelia sich verkrampfte. Ihr Kopf vergrub sich mit einem unmenschlich schnellen Reflex an seiner Halsbeuge und bevor er die Chance zu einer Bewegung hatte, waren ihre Zähne fest an seinem Nacken vergraben. Sein Biss löste sich, aber nicht früh genug, um den Kontakt endgültig zu unterbrechen und der Verlust der Kontrolle führte nur dazu, dass sich seine Fänge tiefer in ihrem Hals versenkte, um die Verbindung zwischen ihnen aufrechtzuerhalten und den Kreis zu schließen.

 

Gott, was hatte er getan?

 

Die Bilder, die vor seinem inneren Auge vorbeizogen, waren grausame Blitzlichter seiner Existenz als seelenloses Monster und seiner Verweigerung diese zu beenden, nachdem er seine Seele wiedererhalten hatte. Er war zu feige für das Tageslicht gewesen, aus Angst vor dem Fegefeuer, das folgen würde. Zu feige um zu kämpfen, bis er einen Sinn darin gefunden hatte. Einen Sinn, der damals gerade fünfzehn war, als er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Er hatte sich seiner Schuld fast hundert Jahre hingegeben, ohne etwas für die Wiedergutmachung derselben zu tun.

 

Er war zu gelähmt und zu beschämt gewesen, durch das was seine wahre Natur war, um ihren Nutzen im Kampf für das Gute zu erkennen. Für diese Erkenntnis brauchte es zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, sich dennoch an Stärke ebenbürtig waren. Die eine körperlich, die andere psychisch. Die eine hatte ihn zum Krieger gemacht und die andere sorgte dafür, dass er ein Krieger für das Gute blieb und seinen Weg nicht aus den Augen verlor, weil er ihr Champion wurde und sie ihn bedingungslos liebt.

 

Die Explosion der Vision in seinem Kopf nahm an Intensität ab, während die letzten Druckwellen seiner Gefühle an seine Seherin übergingen, baute sich ihr Leben vor seinem inneren Auge auf. Ein kurzer Sonnenschein in den Dekaden seiner Dunkelheit, ihr Aufstieg und Fall. Ihre Angst vor dem eigenen Tod und den Konsequenzen für ihre Familie, wenn sie sterben und sie dadurch alleine lassen würde.

 

Gott. Was zur Hölle hatte sie ihm alles verschwiegen?

 

Von den Ereignissen noch innerlich betäubt, schlossen sich seine Arme fest um seine beste Freundin, ihre Schutzmauern waren gerade gerissen und er fühlte mehr ihr stummes Weinen, als dass er es hörte. Sie hatte Grund genug für ihre Tränen, aber er wusste, dass sie diese nicht für sich selbst vergoss. Kein Selbstmitleid und kein Bedauern für die Visionen, die sie umbringen würde, sondern wieder nur für denjenigen, den ihre Vision einschloss. Sie weinte um ihn. Wegen seiner jämmerlichen Existenz.

 

Er hatte es wieder geschafft, jemanden zu verletzen, den er liebt.

 

Sein Blick glitt zu ihrem Hals, die Wunde war groß, die Narbe würde für jeden sichtbar bleiben, keine Chance für Cordelia sie zu kaschieren. Keine Heilungskräfte einer Jägerin, die eine Wunde dieser Art mit der zusammenhängenden Aussage nie länger als zwei Monate auf dem Hals zulassen. Cordelias Narbe würde ewig seinen Besitz markieren und er fühlte sich für diese Verletzung nicht schuldig, sondern sie war eine Legitimation seiner Rechte.

 

Und nun wurde es Zeit seinen Pflichten nachzukommen.

 

Ihr zu helfen die anderen Verletzungen heilen zu lassen, die er mit verursacht hatte. Verdammte Visionen. Er wusste für was er zu büßen hatte, aber warum die Mächte der Ewigkeit Cordelia dieses Schicksal aufgezwungen hatten, war ihm unbegreiflich. Und es wurde Zeit, dass sie sich um dieses Rätsel kümmerten. Die Killer-Visionen vor einigen Monaten hatten Fragen aufgeworfen, aber nachdem der Grund eliminiert war, hatten sie das Offensichtliche nicht weiterverfolgt.

 

Cordys ständiges Mantra, ‚Mir geht es gut!’, hatte sie in eine Sicherheit eingehüllt, die nicht existierte. Sein Geruchssinn hatte ihn nicht getäuscht, nach jeder Vision klebte an ihr Todesangst, umhüllte sie wie eine zweite Haut. Nur hatte er diesen Geruch bisher immer als physische Manifestation, der Visionen eingeordnet, als etwas das mit denjenigen zu tun hatte, die sich in den Visionen befanden. Nicht mit Cordelia. Und dieses Aroma war mit jeder neuen Vision stärker geworden und er hätte seine ganze verdammte Aufmerksamkeit darauf verwenden sollen, der Ursache auf den Grund zu gehen, anstatt sich von einer einundzwanzigjährigen Frau an der Nase herumführen zu lassen.

 

Langsam wurde ihr Atmen gleichmäßig, Angel war sich nicht sicher, wie er das Schweigen zwischen ihnen brechen konnte. Sie war diejenige, die unangenehme Wahrheiten aussprach und nicht er.

 

„Du stirbst“, ihr Körper verkrampfte sich leicht bei seiner ruhigen Aussage. „Das werde ich nicht zulassen.“

 

Eine einfache Wahrheit. Er hatte noch keinen Plan, geschweige denn eine Vorstellung davon, wie er das in ihren Augen unvermeidbare verhindern konnte, aber er wusste, dass er sie nicht gehen lassen konnte.

 

Er spürte ihr Lächeln an seinem Hals, „Menschen sterben, Angel, das ist der Lauf des Lebens, manche früher, andere später. Es ist nicht an dir, dieses Konzept des Universums in Frage zu stellen.“

 

Warum musste sie immer so verdammt pragmatisch sein? Seine Augen schlossen sich, blendeten die Decke seines Apartments aus. Gott, was würde er dafür geben, wenn er den Schmerz ausblenden könnte, der sich in seinem Inneren aufbaute und jeden Moment von Leichtigkeit und Glück der letzten paar Monate in sich konsumierte und den kommenden Verlust nur verschärfte.

 

Diese Wendung des Schicksals war nicht fair, aber nicht diese Wahrheit schürte seine Wut, sondern seine eigene Dummheit. Wie konnte er sich auf Sterbliche einlassen, wenn deren Ende in dem Moment begründet lag, in dem sie geboren wurden? Er war 249 Jahre lang auf diesem gottverdammten Planeten als Killer unterwegs gewesen und diese Lektion hatte er immer noch nicht gelernt, das Nichts Bestand hatte, nicht einmal seine eigene angeblich unsterbliche Art. Wie beschränkt war er, dass er seine Augen ein um das andere Mal vor der bitteren Wahrheit verschloss.

 

Alles ist zum sterben verurteilt.

 

Angel versuchte die Bitterkeit zurückzudrängen, die ihn durchflutete und sich auf sein Versprechen zu konzentrieren. Er würde eine Lösung finden, er war es ihr schuldig und sich selbst. Cordelia war hier in LA zu seiner Konstanten geworden, zu seinem Fixstern. Egal, wie bedrohlich eine Situation war oder wie nah das Ende der Welt wieder einmal erschien, sie war diejenige, die ihn aus dem Chaos seiner Gefühle leitete und Ordnung in sein Leben brachte.

 

Zwischenzeitlich organisierte sie nicht mehr nur Angel Investigations, sondern ihn und er hatte es nicht nur zugelassen, sondern ihr dafür auch den nötigen emotionalen Freiraum zugestanden. Er hatte diesen schleichenden Prozess nicht unterbunden, als er ihn nach Buffys Tod bemerkte und noch die Möglichkeit dazu gehabt hätte, sie von seinem Leben auszuschließen und auf Distanz zu halten. Weil es angenehm war und er das Gefühl der Einsamkeit, das ihn nach seiner Epiphany niederstreckte, um keinen Preis der Welt noch einmal erleben wollte.

 

Er fühlte sich zum ersten Mal seit über hundert Jahren zugehörig. Sie hatten eine Familie zusammengefügt, die nun mit Connor perfekt geworden war. Cordelia hatte diese Gabe, Menschen über den ersten Eindruck hinweg zu durchschauen und scheinbar gegensätzliches zusammenzuführen, so dass eine perfekte Ergänzung stattfand. Sie beeinflusste die Dynamik der Truppe stärker als alle anderen, wie Fred es so richtig ausgedrückt hatte, Cordelia war das Herz der Gruppe und aber in erster Linie war sie seine Gefährtin.

 

Bei diesem Gedanken versteifte er sich. Gefährtin.

 

Er hatte in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten auf Erden noch nie daran gedacht, dass er mit jemand auf derselben Ebene stand oder stehen könnte, besonders mit keiner Frau. Egal wie wichtig diese für sein Leben waren. Darla war Lehrmeisterin, Geliebte und Mutter in einem gewesen, jemand den es zu beeindrucken galt und den man seine Existenz verdankte und deshalb mit dem Respekt behandelte, den sie verdiente. Drusilla war seine Kreation, die ihn faszinierte und deren er nie müde wurde. Buffy war eine Art höheres Wesen, die verkörperte Unschuld und all das, was er nie sein konnte, aber sein wollte. Naiv, mutig und uneigennützig.

 

Und Cordelia? Die letzten Wochen forderten ihren Tribut, sie war ausgelaugt und erschöpft, scheinbar nicht mehr im Stande die Müdigkeit zu bekämpfen. Die Frau an seiner Seite war in einen leichten Schlaf gefallen, ihre Atmung wurde mit jeder Minute ruhiger, in der sie tiefer in ihre Traumwelt versank. Angel fragte sich, wie sie sich in seinen Armen entspannen konnte, nach den Bildern, die sie gerade von ihm gesehen hatte. Wie konnte sie seine Vergangenheit so einfach akzeptieren, wenn selbst er vor deren Abgründe zurückzuckte.

 

Durch ihre Akzeptanz und Courage hatte er sich in den letzten Jahren langsam aus der Dunkelheit gelöst und das schätzen gelernt, was Menschen einander geben konnten. Er war wieder Teil einer Familie und durch seinen Verzweiflungsakt mit Darla sogar Vater eines menschlichen Sohnes und Cordelia war die geborene Ersatzmutter für Connor. Und ein Teil von ihm. Er liebte sie mit jeder Faser seines stillstehenden Herzens, auf eine so allumfassende Art, dass es ihn zuweilen erschreckte. Sie brachte ihn alleine durch ihre Gesellschaft zu nahe an das perfekte Glück. Indem sie seiner Seele eine Heimat gab, in der er sich nicht in die Schatten zurückziehen musste.

 

Er konnte sie nicht aufgeben. Ohne sie würde alles zur Hölle gehen, was sie sich hier zusammen aufgebaut hatten, vielleicht nicht von einem Tag auf den anderen, aber sie war sein Funke Hoffnung, darauf dass er leben konnte und nicht nur existieren. Angel kannte die Hölle aus eigener Erfahrung, neben all dem Schmerz, der Folter und Peinigung, die er dort erlebt hatte, war die Steigerung, die ihn letztendlich fast in den Wahnsinn getrieben hatte das Nichts. Was er anfangs noch als Segen betrachtet hatte, nach den durchlittenen Qualen, wurde mit den Jahrzehnten zu einem unerträglichen Zustand. Allein mit seinen Gedanken und von allem isoliert, brach Stück für Stück sein Verstand, wurde eins mit der Leere um ihn herum. Etwas das die raffinierteste Folter nicht geschafft hatte, reduzierte ihn mit der Zeit auf animalisches Niveau.

 

Angel fürchtete sich vor wenigen Dingen, aber die Bestie, die er fürchtete, würde in dem Moment losgelassen, in dem Cordelia aus seinem Leben verschwand. Das Nichts würde sich in seinem Leben breit machen, auf dieselbe Weise wie schon einmal und mit den Jahren würde von ihm nur einer leeren Hülle übrig bleiben. Sie hatte ihn hier in LA vor diesem Schicksal gerettet, als ihm nach der Trennung von Buffy nichts mehr auf dieser Welt wichtig erschien. Und sie hatte ihm seine Besessenheit mit Darla vergeben. Seinen Rückzug und seinen Versuch sie von seinem Leben auszuschließen, nur um am Ende über den Punkt absoluter Verzweiflung hinauszuschießen. Er war wieder Teil ihres Lebens, ein wichtiger davon und nicht nur wegen ihrer gemeinsamen Mission.

 

Aber Cordys Lektion hatte er nicht vollständig gelernt. Seine Welt hatte sich wieder um eine Frau herum aufgebaut, ohne die er keinen Sinn fand. Die Mission für die Mächte der Ewigkeit würde in dem Moment enden, in dem diese seine Seherin zu sich nahmen. Doyles Tod hatte ihn zweifeln lassen, aber ihr Tod würde ihm die Gewissheit geben, dass sein Platz genauso wenig auf dieser Erde war, auch wenn er sich seinen Eintritt ins Paradies noch nicht verdient hatte. Sie war seine Verbindung zur dieser Welt. Der menschliche Einfluss, der ihn festband und tatsächlich zu mehr werden ließ, als einem Vampir.

 

Gott, er wusste, dass sie nicht wollte, dass er in diesen Bahnen dachte.

 

Zwar durchschaute sie ihn die meiste Zeit wie Glas, aber letztendlich war sie gerade mal ein Bruchteil so alt wie er. Und er würde dafür sorgen, dass sich dieser Nenner verkleinern würde, auch wenn sie nie auf demselben angelangen konnten. Cordy konnte nicht mit einundzwanzig sterben. Verdammt, einundzwanzig, sogar er hatte es als Schürzenjäger und Schläger auf 27 Jahre als Mensch gebracht.

 

Seine Arme schlossen sich fester um sie, als ob allein sein Wille sie an seiner Seite verankern konnte. Gefährtin. Der Gedanke hatte seinen ersten Schrecken verloren, sie war es schon lange unbemerkt von ihm geworden. Er konnte in ihrer Gegenwart, das sein was er war, ein Vampir mit Seele und musste sich nicht erklären. Sie verstand ihn auf einer Ebene, die über blendende erste Liebe hinausging, nahm seine Nuancen wahr und gestattete ihm, ihre verschiedenen Facetten zu sehen. Sie war sein schützender Hafen und seine Achilles Verse in einem.

 

Der Dämon in ihm befahl danach, den Bund endgültig zu besiegeln, den er mit ihr geschlossen hatte.

 

Mit Mühe gelang es ihm, diesen Impuls zu unterdrücken, erst als er Blut schmeckte, wurde er sich darüber bewusst, dass er seine Fänge in der eigenen Unterlippe vergraben hatte. Tief durchatmend, versuchte er sich zu beruhigen. Cordelia würde einen exzellenten Vampir abgeben, einen, der es mit seiner seelenlosen Variante aufnehmen konnte. Aber er liebte ihre Seele und wusste, dass er sie in dem Moment verlieren würde, in dem er sie zu einer von seiner Art machen würde. Queen C würde sich nicht einmal von ihrem Sire Anweisungen geben oder einen Maulkorb umlegen lassen.

 

Der Schlüssel für ihre Heilung lag woanders und es wurde Zeit die Familie zusammenzurufen und nach einer Lösung zu suchen. Und wenn sie Himmel und Hölle in Bewegung setzen mussten, dann hatte er damit kein Problem. Niemand legte sich mit seiner Familie an und konnte dann von ihm noch etwas anderes als blutige Rache erwarten.

 

Gott, es wurde Zeit, dass jemand den Mächten der Ewigkeit die neuen Spielregeln erklärte.

 

 

Teil 3

Well, start it  - (up nightly)
Dragged you out into the streets
before you buckle at your knees.

 

Sie fühlte sich ruhig und zum ersten Mal seit einer Ewigkeit in Frieden mit sich selbst. Cordelia wunderte sich kurz, wo dieser Gedanke hergekommen war und was diesen Moment anders machte, als die letzten Jahre. Irgendetwas hatte sich verändert, hatte in ihr seinen Platz gefunden und nun da das Puzzle zusammengesetzt war, konnte sie die vormals fehlenden Stücke in dem großen Bild nicht mehr ausmachen.

 

Und sie wollte augenblicklich nicht darüber nachdenken, sondern nur die Stille genießen.

 

Stille? Ihre Augen öffneten sich schlagartig, das war es. Die Schreie in ihrem Kopf waren verstummt, sogar das Hintergrundrauschen der Visionen war verschwunden. Nur der Verkehr vor dem Hotel war leise zu hören. Sie war alleine in ihrem Kopf. Allein. Ihr Lächeln wurde breit und unbeschwert, keine Darla, keine andere Sichtweise auf Ereignisse der Vergangenheit, von denen sie nichts wissen konnte, als ihre eigene.

 

Und Angels? Verdammt.

 

Ihr Blick suchte den Raum ab, ohne große Überraschung fand sie ihn leer.

 

Als sie sich aufsetzte fühlte sie einen leichten Schwindel, der Raum verwischte vor ihren Augen, ging in eine Vision von Wesleys Büro über, die sie müde abschüttelte. Ihr Blick wurde wieder klar und sie stand auf. Ihr Gefühl suchte vergeblich nach etwas und resigniert, gab Cordelia nach, sich auf ihre Intuition verlassend und konzentrierte sich auf ihre Instinkte, welche die Führung übernahmen und sie zu Angels Aufenthaltsort brachten.

 

Das hier war zu einfach. Zu verdammt erschreckend einfach. Wie eine Kompassnadel, die von einem Magnet beeinflusst wird, wurden ihre Sinne in seine Richtung gezogen. Vor ihrem inneren Auge formte sich Wesleys Büro, vier Menschen und ein grüner Dämon. Jeder trug denselben besorgten Gesichtsausdruck, den sie an ihren Ärzten wahrgenommen hatte, außer Connor, der friedlich in Lornes Armen schlief. Angel war wütend und das war etwas, das sie wirklich beunruhigte, denn sie sah ihn nicht, sie spürte ihn, sie war ein Teil von ihm.

 

Gott, was hatte sie getan?

 

Noch während sie sich diese Frage stellte, fühlte sie Angels zunehmende Verwirrung. Er hatte ihre Anwesenheit wahrgenommen, auch wenn er sie nicht zuordnen konnte und sie drängte die Panik zurück, die in ihr aufbrandete und brachte ihre Emotionen unter Kontrolle. ‚Alles ist gut, shh, alles ist gut, keine Sorge.’ Der Vampir entspannte sich wieder, streifte die Konfusion ab und konzentrierte sich wieder auf sein Ziel und seine Wut.

 

Langsam holte Cordelia ihre Instinkte zurück, löste sich von ihm, immer dieselben Worte murmelnd, als ob sie sich selbst von deren Inhalt überzeugen konnte, wenn sie nur oft genug wiederholte.

 

Sobald sie wahrnahm, dass die Verbindung unterbrochen war, stellte sie diese Lüge ein, denn verflucht, nichts war gut. Nichts. Ihre Beziehung zu Angel war tief genug, ohne dass sie gegenseitig ihre Gefühle wahrnehmen konnte.

 

Ihr einziger Wunsch war gewesen, dass er ihr wieder ein klares Bild von sich gab, die Trennung errichtete, die sie zwischen Angel und Angelus brauchte. Diese feine Linie für sie zog, an die sie sich klammern konnte, um ihren Frieden zu finden. Jetzt hatte sie zwar ihren Frieden, aber also kostenloses Extra auch noch einen Bewegungssensor mit Angel im Kopf und einen tiefgehenden Einblick in seine Gefühlswelt.

 

Danke, Mächte, vielen Dank! Es wurde mit jedem Tag besser. Jetzt würde er sie nicht nur sterben sehen, sondern durfte das Ganze aus ihrer Perspektive verfolgen, genau das was sie vermeiden wollte.

 

Entschlossen ging sie ins Bad, nachdem sie sich wieder einigermaßen hergerichtet hatte und die Tatsache verfluchte, dass sie um an ihr Make-up zu kommen durch das Hotelfoyer musste, stählte Cordelia sich für die vor ihr liegende Konfrontation. Sie hatte nicht gewollt, dass ihre Familie von dem unausweichlichen Schicksal erfuhr, solange wie sie es verhindern konnte.

 

Sie brauchte kein Mitleid, dafür hatte sie sich selbst und ihr Kissen.

 

Tief in ihr vergraben, war die Hoffnung gewesen, dass sie bei einem ihrer Fälle vielleicht umkommen konnte. Schnell, schmerzlos und ohne die Wahrheit zu offenbaren. Ihre Freunde hätten ihren Verlust betrauert und mit ihrem Leben weitergemacht, schließlich war es etwas einmalig Böses gewesen, dass ihr Leben gefordert hat oder tragische Umstände. Ein Unfall. Etwas das ihnen jederzeit passieren konnte, so wie Doyles Tod damals gezeigt hatte

 

Ein Risiko mit dem man zu leben lernte, wenn man das Universum oder zumindest LA vor den Mächten der Dunkelheit beschützte. Ein Opfer für die Menschen, die man liebt. Cordelia machte sich nicht vor, dass ihr Tod die Welt gerettet hätte, aber vielleicht ein unschuldiges Kind oder eine Horde Halbdämonen? War das zu viel verlangt?

 

Ein würdiger, heldenhafter Abgang, zwar ohne Todeswunsch, aber begründet in der Tatsache, dass es für ihre Familie einfacher zu verstehen gewesen wäre. Stattdessen würde sie jetzt die Mächte der Ewigkeit rechtfertigen müssen und deren großer Plan, der ihren Tod mit einschloss.

 

Wie konnte sie etwas rechtfertigen, was sie selbst nicht verstand?

 

Das Gesicht, das ihr aus dem Spiegel entgegensah, wirkte ausgeruhter als die gehetzte Gestalt von heute morgen und sie fühlte sich stärker. Ihr Blick fiel auf die Bisswunde an ihrem Hals. Fast ohne dass es ihr bewusst war, strichen ihre Fingerspitzen über die frische Blessur. Angel hatte in der Zeit seiner Abstinenz nichts verlernt. Darlas Mal war nicht mehr zu erkennen, nicht den kleinsten Hinweis gab es auf das, was sie hierher in sein Schlafzimmer getrieben hatte.

 

Nur noch einen Abdruck von Fängen, als wäre es nie anders gewesen, Cordelia lehnte sich näher an den Spiegel und begutachtete die Verletzung. Eigentlich sollte sie fremd wirken, oder? Warum erinnerte sie diese Reihe ungleichmäßiger Vertiefungen an eine Verzierung, die mit Bedacht ausgewählt worden war? Also ob sie ihren rechtmäßigen Platz an ihrem Hals gefunden hätte?

 

Sich über sich selbst wundernd, warf sie noch einen letzten Blick auf die Wunde und begann dann ihren Weg nach unten. Sobald sie aus Angels Zimmer trat, nahm Cordelia die Stimmen aus dem offenen Büro wahr, je näher sie der Eingangshalle kam, desto lauter wurden sie, aber nicht nur weil die Distanz sich verringerte.

 

Offensichtlich waren Angel und Wesley sich über die weitere Vorgehensweise uneinig und zwar ernsthaft, das war keine Diskussion mehr, sondern ein richtiger Streit. Etwa auf halber Höhe der Treppe blieb Cordelia stehen, sie fühlte Angels Wut, obwohl er im Moment still war. Seinen Willen, die anderen von der Richtigkeit seines Vorschlages zu überzeugen und seine Schuld.

 

Und sie verdammte nochmals innerlich die Mächte und diese neue Fähigkeit. Es war schwer genug Angel brüten zu sehen, ohne dass man die dazugehörigen Emotionen in sich hoch fluten spürte und sich noch mehr als früher dazu genötigt sah, ihn aus dieser Laune rauszukicken.

 

Cordelia hörte Wes’ erhobene Stimme und zu ersten Mal verstand sie auch Worte, „Verdammt, Angel, du weißt so gut wie ich, dass dieses Ritual seit Jahrhunderten nicht mehr durchgeführt wurde und das mit gutem Grund. Es ist nicht nur gefährlich, sondern darüber hinaus in seinen Folgen nicht absehbar. Ihr könnt beide dabei umkommen.“

 

„Sie stirbt, Wesley, hast du mir zugehört?! Cordelia stirbt und wenn das die einzige Möglichkeit ist, sie davor zu schützen, dann nehme ich die Chance dankend an und verflucht, ich bin nicht derjenige, der den Bund erwähnt hat.“ Angels Stimme hallte durch das hohe Foyer und die Entschlossenheit in ihm, donnerte wie eine tosende Brandung durch ihren Körper.

 

„Wir stellen gerade mal zwei Tage Nachforschungen an, sind erst am Anfang. Außerdem war es nur eine Suggestion von mir, ein Anhaltspunkt weiter nichts. Ich verstehe nicht, warum du dermaßen versessen darauf bist, diesen Bund von Ischtar überhaupt in Erwägung zu ziehen. Ganz davon abgesehen, dass hierbei Cordys Einverständnis vorliegen sollte, bevor und ich betone, bevor wir weitere Recherchen vornehmen.“

 

Lorne gab Wesley Rückendeckung, „Er hat recht, Angel. Du willst dich mit primitiven Kräften einlassen, die noch nicht einmal den Unterschied zwischen Gut und Böse kennen. Mit etwas, das man besser ruhen lässt.“ Eine weitere Welle der Rage und Cordelia griff das Treppengeländer fester, während das Schweigen anhielt und sie die Treppe hinter sich ließ.

 

Warum war Angel so festgefahren?

 

Schließlich brach Gunn die angespannte Stille, „Wieso würde sich ein Vampir auf so etwas überhaupt einlassen? Ich meine, ein normaler, seelenloser Vampir? Das Ganze macht für mich keinen Sinn. Und da das Ritual aus der Mode ist, gehe ich davon aus, dass es für die ebenso wenig Sinn machte.“ Gute Frage, das musste Cordelia ihm zugestehen, vor allem eine, die ihr endlich erklären würde, worum es bei dem Streit eigentlich genau ging. Sie durchquerte eilig die Lobby, um Freds leisere Stimme besser zu verstehen.

 

„Der Ischtarbund kommt aus dem Kleinasiatischen Raum und aus einer Zeit als Kanalisationstunnel noch in weiter Zukunft lagen, sagen wir, dreitausend Jahre, obwohl wenn man den Aufbau von Stätten in Mesapotanien in Betracht zieht, dann noch tausend Jahre. In dieser Epoche war man, um die Strecken zwischen den Städten zu überwinden tage- wenn nicht sogar wochenlang unterwegs. In einem sonnigen Land, nicht zu erwähnen der Wüste, ohne Unterschlupfmöglichkeit, ist es eigentlich logisch, dass die Vampire auf Menschen angewiesen waren und zwar nicht nur als Nahrung, sondern ebenso als Diener. Also für mich macht dieser Bund in diesem Kontext durchaus Sinn, man kettet einen Menschen psychisch an sich und hat somit willenlosen Sklaven, Reiseproviant und Transporthilfe.“

 

So wie Fred es darstellte, nicht gerade eine attraktive Form der Lebensgemeinschaft, zumindest keine, die für sie in Frage kam. Cordelia verstand nun aber noch weniger, warum Angel sich unnachgiebig auf diese Idee versteift hatte.

 

„Mit Fortschreiten der Zivilisation wurde es auch für die Vampire einfacher zu überleben, deshalb starb diese Form der Verbindung aus.“ Wesley wollte Freds Erklärung noch weiter ausführen, nur um nach dem einem Satz von Angel unterbrochen zu werden.

 

„Es ist ein Bund, Wesley, keine Verbindung. Du vergisst diesen Aspekt schon wieder, ein Bund.“ Angel klang starrsinnig, als ob er und Wesley dieses Argument nicht zum ersten Mal führen würden und diese Unterscheidung tatsächlich von Belang war. Cordelia fragte sich erstmalig, wie lange sie tatsächlich geschlafen hatte. Sie war davon ausgegangen, dass sie nur für ein paar Stunden weg gewesen war, Wesley hatte vorhin aber etwas von zwei Tagen gesagt. War das möglich?

 

„Ein Pakt bei dem beide Parteien profitieren können, deshalb wurde der Ischtarbund von den Vampiren vergessen, es gibt einfachere Wege als Magie, um Menschen an sich zu binden, meistens reicht schon eine Drohung dafür aus. Und auf diesem Gebiet habe ich einige Erfahrung“, eine Feststellung von Angel, der Cordy nach den letzten Wochen nicht widersprechen konnte.

 

„Ist dir nicht der Gedanke gekommen, dass du bei diesem Ritual deine Seele verlieren könntest, weil es schlicht nicht für einen Vampir mit Seele angelegt ist? Mit Sicherheit hätte dein Alter Ego nichts gegen diese zusätzliche Erfahrung einzuwenden, oder Angel? Ein Mensch, Cordelia um genau zu sein, die nicht ohne ihren dämonischen Gegenpart leben kann, hat mit Sicherheit seinen Reiz für eine seelenlose Kreatur, speziell für Angelus. Oder kannst du mir hierbei widersprechen?“ Cordelia war sich nicht sicher, warum Wesley so aufgebracht war, dass er ohne Zögern Angelus’ Vergangenheit involvierte. Angels Reaktion ließ nicht lange auf sich warten, eine Welle von Wut, Reue und Schuld überspülte sie, bei der sie ein schmerzhaftes Stöhnen nicht unterdrücken konnte.

 

Angespannt erwiderte der, „Denkst du tatsächlich ich würde Cordelia leichtsinnig dieser Gefahr aussetzen? So gut solltest du mich eigentlich kennen, Wesley. Der Ischtarbund ist die erste richtige Bestätigung, dass es überhaupt möglich ist, ihr zu helfen. Ich sage nur, wir sollten ihn nicht einfach außer Acht lassen, nur weil er gefährlich ist. Okay?“

 

„Aber es gibt mit Sicherheit risikolosere Wege und dich interessiert, seit ich diesen Bund erwähnt habe, nur noch diese eine Möglichkeit“, gab Wesley wieder ruhiger zurück.

 

Lorne meldete sich zurück. „Warum bist du so darauf fixiert, Angelcakes?“

 

„Weil ich glaube, dass das der richtige und einzige Weg aus diesem Dilemma ist.“

 

„Für mich ist das trotzdem kein fairer Handel. Für beide Seiten nicht.“

 

„Wer hat gesagt, dass das Leben fair ist? Also vielleicht wäre jemand so freundlich und würde mir diesen Ischtarbund erklären. Immerhin geht es um mich und somit kann nur ich entscheiden, was fair und was unfair ist“, mit diesen Worten trat sie entschlossen in das Büro.

 

Vier schuldbewusst überraschte Gesichter drehten sich ihr zu und Cordelia fand, dass sie damit leichter umgehen konnte, wie mit dem erwarteten Mitleid, aber das würde wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit sein. Angel war der einzige, der nicht überrascht von ihrem Auftritt war und ihren Augenkontakt gelassen erwiderte. Die Woge von besitzergreifende Liebe traf sie unerwartet, als sich sein Blick auf die Bisswunde an ihrem Hals senkte.

 

Primitive Kräfte? Cordy war sich verdammt sicher, dass diese schon geweckt waren, egal was Lorne meinte.

 

Der Rest sah sich gefangen zwischen Unentschlossenheit und Hilflosigkeit an. Wie lange wusste Angel schon, dass sie ihnen zuhörte? Sie grub in ihren Erinnerungen und wurde fündig, wenn er wollte und die Ruhe dazu hatte, konnte er den Unterschied zwischen Schlaf und Wachsein, von hier unten ausmachen. Wenn er die Ruhe hatte, also hatte er sie wahrscheinlich erst bei Freds Monolog bemerkt. „Also?“

 

„Wir haben eine Chance gefunden, dass dein Körper die Visionen ohne weiteres überleben kann“, beantwortete Angel ihre Frage. „Tatsache ist, du könntest danach so gut wie alles überleben, sogar mehr als ich. Zumindest lässt die erste Betrachtung diesen Rückschluss zu.“

 

„Aber diese Chance kommt nicht ohne Preis, richtig?“

 

Angel erwiderte ruhig ihren Blick, „Du bist an mich gebunden, wenn ich sterbe oder den Bund löse, bist du ebenfalls in derselben Sekunde tot.“ War das der Preis, vor dem Wesley zurückzuckte?

 

Ihr Blick glitt zu dem Wächter, dessen Augen waren auf Angels Mal an ihrem Hals fixiert, während sie förmlich die Verbindungen in seinem Kopf zusammenklicken sehen konnte. Als er schließlich ihren Blick erwiderte, war sie sich sicher, dass er ein Puzzle zusammengesetzt hatte, das er nur noch gegen checken wollte. „Was ist, Wesley?“

 

Shanshu, der Kreislauf von Leben und Tod, etwas das tot ist, kann nicht sterben, wird also wieder leben, zumindest dachte ich das. Aber was ist, wenn sich das Shanshu anders manifestiert? Was ist, wenn der Vampir mit Seele, Leben bringen kann, so wie es sich schon bei Connor gezeigt hat? Was ist, wenn es nicht seine Belohnung zur Erfüllung seines Schicksals ist, sondern sein Geschenk? Etwas mit dem er sein Schicksal überhaupt erst erfüllen kann. Nämlich seiner Seherin?“ Wes blickte erwartungsvoll in die Runde.

 

Nach einigen bedeutungsgeladenen Sekunden kam zeitgleich von Fred und Lorne, „Kye-Rumption!“

 

Angel verdrehte die Augen, während Cordelia die beiden verwirrt ansah, die jedoch nur ihren träumerischen Blick von ihr zu Angel schweifen ließen, schließlich blickte sie  Hilfe suchend zu dem Vampir.

 

„Was zur Hölle ist Kye-Rumption?“

 

„Wenn zwei große Helden sich auf dem Schlachtfeld treffen und ihr gegenseitiges Schicksal erkennen“, gab Angel nicht sehr überzeugt von sich.

 

„Du darfst Moira nicht vergessen“, enthusiastisch nickte Lorne Fred zu, die daraufhin gleich ihre Erklärung mitgab. „Die körperliche Anziehungskraft zwischen zwei überlebensgroßen Seelen.“

 

‚Nett, dass du den Sex erwähnst, Fred, hierfür werde ich dich später töten. Man plaudert nicht die Bonding-Geheimnisse von Pyjamaparties unter Frauen aus.’

 

Trocken erwiderte Angel, „Oja, wie konnte ich Moira nur vergessen?“

 

„Stopp, Auszeit, körperliche Anziehungskraft? Liegt hier nicht der Weg, um Angelus freizusetzen?“, hackte Gunn misstrauisch nach. „Körperliche Anziehung führt zu Sex, Sex zu einem Moment perfekten Glückes und der wiederum zu der seelenlosen Variante?“

 

„Dafür wäre seine Seelenverwandte nötig, die sich in Sunnyhell befindet und Moira, also nichts über das wir uns Sorgen machen müssten.“ Cordelia gefiel nicht die Weise, wie sie nach dieser Aussage von den fünf fassungslos angestarrt wurde. Das hier war schlimmer wie Mitleid, als ob sie den wichtigsten Punkt übersehen hatte, etwas das auf der Hand lag und absolut jeder Vollidiot sehen konnte.

 

Gott, als ob sie diesen Punkt nicht selber kannte, aber man durfte sich doch noch etwas vormachen. Oder?

 

Angels Stimmungsumschwung von absoluter Ungläubigkeit, in Richtung Erregung und Zorn halfen auch nicht dabei, dass Cordelia sich entspannte. Zwar war sein Gesicht ausdruckslos, aber die hoch kochenden Emotionen umso intensiver. Kombiniert mit dem durchbohrenden Blick, war er momentan alles andere als ein Fels in der Brandung. Unbehaglich verlagerte sie ihr Gewicht von einem Bein auf das andere, während das Schweigen sich in die Länge zog.

 

Nach scheinbar einer Ewigkeit löste sich sein Blick von ihr und Angel antwortete, „Ein Punkt über den wir uns Sorgen machen müssen. Wesley, du checkst die Bücher, Fred soll dir dabei helfen, Lorne befrage noch mal deine Quellen und Gunn und ich werden uns in der Unterwelt umhören.“ Mit diesen Worten war er auch schon aus der Tür und Gunn musste beinahe rennen, um mit ihm Schritt zu halten.

 

Meister des melodramatischen Abganges, fügte Cordelia auf ihrer inneren Liste, der Angel-Titel hinzu. Als sie das Starren von den verbliebenen Drei bemerkte, konnte sie sich ein bissiges „Was?“, nicht verkneifen, sarkastisch fügte sie hinzu, „Kann man sich die Dinge nicht unkompliziert vorstellen? Mein Leben in Bizarro-Welt reicht schließlich vollkommen aus, um mich verrückt zu machen, ohne dass ich aus meiner Verweigerung aufwachen muss. Okay?!“

 

Und damit legte sie ihren melodramatischen Abgang hin. Vielleicht verbrachte sie tatsächlich zu viel Zeit in Angels Gesellschaft.

 

 

Teil 4

This is quick but not quite painless -  
It sits perched on your arm.

 

Angel hatte eine amüsante Nacht hinter sich, als er in das Hyperion trat.

 

Soweit seine Nächte unterhaltsam sein konnten, seit er mit dem Fluch belegt worden und von den Folgen für sein Seelenheil erfahren hatte, falls er die Klausel erfüllen sollte. Er hörte noch das Knochenknacken in seinen Ohren, ebenso wie die Schmerzensschreie der Dämonen, die er befragt hatte. Gunn hatte ihn kommentarlos den Vortritt gelassen und ja, er war in der Stimmung gewesen zu töten und zwar langsam. Aber mit Gunn im Rücken und der Gelegenheit nur Dämonen zu quälen, die dies auch verdient hatten, verlor sogar diese Aussicht den letztendlichen Reiz.

 

Sicher, die Furien wären noch eine Möglichkeit gewesen, um etwas mehr Spaß und Unterhaltung zu bekommen, ohne die Aussicht auf perfektes Glück, genauso wie jede andere Hure oder Frau in LA. Aber nein, er war ja ein Eunuch, wie konnte er das nur immer wieder vergessen?

 

Das bittere Lächeln war seit Stunden in sein Gesicht gemeißelt.

 

War Cordelia wirklich so naiv, dass sie annahm, dass Sex die Zündschnur war, um Angelus freizusetzen? Und wenn sie so naiv war, machte er sich dann in ihr nur etwas vor? Dass Gunn daran glaubte, war verständlich, er kannte die Geschichte nur aus ihren Erzählungen. Dass Wesley es besser wusste, hatte Angel eine zeitlang beunruhigt, nicht wirklich sicher, ob er ein weiteres Gespräch über Tee und die metaphysische Bedeutung desselben ertragen konnte. Vor allem weil er nichts in seinem Leben ändern wollte, außer Cordelia zu packen und in seinem Schlafzimmer einzusperren. Für immer. Aber damit wäre er wieder beim Sex gelandet und bei ihr würde Angelus frei brechen, also hätte er nur deren Vermutung bestätigt. Nichts was in seiner Absicht lag.

 

In der Vergangenheit hatte es ihn manchmal gereizt, sie über das wahre Glück aufzuklären, darüber wie nah ihre Gesellschaft allein, ihn dorthin brachte. Wenn er sein Lachen unterdrücken und sich daran erinnern musste, dass es gefährlich war. Dass es gefährlich war ihren Sprachwitz zu verstehen und die Art, wie ihr Geist Dinge wahrnahm und verarbeitete. Dass es gefährlich war ihr zu zusehen, wie sie Connor im Arm hielt und ihm dabei diesen Blick gab, der sagte, dass sie nicht glücklicher sein konnte, als mit seinem Baby im Arm und ihm im Zimmer. Dass es gefährlich war sich in ihren haselnussfarbenen Augen zu verlieren und darin unterzugehen und zu vergessen, dass er eine Vergangenheit hatte.

 

Und dass es für sie glücklich war, dass ihm stets eine Steigerung dieses Glückes einfiel.

 

Denn Angel wusste, dass diese Faszination einen Preis in sich barg, der tödlich für das Objekt seiner Besessenheit war.

 

Manchmal wenn er wütend oder verletzt genug war, über einen ihrer gedankenlosen Kommentare, dann reizte es ihn, ihr zu sagen, dass sie diejenige war, in deren Händen der Schlüssel zu Angelus’ Käfig lag. Aber er hatte sich bis jetzt immer zurückhalten können, nicht bereit ihren darauf folgenden Rückzug hinzunehmen. So hatte er sich stets auf die Zunge gebissen und seinen Spruch heruntergestottert, ‚Ich bin kein Eunuch.’ 

 

Nein, ein Eunuch war er erst, seit er sich darüber bewusst war, was er in seinem Leben wollte und als ihm auffiel, dass er dunkelhaarige Frauen den Vorzug gab, anstatt sich auf blond zu besinnen. Nein, ein Eunuch war er erst seit seiner Offenbarung und seinem letzten verzweifelten Versuch, sich auf das zu besinnen, was ungefährlich war.

 

Seelenverwandte.

 

Seine Seelenverwandten waren mit Sicherheit auf eine Art Darla und Buffy, auch wenn ihm bei letzterer seit Darlas Rückkehr, die frappierenden Ähnlichkeiten zwischen den beiden aufgefallen waren. Blond, klein, zierlich, stark. Zwei Seiten derselben Münze und vielleicht war es das gewesen, was damals Angelus freigesetzt hatte. Die Möglichkeit seiner Seele in den Armen eines reinen und unschuldigen Wesens zur Ruhe zu kommen, das das Gesicht seiner Erlösung trug und die Züge seiner Verdammnis. Heute war er sich nicht ganz sicher, ob Buffy und ihn diese ewige Liebe verband, von der er damals ausgegangen war oder ob er nur das erste Mal in den fast zweihundertachtzig Jahren seiner Existenz vorbehaltlos geliebt hatte.

 

Und nein, es war keine gute Idee von seiner Gefährtin, sich jetzt in seinem Apartment aufzuhalten, wenn er seit der Eröffnung ihres nahen Todes, diese Wut in sich spürte, die mit jeder Sekunde größer zu werden schien und seine Sicht immer weiter einschränkte. Tunnelblick. Immer weiter auf das Wesentliche reduzierte. Die den Schmerz und die Trauer in sich konsumierte und ihn blind machte für die Bedürfnisse seiner Umgebung und stattdessen seine Sinne schärfte, über ein Maß, das erträglich war. Das sicher war.

 

Angel konnte ihre Entspanntheit förmlich riechen, ihre Zufriedenheit hier mit seinem Sohn zu sein. Und er wusste nicht genau, was er momentan lieber riechen würde, das hier oder ihre Angst oder ihr Begehren. Aber er wusste, dass er zu sehr außer Kontrolle war, die Erinnerung an ihr Blut zu frisch, um alleine mit ihr zu sein und der Möglichkeit alle vier Optionen wahrzunehmen.

 

Er blieb in der Tür stehen, „Was machst du hier?“

 

Cordelia trat mehrere Schritte zurück und sah ihn besorgt an, „Ich habe Lorne beim babysitten abgelöst, er wollte noch ausgehen und ich hatte nichts weiter für den Abend geplant. Ist mit dir alles in Ordnung, du bist...“, sie unterbrach sich und sah ihn so unsicher an, wie er es seit Jahren nicht mehr bei ihr gesehen hatte. „Du bist wütend.“

 

Das traf es nicht wirklich, er war über den Punkt von ‚wütend’ schon seit vorgestern hinaus. Und wenn er sie ansah, die Bisswunde, dann erinnerte er sich zu genau an ihren Geschmack und das Gefühl ihres Körpers gegen seinen. Ihre Wärme, die seine Kälte vertrieb. Von innen. Von außen.

 

„Ich denke, es ist besser, wenn ich gehe“, sie klang wachsam und Angel musste ihr zugestehen, dass sie klug genug war, um seiner Gesellschaft zu entfliehen. Er war momentan alles andere als sicher für sie. Er war momentan alles andere als in Kontrolle.

 

„Das denke ich auch.“

 

Cordelia schnappte ihre Jacke und die Zeitung, die sie gelesen hatte, dabei fiel Angel auf, dass ihre Hände zitterten, kein Gedanke, den er vertiefen wollte. Sie wollte an ihm vorbei, vielleicht hätte er sie gehen lassen, wenn sie ihn nicht gestreift hätte, vielleicht auch nicht. Keine Chance, das herauszufinden, den die Berührung lockerte die Fessel der Seele genug, setzte etwas in ihm frei. Bevor die Zeitung auf dem Boden landete, hatte er sie schon mit seinem Körper gegen die Wand gedrückt und seine Lippen gegen ihre gepresst.

 

Sie versuchte ihn weg zu schieben, keine Chance. Sie versuchte sich ihm zu entwinden, bis sie als Ergebnis ihrer Bemühungen, den Beweis seiner Erregung hart gegen ihren Bauch gepresst fühlte. Dann stand sie still. Keine weiteren Versuche zu entkommen, kein Entgegenkommen. Angel unterbrach schließlich den Kuss, den sie nicht erwiderte.

 

„Angel, lass mich los“, fest und entschlossen.

 

„Warum, Cordelia?“ Seine Augen brannten sich in ihre.

 

„Weil es falsch ist. Außerdem denke ich nicht, dass deine Psyche momentan sonderlich stabil ist und du das hier in letzter Konsequenz willst.“ Ihre Stimme klang entschieden und ohne Zweifel an dem Gesagten, nur konnte sie ihn nicht überzeugen, dafür waren seine Sinne zu scharf, zu sehr im Vordergrund.

 

„Oh, ich bin mir sicher, dass ich das hier will. Und ich weiß, dass du es ebenso willst. Ich kann dich riechen, deine Angst, dein Begehren, so wie unzählige Male zuvor.“ Ihre Augen schlossen sich, während seine Hände sich von der Wand lösten und träge über ihren Körper fuhren. Angel gab sich seinen Sinneseindrücken hin. „Es kommt in Wellen von dir und ist ein Parfum, das in seiner erotischen Qualität nicht zu unterschätzen ist, ebenso wenig wie dein Körper.“

 

Cordelia öffnete die Augen, hilflose Wut funkelte in ihnen und Machtlosigkeit, während ein weiterer Schauer durch ihren Körper ran. Er lehnte sich weiter vor, „Vor allem weil ich dein Begehren nicht nur rieche, sondern in deinem Körper fühle. Dein Herzschlag und deine Körpertemperatur, die beide stetig ansteigen. Also sag mir nicht, dass das hier falsch ist oder ich dein bester Freund bin und nicht mehr. Weil ich das Mehr augenblicklich nicht nur rieche, sondern fühle. Es verbrennt mich beinahe.“

 

Ihre Augen trugen ein stummes Duell der Willensstärke aus, doch Angel hatte die Grenze von persönlichem Freiraum und Zurückhaltung weit hinter sich gelassen. Er wollte sie. Jetzt. Und er spürte, dass sie ihn ebenso wollte, was war ihr verdammtes Problem?

 

Warum sah sie nicht, wie einfach es war?

 

„Und?“, hart geflüstert und zornig.

 

„Und?“, er war perplex, überrascht löste er sich ein wenig von ihr.

 

„Und was ändert das? Nichts. Ich will dich. Na und, das ändert nichts. Denn ich will dich nicht töten. Ich will dich nicht in einen mörderischen Bastard verwandeln, der unsere Familie, einer nach dem anderen auslöscht und mich damit in den Wahnsinn treibt, während er seine Tage dadurch ausfüllt, uns zu foltern und zu quälen. Sorry, Angel, aber das ist mir dieses Begehren nicht wert und wenn du nur einen Funken Verstand in deinem Kopf hast, dann ist es dir genauso wenig wert. Also und?!“

 

Ihre Stimme hatte sich von einem Flüstern zu einem lauten Reden gesteigert. Er hatte sich während ihrer Antwort von ihr gelöst und befand sich nun auf der anderen Seite des Flures, anderthalb Meter lagen zwischen ihnen, aber Angel kam die Entfernung so viel weiter vor. Unendlich.

 

Trotzdem nicht weit genug, um ihren Anschuldigungen zu entgehen und der Wahrheit.

 

„Sollen wir die gleiche Art von Romanze führen, die dich in Sunnydale mit Buffy verbunden hat? Diese Romanze, die einzig vom Wollen und Nichtkönnen lebt. Sollen wir? Oder sollen wir uns stattdessen auf das besinnen, was wir teilen können, ohne die Gefahr, dass du deine Seele verlierst und ich meinen Verstand, nämlich Freundschaft und Familie. Sollen wir? Mmh, was sollen wir, Angel?“ Seine Wut war von ihrer weggeschwemmt worden und er war sich nicht sicher, ob er das hier hören wollte.

 

Nein, er war sich ganz sicher, dass er das nicht hören wollte.

 

Sie schrie ihn jetzt an, „Ich liebe dich, und? Liebe ich dich deswegen genug oder zu wenig, weil ich weiß, wohin diese Liebe führen kann und ich dieses Risiko nicht eingehen kann, Angel? Sag es mir, denn das ist eine Frage, die mich seit anderthalb Jahren beschäftigt, ist genug oder nicht genug? Bist du bereit diese letzte Konsequenz zu tragen, wenn ich es nicht bin, mir nicht einmal gestattet daran zu denken.“ Cordelia brüllte ihn zum ersten Mal seit er sie kannte an, ihre Stimme nagte an seinen Ohren und er unterdrückte das Bedürfnis, seine Hände schützend über sie zu legen. „Bist du es? Verdammt, Angel, antworte mir!“

 

„Antworte mir und gib mir nicht nur deine verdammten Gefühle, die mich in den Wahnsinn treiben, bitte Angel...“ Der letzte Satz begann als Schrei und endete im Flüstern, während er ungläubig in ihre Augen sah, die sich mit Tränen füllten und die Wahrheit in ihn sank.

 

Sie fühlte ihn. Sie war ein Teil von ihm. Und seit dem Biss war dieser Teil, in den Vordergrund gerückt, der bisher immer nur im Hintergrund seiner Gedanken aufblitzte. Sie fühlte ihn vollkommen.

 

Seine Schuld. Seinen Schmerz. Seine Wut. Sein Begehren. Seine Hilflosigkeit. Seine Liebe.

 

Angel war sich nicht sicher, was sie beide aufrecht hielt, wahrscheinlich nur die Wände, an die sie sich lehnten. Während das Schweigen sich in eine Ewigkeit ausdehnte und sie sich beide nur anstarrten. Cordelia schwer atmend, er ohne Bewegung, weil ihm sogar dafür die Kraft fehlte.

 

Er konnte ihr nichts vorspielen, sie kannte ihn, sie verstand ihn vielleicht besser, als er sich die meiste Zeit selbst. Warum sollte er also als Mensch auftreten, wenn er keiner war, wieso sollte er seine toten Lungen mit ihrem Geruch füllen, wenn das alles war, was er jemals von ihr bekommen konnte und es ihn in den Wahnsinn trieb? Weshalb sollte er als Vampir auftreten, wenn er durch seine Seele davon zurückgehalten wurde, sich das zu nehmen, was er wollte. Seine Sinne würden ihm nur bestätigen, was sie ihm schon mit Worten gesagt hatte. Sie wollte ihn. Sie liebte ihn. Sie würde sich niemals gestatten, dieser Schwäche nachzugeben.

 

Denn wenn sie es würde, dann würde Cordelia ihn töten. So simpel.

 

Die Frau vor ihm konnte es nicht zulassen, dass er sich noch mehr Schuld auflud und wenn er seine Seele endgültig verlieren würde, dann würde sie nicht zögern ihn zu töten. Sie wusste, dass er nicht in eine Welt zurückkehren wollte, die Angelus zerbrochen hatte. Weil ihn die Scherben brechen würden. Also gab sie ihm alles, was sie zu geben hatte, ohne dass sie ihn damit zerstörte und wer war er, dass er sie dafür angreifen konnte?

 

Sie standen sich gegenüber, wie zwei müde Krieger auf dem Schlachtfeld, denen die Kraft fehlte, zum letztendlich erlösenden Todesschlag. War das Kye-Rumption? Denn so fühlte es sich für Angel an, nur in einem negativen Licht, ganz anders als er sich es ausgemalt hatte.

 

Wohl die dunkle Seite davon, so wie alles in seiner Existenz zur Dunkelheit verdammt war.

 

Warum war er nur davon überrascht, fragte er sich bitter. Warum hatte er gedacht, dass seine Existenz durch Cordelia etwas von dem Sonnenlicht erhalten würde, genug um die Dunkelheit zu durchdringen und zu wenig um ihn damit zu verbrennen. Warum hatte er nur so fest daran geglaubt?

 

„Heuerika!“ Wesleys Schrei echote durch das Hotel und löste die Starre, in denen sie sich beide befanden. Nicht sonderlich interessiert an Wesleys Entdeckung, aber mehr als glücklich, dieser unangenehmen Situation entgehen zu können, die keine Lösung in sich barg, richtete Angel sich auf.

 

„Sollen wir?“ Cordy nickte ihm müde zu, holte den schlafenden Connor und lief vor ihm her nach unten ins Foyer.

 

Gott, was hatte er ihr schon alles angetan? Die Visionen, der Überfall, wann würde er endlich aufhören sie zu verletzen, sie in die Enge zu treiben und ihr das zurückgeben können, das er ihr schuldete? Er war ein egoistischer Bastard, der -

 

Cordy wirbelte zu ihm herum, entnervt und aggressiv äußerte sie, „Gottverdammt, Angel, komm von deinem Schuldtrip runter und lass es gut sein, okay?! Es ist, wie es ist und es wird nicht besser, wenn du mich mit deiner Laune runter ziehst.“

 

„Es tut mir leid“, er meinte es so. Ihm taten mehr als tausend Dinge leid, die er allein ihr angetan hatte.

 

„Ich weiß, Angel.“ Ihr Tonfall veränderte sich, wurde weicher und ihr Verständnis für ihn klang wieder durch. „Aber es braucht dir nicht Leid zu tun, ich bin glücklich, so wie es ist. Ich liebe mein Leben, meinen Job, unsere Familie, Connor und dich und daran wird sich nichts ändern, selbst durch den Tod nicht. Das waren meine Entscheidungen, die mich hierher geführt haben, nicht deine oder die der Mächte, sondern einzig und allein meine Wahl. Vielleicht ein wenig Schicksal, aber nichts das Unumstößlich gewesen wäre, also lass es gut sein und grüble nicht über mich oder unseren Weg, weil er nicht in deiner Macht liegt. Okay?!“

 

Sie war von dem überzeugt, was sie gesagt hatte und blickte ihn nun fragend an, ob er etwas davon in Zweifel ziehen würde. Ob er es wagen würde, ihr Leben in Frage zu stellen und ihre Entscheidungen. Ihre Wahl. Das was sie zu diesem Punkt geführt hatte. Und nein, das konnte er nicht. Zumindest nicht ernsthaft. Zumindest nicht in ihrer Gegenwart.

 

„Okay“, er würde ihr zuliebe probieren, das Grübeln auf die Zeit zu verschieben, in der er allein war. Das war er ihr schuldig, etwas das er für sie tun konnte.

 

„Gut“, damit durchquerte sie die Lobby und trat in Wesleys Büro. „Wesley, was hat dein Heuerika ausgelöst?“

 

„Ich wusste nicht, dass du noch da bist, Cordy“, Wes klang überrascht, Angel konnte den Blick zwischen Fred und ihm beinahe vor sich sehen, bevor der sich wieder auf Cordy konzentrierte.

 

„Ich habe auf Connor aufgepasst.“ Einfache Antwort, ohne weitere Fragen zu implizieren. Wie beispielsweise, warum sie das in seinem Zimmer getan hatte, anstatt sich ihren Freunden hier unten anzuschließen. Oder warum ihre Wangen glühten. Oder warum er ihr nicht folgen konnte.

 

„Ach so, also folgendes, wo ist eigentlich Angel?“

 

„Ich komme.“ Er löste sich aus dem Gefühlschaos, in dem er sich befand und konzentrierte sich stattdessen auf die Fakten. Auf seine zwei Versprechen. Wesley musste einen Weg gefunden haben, um Cordelias Tod hinfällig werden zu lassen. Also hatte dieser desolate Tag doch noch ein Happy End.

 

Angel betrat das Büro und setzte sich auf den Stuhl neben Cordy, Fred und Wesley gegenüber, zwischen ihnen ein Schreibtisch, der unter einem Berg von Büchern verschwand. Beide hatten eine strahlende Miene, das Rätsel war also gelöst. Sein Blick ging zu der Frau an seiner Seite, die seinen Sohn im Arm hielt und einen abwesenden Ausdruck im Gesicht trug. Wo war sie mit ihren Gedanken? Seine Atmung setzte wieder ein, die beiden Gegenüber strahlten nicht nur glücklich, er konnte förmlich die Endorphine in der Luft wahrnehmen. Sein Blick ging zu ihnen.

 

„Also was habt ihr herausgefunden?“

 

„Zuerst einmal, dass dein Instinkt richtig war, deine Vermutungen haben sich bestätigt, besonders der Teil, der diesen Ischtarbund als Bündnis einordnete.“ Wesleys Lächeln wurde kurz entschuldigend, „Das erste Mal wurde dieser Pakt von einer Priesterin geschlossen, die einen Vampir an sich binden wollte und damit auch Erfolg hatte. Durch die Verbindung entsteht eine beiderseitige Abhängigkeit, die - “

 

Er wurde von Fred unterbrochen, “Eine faszinierende Abhängigkeit, Elemente der beiden unterschiedlichen Wesen werden vereinigt. Die körperliche Stärke des Vampirs und dessen Selbstheilungskräfte gehen auf den Menschen über, gleichzeitig behält der seine Resistenz gegenüber Sonnenlicht und dem Wunsch nach Blut. Zumindest bei ersten sind wir sicher. Ein Pflock durchs Herz wird den Menschen nicht töten, aber ein komplett abgetrennter Kopf schon, was aber mit der Natur des Bundes zusammenhängt. Über den Bluthunger haben Wesley und ich verschiedene Meinungen, ich glaube, der Mensch wird den Hunger nach dem Blut seines Partners bekommen, Wesley verneint dies ohne nähere Begründung.“

 

Fred gab Wesley einen harten Blick und setzte dann ihren Monolog fort, „Der Vampir alleine behält seine übernatürliche Sinneswahrnehmung, er riecht, sieht und hört besser. Als eine Art Ausgleich dieser gesteigerten körperlichen Wahrnehmung und vielleicht als Schutz vor dem Vampir, bekommt der Mensch Zugang zu dessen Gefühlswelt, er kann wahrnehmen, was der Vampir will, braucht und vorzieht. Bei dir hat das zur Folge, dass Cordelia zusätzlich Einblick in deine Seele bekommt, in dein Herz. Sie wird wissen, wie du denkst, was du fühlst, liebst und brauchst. Jede Gefühlsregung hallt in ihr wieder. Je länger der Bund besteht, desto intensiver wird diese Vereinigung von Körper und Geist.“

 

Er hatte nicht alles in letzter Konsequenz verstanden, das Fred vor ihm ausbreitete, aber soviel das ein Teil des Ischtarbundes schon begonnen hatte, zwischen Cordelia und ihm zu bestehen.

 

Angel unterbrach Freds Ausführungen, „Weshalb intensiver?“

 

Sie rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl und sah Hilfe suchend Wesley an, der einen Moment zögerte, „Durch das Blut.“

 

Dieser Satz stand einfach im Raum.

 

Angel starrte auf einen Punkt an der Wand, während er die Erinnerungen zurückdrängte. Erinnerungen, an etwas das die drei Menschen, die sich mit ihm im Zimmer befanden niemals verstehen würden. Und er hoffte, dass Connor es ebenso niemals begreifen würde. Wesley blickte Cordelia an, die weiterhin auf Connor sah, während Fred die Tischplatte vor ihr begutachtete.

 

Schließlich brach Cordelia die betretene Stille, „Das ist alles nichts Neues, also warum Heuerika, Wes?“

 

Damit blickte sie den Wächter abwartend an.

 

 

Teil 5

Tacky and irrelevant (So what?)
A permanent reminder that I'm crushed.

 

Cordelia kannte den Tod, kannte Schmerz, Folter und blinden Hass.

 

Aus eigener Erfahrung in jeder Vision spielte sich das ‚Was wäre wenn’ ohne Happy End ab. Sie fühlte, was die Opfer durchleiden würden, wenn sie nicht es nicht verhindern konnten. Wenn sie versagen würden. Wenn sie ihre Mission nicht vollenden würden. Das erklärte das Feuer mit dem sie kämpfte, weshalb sie solange geschwiegen hatte. Sie konnte die Visionen nicht aufgeben, ohne die Menschen in ihnen im Stich zu lassen und das würde sie sich selbst niemals verzeihen.

 

Es war nicht ihre Wahl gewesen, dass Angel von ihrem bevorstehenden Tod erfuhr und zwischenzeitlich glaubte sie, dass es zum Plan der Mächte der Ewigkeit gehörte, dass sie eine Lösung fanden. Weshalb sonst hätten sie ihr Darlas Sicht aufgezwungen, nur um sie in Angels Arme zu treiben? Es machte anders keinen Sinn und Cordelia hatte ihren Glauben in Zufall vor langer Zeit verloren, ungefähr zu derselben Zeit, als Doyle gestorben war und sich ihr eine neue Welt von Schmerz eröffnet hatte.

 

Cordelia hatte viel in den vergangen Jahren freiwillig gelernt und einige Lektionen waren ihr nicht erspart geblieben. Sie hat schnell gelernt, manche Dinge als selbstverständlich zu betrachten, die die meisten Menschen als verrückt oder schlicht unfassbar einstuften. Monster, Magie und Apokalypsen. Sie hat langsam gelernt, manche Dinge nicht als selbstverständlich zu betrachten, die als normal angesehen wurden. Familie, Liebe und das Morgen.

 

„Was erwartest du von mir, Wesley?“ Sie wusste es wirklich nicht. „Soll ich einen hysterischen Anfall bekommen, weil das Ritual impliziert, dass Angel mich als täglichen Snack zu sich nimmt? Komm schon, wir sind beide alt genug, um zu wissen, dass Magie, die für Vampire entwickelt wurde, normalerweise Sex und Blutspiele beinhaltet. Also das ist nicht das Problem, wir benötigen etwas das die Seele verankert und keiner Gefahr aussetzt - das ist unser Problem. Nicht meine Gesundheit, denn wie die Ärzte es mir mit mehr Fremdwörtern bestätigt haben, steht die nicht zur Debatte. Zumindest nicht länger als noch einige Visionen.“

 

Noch mehr Stille und konnte es sein, dass sie tatsächlich das Hintergrundrauschen der Visionen vermisste oder hatten es sich ihre Freunde angewöhnt, in dieses unangenehme Schweigen zu versinken? Keine der beiden Optionen sagte ihr zu.

 

„Wie viel Zeit haben die Ärzte dir noch gegeben?“ Freds Frage sollte ihnen Zeit verschaffen für mehr Nachforschungen, aber Cordy konnte sie nicht länger in dieser Sicherheit wiegen, die nicht existierte.

 

Sie zuckte die Schultern, „Ich bin überfällig.“ Ein schwaches Grinsen und keiner schien den Witz zu verstehen, vielleicht weil es nicht wirklich lustig war. „Meine schlechteste Prognose ist vor acht Monaten eingestellt worden und die beste vor zwei.“

 

Noch mehr entsetzte Gesichter und warum genau führte sie dieses Gespräch eigentlich? Sie kamen keinen Schritt voran, „Also Leute, ich sollte seit mindestens acht Wochen tot sein, kommt drüber hinweg und versucht eure verdammte Lösung auszuarbeiten, denn ich kann mir keine Verspätung mehr leisten. Ebenso wenig wie mitleidsvolles Starren, das ist mein Leben, okay? Ich kann damit tun und lassen, was ich will ohne euch Rechenschaft schuldig zu sein, weshalb ich dieses Geheimnis solange für mich behalten habe, denn genau das, was sich hier gerade abspielt, ist einer der Hauptgründe. Wir haben einen Job zu erledigen, jeder einzelne von uns kennt die Gefahr, die er beinhaltet und wir leben damit.“

 

Ihre Konzentration war bei dem kleinen Bündel Leben in ihrem Arm. Connors Fäuste entspannten und ballten sich in seinem eigenen Rhythmus, selbst im Schlaf wirkte das Baby immer beschäftig. So voll von Leben und Tatenkraft. Anders als sein Vater im Ruhezustand.

 

Dessen dunkle Präsenz momentan an ihr zehrte, ihre besonnene Miene war schwerer zu halten als früher, als sie sich zeitweise einreden konnte, das sich nichts hinter seiner stoischen Fassade abspielte, das mit ihr zu tun hatte. Es spielte sich eine ganz eigene Palette von Gefühlen ab, stärker als sie es von einem Vampir erwartet hatte. Besitzergreifung, Liebe, Unverständnis, Wut und Ohnmacht. Cordelia wusste, dass er auf der Grenze war, wegen ihr. Wegen all der Dinge, die er durch sie gesehen hatte und seiner eigenen Angst sie zu verlieren.

 

Was blieb ihr anderes übrig, als ‚Duh’ zu sagen?

 

Sie wollte nicht sterben. Sie hatte eine Verantwortung gegenüber ihrer Familie, die ihr wichtiger war, als die Mission, aber sie konnte sich nicht dem Unausweichlichem entziehen, nur weil sie es wollte. Nicht ohne einen Plan, der die Visionen mit einschloss oder einem guten Grund.

 

„Seit wann weißt du es?“ Wesleys ruhige Frage schnitt durch den Nebel von Verwirrung, den sie von Angel wahrnahm und sie hatte gedacht, dass sie sich in einem Gefühlschaos befand.

 

„Erinnerst du dich an die Kleider vor Lindseys Abgang?“ Angel nickte und auch Wes gab seine Zustimmung, „Da war die zweite Nachuntersuchung wegen der Endlos-Visionen, die Ärzte stellten fest, das sich der Schaden unerklärlicherweise weiter ausgebreitet hatte seit dem ersten Check. Sie konnten logischerweise keinen Grund dafür finden und schoben es auf eine seltene Form der Epilepsie und gaben die erste Diagnose, dass wenn sich die Rate des Abbaus von Gehirnaktivität nicht verringern würde, ich kein Jahr mehr hätte. Wenn sie sich erhöhen würde, blieben mir weniger als drei Monate. Die guten Nachrichten? Sie hat sich nicht gesteigert.“

 

Ihr positiver Vibe sprang nicht auf die Gruppe über und Cordelia unterdrückte den Seufzer.

 

„Du wusstest es in Pylea und hast nicht die Chance mit dem Groosalug ergriffen?“ Ein irritierter Blick von ihr und Fred holte weiter aus, der Gruppe, vor allem den beiden unwissenden Männern erklärend, „Die Visionen waren laut uralten Prophezeiungen dazu bestimmt auf den Groosalug überzugehen durch das Com-Shuk. Sein Dämonenblut war dazu bestimmt, die Bürde der Visionen zu erleichtern und wir sind wieder bei Blut.“

 

Fred vibrierte förmlich vor schlecht gebändigter nervöser Energie, „Wesley, wenn wir davon ausgehen, dass es nur um einen Champion der Mächte der Ewigkeit ging und nicht speziell um Groo, dann erfüllt Angel alle Voraussetzungen. Einige sogar expliziter als der Pylea-Champion. Besonders den Teil mit dem Absorbieren der Visionen durch das Blut, schließlich ist es das, was ihn prinzipiell am Leben erhält, richtig? Es ist seine Natur.“

 

„Richtig, ein interessanter Punkt, Fred. Phantastisch, das würde die Brücke zurück zum Ischtarbund schlagen. Cordelia, deine letzte Vision, wie lange liegt die zurück? Deine Traumvision nach Darlas Biss war die endgültige Manifestation, richtig? Mit all den plötzlichen Veränderungen durch Connor haben wir gar nicht bemerkt, dass es eine ziemlich lange Zeit ohne Vision verstrichen ist.“

 

„Worauf willst du hinaus, Wes?“ Angel ergriff zum ersten Mal das Wort, seit sie ihr Blut erwähnt hatten und Cordelia war erstaunt, wie normal er sich anhörte, wenn sie die aufbrandenden Emotionen in Betracht zog, die ihr der Vampir durchgehend sendete. Während er ihrer Diskussion äußerlich regungslos zugehört hatte.

 

„Ich denke, vereinfacht ausgedrückt bist du und Cordelia füreinander bestimmt. Die Mächte verankern dich auf ihrer Seite und haben einen Teil des Bundes etabliert durch Darla. Wenn man genau ist, sogar durch Doyle, indem er Cordy zu deiner Seherin machte. Aber dein Sire hat Cordelias Geist für deine Vergangenheit geöffnet, durch deinen Biss hat sich diese Tür geschlossen und gleichzeitig ein neuer Pfad für die Zukunft offen gelegt. Ich mag das Bild von uns als Schachfiguren in einem großen Kampf zwar nicht, aber im Grunde haben sie die Figuren in die richtige Position für die Endphase gebracht oder auf ein neues Level. Wir alle wissen, dass deine Wiedergutmachung ein langer Weg beinhaltet und sie geben dir eine weitere tiefe Verbindung zu den Menschen, die du retten sollst.“

 

„Das ist es? Sie bestimmen einfach, dass wir zusammengehören und voilà Mission komplett?“ Wesleys Gesichtsausdruck bei ihrem Ausbruch hatte etwas nachsichtiges, Cordelia war sich nicht sicher, weshalb sie wütend war, aber ihr gefiel nicht, wie in ihrem Leben herumgepfuscht wurde. Es gefiel ihr ganz und gar nicht. Nicht dass sie sich ein Leben ohne Angel oder die Fanggang vorstellen konnte oder einen Plan B zurecht gelegt hätte, für den Fall, das ihre Aufgabe erledigt wäre. Aber es war eine Sache freiwillig zu bleiben und eine andere zum Bleiben gezwungen zu werden.

 

Angels Lächeln hatte einen sadistischen Zug in sich, „Waren es nicht deine Worte, das dich deine eigenen Entscheidungen hierher geführt haben? Und wenn ich Wes richtig verstanden habe, sind wir weit entfernt von dem Ende unserer Mission, so wie es für mich aussieht, stehen wir so ziemlich am Anfang und du hast dich noch nicht entschieden, ob du bleiben willst, Cordy.“

 

Nicht dass Angel ihr eine Wahl lassen würde, wie seine Gemütsbewegungen deutlich machten. Sie hatte zwar an Reife gewonnen, war aber noch nicht all ihren niederen Instinkten entwachsen. Cordelia unterdrückte den Impuls ihm ihre Zunge zu zeigen, nur weil er ihre eigenen Worte gegen sie verwendete.

 

Trotzdem Zeit ein wenig Salz in die Wunde zu streuen, „Pfft! Das ganze hört sich für mich, wie eine Vernunftehe aus dem Mittelalter an.“

 

Wesleys Lachen war unerwartet, ihren irritierten Blick streifte er mit einem Schulterzucken ab, „Du hast es mit Kräften zu tun, die älter als die Zeit sind, also erschien mir das Mittelalter ziemlich modern.“ Sie konnte nicht gegen ihr Grinsen ankämpfen, Wesley wusste am Besten, wie man sie wieder auf den Boden der Tatsachen bringen konnte.

 

„Wir benötigen sowieso noch einige Tage für die Recherche und Vorbereitungen, das ist zu wichtig, als dass wir es uns leisten können, etwas zu überstürzen oder zu vermasseln. Ich werde meine Ergebnisse mit Giles und Willow gegen checken, wenn das in deinem Sinne ist, Angel.“ Der Vampir nickte trotz seiner Vergangenheit, die ihn mit dem anderen Wächter verband. „Außerdem benötigen wir einige seltene Utensilien und Zutaten, die nicht einfach zu beschaffen sein werden. Ich stelle eine Liste zusammen.“

 

Cordelias Gedanken schweiften ab, Wesley war vollkommen in seinem Element, während er weiter ausführte, welche Ziele sie vorher erreichen mussten, um überhaupt in die Nähe des eigentliche Ritual zu kommen. Das alles hörte sich zu einfach an, okay, nicht dass sie ansatzweise das Ritual oder Bündnis verstand, das sich zwischen ihr und Angel weiter vertiefen würde. Aber es hörte sich simple genug an, um zu funktionieren, einfacher als ihr Tod allemal und sie war sich sicher, dass das der große Plan sein könnte, den sie vorher nicht verstanden oder gesehen hatte.

 

Connors Gewicht auf den anderen Arm verlagernd, kaute sie an ihrer Unterlippe. Sie sollte glücklich sein, dass ihr Problem so gut wie gelöst war und sie war es. Ihr bereitete es keine Sorgen für den Rest ihres Lebens an Angel gebunden zu sein. Der Gedanke hätte sie vor drei Jahren noch schreiend in die Flucht geschlagen, aber Zeiten ändern sich und Gefühle ebenso. Sie vertraute Angel, sie wusste, dass er für sie töten und durch die Hölle und zurück gehen würde, wenn es das war, was sie wollte.

 

Sein Beschützerinstinkt nervte sie zeitweise, zeitweise gab er ihr Komfort. Ihr Vampir war für sie da, egal ob sie wollte oder nicht. Ein weiterer Schatten in ihrem Leben, aber ein guter und was war es noch mal mit ihr und den Untoten? Dennis war bestimmt schon außer sich vor Sorge, immerhin war sie seit zwei Tagen nicht zuhause gewesen. Sie sah einige Stunden Musikterror auf sich zukommen und warum brachte das sie zum lächeln? Gott, wie verdreht war ihre Welt eigentlich, dass sie sich auf ihren Poltergeist und seinen Rachefeldzug freute?

 

Es war einfacher sich darüber Gedanken zu machen, ob sie Dennis die Elvis-CD als Wiedergutmachung mitbringen sollte, auf die der Geist schon seit einiger Zeit spekulierte. Anstatt darüber nachzudenken, wie sie das Summen in ihrem Blut abstellen konnte, dass Angels Attacke in ihr geweckt hatte. Sie war es nicht gewöhnt von ihm dominiert zu werden und hätte nicht gedacht, dass es ihr einen Kick geben könnte, wenn er die Kontrolle an sich riss. Nicht dass ihre eingebrochen wäre, aber sie war so kurz davor gewesen, sich einfach fallen zu lassen und die Konsequenzen zu verdammen, die diese Schwäche mit sich gebracht hätte. So kurz davor.

 

Und das machte ihr Sorgen, wenn sie sich nicht einmal auf sich selber verlassen konnte, wie sollte sie dann Angel vertrauen, dass er nicht nachgab und weshalb ließ allein der Gedanke an ihr Zusammentreffen im Flur, ihr erneut die Hitze ins Gesicht steigen. Und an anderen Stellen.

 

Dass Angels Konzentration langsam von Wesleys Ausführungen auf sie überging und er begann die Witterung aufzunehmen, machte die Situation noch unkomfortabler. Er konnte sie und ihr Verlangen riechen und wie unerträglich war der Gedanke? Dass es ihn auch noch anturnte, war beinahe zu viel.

 

Wesley und Fred schienen nichts von dem subtilen Stimmungsumschwung im Raum mitzubekommen. Ihr Gespräch lief für Cordy immer weiter im Hintergrund ab, bis es zu nichts weiter als einem konstanten Lärmpegel wurde, während Angels dunkler Blick ihre Gestalt nicht losließ. Sie langsam abfuhr, beginnend bei ihren Knöcheln, entlang ihrer bloßen Beine über ihre Hüfte hin zu Connor der sich an ihre Brust kuschelte.

 

Ihr Atem wurde schneller, Gott, was tat er ihr mit einem einzigen Blick an?

 

Cordelia fühlte beinahe seine Hände, wie sie über ihre Haut streiften, obwohl mehr als ein Meter zwischen ihren Stühlen lag. Die neu erworbenen Erinnerungen machten es nicht einfacher, sich seinem Bann zu entziehen, sie wusste jetzt zu was Angel alles fähig war, wenn sie sich ihm ergab. Darla hatte sichergestellt, dass ihr Childe die Bedürfnisse einer Frau in jeder Hinsicht erfüllen konnte. Und der Gedanke sollte eigentlich ihre Laune killen, tat er aber nicht, sondern heizte sie nur weiter an. Wie krank war sie?

 

Ihre Versuche Angels Gefühle abzublocken verliefen ins Leere, ebenso wie die, eine bequeme Position in ihrem Stuhl zu finden. Sie hatte vor langer Zeit aufgehört, Angel als Sexobjekt zu sehen, er war kein Objekt. Egal wie sexuell er sein konnte oder anregend oder erregend. Aber die Mächte hatten sich dafür entschieden, dass sie aus ihrer selbst gewählten Verweigerung auszuwachen hatte und das tat sie.

 

Mit jedem Moment, der verstrich wurde Cordelia sich über seine charismatische Ausstrahlung bewusster, die genügend Frauen wehrlos in die Falle gehen ließ. Er brauchte sie nur aus halbgesenkten Lidern mit diesem halbem Lächeln anzusehen und ihr Widerstand verwandelte sich in Gelee. So wie ihre Knochen. Verdammt, das hier war Angel. Ihr Angel. Derselbe Angel, der beinahe vier Monate bei ihr gewohnt hatte und nichts als Genervtheit in ihr geweckt hatte, weil er ihr Sozialleben ruinierte, eine Leiche auf der Couch war und die Fernbedienung nicht abgeben wollte, obwohl er nicht einmal fern sah.

 

Stereotypisch, huh?

 

Derselbe Angel, der sie jetzt anstarrte, als ob er langsam in sie abtauchen würde und sich dabei genießerisch seine Zeit nahm, jede Sekunde auszukosten. Dessen Atem in demselben Rhythmus kam, wie ihrer, weil er es wollte, weil er seine Sinne auf sie einstellte und sie wusste, dass dies nur ein Vorspiel war und die Hitze im Raum deswegen immer unerträglicher wurde. Vampire hatten diesen seltsamen erotischen Mo-Jo, sie hatte darüber gelesen, aber Cordelia war sich sicher gewesen, dass sie resistent dafür war. Wer wollte schon hypnotisiert werden, wenn er dem Tod ins Auge blickte? Wenn sie genau darüber nachdachte, war der Gedanke gar nicht so unlogisch und sie nicht rationell.

 

Ihr war schwindelig.

 

Hatte sie ihm nicht vor weniger als einer Stunde eine Standpauke zu dem Thema gehalten? Weshalb fiel es ihr schwer, sich ihre Argumente in Erinnerung zu rufen, ohne dass Bilder von nackten Fleisch und wissenden Händen dazwischen kamen, die ihre Sicht auf das eigentlich Ziel trübten?

 

Angels Augen erschienen beinahe golden, trotz seiner menschlichen Gesichtszüge und sie hatten einen neuen Fixpunkt, die Bisswunde an ihrem Hals. Cordelia konnte sein Verlangen, sie zu schmecken beinahe auf ihrer Zunge ausmachen. Das was ihren Schwindel verstärkte und sie richtig bestürzte? Sie wollte es. Sie wollte seinen Körper an ihrem und seine Fänge an ihrer Hauptschlagader und dieses Gefühl von Einssein. Sie entwickelte sich zu einem Vampir-Groupie oder schlimmer Angel-Groupie. Verdammt! Sie war aus dem Alter heraus, in dem man einem mysteriösen Vampir nachstieg, nur weil er einen innerlich zum Beben bringen konnte.

 

‚Komm schon, denk nach, Cordy, denk nach...’

 

„Was?“ Angel knurrte das Wort mehr und nach einem Moment der Konfusion merkte sie, dass es Wesley galt und nicht ihr. ‚Vielen Dank für die Rettung, was war das Thema?’ Sie schüttelte den Kopf um die Verwirrung abzustreifen, mit einiger Anstrengung gelang es ihr.

 

„Angel, laut dieser Schilderung brauchen wir jemand aus deiner direkten Blutlinie und er scheint am meisten geeignet dafür zu sein. Außerdem befindet er sich in Sunnydale und kämpft anscheinend auf unserer Seite, weshalb es nicht schwer sein sollte, ihn von der Notwendigkeit seiner Zustimmung zu überzeugen.“ Das ungute Gefühl in ihrem Magen verstärkte sich, trotz oder gerade wegen Angels Gefühlstumult, was hatte sie bei ihrem kleinen Trip ins sinnliche Nirgendwo verpasst?

 

„Wesley, dir ist klar, über wen wir reden?“ Angel senkte mit einiger Mühe seine Stimme, „Verflucht, Spike? Ich brauche Spikes Zustimmung? Das ist lächerlich.“

 

„Wenn dir Drusilla lieber ist, kannst du sie ja suchen gehen!“, gab der Wächter aalglatt zurück. „Ferner brauchst nicht du seine Erlaubnis, sondern Cordy um genau zu sein.“

 

Oh-oh. „Moment, ich brauche für den Ischtarbund Spikes Segen? Weshalb?“

 

Wesleys Seufzen sagte ihr, dass er es schon mal erklärt hatte, während sie sich aus der Gegenwart ausgezoomt hatte. „Du erinnerst dich, weshalb der Bund erstmalig angewendet worden ist?“

 

„Eine Frau, ein Vampir, die große Liebe – yaddy-yada-yay!“

 

„Und ein Vampir hat gewöhnlich einen Sire, der über ihn bestimmt.“

 

Angel schüttelte ihren ungläubigen Blick mit einem bösen Lächeln ab, „Wir waren nicht das, was man einen konventionellen Vampirclan nennt, aber diese Regel gilt immer. Grab in Darlas Erinnerungen oder meinen.“

 

Cordelia tat es, „Check und Urgh! Also ich brauche seine Erlaubnis, weswegen? Denn so wie ich es sehe, war gewöhnlich Spike derjenige, der das Einverständnis benötigte.“

 

„Nenn es kosmische Gerechtigkeit, aber da Angels Ahnen nicht mehr existent sind, fällt dieses Privileg Spike zu. Er muss zustimmen, damit der Bund seine Wirksamkeit erhält. Er tritt als Repräsentant für den Orden des Aurelius sozusagen seine Rechte Angel gegenüber an dich ab und verlangt deine Treue gegenüber der Vampirfamilie.“ Angels Knurren unterstrich recht eindeutig, was er von Wesleys Wortwahl hielt. „Du wirst Angels erste Verantwortung und erst dann kommt sein Clan, Spike akzeptiert diese neue Hierarchie, die der Bund aufstellt“, milderte er etwas holprig ab. 

 

Jeez, das Ganze nimmt tatsächlich die Konturen und Ausmaße einer Hochzeit an, sollen wir die Scoobies zu den Festlichkeiten einladen, Angel?“ Der Sarkasmus tropfte von jeder Silbe.

 

„Cordelia, das Ganze kommt so nah an eine normale Hochzeit heran, wie du sie jemals erleben wirst und geht gleichzeitig so viel weiter darüber hinaus.“ Wesley meinte es absolut ernst. Nach einer kurzen Pause lehnte er sich auf seine Ellbogen und faltete die Hände, das hier würde länger dauern.

 

„Ich will, dass du dir über die grundlegenden Konsequenzen im Klaren bist, die dieser Bund für dein Leben beinhaltet. Du wirst nicht sterben oder altern, aber du wirst nie wieder ohne Angel leben können, du bist abhängig von ihm. Er kann den Bund lösen und dich sterben lassen. Du nicht. Wenn er stirbt, bist du ebenfalls tot. Wenn er verletzt ist, wirst du es spüren. Wenn er verärgert ist, wirst du es fühlen. Wenn er in Not ist, wirst du versuchen ihn zu retten. Nicht das sich hierbei viel für euch beide ändern wird.“ Wes’ Lächeln hatte einen Hauch von Melancholie in sich.

 

„Was sich ändert, ist die Ebene der Intensität“, einen unsicheren Blick in Freds Richtung später, fuhr Wesley unbehaglich fort, „und der Intimität. Angel wird dein Blut erflehen und deinen Körper. Der Dämon in ihm erkennt dich als seine Gefährtin an, allumfassend, mit jedem seiner vampirischen Instinkte, worauf wir spekulieren und hinarbeiten ist, dass seine Seele, in dir verankert wird. Wenn du stirbst, wird er seine Seele verlieren, das ist der größte Schwachpunkt unseres Planes soweit. Etwas das Willow mit ihren Fähigkeiten hoffentlich ausmerzen kann und wie du es so schön ausgedrückt hast, dieses magische Ritual involviert Sex und Blutspiele, weil nur diese beiden Komponenten stark genug sind, um zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen und um eine weitere Variable hinzuzufügen: Spike!“ Ihr Stöhnen wurde mit einem milden Blick seinerseits bewertet.

 

„Du wirst am Ende Halbdämonin sein, ein Teil deiner Menschlichkeit für Angel opfern, ohne Zweifel. Weshalb ich dem Ganzen überhaupt zustimme, weil es vom Standpunkt eines Wächters schlichtweg verrückt ist, ist weil ich euch beide kenne. Ich weiß, dass Angel dich braucht, liebt und beschützt, wenn nötig vor sich selbst.“

 

Wesley rang sich die nächsten Worte regelrecht ab, „Und ich dich ebenfalls nicht verlieren will. Gott, Cordy, warum zur Hölle hast du uns das Ganze überhaupt solange verschwiegen?“

 

Der Knoten in ihrer Kehle war mit einem Mal da und was sollte sie ihm antworten? Weil sie egoistisch war? Eine Bitch und stolz darauf? Weil sie nicht den Schmerz sehen wollte oder die Verzweiflung? Weil geteiltes Leid nicht unbedingt halbes Leid ist, sondern manchmal einfach nur alles soviel schwerer macht? Weil ihre eigene Hoffnungslosigkeit ihr nur diesen einen Weg gezeigt hatte, vorzuspielen, dass alles in Ordnung war und dieses Mantra, ‚Mir geht es gut!’, irgendwann ihr Leben bestimmte und sie solange daran glauben konnte, bis die nächste Vision sie traf.

 

Sie entschuldigte sich nicht oft in ihrem Leben für etwas, einfach weil sie selten Grund dafür sah und sie eigentlich auch jetzt nicht wusste für was genau sie sich rechtfertigte und die Schuld auf sich nahm. Aber die Worte waren aus ihrem Mund, bevor sie sie zurückhalten konnte. „Es tut mir leid.“

 

Und für den Bruchteil einer Sekunde dachte sie, dass Wesley und sie in Tränen ausbrechen würden, bevor die Realität sie beide zurück hatte und es stattdessen Fred war, die aus dem Raum stürmte, um irgendwo all die Tränen zu weinen, für die Wes, Angel und sie keine Verwendung hatten.

 

Nach einem kurzen Moment des Schocks war es schließlich Wes, der ihr langsam folgte und Angel der sich leise neben sie stellte, die Finger in ihrem Haar vergraben und eine ruhige Zuversicht ausstrahlte, die sie wie eine Decke einwickelte. Sie sich mit dem Hinterkopf gegen seinen Oberschenkel lehnte und sich fragte, wann dieser Psycho-Vampir zu ihrer Stütze geworden war und es zu weit in die Vergangenheit reichte, um sich noch Sorgen um die Konsequenzen für die Zukunft zu machen.

 

„Alles wird gut“, die Aussage weckte seltsamerweise kein Hohn in ihr. „Und wenn ich dafür jede Macht der Ewigkeit persönlich einschüchtern und in den Arsch treten muss.“ Dieser Teil davon schon.

 

Ihr leises Lächeln war die einzige Antwort, Melodrama huh? Doch nicht bei ihnen.

 

Sie waren nur das ganz normale Seherin/Champion-Gespann, das man an jeder Straßenecke traf. Mit Kye-Rumption, Moira, jeder Menge anderer Probleme und einem hungrigen Baby, „Dein Turn, Angel.“

 

 

Teil 6

I said so, look closely,
there might be something you'd like.
What was it like?

 

Angel war nervös.

 

Er hasste es, sich das einzugestehen, aber verdammt, er war nervös wie ein Frischling vor dem ersten Kill und weshalb hatte er das Gefühl, das halb Sunnydale in wenigen Minuten sein Hotel in Beschlag nehmen würde. Willow in Ordnung, kein Weg führte an der mächtigen Hexe vorbei, wenn sie sicher gehen wollten, dass alles richtig und vor allem nach Plan ablief. Wesley war zu einfachen Sprüchen und Beschwörungen fähig, aber das hier befand sich weit außerhalb seiner Liga. Spike, laut ihren Recherchen ein essentieller Teil des Zaubers, war ebenfalls notwendig. Aber weshalb Buffy sich den beiden anschloss, er hatte keinen Schimmer.

 

Okay, keinen Schimmer, der kein Melodrama mit einschloss, Tränen und Schuldzuweisungen.

 

Nun war seine erste Liebe also auf ihrem Weg in sein Heim und er konnte sich nicht erklären, warum es ihm nicht passte. Innerlich hieß er sogar Spike mehr willkommen als Buffy. Er hätte neutralen Grund vorgezogen, wirklich, so wie bei ihrem letzten Treffen.

 

Ihr letztes Zusammentreffen, das nicht gerade einfach verlaufen war, geschweige denn gut.

 

Sie verwirrt, frisch aus dem Grab und er mit der Realisation beschäftigt, dass er für Cordy gefallen war. Hart. Nicht viel über das sie reden konnten, außer dass er nicht bereit war für die Jägerin seine Mission in LA zu vernachlässigen. Folglich jede Menge Potential für Drama und darin waren sie beide schon immer Champions gewesen, neben dem Kampf für das Gute. Er hatte dieses Meeting so gut es ging, aus seinem Gedächtnis gestrichen. Dass sie es ähnlich gehandhabt hatte, davon war er überzeugt.

 

Das Hyperion schien seine Stimmung widerzuspiegeln, jeder beschäftigte sich mit irgendetwas nur um nicht den Eindruck des Wartens zu vermitteln. Außer Lorne, der mit einer Seabreeze auf der Couch bei Wes’ Büro saß und sein nachdenkliches Lächeln schon seit Stunden trug, während er seine Aufmerksamkeit von einer Person zur anderen schweifen ließ, nebenher Connor babysittete, Windeln wechselte, Fläschchen verabreichte und ab und zu ein Wiegenlied summte. Wahrscheinlich war der grüne Dämon, der einzige hier, der im Augenblick tatsächlich beschäftigt war.

 

Fred und Wesley checkten zum scheinbar hundertsten Mal noch einmal die Ergebnisse der Recherche gegen und Gunn schärfte seine Axt mit einer Präzision und Ausdauer, die weiter an Angels Nerven zerrte. Cordy war mit ihren eigenen Vorbereitungen beschäftigt und weshalb dauerte das so verflucht lange? Angel wusste sowieso, was er erwarten konnte, ihr Queen C Stil. Vollkommenheit bis zur letzten Haarspitze, um nur keinen Raum für Unsicherheiten gegenüber Buffy zu zulassen.

 

„Bin ich zu spät?“ Angel drehte sich zu der Eingangstür, der er bei seiner unablässigen Tour durch die Hotelhalle gerade den Rücken zugekehrt hatte und er wurde nicht enttäuscht.

 

Cordelia in all ihrer Glorie war ein Anblick, bei dem sogar er schlucken musste. Stilsicher und extravagant, ohne overstyled zu wirken. Perfektes Make-up, perfekte Frisur, perfektes Outfit. Königsblaue Naturseide in einem schlichten Schnitt verarbeitet, der genug Bein zeigte, um zu beweisen, dass sie es sich leisten konnte und wenig genug, um zu überzeugen, dass sie darauf nicht angewiesen war. Ihr Geschmack war einzigartig und er war sich für einen unangenehmen Moment darüber bewusst, dass er als Vampir eigentlich zuviel von Kleidern und Farben verstand, um sein Macho-Image zu wahren. Er würde später etwas langsam töten müssen, um mit sich selber ins Reine zu kommen. Gute Aussichten.

 

Sein Lächeln folgte beinahe selbstverständlich. „Nein, sie sind noch nicht da.“

 

„Gut“, sie ließ die Stufen hinter sich, strich einmal über Gunns Glatze, hing ihren Mantel, an den angestammten Platz, warf Lorne ihr 100-Watt-Lächeln zu, gab dem schlafenden Connor den üblichen Begrüßungskuss, winkte Wes und Fred zu, holte sich einen Kaffee und setzte sich an ihren Laptop.

 

Dass der Kaffee weniger wegen des Koffeins gebraucht wurde, sondern um die Routine beizubehalten, wusste Angel. Er kannte sie. Kannte jedes Detail ihres Begrüßungsrituals und sie ließ keine Unwichtigkeit aus. Das einzige, das sie verriet, war ihr Herzschlag und Angel musste ihr zugestehen, dass er wahrscheinlich mehr Nervosität ausstrahlte als sie. Er ließ die kurze Distanz hinter sich, Lornes amüsierten Blick abschüttelnd und sich auf das eigentlich Wichtige konzentrierend.

 

„Wie fühlst du dich?“

 

Ihre Stirn kräuselte sich, nach einem kurzem Moment, „Ich weiß nicht“, widerwillig, „merkwürdig?“

 

Er nickte aufmunternd, es war besser ihr zuzuhören als sich selbst noch mehr Gedanken zu machen. Die Fallakten auf dem Schreibtisch beiseite schiebend, setzte er sich, die Eingangstür im Sichtfeld.

 

Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort, als ob sie automatisch versuchte ihm Antwort auf seine eigene Verwirrung zu geben, „Die letzten beide Tage kommen mir unreal vor, all die Vorbereitungen für ein einziges Ritual, das mehr Zeit verschlingt als einer unserer üblichen Fälle und wenn Wesley uns nicht gerade separat durch die Stadt hetzte oder Beschwörungen eintrichterte, blieb wenig Zeit zum Nachdenken und das war okay. Ich will nicht darüber grübeln, denn hey, dafür habe ich dich.“ Sie warf ihm ein halbes Lächeln zu, das sogar ihre Augen erreichte. „Aber heute, ich meine, ich hatte den ganzen Tag Zeit und das war einfach zu viel Ruhe nach all der Hektik, um nicht fahrig zu werden.“

 

„Mmh“, er wusste, was sie meinte. Die Stille vor dem Sturm hatte eingesetzt, jedem hier war dieser Gedanke anzusehen. Spike war nicht die einzige Variable in dieser Konstellation. „Du bist wegen ihr besorgt?“

 

„Ja - nein, ich meine, Angel, ich war damals in Sunnydale dabei. Lange und nahe genug, um zu wissen, dass man diese Art von Liebe nicht einfach zu den Akten legt und den Fall damit abschließt, nur weil es im wahren Leben nicht funktionieren kann. Aber sie hat genügend im letzten Jahr durchgemacht, Glory und die Verantwortung für Dawn, den Tod ihrer Mutter, verdammt, ihr eigener Tod nicht zu vergessen. Ich verstehe nicht, weshalb sie sich das hier freiwillig antut.“

 

„Vielleicht braucht sie diesen Abschluss.“

 

Angel teilte Cordys Besorgnis zu einem gewissen Grad, vor allem hatte er Buffys aschfarbenes Gesicht vor Augen und das Gefühl im Herzen, dass er damals in diesem Moment lebendiger als die Jägerin gewesen war. Nachdem er ihr mitgeteilt hatte, dass sie stark genug war, diese Situation selbst zu handhaben. Dass sie ihn nicht brauchte, um zu kämpfen und weiterzuleben. Dass er in LA benötigt wurde. Dass er eine Verantwortung hatte. Dass er seine neue Familie nicht einfach im Stich lassen konnte, nicht erneut. Nicht ohne sie zu verlieren.

 

‚Sind sie dir wichtiger als ich, Angel?’, diese Kleinmädchenstimme, der er so gut wie nie widerstehen konnte, nicht ohne dass sein Herz davon zerrissen wurde, mit dieser einen Ausnahme.

 

‚Ja.’

 

Buffy hatte ihn nicht gefragt, ob er einige Tage in Sunnydale bleiben konnte. Darüber waren sie sich beide bewusst und sie hatte auch nicht weiter nachgehackt. Die Tränen waren im Laufe der Zeit getrocknet, von denen er hoffte, dass sie diese irgendwann vergossen hatte, denn alles was sie ihm als Antwort gab, war ihr steinernes Gesicht, als sie aufstand und langsam aus dem Coffee Shop in die Nacht verschwand.

 

Tonlos, spurlos, machtlos.

 

Wie ein Geist aus seiner Vergangenheit, der zu wenig Kraft hatte, um ihn heimzusuchen.

 

Cordys Hand auf seinem Oberschenkel brachte ihn in die Gegenwart zurück, sollte ihm Trost geben, er wollte ihr sagen, dass er nicht wegen, sondern für Buffy traurig war. Stattdessen nahm er sie einfach zwischen seine Hände, sie verschwand in seinen, schien so zierlich in seinen Pranken und dennoch voller Leben. Pulsierend. Ein konstantes Pumpen und Rauschen, die gleichmäßigen Atemzüge und Cordys Geruch. Er liebte es, in ihr Abzutauchen und in Augenblicken wie diesem erschien das Leben einfach.

 

Geordnet in eine Abfolge von einheitlichen Bewegungen. Im harmonischen Rhythmus. Sie füllte ihn aus, ersetzte die Leere in ihm mit ihrem Leben. Nicht durch ihr Blut, sondern durch ihre einfache Anwesenheit.

 

Spikes dramatischer Eintritt mit rauchender Decke, klirrenden Glasscheiben und lautem Fluchen zerstörte effektiv das Idyll, das sich langsam in Angel aufgebaut hatte im Bruchteil einer Sekunde. Noch bevor dieser in der Mitte der Halle zum Stehen kam und die Decke abwarf.

 

Immer noch derselbe nervende Trottel, nur jetzt in den Duft der Jägerin getaucht, unter dem Geruch von seinem verbrannten Fleisch. Das Knurren war Instinkt, so wie das Anspannen der Muskeln und Cordys überraschtes Keuchen löste die Starre. Vielleicht war die Bereitwilligkeit von Sunnydale ihnen bei diesem Fall auszuhelfen, doch eine Art Rückzahlung.

 

Spike und die Jägerin? Schwer vorstellbar, aber nicht unmöglich. Vielleicht war Buffy gar nicht so sehr auf einen Abschluss aus, wie auf einen kleinen Rachefeldzug ihrerseits. Vielleicht interpretierte er auch zuviel in Details.

 

„Ah, da sind ja unsere Turteltäubchen“, Spikes Ausdruck war glatt. Zu glatt. „Und hier ist die Kavallerie, die den Weg ins Bett ebnet.“ Schon eher eine Aussage, die er seinem Grand Childe zuordnete.

 

Angel erwiderte den herausfordernden Blick unbewegt.

 

„Spike, wir hatten ausgemacht, dass du warten sollst bis ich durch die Tür bin, was ist dein verdammtes Problem?“

 

Angels Grinsen kam langsam und überlegen, während er den Blick nicht von seinem Grand Childe löste und Buffy ihre Tirade weiter ausführen wollte, schnell die Distanz zwischen ihnen verringernd, aber von Spike unterbrochen wurde. „Es ist nicht so, als ob es einen Unterschied in meinen Verbrennungen gemacht hätte, wer zuerst durch die Tür stürmt, die Strecke bleibt dieselbe, Luv. Oder habe ich deinen großen Auftritt vermasselt?“

 

Die erhobene Augenbraue war eine einzige Provokation, die Buffy geflissentlich übersah, indem sie sich ihnen zuwendete. „Angel.“ Ein Nicken. „Cordelia.“ Die Frau neben ihm, stand auf und löste ihre Hand aus seinen.

 

„Hi Buffy.” Ein höfliches Lächeln von ihr später, “Spike”

 

Playmate.“

 

In dem Moment brauste Willow herein, eine Woge aus roten Haaren und eine Umarmung später, fühlte Angel sich wieder halbwegs in Kontrolle der Situation. Die allgemeinen Begrüßungsfloskeln und Vorstellungen schwirrten durcheinander, kurze Erklärungen, wer wann wie zu ihrem Team hinzu gestoßen war. Umarmungen und Händeschütteln. Lachen und während all dem Trubel, den Willow mit ihrer nervösen Energie verursachte, hatte er Cordy aus den Augen verloren, als er sie fand, stand sie hinter der Rezeption ihr gegenüber Spike. Sie bot ihm die Brandsalbe an und wie Angel vermutete, vollkommen ohne Grund, der lehnte ab und sie bekam ihren gebieterischen Ausdruck, von dem Angel aus eigener Erfahrung wusste, das Widerstand zwecklos war.

 

Die Tube aufschrauben, gestikulierte sie auf Spikes Hände, weiter auf ihn einredend, der zuckte abwehrend mit den Schultern, bevor sie sein Handgelenk packte und die Salbe auftrug. Eine halbe Minute später war sie kopfschüttelt auf dem Weg zum Badezimmer, während Spikes entgeisteter Blick zwischen seinen Händen und ihrer verschwindenden Figur hin und herwanderte.

 

Die Frage, was zur Hölle gerade eben passiert war, deutlich in seinem Gesicht.

 

Angels Lächeln war echt, als er sich wieder dem allgemeinen Chaos vor ihm zuwandte und Buffy direkt vor ihm stand. Sie sah besser aus, als die hilfsbedürftige, heimgesuchte Vision von ihr, die ihn zeitweise um den Schlaf gebracht hat. Die Wangen rosig und in den Augen ein grünes Feuer, wenn auch tiefer unter Schatten versteckt, als er es von ihr gewöhnt war. Sie war erwachsen geworden. Genauso wie Cordy.

 

„Du hast dir hier ein Leben in LA aufgebaut. Ein ziemlich kompliziertes mit einigen Menschen, die von dir abhängig sind.“ Ihr Blick ging zu der Gruppe vor ihnen und Angel war sich nicht sicher, worauf sie hinaus wollte.

 

„Dasselbe gilt für dich in Sunnydale, schon immer.“ Sie passiv anschauend, wartete er auf ihren nächsten Satz.

 

„Ich sehe das jetzt ein.“ Und damit war sie aus seiner unmittelbaren Nähe verschwunden mit Slayergeschwindigkeit, mit zusammengezogenen Brauen verfolgte er ihren Weg zu Willow.

 

Neben ihm tauchte Cordelia auf, eine ruhige Präsenz an seiner Seite. „Lief es besser als erwartet?“

 

„Ja, ich denke, wir können uns jetzt aufs Wesentliche konzentrieren.“ Angel hatte vergessen, dass so wenig Menschen so viel Lärm produzieren konnten.

 

„Rechercheparty!“ Cordys geheuchelt enthusiastische Stimme unterbrach das Stimmengewirr. Aus verschiedenen Richtungen war ein unterdrücktes Stöhnen zu hören und Wesley schleifte Willow bereits in ein Gespräch vertieft in sein Büro, während Gunn und Fred ihnen mit etwas Abstand folgten.

 

„Angel, auf deiner Couch befindet sich ein seltsam angezogener grüner Dämon mit einem Baby auf dem Arm.“ Buffys Stimme war an der Grenze zu ihrem Jagdton.

 

Sich für einen Moment fragend, wie Lorne es geschafft hatte, bis jetzt unbemerkt zu bleiben, weil Tarnung so gar nicht in seinem Naturell lag, stellte Angel schnell vor, „Das ist Lorne mit Connor. Meinem Sohn.“

 

Spikes Interesse war augenblicklich auf dem Säugling. „Holy Shit! Dru hat nicht gesponnen, als sie DAS erwähnte. Ich fass es nicht.“ Er war augenblicklich auf dem Weg zur Couch, als Angel sich instinktiv dazwischen stellte.

 

„Wir haben es hier mit einem ernsthaften Papa Bär zu tun, Angelcakes, stell’ dich nicht in den Weg einer Familienzusammenkunft der besonderen Art, gegen die du eh machtlos bist. Spike ist sicher, keine Absicht den Kleinen zu verletzen, auch wenn ich nicht für deine Person sprechen kann.“

 

Cordelia schob ihn grollend aus dem Weg, platzierte sich auf einem der Sessel, während er sprungbereit blieb und Spike setzte sich neben Lorne, der ihm das Baby ohne weitere Umstände auf den Arm legte. Die Panik im Gesicht seines Grand Childe war beinahe genug, dass Angel sich entspannte. Beinahe.

 

„Du musst sein Köpfchen stützen“, kam die unweigerliche Anweisung von Cordelia.

 

Spike folgte ihrer Anweisung ungelenk und Connor begann sich weniger zu winden, schien tatsächlich interessiert in seinem Gegenüber. Während Spike begann sich zu entspannen, „Er hat Darlas Gesicht, ein Glück für ihn, die Welt ist genug gestraft, wenn einer mit so einer Fresse wie deiner rum läuft.“

 

Cordelias verschwörerisches Grinsen, das sie mit Lorne austauschte, konnte man ohne weiteres als amüsierte Zustimmung einordnen. Vielleicht genoss sie auch nur Spikes gehässige Bemerkung oder den Angriff auf sein Ego. Bei Cordy konnte man sich nie sicher sein.

 

Die blauen Augen des Babys starrten neugierig in die des Vampirs, obwohl er eigentlich nicht dazu fähig sein sollte, mehr als Konturen wahrzunehmen. Dann folgte ein markerschütterter Schrei, der die Panik schlagartig zurück in Spikes Haltung brachte.

 

„Wag es nicht, ihn fallen zu lassen, William.“ Spikes Kopf schnellte bei diesem Namen in seine Richtung.

 

„Was hab ich falsch gemacht? Ich hab doch gar nichts getan“, Spike klang defensiv und Angel ahnte, wo das Problem lag.

 

„Setz dein Game Face auf.“

 

Wa-as?“

 

Cordelia grinste, „Er mag das, aus was für Gründen auch immer.“

 

„Unser Baby hat ein unverfälschtes Gespür für die wahre Natur der Dinge, Prinzessin“, Lorne lehnte sich entspannt zurück. Einen verwirrten Blick in die Runde, der länger bei Buffy hängen blieb und Spike vampte aus und Connors Schrei begann abzuebnen.

 

Spike gab sich nicht die Blöße, in diese sinnlose und äußerst dumme Babysprache zu verfallen, die Connor in jedem, einschließlich seinem Vater weckte, aber er konnte seinen amberfarbenen Blick auch nicht lösen. Angel ließ seinen schließlich zu Cordy gleiten, die ihren ‚Ich hab es dir doch gesagt’-Ausdruck trug und er zuckte die Schultern.

 

Angel hatte Babys getötet und Spike bei genügend Anlässen, dasselbe tun sehn; Vorsicht war angebracht, trotz oder gerade wegen ihrer gemeinsamen Vergangenheit.

 

Ihm fiel erst auf, dass Buffy sich zu den anderen gesellt hatte, als Angel sie in Wesleys Büro neben Gunn stehen sah. Spike war sich trotz der gefesselten Aufmerksamkeit darüber bewusst, „Du bist ein glücklicher Bastard, ist dir das klar, Angelus?“

„Yeah.“ Nach einer kurzen Pause, „Kann ich dies als deine Zustimmung werten?“

 

Spike ließ sich Zeit mit seiner Antwort, als ob er wirklich noch einmal die Optionen abwog und gegeneinander antreten ließ in dem Minenfeld, das Angel als seinen Geist ansah. Schließlich nachdem er seinen Blick von Connor über ihn und letztendlich zu Cordelia schweifen und dort liegen ließ.

 

An ihrem Hals und seinem neuen Mark, kam Spikes Antwort. „Wenn du nicht gedenkst und wagst meinen Claim an ihr zu überschreiben, wie du es mit Darlas getan hast, dann ja.“

 

Angel kam nicht über das Knurren eines „Wie –" hinaus, bevor er von Spike Gelächter unterbrochen wurde.

 

„Nicht deine bevorzugte Stelle, Angel“, kommentierte etwas widerstrebend Cordelia schließlich Spikes merkwürdige Intuition und der nickte ihr anerkennend zu. Was zur Hölle ging zwischen den beiden vor, mit Lornes wissendem Grinsen in dem Mix überkam Angel allmählich das Gefühl einer Konspiration gegen ihn.

 

Spikes Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf ihn, „Angelus, sieh es als Fingerabdruck, der egal wie perfekt er ist, eindeutig an der falschen Stelle platziert worden ist, um ursprünglich und instinktiv von dir zu sein. Zumindest nicht als Claim. Und wenn ich meine, dass mein Claim bestehen bleiben soll, dann intakt und vollkommen, okay? Kein weiterer Versuch in diese Richtung, kein Überschreiben, sonst werde ich meinen Part in dem Voodoozauber, den ihr hier veranstalten wollt, nicht durchziehen und wir alle wissen, wie tödlich das enden kann.“

 

Mit dem Gefühl, dass die Lücke, die er in Spikes Involvierung, in das Ritual gefunden zu haben glaubte, soeben effektiv geschlossen wurde, gab Angel ein widerstrebendes Nicken von sich. Der Gedanke bis in alle Ewigkeit an sein Grand Childe erinnert zu werden, behagte ihm nicht, aber der Gedanke diese besagte Ewigkeit ohne Cordelia zu erleben, brachte ihn schon ihm Ansatz um.

 

Er würde fair spielen, auch wenn es für Spike nichts weiter als subtile Rache an ihm war und der hatte ausreichend Gründe sich zu revanchieren und noch viel weniger, um fair zu spielen. Und weshalb genau war Spike eigentlich so verdammt wichtig für dieses Ritual? Angel kam der Gedanke, dass er mit Drusilla einer vernünftigeren Variablen gegenüberstand als Spike. Einer die er eher kontrollieren konnte.

 

Vielleicht war es noch nicht zu spät, um sich auf die Suche nach seinem Childe zu machen. So wie er Dru kannte war sie in Mexiko, er konnte sie in weniger als einer Woche ausfindig machen. Es war den Versuch wert, sie würde mit Sicherheit nicht verlangen, dass er ihr Mark an Cordelias Hals erhalten würde. Der Gedanke gefiel ihm.

 

Die Stille zwischen ihnen zog sich in die Länge, während er seinen Gedanken um verlorene Childer nachhing. Cordelias Räuspern unterbrach sie schließlich, kurzfristig. Nach einigen Sekunden, „Wir sollten das Emblem des Orden des Aurelius ändern.“

 

Angel war sich nicht sicher, ob er richtig gehört hatte, nach einem Blick zu Spike, der ähnlich verblüfft, die Frau an seiner Seite anstarrte, „Du kannst nicht einfach ein Jahrhunderte altes Symbol ändern, Cordy und vor allem nicht ohne Grund.“

 

„Weshalb nicht?“ Cordelias pragmatisches Statement erwischte sowohl ihn, als auch Spike kalt.

 

Ihre irritierten Blicke beantwortend, setzte sie nach, „Den Armageddon-Touch, den es enthält missfällt mir, ebenso die Bedeutung und nebenbei bemerkt, liegt es in euren Händen, richtig? Ihr seid die verbleibenden Meistervampire, zumindest die halbwegs geistig klare Fraktion und mit Darla, die ihr Leben für Connor gab und euch beiden, die ihr beide für die gute Seite kämpft, erscheint es mir falsch ewige Finsternis in unserem Banner umher zu tragen.“ Ihre Augenbraue hob sich, bei den fragenden Gesichtern. „Ihr wisst wofür die Sonne und der Kreis in eurer Standarte stehen?“

 

Spike zuckte desinteressiert die Schultern, Angel versuchte sich an die Geschichtsstunden seines Sires zu erinnern, nur um festzustellen, dass er sich selbst normalerweise aus eben diesen Unterhaltungen ausgezoomt hatte. Nicht interessiert an Geschichte und noch weniger an Geschichten, die den Meister involvierten. Darlas Neigung sie mit ihm zu teilen, konnte einfach unterbunden werden, indem er sie beschäftigte, den Weg, den er bevorzugte.

 

Angel versuchte die Fakten zusammenzubekommen. „Es ist Teil einer uralten Prophezeiung, das unsere Linie fähig sein wird, im Sonnenlicht zu bestehen, es zu umarmen und dies uns über die anderen Vampirclans erhebt. Wir am Ende die Unterwelt beherrschen und uns unseren Weg, in die Welt zurückerkämpfen.“

 

Spikes Lachen brandete auf und Angel gab ihm ein irritiertes Grollen.

 

„Ein wenig ironisch, denkst du nicht?“ Sein Blick ging zurück zu dem Baby in seinem Arm, „Oder hat er ebenso eine Sonnenallergie und mit dem Cheerleader, der ziemlich bald ebenfalls in die Familie aufgenommen wird, wären es schon mal zwei Mitglieder, die diese Voraussage erfüllen. Plus wir zwei, die auf täglicher Basis unsere eigene Art bekämpfen und somit metaphorisch auf der Sonnenseite stehen und uns außerdem mit dem ‚Feind’ eingelassen haben, im biblischen Sinne. Soll ich die Liste fortführen oder reicht es, wenn ich mir einfach vorstelle, wie der Meister auf diese Auslegung der Prophezeiung reagiert hätte?“

 

Angel erwiderte Spikes Grinsen. Der Gedanke war in der Tat lustig.

 

Ein anderer weniger und der ließ ihn verblüfft zurück, während er die Verbindung zusammenklicken ließ, die ihn vorher nie in den Sinn gekommen war.

 

„So was hat denn die Sonne und der Kreis deiner Tätowierung zu bedeuten, Cordy?“ Sie blickte ihn überrascht an. „Komm schon, du kannst nicht verneinen, dass eine gewisse Ähnlichkeit zu dem Ordensemblem besteht, wenn man beide vergleicht. Weniger hoffnungslos und düster, aber die Entsprechung ist die gleiche. Du hast mir nie erzählt, wie genau du zu dem Symbol gekommen bist.“

 

„Zuerst einmal ist bei mir die Sonne nur ein Teil des Symbols, die andere Hälfte ist mit dem Mond ausgefüllt und zweitens ist der Kreis Teil eines Kompasses. Und es gibt keine größere Geschichte dahinter, nachdem ich erfahren hatte, dass meine Eltern ihr gesamtes Vermögen verloren hatten, brauchte ich eine Veränderung. Mein Umzug nach LA verstärkten den Wunsch danach und eines Tages sah ich es in einem kleinen Tätowiershop, ich wusste es gehört zu mir und drei Sitzungen später hatte ich es in Perfektion auf meinem unteren Rücken. Okay, der Typ, der es mir verpasst hat, war merkwürdig, aber das ist jeder Tätowierer und die Tatsache, dass der Shop schloss, nachdem es vollendet war, ist hier in LA keine Überraschung. Lorne, hör auf zu Lachen, es wird angsteinflößend. Und okay, ihr könnt euer verdammtes Symbol behalten.“

 

Der Pylear nahm einen weiteren Schluck seiner Seabreeze, bevor das unweigerliche „Kye-Rumption!“ von seinen Lippen kam.

 

Kye-was? Oh, egal! Kann ich die Tätowierung sehen?“ Spikes Aufmerksamkeit war wieder einmal von Connor gelöst.

 

Angels Hand war in einem Lidschlag auf Cordys Schulter, ihre Reaktion mit der Geste unterbindend, „In deinen Träumen, Spike.“

 

„Oh, wir wollen uns doch nicht wirklich auf meine Träume konzentrieren, wollen wir? Denn wie wir beide wissen, habe ich die Tendenz für deine Frauen zu fallen und ein Blick würde mir mit Sicherheit nicht ausreichen.“ Sein spielerischer Unterton hatte eine seltsame Schärfe und er legte das Baby vorsichtig in die Wiege, bevor er die Distanz zwischen ihnen schloss. „Mein Deal steht, mein Claim bleibt unangetastet bestehen und ich spiele den netten Vampir in eurem Ritual. Du versuchst irgendetwas, um mich zu linken und du bereust es. Sieh es als Rückzahlung für Dru und Buffy, Deal?“

 

Er wollte nicht, verflucht, aber er hatte keine Wahl. „Deal.“

 

„Gut“, damit folgte er dem Slayer in Wesleys Büro.

 

„Du kannst es ihm nicht verübeln, Angel.“

 

Cordys Worte brachten ihn in die Gegenwart, „Wärst du an seiner Stelle, seelenlos und nicht zu erwähnen, die anderen Dinge, die zwischen euch stehen, du würdest es nicht einmal in Betracht ziehen.“ Nach einer kurzen Pause, „Okay, du würdest mit größter Freude die Kopfschmerzen in Kauf nehmen, um meine Kehle herauszureißen und dich in Connors Blut baden, nur um die Niederlage in den Augen deines Gegenübers zu sehen.“

 

Sein Blick ging zu der Frau an seiner Seite, wie schaffte sie es, die Taten seiner Vergangenheit so unverfangen zu den unmöglichsten Zeiten heraufzubeschwören? Er wollte wütend auf Spike sein. Er wollte kein Mitgefühl für ihn. Er wollte ihn seinen Platz zuweisen und verdammt, sie wusste es zu genau. „Er hat keine Seele, Cor.“

 

„Dann kann ich mir nur gratulieren, dass du ihn nicht auf die Weise brechen konntest, wie du es jahrzehntelang versucht hast. Denn ansonsten müsste ich mit der Verrückten vorlieb nehmen, die du ihn den Wahnsinn getrieben hast. So offensichtlich auch die Parallelen zwischen mir und Dru sind, will ich sie nicht wirklich in der Nähe meiner Kehle haben. Er hat immer noch einen Funken Menschlichkeit in sich und etwas Verstand, im Gegensatz zu ihr oder deiner seelenlosen Variante.“

 

Sie ließ es nicht wie eine Schuldzuweisung klingen, aber fast. Als nächstes erwartete sie von ihm, dass er sich bei Spike entschuldigte und wenn er schon dabei war, vielleicht wieder Drus Verstand herstellte. Nur so zum Spaß.

 

Und weshalb genau hatte er etwas gegen Familienzusammenkünfte mit Seele? Er rieb sich langsam über die Stirn, an der Stelle, wo er den beginnenden hämmernden Kopfschmerz fühlte. Weil alles so verdammt kompliziert war und er nichts dagegen machen konnte.

 

„Grüble woanders oder bekomme einen Griff, um deine Gefühle.“ Damit verließ sie seine Seite und vervollständigte die Menge in Wesleys Büro.

 

Er machte sich nicht einmal die Mühe zu sehen, ob sein Verdacht richtig war, „Lorne, hör auf zu Grinsen, es nervt so langsam.“

 

„Die Auras alleine machen mich heute schwindelig, wenn du sehen könntest, was ich sehe, dann würde es dir nicht anders gehen. Findest du es nicht lustig, wenn das Schicksal sich in all seinen Formen so plötzlich materialisiert, dass du das Gefühl hattest, du hast das letzte Jahrzehnt in einem schwarzen Tunnel verbracht und plötzlich stehst du in einer Disco mit pulsierendem Licht, Royal Bad Ass?“

 

Angel kannte das Gefühl, hatte es am eigenen Leib im Bronze erfahren, jedes verdammte Mal im ersten Jahr, in dem er Buffy dort getroffen hatte und er war sich nicht sicher, ob Lorne es wirklich darauf anlegte, diese Geschichte zu erfahren. Cordelias Lachen über eine Bemerkung seines Grand Childes, verstärkte das Hämmern in seinem Schädel.

 

Zeit sein Unwohlsein zu teilen, der Host hatte für heute genug genervt, „Du meinst das Gefühl, dass all deine sensorischen Eindrücke dich erdrücken, wenn du nicht sofort ein Ventil dafür findest? Du dich auf der Grenze zu einem Blutbad befindest, es ernsthaft in Betracht ziehst? Weil der Geruch, die Hitze und der Lärm, dir den Atem verschlagen und du nur hoffst, dass dein neuer Schwarm nicht bemerkt, dass du hart bist, aber nicht wegen ihr, sondern wegen all dem Leben um dich herum? Du Angst hast, deine Kontrolle nur für einen Moment zu verlieren und ihre süßen Küsse nicht dazu beitragen, dich sicherer zu machen, sondern nur deinen Hunger wecken?“

 

Es war nicht Lorne, der scharf einatmete, sondern Buffy. Perfekt, wann war sie an die Bürotür gekommen? Sein Blick ging zu Lorne, dessen Grinsen sich, wenn es überhaupt möglich war, noch vertieft hatte.

 

Er schaffte es nonchalant das Thema zu wechseln, „Vielleicht war es keine so gute Idee, dass du der Babysitter für meinen Sohn spielst. Connor könnte sich zu viele nervende Angewohnheiten bei dir abschauen, wenn er alt genug ist und ich bin zu kreativ im bestrafen.“

 

Die Warnung verklang ungehört, „Nein, es ist in der Tat Augen öffnend, Angelcakes, für uns alle.“

 

Das kichernde Geräusch war genug, um ihn endgültig in die Flucht zu schlagen.

 

Er brauchte eine zurechnungsfähige Person um sich oder noch besser niemanden. Bevor er anfing eine Kehle nach der anderen herauszureißen. Nur um seinen Verstand zu retten. Oder einfach so zum Spaß.

 

Es war nicht mehr als eine Verschiebung der Energie, ein Wechsel in dem pulsierenden Kopfschmerz, der sich über die letzten Minuten aufgebaut hatte. Aber Angel rannte los, durchquerte die Lobby in unmenschlicher Geschwindigkeit, Buffys Mimik sagte ihm, dass sie ernsthaft abwog, ihn zu pfählen, als Cordys Schrei aufbrandete und ihre Aufmerksamkeit auf das Innere des Büros lenkte. Angel schmiss Buffy aus dem Weg und bekam Cordelia noch zu fassen, bevor sie gegen das Bücherregal krachte, von einem unsichtbaren Schlag getroffen und er von dem Schwung mitgerissen wurde. Er flog gegen das Regal, prallte hart ab, versuchte instinktiv ihren Aufprall abzufangen so gut er konnte und dann ihren Körper unter Kontrolle zu bekommen.

 

Sie wand sich auf ihm, die Wucht der Vision ließ ihren Körper zittern und verkrampfen, er murmelte beruhigend auf sie ein, sinnlose Floskeln, die ungefiltert auf seine Zunge kamen, während sie sich durch die Vision kämpfte.

 

Der Geruch von Blut ließ ihn erstarren und er schloss die Augen.

 

Die Sekunden dehnten sich endlos, während er stumm anfing zu beten, dass sie nicht zuviel Zeit mit ihrer Recherche verschwendet hatten und dies nicht das Ende war. Dass sie nicht in seinen Armen sterben würde, weil er wieder einmal einen Schritt zu langsam gewesen war. Weil die verteufelten Mächte nicht einen verdammten Tag länger mit ihrer verfluchten Mission warten konnten.

 

Die Wellen ebneten langsam ab, bis nur noch Schauder zurückblieben, energielos, „Angel?“

 

Einen tiefen Atemzug später hatte er sich wieder soweit unter Kontrolle, dass er seiner Stimme traute, „Ja?“

 

„Könntest du mir nicht die Luft abschnüren, nachdem du eben so eisern darauf beharrst hast, dass ich einfach weiter atmen soll?“

 

Die Erleichterung machte sich in einem weiteren Atemzug Luft, der sogar in seinen eigenen Ohren sich mehr nach einem Schluchzer anhörte, „Selbstverständlich!“

 

Angel konzentrierte sich darauf seine Arme zu entspannen und die Anstrengung ließ ihn zittern, aber schließlich lag sie locker auf ihm. Die salzige Flüssigkeit an seiner Schläfe war nichts weiter als eine Träne, kein Grund zur Besorgnis, sie würde nicht auf ihm verbluten und er richtete sich langsam auf. Beinahe ebenso abgestumpft und taub, wie sie.

 

Die Arme locker um ihre Taille geschlungen und seine Nase in ihren Haaren vergraben, überzeugte er sich, dass sie noch da war, ein warmer, lebender Körper in seinem Schoß und dann beinahe überfällig, „Was hast du gesehen?“

 

„Sieht so aus, als ob die Mächte sich über die verstärkte Kavallerie bewusst geworden wären und das zu ihrem Vorteil ausnutzen wollen.“ Cordelia warf ihm schwach grinsend einen Blick über die Schulter zu, während sie ihre Nase zuhielt und nun wusste er, woher der Blutgeruch kam, sie hatte Nasenbluten und sie würde um keinen Preis der Welt ihr königsblaues Kleid aus Naturseide damit beschmutzen. Selbst wenn das hieß, ihr eigenes Blut zu schlucken.

 

Angel wusste nicht, ob er sie anschreien oder auslachen sollte. Wirklich nicht.

 

Stattdessen lehnte er sich vor und leckte langsam die Blutspur von ihrer rechten Wange, die dort entstanden war, während sie aufeinander gelegen hatten. Brachte das Muttermal zurück an die Oberfläche und das hier war nicht die Süße, die freiwillig offeriertes Blut oder Cordelia in sich hatte, das hier war Bitter und Scharf, die Seherin in ihr.

 

Er konnte trotzdem nicht genug von ihr bekommen, folgte der Spur weiter, arbeitete sich um ihre Hand, die immer noch das Blut zurückhielt und er kam schließlich auf ihrem Mund zur Ruhe. Strich mit der Zunge, die Kontur ihrer Unterlippe entlang, wollte sie schmecken mit ihrem eigenen Blut vermischt und sie gewährte ihm schließlich Einlass. Beinahe träge und hypnotisiert. Seine Zunge strich um ihre, spielerisch und leicht, ihre Hand an seinem Oberschenkel verstärkte ihren Griff, während er seinen um ihre Hüften festigte. Sie war am Leben.

 

Cordelia drehte sich, um ihm weiter entgegenzukommen und der Druck heizte ihn weiter an, ließ ihn noch härter werden. Ihr Stöhnen war beinahe primitiv und er vertiefte den Kuss weiter. Ihre Zunge kam seiner entgegen, eine weiße Welle aus purem Verlangen schoss durch seinen Körper, blendete ihn und er schloss geblendet die Augen. Ihre Hände vergruben sich in seinen Haaren und der Blutschwall wurde gierig von ihm aufgeleckt. Die Mischung aus Süße, Bitterkeit und Salz weckten seinen Dämon, ließ ihn noch weiter in dem Augenblick abtauchen.

 

Er brauchte sie.

 

Das nackte Bedürfnis nach ihrem Körper an seinem, auf seinem, unter seinem, ihn umgebend und er kämpfte um seine Selbstkontrolle. Er brauchte sie und er konnte sich nicht erinnern, wann er sie jemals nicht gebraucht hatte und –

 

Er wurde zurückgerissen.

 

Angel hätte fast die Hand gebrochen, bevor ihm klar wurde, dass es sich um Wesleys handelte und der länger zum heilen brauchte, als sie sich leisten konnten. Sein Fokus glitt zurück. Cordelias Atmen kam stoßweise, die Augen glasig, beinahe honigfarben und er brachte ihre Hand instinktiv zurück zu ihrer Nase. Er wusste, falls das Outfit ruiniert werden sollte, würde er teuer dafür einstehen müssen. Mit seiner Kreditkarte in ihren Händen und dafür war er nicht bereit. Er war bereit die Ewigkeit mit ihr zu teilen, aber nicht seine Visa. 

 

„Wes, ein wenig zu drastisch, denkst du nicht? Es hätte gereicht, wenn du etwas gesagt hättest.“ Gut, er klang als ob er sich im Griff hatte, seine Stimme war nur tiefer als sonst. Ruhiger.

 

„So wie in den letzten Minuten, Angel? Sorry, aber mehr als mir die Lunge raus schreien, kann ich nicht.“ Huh? Sein Blick glitt von Cordelias Gesicht zu der fassungslosen Gruppe, die um sie beide herum stand, deren Emotionen von belustigt zu brüskiert gingen.

 

Cordelia nutzte die Gelegenheit um sein Hemd zu ruinieren und ihr Gesicht in seiner Brust zu vergraben. Sie zitterte, bis ihr Flüstern ihm klarmachte, dass sie versuchte ihr Lachen zu unterdrücken, „Gib mir ein Zeichen, wenn es für mich wieder sicher ist, aufzutauchen.“  

 

„Cordelia, mein Hemd.“

 

„Es ist ja nicht so, als ob es die kommende Schlacht überlebt hätte.“

 

Ja, er liebte sie auch und ihren Realismus.

 

~*~Fini – Walking on broken glass 6/?~*~